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Ausgabe:

1909

Spalte:

1-4

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Böklen, Ernst

Titel/Untertitel:

Adam und Qain im Lichte der vergleichenden Mythenforschung 1909

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Halbjährlich 9 Mark.

Nr. 1. 2. Januar 1909. 34. Jahrgang.

An unfere Lefer.

Böklen, Adam und Qain im Lichte der vergleichenden
Myfhenforfchung (Bertholet).

Wrede, Die Entftehung der Schriften des Neuen
Teftaments (Knopf).

— Vorträge und Studien (Derf.).

Nicolardot, Les. Proc£d6s de Rcdaction des
trois premiers Evangelistes (H. Holtzmann).

Holtzmann, Evangelium, Briefe und Offenbarung
des Johannes, 3. Aufl. von W. Bauer
[Hand-Commentar zum N. T. IV] (Windifch).

Bernard, The traditions as to the death of John
the son of Zebedee (Hamack).

Feftgabe, Alois Knöpfler zur Vollendung des
60. Lebensjahres gewidmet (G. Ficker).

Scullard, Early Christian Ethics in the West
from Clement to Ambrose (v. d. Goltz).

Schilling, Reichtum und Eigentum in der alt-
kirchlichen Literatur (Griitzmacher).

Schmaltz, Die Begründung und Entwickelung
der kirchlichen Organifation Mecklenburgs im
Mittelalter (WerminghofT).

Zwingliana II, 7—8 (Bofiert).

Ney, Die Reformation in Trier 1559 und ihre
Unterdrückung (Köhler).

Schmidt, Die Kirchen- und Schulvifitation im
fächfifchen Kurkreife vom Jahre 1555 (Derf.).

Niemöller, Reformationsgefchichte von Lipp-

ftadt (Köhler).
Kawerau, Paul Gerhardt (Derf.).
Weftphal, Zur Erinnerung an Fürft Georg den

Gottfeligen zu Anhalt (Derf.).
Friedensburg, Die erden Jefuiten in Deutfch-

land (Derf.).
Wolf, Urfprung und Verwendung des religiöfen

Erfahrungsbegriffes in der Theologie des 19.

Jahrhunderts iE. W. Mayer).
Steinmann,Der religiöfe Ünderblichkeitsglaube

(Lobdein).

Ffeifenberg, Grabeskirche und Apodelkirche,
zwei Bafiliken Kondantins, 2 Teile (Bergner).

An unfere Lefer.

Die ftetig wachfende Produktion auf dem Gebiete der theologifchen Literatur wie auf allen verwandten
Gebieten ftellt auch an die Theologifche Literaturzeitung immer größere Anforderungen. Wenn fie ihre Aufgabe
auch in Zukunft in befriedigender Weife erfüllen foll, ift eine allmähliche Erweiterung des Umfangs unerläßlich.
Andererfeits find durch wiederholte bedeutende Erhöhung der Buchdrucker-Tarife die Herftellungskoften in folchem
Maße gewachfen, daß jetzt — nachdem infolge dankenswerten Entgegenkommens der Verlagshandlung fchon in
der letzten Zeit eine mäßige Erweiterung des Umfangs ftattgefunden hat — ein weiteres Fortfehreiten in diefer
Richtung nicht mehr möglich ift, falls es nicht gelingt, auch die Einnahmen zu fteigern. Eine Vermehrung der
Abonnentenzahl ift daher eine Lebensfrage für die Theol. Litztg. Im Intereffe der Sache richten wir deshalb an
alle Lefer und Freunde der Th.LZ. die Bitte, Abonnenten zu werben, vor allem aber, wenn fie dem Kreis der
Abonnenten nicht fchon angehören, durch Eintritt in denfclben die Th.LZ. ihrerfeits zu fördern. Probenummern
werden in jeder Zahl vom Verlag portofrei verfandt.

Die Redaktion.

