Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1909

Spalte:

228-229

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Robertson, A. T.

Titel/Untertitel:

A Short Grammar of the Greek New Testament 1909

Rezensent:

Debrunner, Albert

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

22/

Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 8.

228

feitigt hat, da auch inhaltlich wie fprachlich dasfelbe
keinen Anßoß bietet. Von hier aus wie in Berück-
fichtigung des Baus der übrigen Verfe gewinnt dann die I
Vermutung Wahrfcheinlichkeit, daß V. 1 nur in ver-
ßümmeltem Text vorliegt. In V. 7 läßt St. rpfil metrifch j
außer Anfatz wie öfter etc., was nicht ohne Be- j
denken iß, aber auch völlig unnötig: V. 7a bis fatt j
gehört eng mit V. 6 zufammen, mit dem 7aa eine Strophe
bildet, der qaßb entfpricht, fo daß alfo auch die Streichung 1
des rVOT nicht begründet iß. In Hab. 2 halte ich die !
Verletzung von V. Ii hinter V. 13, zu der nicht der ;
minderte Grund vorliegt, für wenig glücklich, ebenfo <
habe ich Bedenken betreffs der Auffaffung zu 2,15 fr.,
doch würde das hier zu weit führen. Das Gefügte wird
zum Beweis dafür genügen, daß wir noch recht weit von
einer fichern metrifchen und ftrophifchen Auffaffung entfernt
find. So lange aber der Stand der Dinge fo iß,
kann ich mir von weiteren metrifchen Textausgaben
keinen Nutzen verfprechen: für die feminariflifche Arbeit I
genügt der Kittel'fche Druck, der in den poetifchen |
Texten ja den Stichen Rechnung trägt, ein wiffenfchaft- !
licher Fortfehritt iß aber nur auf dem Wege eingehender j
Detailarbeit zu erreichen.

Straßburg i/E. W. Nowack.

Psichari, Jean, Essai sur le Grec de la Septante. (Extrait
de la Revue des Etudes Juives, t. LV, 1908,
p. 161—208.) gr. 8°

Pficharis Effai verfolgt nicht den Zweck, eine er-
fchöpfende Würdigung oder gar Befchreibung der Sprache
der Septuaginta zu geben. Der Verf. will zwar überhaupt
ZU deren Studium anregen (wobei er befonders die fran-
zöfifche Gelehrtenwelt im Auge hat); er fieht in der
Septuaginta mit Recht ,un document de tout premier
ordre au point de vue de l'histoire de la langue grecque'.
Aber am Herzen liegt ihm nur der Erweis, daß für
jeden, der fich mit Text und Sprachform der griechifchen
Bibel befchäftigt, Kenntnis des Neugriechifchen höchß
erwünfeht, ja eigentlich unerläßlich fei, weil nur hier die
lebendige Rede, die in der Bibel zu Wort kommt, in
voller Ausgeßaltung fortlebt.

Und zwar gilt der erße Abfchnitt (p. 164—173) dem
Satze ,que sans le Grec moderne il itya pas de conslitu-
tion possible du ■ texte de la Septante1-. Im zweiten
(P- 173—192) gibt der Verf. Belege dafür, daß vom Neugriechifchen
aus viele biblifche Spracherfcheinungen, die
man als Hebraismen in Anfpruch genommen hatte, fich [
als echt griechifch erweifen laffen. Endlich der dritte i
Abfchnitt (p. 193—206) zeigt, wie umgekehrt das Neu- j
griechifche öfter auch zur Anerkennung von biblifchen
Hebraismen und Aramaismen zwingt (z. B. der präpofi-
tionale Beifatz in der Phrafe Luc. 24,31 äcpavxoq eyevExo ein
avzcov widerfpricht dem neugriechifchen Gebrauch von i
äqjavxoq, oxpavxov yivEO&ai gerade fo entfehieden wie dem
altgriechifchen, muß alfo femitifcher Herkunft fein, vergl.
die Konßruktion von DbS> mit Jtt). ,M. Deissmann est alle
trop loin dans le sens negatif et ses adeptes (Moulton, Hel-
btng, Witkowski) ont, en general, exagere'.

Aus den beiden letzten fprachgefchichtlichen Ab-
fchitten wird man gerne lernen. Der Lefer empfindet es j
höchß angenehm, daß er es mit einem geißreichen und 1
gelehrten Forfcher, mit einem wirklichen Meißer zu tun hat.
Über Einzelnes (namentlich im II. Kapitel), worüber man
anderer Meinung fein könnte, will ich hier mit dem Verf. j
nicht rechten; z. B. die dißributive Doppelfetzung der
Subßantiva in der Bibel bleibt für mich ein Semitismus, |
und die Gleichartigkeit der relativen ^oü-Sätze des Neu- j
griechifchen mit biblifchen Sätzen nach Art von öle
töod-n avxoTq fcheint mir nicht erwiefen.

