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Ausgabe:

1909

Spalte:

212-214

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diehl, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Geschichte der Gießener Stipendiatenanstalt von ihrer Gründung im Jahre 1605 bis zum Abschluß der Reformen des Ministers von Moser im Jahre 1780 1909

Rezensent:

Eger, Karl

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 7.

212

bringt, um die Quellen erften Ranges zu entkräften, find
nicht fo durchfchlagend, daß man zugeben müßte, die
Vermutungen mehr geben als bloße Möglichkeiten.
Aber wenn ich auch über die Konftruktion der chrono-
logifchen Aufeinanderfolge mich referviert ausfprechen
muß, fo möchte ich doch nachdrücklich hervorheben,
wie groß die fachliche Übereinfiimmung in der Dar- j
ftellung der Vorgänge in jenen Jahren allmählich geworden
ift, auch bei Forfchern, die den Wert und die
Datierung der Quellen und die chronologifche Aufeinanderfolge
der einzelnen Vorgänge fehr verfchieden beurteilen
. Durch die Auffindung Jordans bekamen wir
zum erften Mal eine Ahnung von der Krife im Leben
des h. Franz, das Speculum perfectionis wird auch von
denen, die es ins Jahr 1318 fetzen, gerade in den hierher
gehörenden Kapiteln als Quelle erften Ranges anerkannt.
Nimmt man die erhaltenen Briefe und die päpftlichen '
Erlaffe fowie die vom Verfaffer leider nicht behandelten
Vorgänge bei Gründung des Ciariffenordens hinzu, fo [
bekommt man doch ein genügendes Licht und, es find
faft nur äußere Kleinigkeiten und durch die kirchliche
Stellung bedingte Nuancen der Färbung, durch die fich
fchließlich die Darfteilung der Forfcher aus den ver-
fchiedenften Lagern von einander unterfcheiden. Das ift
erfreulich.

Stuttgart. E. Lempp.

Liber Exemplorum ad usum praedicantium. Saeculo XIII
compositus a quodam fratre minore anglico de pro-
vincia Hiberniae. Secundum codicem Duneimensem
editus per A. G. Little. Aberdoniae, Typis acade-
micis MCMVIII. (XXIX, 177 p.) gr. 8°

Das erfte Buch, das von der British socicty of Fran-
ciscan Studies herausgegeben wird, ift eine Beifpielfamm-
lung für Prediger, weiche für die Gefchichte der Predigt
und der Tätigkeit des Minoritenordens von Wert ift.
Franz, drei deutfche Minoritenprediger aus dem XIII.
und XIV. Jahrhundert S. 119 fT., hat uns gezeigt, wie die
Aufnahme und Verwendung der Beifpiele in die Predigt
fich eingebürgert und aber auch zum Verfall derfelben
beigetragen hat. Die vorliegende Sammlung, von einem
wahrfcheinlich englifchen Franziskaner zwifchen 1270 und
1279 angelegt, hat keine fpezififch minoritifche Färbung,
auffallend ift auch, daß faft gar keine minoritifchen ;
Quellen benutzt werden, weder von Franz v. Affifi noch
von Antonius v. Padua oder fonft einem der erften Sterne
des Ordens wird ein cxemplum angeführt. Daß die
Sammlung als Gefchichtsquelle nicht in Betracht kommen
kann, ift felbftverftändlich, aber fie zeigt uns doch, wie
der Minoritenorden auch in dem letzten Viertel des
13. Jahrhunderts noch fich um die populäre Predigt bemühte
, in der die kräftigfte Wurzel feines Einfluffes lag.
Einleitung, Noten und Regifter find fehr forgfältig gearbeitet
und machen das Buch leicht brauchbar.

Stuttgart. E. Lempp.

Die Handlchriften der Oeffentlichen Bibliothek der Univerlität
Bafel. Erfte Abteilung. DieDeutfchen Handfchriften.
Befchrieben von Bibl. Prof. Dr. Guftav Binz. Erfter
Band. Die Handfchriften der Abteilung A [Theologie,
Papier]. Bafel 1907. Leipzig, C. Beck. (XI, 437 S.)
gr. Lex. 8° M. 25 -

Die bei der Kgl. Preußifchen Akademie der Wiffen-
fchaften begründete Deutfche Kommiffion läßt ein Ge-
nerahnventar der deutfchen Handfchriften herftellen. Zur
Mitwirkung ift im Jahr 1904 auch die Bafeler Bibliotheksverwaltung
benimmt worden und mit dankenswerter
Bereitwilligkeit hat man fich in Bafel zu rafcher Ausführung
des Programms entfchloffen: Fun Inventar der auf die

Theologie entfallenden Handfchriftenabteilung konnte
fchon der 49. Verfammlung deutfcher Philologen und
Schulmänner dargebracht werden, die im September 1907
in Bafel getagt hat. Diefe Publikation ift jetzt durch den
Buchhandel der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden.