Böklen, Ernft, Adam und Qain im Lichte der vergleichenden eine Umkehrung alles Natürlichen bedeutet, in einer
Mythenforfchung. (MythologifcheBibliothek. I.Band, fagenhaften Perfon wie Adam oder Kain, auch da, wo
Heft 2/3.) Leipzig, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung ihre Darfteilung rein menfehlich gehalten ist, den Reflex
> , o et od jur' . eines außermenfehhehen Wefens, im fpeziellen Falle des

1907. (iv, 14» c>.) gr. ö" ivi. 4— Mondes, fehen zu wollen, de n der primitive Menfch fleh

,AUe Mythen urfprünglich Mondmythen' — diefe felber erft dadurch verftändlich machen kann, daß er fein
Lofung Hüfing's ift Böklen's A und O. Zwar foll ja ,die eigenes menfehliches Wefen in ihn hineinlieft. Ich meine
abftrakte Möglichkeit, daß es auch andere Mythen als 1 das fo: Wir begegnen z. B. in Gen. 2 dem rein menfehlich
Mondmythen gibt, nicht beftritten werden, aber ange- gehaltenen Zug, daß Jahwe ins Paradies den Adam hinein-
fichts der mancherlei Irrwege, die auf dem Gebiete der 1 ftellt, um es zu bebauen und zu bewachen, ganz nach
Mythenforfchung fchon gemacht worden find, und der der Weife eines irdifchen, menfehlichen Befitzers, der
großen Zahl von Mythen, die jetzt fchon als Mondmythen einfach einen Gärtner mit der Pflege und Hut feines
feftzuftellen gelungen ift, fcheint es fich aus methodifchen Gartens betraut. Dasfelbe, dem Alltagsleben entnommene

Gründen zu empfehlen, jeden als mythifch verdächtigen
Stoff zunächft einmal daraufhin anzufehen, ob er fich
als Mondmythus deuten läßt' (S. 2 f.). Und fiehe, das
Experiment gelingt. Warum follte es auch nicht? Der

Bild mag wohl einmal, wo dichterifche Phantafie im ge-
ftirnten Himmel einen göttlichen Garten fieht, auf den
Mond übertragen werden, fo daß er als Wächter des
Gartens gilt. Aber daraus nun, daß Adam in der Rolle

Mond hat ja fo mancherlei Eigenfchaften, daß nicht ab- | des Paradiefesgärtners erfcheint, einen Schluß auf feinen
zufehen ift, warum es mit Findigkeit und Phantafie, vor Mondcharakter ziehen wollen, — daß heißt, in den unallem
mit gutem Willen und — last not least — mit beftimmten Höhen des Himmels fuchen, was auf Erden
feftem Zutrauen in das fchon vorausgefetzte Refultat : fchneller und ficherer und beffer zu haben wäre. Doch
nicht möglich werden follte, eine ganze Reihe von Be- das ift Böklen's Methode: ,Die Verfetzung des Adam in
Ziehungen des Mondes auf irgend einen Helden der den Garten mit dem Beruf, ihn zu bebauen und zu be-
Sage ausfindig zu machen. Aber was damit gewonnen ; wachen, paßt ganz vortrefflich auf die olötzlich am
ift? Erft wäre die Gegenprobe zu machen, ob fich nicht Himmel erfcheinende Neumondfichel und auf" das Größen-

ebenfoviele Beziehungen z. B. der Sonne oder der erflehenden
und abfterbenden Vegetation auf diefelben
Perfonen finden ließen. Und wenn das gelänge oder
auch nicht, fo bliebe erft noch die Frage, ob es nicht

Verhältnis des Mondes zu den Sternen, das in ihm den
natürlichen Wächter des Himmelsgartens erblicken ließ
(S. 46).

Übrigens, wenn nur der Mond bloß Wächter des

überhaupt eine unnötige und widerfinnige Komplikation, Himmelsgartens wäre! Aber eine Seite zuvor lefen wir
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