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Ausgabe:

1909

Spalte:

289-290

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brockelmann, Carl

Titel/Untertitel:

Kurzgefaßte vergleichende Grammatik der semitischen Sprachen 1909

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.
Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

Nr. 10. 8. Mai 1909. 34. Jahrgang.

Brockelmann, Kurzgefaßte vergleichende
Grammatik der femitifchen Sprachen (Schwally).

Monnier, Qu' est-ce que la Biblef (Lobftein).

Heer, Die Versio latina des Barnabasbriefes und
ihr Verhältnis zur altlateinifchen Bibel(Jülicher).

Tertulliani, De baptismo ed. Lupton (Jülicher
).

Linck, Zur Ueberfetzung und Erlaeuterung der
Kanones IV, VI und VII des Konzils von
Nicaea (Jülicher).

Quentin, LesMartyrologeshistoriques du Moyen

Age (v. Dobfchütz).
Jaisle, Die Dioskuren als Retter zur See bei

Griechen und Römern (v. Dobfchütz).
Mingana, Sources syriaques vol. I (Diettrich).
Hilling, Die römifche Rota und das Bistum

Hildesheim 1464—1513 (Brandi).
Weber, Der Einfluß der proteftantifchen Schul-

philofophie auf die orthodox-lutherifche Dog-

matik (Tröltfch).

H u p f e 1 d , Die Ethik Johann Gerhards
(Tröltfch).

Ehlers, D. Johann Chriftoph Spieß (Lueken).
Ziegler, David Friedrich Strauß, 2. Teil (H.
Holtzmann).

Hunzinger, Probleme und Aufgaben der gegenwärtigen
fyftematifchen Theologie (Wendt).

Schaeder, Schriftglaube und Heilsgewißheit
(Lobftein).

Brockelmann, Carl, Kurzgefaßte vergleichende Grammatik
der femitilchen Sprachen. Elemente der Laut- und
Formenlehre. (Porta linguarum orientalium pars XXI.)
Berlin, Reuther & Reichard 1908. (XII, 314 S.) 8° M. 8 —

So viele Sprachen der Welt lexikalifch und gram-
matifch befchrieben find, fo gibt es doch bis jetzt nur

find die Folgerungen, welche aus dem Gefetz über den
,diffimilatorifchen Vokalfchwund' (S. 123) für die Flexion
der Verba mediae geminatae gezogen werden. Hiernach
foll zum Beifpiel arab. iaruddu ,er gibt zurück1 aus
iarududu entftanden fein.

Wie in der Vorrede S. VI betont wird, ifl das Buch
nicht lediglich ein Auszug aus dem größeren Werke

Sprachen, Bd. I, XVI, 665 S.) des gleichen Verfaffers,
fondern der Stoff ift den befonderen Bedürfniffen des
Unterrichtes angepaßt, wobei manche Anfchauungen des

indogermanifchen Sprachwiffenfchaft fich angelehnt zu
haben, ift ein Hauptverdienft des vorliegenden Werkes.

Was wir bisher befaßen, waren zwar in mancher Hinficht j Grundriffes bereits durch andere und beffere erfetzt wurden.

brauchbare, aber doch ziemlich rohe und elementare So hat hch Brockelmann, deffen bewundernswerter

Zufammenftellungen. Abgefehen von der (treng metho- Arbeitskraft wir fchon mehr als ein Handbuch verdanken.

difchen Seite ragt Brockelmann auch durch die große um das Studium der femitifchen Sprachen ein neues,

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Beherrfchung und tiefe Durchdringung des Stoffes weit
über feine Vorgänger hinaus. Eine Sicherheit der Re-
fultate, wie in der indogermanifchen Sprachwiffenfchaft
wird leider auf femitifchem Gebiete einftweilen nicht
zu erreichen fein, da die bis jetzt bekannte femitifche
Sprachfamilie viel zu klein ift, und ihre einzelnen
Dialekte allzunahe mit einander verwandt find. Es ift

großes Verdienft erworben.

Gießen. Friedr. Schwally.