Nach dem Berliner Programm waren fämtliche lite-
rarifchen Handfchriften in deutfcher Sprache bis ca. 1520
zu berückfichtigen, außerdem wurden Verzeichniffe der
mittel- und neulateinifchen Handfchriften gewünfcht,
Jnfofern fie literarifche Erzeugniffe von äfthetifchem An-
fpruch enthalten, die nachweislich oder möglicherweife
innerhalb des alten deutfchen Sprachgebiets entftanden
find'. Zur gerechten Beurteilung der von G. Binz gelieferten
forgfältigen Handfchriftenbefchreibung muß an
diefem Orte vornehmlich darauf hingewiefen werden, daß
nach der ihm geftellten Aufgabe die wiffenfchaftliche
Profa, alfo auch die theologifche Fachliteratur ausfiel;
nur die lateinifchen Werke folcher Autoren, die auch in
deutfcher Sprache gefchrieben haben, waren vollftändig
aufzunehmen. Eine nicht unbeträchtliche Bereicherung
des Katalogs ift nun aber dadurch herbeigeführt worden,
daß ,bei Sammelbänden auch die nichtdeutfchen Stücke
mit der gleichen Ausführlichkeit befchrieben wurden wie
die deutfchen'. Es ift daher den Dogmen- und Kirchen-
hiftorikern zu empfehlen, diefes Verzeichnis der deutfchen
Handfchriften auch für lateinifche Theologenliteratur zu
befragen, denn fie finden unter den Autoren Ambrofius
und Chryfoftomus, Hieronymus und Auguftinus, Beda
und Hrabanus Maurus vertreten, namentlich aber auch
die Theologen des hohen Mittelalters (doch läßt uns die
Bafeler Univerfitätsbibliothek z. B. für Honorius von Au-
guftodunum im Stich). Reich ift natürlich wie allerorten
die Didaktik und Erbauungsliteratur vertreten (z. B. deutfche
Myftiker 1 und Gottesfreunde), weniger tritt die deutfche
Bibel hervor; in einer dem Ende des 14. Jahrh. angehörenden
Papierhf. (vermutlich aus dem Bafeler Prediger-
klofter) fteht ein deutfcher Pfalter und danach das Corpus
der vier Evangelien deutfch (p. 25). Luther ill nur mit
einem Exzerpt genannt (p. 322).

Bis jetzt unbekannt war ein Caefarius von Heifterbach
{Hb. L II miraculoruni); den Bafeler Kodex bezeichnet
Binz als die ältefte von den erhaltenen Handfchriften und
befchreibt ihn p. 11,7. Auch eine Formula discendi
metrica von Hugo Spechtshart von Reutlingen ift andernorts
, wie es fcheint, noch nicht nachgewiefen (Binz p. 261 f.).
Sehr ergiebig find die Verzeichniffe, worauf ich zum Schluß
noch hinweifen möchte, für superstitiones: pp. 17, 16. 84,4.
186, 10 find drei von Franz nicht erwähnte Handfchriften
des Tractatus de supet•stitionibus von dem Magifter Nicolaus
Magni de Jawor namhaft gemacht und ein mit feinem
Werke nicht identifcher Tractatus de superstitiombus
kommt p. 277, 3 vor.

Kiel. Friedrich Kau ff mann.

Diehl, Pfr. D. Dr. Wilhelm, Gefchichte der Gießener Sti-
pendiatenanltalt von ihrer Gründung im Jahre 1605 bis
zum Abfchluß der Reformen des Minifters von Mofer
im Jahre 1780. (132 S.) M. 4 —

Köhler, Prof. Lic. Dr. Walther, Die Anfänge des Pietismus
in Gießen 1689 bis 1695. (112 S.) M. 3 —

Drews, Prof. D. Paul, Der wilfenlchaftliche Betrieb der prak-
tifchen Theologie in der theologifchen Fakultät zu Gießen.
(48 S.) M. 1.40

(Aus: Feftfchrift für die Univerfität Gießen zur
3. Jahrhundertfeier.) Gießen, A. Töpelmann 1907. 40

Die zur dritten Jahrhundertfeier der Univerfität Gießen
(Sommer 1907) herausgegebene F'eftfchrift bringt wertvolle
Beiträge zur Gießener Univerfitätsgefchichte, unter

1) Beachte z. B. zu Heinrich Seufe p. 249.