Aber nicht kann ich meine Bedenken gegen den
erßen, textkritifchen Abfchnitt unterdrücken. Wenn das
Neugriechifche bei Wahl der Lesarten und Wertung der

Handfchriften eine entfeheidende Stimme haben foll, fo
läuft dies darauf hinaus, daß Vulgarismen und vulgari-
fierende Handfchriften in der Regel zu bevorzugen feien.
,Plus une forme est vulgaire dans la Septante, plus eile
mirite notre respect, c'est-a-dire notre elude', heißt es
S. 171, und dann von den Akkufativen auf -av ß. -et xl
faut beaueoup de critique, il faut une severe information
historique et grammaticale, il faut une reflexion tres deli-
cate avant de les exclure1. Der Verf. läßt fich hier von
feiner Liebe zum heimifchen Idiom zu fehr beherrfchen.
Er zieht zu wenig die Möglichkeit in Betracht, daß
Vulgarismen nachträglich in die Überlieferung eingedrungen
fein können. Wenn einer beß. Lesart eine
neugriechifche Parallele zur Seite geht, wird dadurch
zwar ihre fprachliche Echtheit gefichert und der Gedanke
an Willkür oder bloße Verfchreibung ausgefchloffen,
nichts aber für das Alter und die Urfprünglichkeit der
betr. Wortform gewonnen. Hier können einzig die der
Septuaginta gleichzeitigen Texte als Kriterium dienen.
Dies gilt gerade für die vom Verf. in inßruktiver Dar-
ßellung vorangeßellten Akkufative auf -av der III. Deklination
. Wenn folche den Majuskelhandfchriften außer A fo
gut wie ganz, den ptolemäifchen Papyri bis auf ein einziges
Beifpiel fehlen, fo find fie dem Urtexte der Septuaginta
ficher abzufprechen und gehören fomit gerade zu den
Beweisßücken für die Annahme vulgarißifcher Verderbnis
von A. [über das älteße infehriftliche Zeugnis für helleni-
ßifches -av: Isivmvav auf einer delifchen Infchrift des
III. Jahrhunderts v. Ch., f. nun Crönert Jahreshefte des
ößerreich. Inßituts XI 192.]

Der Inhalt der Abhandlung befchränkt fich nicht
auf die Hauptthefe. Eine Menge feiner Bemerkungen
geht nebenher. Dabei zeigt fich der Verf. auch in der
theologifchen Literatur ßaunenswert belefen, und fprach-
wiffenfchaftlich nach allen Seiten, bis ins Arabifche,
Türkifche und Armenifche hinein, orientiert. Vor allem
wird feine Beherrfchung der griechifchen Sprachentwicklung
fichtbar. Seinem Wunfche nach reicherer Mitarbeit
auf diefem Gebiete wird man gern Erfolg wünfehen.

Ich mache noch auf die zu Anfang gegebene reichhaltige
Bibliographie aufmerkfam.

Göttingen. Jacob Wackernagel.

Robertson, A. T., A Short Grammar of the Greek New
Testament. For students familiär with the elements
of Greek. New York, A. C. Armßrong & Son 1908.
(XXX, 240 p.) gr. 8« $ 1.50

Die Idee eines Buches wie der vorliegenden neu-
teßamentlichenGrammatik, die eine Mittelßellung zwifchen
der ausführlichen Darßellung Winer's und fummarifchen
Anfängergrammatiken einnehmen und zugleich unter Be-
rückfichtigung der Infchriften- und Papyrusfunde, des
Neugriechifchen und der vergleichenden Sprachwiffenfchaft
die fprachgefchichtliche Methode durchführen will (p. VI),
dürfte auch in deutfehen Landen lebhaft Anklang finden.
Leider muß aber Robertfon's Vernich, diefe Lücke
auszufüllen, gerade nach der am auffallendßen hervortretenden
Seite, der Heranziehung der indogermanifchen
Linguißik, als mißlungen bezeichnet werden, indem hierin
R. fich für Beurteilung und eigene Kombination ganz
unzureichend ausgerüßet zeigt. Aus den zahlreichen
Belegen hiefür feien nur zwei typifche herausgehoben.
Die Endung -av im Perfekt (xsx^Qrpcav Joh. 17,7), die aus
dem Aoriß übertragen worden iß, erklärt R. (p. 39) aus
■avcii, indem das -öi abgefallen fei ßatt des v (wie in
-äoi). In ö ijv Apok. 1,4 foll 6 Relativpronomen fein und
oc. // o urfprünglich Demonßrativum und identifch mit
Sanskrit sds, sä, tat (fo R. ßatt sä, tdd), das wiederum
in griechifch t(o), t(zj) (sie!), xo vorliege (p. 69). Überhaupt
tritt das Sanskrit (und Homer) verhältnismäßig
viel zu ßark hervor, und diefe Vorliebe für das Fern-