Monnier, Henri, Qu' est-ce que la Bible? Saint-Blaise,
Foyer solidariste 1909. (143p.) 8° fr. 1.6b

Die durch den rührigen Verlag des Foyer solidariste
rraWrfkh l£^lv£ikdn^i£! daß"7eu'e.'"7üm"TeÜ veranftaltete Bibliotheque d'Hudes religieuses (Theo!.

IldLUi nun iii^iiL auahfLiLiiivjiiLii, uaiti iicul, z.uiii ivu t . . . j . , _ o -----•

fchon mehr oder weniger geahnte Verwandtfchafts- Literaturzeitung 1908, Nr. 25) ift um ein Bändchen
verhältnifie mit anderen Sprachen, wie dem Ägyptifchen, bereichert worden, das durchaus geeignet ift, die gebil-
Berberifchen und den fog kufchitifchen Sprachen, dem deten Laien in dem hiftorifchen Verftändnis der heiligen
Bifchari, Saho, Galla, Afar, Somali, Agau ufw., fich |j*nft™ fordern. Der auch unter uns bekannte Ver-
noch einmal fichern und lautgefetzlich feftlegen laffen. fafffr ^e%^lten^ne^l J^r-^ ,hat in ljoht-
Liegt es fchon in der Natur der Sache, daß fprachwiffen- ; vol!er, Darftellung die ..Gefchichte der Bibel' entworfen
fchaftliche Werke mit größerer Vorficht zu gebrauchen ! "nd danllt dle »« der Uberfchrift feines Effays geftellte

find als grammatifche Darftellungen, fo gilt das erft recht
bei einer fo jungen Disziplin wie der femitifchen Sprachvergleichung
. Befonders der Anfänger, für den diefes
Buch als Band der ,Porta linguarum orientalium' ja benimmt
ift, läuft leicht Gefahr, fich durch die Sicherheit
blenden zu laffen, mit der zuweilen Spracherfcheinungen
auf die Gefetze der Lautlehre zurückgeführt werden. So
vertritt der Verfaffer z. B. auf S. 138 (vgl. S. 289fr. 3031!.)
die ältere Theorie, daß die fog. Verba mediae geminatae
und die mittelvokaligen Verben nicht urfprünglich bili-
terale Wurzeln, fondern aus dreiradikaligen zufammen-
gefchoben find, da ,fich die Eigentümlichkeiten in der
Flexion diefer Stämme zur Genüge aus einfachen Laut-
gefetzen, die in allen Sprachen ihre Analogien haben,
erklären'. Aber das Gefetz § 7 D a, auf das bei diefer
Gelegenheit verwiefen wird, beweiß keineswegs was es
foll, da es doch, wie mir fcheint, auf diefe Fälle zuge-
fchnitten ift. Zum mindeften muß die Anfchauung, daß
Formen wie qäm[a), radd{d) fehr alt find, und ihre Flexion
fpäter unter die Einwirkung der dreiradikaligen Verba
geraten ift, als nicht widerlegt gelten. Ebenfo antaftbar
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Frage beantwortet. Er fchildert zunächft die Bildung
des alten Teftaments (6—29), um fich dann dem neuen
Teftamente zuzuwenden. In drei wohl unterrichteten
Kapiteln fkizziert er die Entftehung und die Schickfale
des neuteftamentlichen Kanons in der orientalifchen und
in der abendländifchen Kirche bis zum Tridentinum.
Hierauf befpricht er die Stellung der Reformatoren
zur Bibel, und zeigt, wie die Scholaftik der Epigonen,
welche die Theorie der Verbalinfpiration aufftellte, vom
freien Geilte Luthers abfiel und feinem Vorbilde untreu
wurde. Die Conclusion (106—136) zieht das Ergebnis
der gefchichtlichen Entwicklung und Hellt den hiftorifchen
und den religiöfen Wert der heiligen Schrift in klarer
und überzeugender Weife dar. Das elegant ausgeftattete
Büchlein beruht auf umfaffender, gründlicher Kenntnis
des Gegenftandes und bringt denfelben in fchlichter
Sprache zum Ausdruck. Ein gefchickt angelegtes Literaturverzeichnis
fetzt den nach weiterer Unterweifung verlangenden
Lefer in den Stand, fich eingehender mit den
behandelten Fragen zu befchäftigen.

Straßburg i. E. p. Lobftein.

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