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Ausgabe:

1908 Nr. 6

Spalte:

163-166

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Funk, Salomon (Bearb.)

Titel/Untertitel:

Monumenta Judaica. Altera pars. Monumenta Talmudica. Erste Serie. Bibel und Babel. I. Bd., 2. - 4. Heft 1908

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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163 Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 6. 164

100 Jahren zu den Problemen des Alten Teftaments ge- 1 Texte genommen find, wird nicht gegeben; aber fchon
ftellt hat; in der kurzen Darlegung feiner kritifchen Richtung I die Bezeichnung Monumenta Talmiidica genügt, um alle
wird fogar in fall übergroßer Befcheidenheit Oettlis israe- Texte, die nicht der talmudifchen und midrafchifchen
litifche Gefchichte anerkennend erwähnt, während diefer Literatur angehören, auszufchließen. Es ifl deshalb unKritiker
doch an uns Wellhaufenianer übertriebene An- 1 begreiflich, daß eine große Menge langer Texte aus dem
forderungen in bezug auf die Ablehnung von deffen Re- j Sohar, dem berühmten Grundwerke der Kabbala, in
fultaten ftellt. Er vergißt, daß üettli eben das Mufter ! Funks Sammlung aufgenommen find (672, 685, 688, 690,
eines Vermittlungs-Theologen ift. Würde doch Oettli i 692—706, 763, 765, 766, 768, 773, 779, 783, 785, 794), was
nicht imftande fein, an einen Vertreter der Jeremias- weder durch dieMidrafchform äiefes dem ^.Jahrhunderte
Wincklerfchen Richtung einen Abfagebrief zu fchrei- angehörigen Werkes, noch durch die Zurückführung des-
ben, wie ihn hier der tapfere Stähelin diefen Leuten felben auf den Tannaiten Simon b. Jochai gerechtfertigt
vor die Füße wirft. Hier deckt Stähelin den Unfug ift. Stücke aus einem Kommentare zum Buche Jezira
rückfichtslos auf, der mit dem Begriff ,Altorientalifche 1 figurieren als 774 und 775. Ebenfo ungerechtfertigt find
Weltanfchauung' getrieben wird, hier werden ergötzliche Exzerpte aus dem Midrafch Tadfche (798) und aus den
Beifpiele für die Leiftungsfähigkeit der ,aftralmytholo- ! fpäten Beftandteilen des Numeri Rabba (653, 753), in
gifchen Weltanfchauung' gegeben. Ich geftehe, feiten eine ! deren einem eine aus fpäter Zeit flammende Bezeichnung
gleich komifch wirkende Lektüre genoffen zu haben. Dabei der vier Elemente vorkommt; ferner aus Maimuni (452)
ift nie eine burleske Wirkung zu erzielen verfucht, fondern j und dem Sefer Hajjafchar (469). Hie und da find Stücke
in fchweizerifcher Ehrbarkeit, wenn auch mit fchelmifchem ] aus Rafchi's Talmudkommentar in Text und Überfetzung
Lächeln werden die Lächerlichkeiten der Wincklerfchen ; mit aufgenommen (182, 372, 381, 427, vgl. 364, 548), was
Auffaffung entwickelt. Wir wünfchen dem Verf. für feine dem Charakter einer Textefammlung nicht entfpricht. —
fpäteren Schriften gleichen Humor und gleich fchöne ; Entfchieden zu rügen ift, daß oft anftatt der eigentlichen
Stoffe. eine fekundäre Quelle als Urfprungsort des Exzerptes

TTritiirrcKpirr ci.r„ugenannt wird. Befonders auffallend ift dies bei Auszügen

JxonigsDerg. (jielebrecht. & , ,, , ,. r . ■..•/• u~ d u •

0 & aus dem Seder Olam, diefer alten tannaitifchen Bearbeitung
der biblifchen Chronologie. Bei vielen, aus ihm
Monumenta Judaica. Altera pars. Monumenta Talmudica (tammenden Stücken wird ftatt der Seder Olam felbft
Erlte Serie. Bibel und Babel, bearbeitet von Salomon I der Jalkut Schimeoni als Quelle angegeben (481, 482.
Funk. (Erfter Band, 2-4. Heft.) Wien, Akademifcher ! 483, 488, 505, 585); das ift um fo auffallender, als die
t 1 i/rr-„-/~r-,-r7TT nt n t- , t »1 letzten neun Kapitel — faß ein Drittel — des Seder

Verlag MDCCCCVII. (IV, 240 S.) Fol. Je M. 10- j Qlam mit richtjg£ Nennung der Quelle in 631-639 er-

In der Leitung des Unternehmens, deffen erftes Heft ! fcheinen. Die Nennung des Jalkut anftatt der eigentlichen
ich im Jahrgange 1906 der Th. Ltztg. (Sp. 373—376) be- ; Quelle findet fich auch fonft, z. B. 584 (f. Mechiltha ed.
fprochen habe, hat fich inzwifchen eine Änderung voll- Friedmann 36a), 560 (f. Pefikta ed. Buber 116a). Hätte
zogen, indem als Vertreter der jüdifchen Theologie an : der Verf. bei letzterer Nummer die Quelle felbft zu Rate
die Stelle Dr. Altfchülers in die Redaktion Dr. S. Funk, gezogen, fo wäre er vor der falfchen Autorangabe (Rab
Rabbiner in Boskowitz eintrat. Er ift es auch, der die < ft. R. Abin) bewahrt gewefen. Einmal wird nach einem
mitden vorliegendenHeften beginnende und als Monumenta i Texte aus bab. Megilla 13a derfelbe Text, wie er im
Talmudica bezeichnete zweite Abteilung der Mon. lud. Jalkut fteht, wiederholt (471, 472). Dabei merkte F. nicht,
bearbeitet. Von einer Fortführung der erfien Abteilung ! daß der einzige Zufatz in diefer Jalkutftelle (n33i1 3313)
{,Bibliotheca Targumica') fcheint vorläufig Abftand ge- | eine Gloffe ift, mit der das Textwort lünoX erklärt wird,
nommen worden zu fein. Die erfte Serie diefer zweiten, Ein Fall wie der letztere zeigt, daß der fo fachkundige
auf der jüdifchen Traditionsliteratur beruhenden Abteilung | Verfaffer bei der Redaktion feine Sammlung nicht immer
ift mit der Überfchrift ,Bibel und Babel' verfehen: ein j die nötige Sorgfalt hat walten laffen. So findet fich
modernes Stichwort, das eigentlich zu dem Inhalte j auch der Schluß von 475 (aus Joma 10a) wiederholt im
der fo bezeichneten Materialien nicht recht paßt, da Anfange von 478 (aus Jalkut). Ein Text aus Kiddufchin
die Bibel und ihre Zeit hier nur mittelbar — in den 72 a ift zweimal zu lefen: 226 und 529, und zwar mit ver-
auf biblifche Gegenftände und Texte fich beziehenden j fchiedenen Überfetzungen. Dasfelbe gilt von 88 und 101,
Agadafätzen — berührt wird. Die lange Reihe von ! 273 und 410; 299 und 429. Von den zwei Erklärungen

größeren und kleineren Exzerpten aus der jüdifchen
Traditionsliteratur (befonders aus dem babylonifchen Talmud
), die mit dem vierten Hefte noch nicht abfchließt,

für Tu? "Ort ift die eine in 250, die andere in 412 adoptiert.

Der Vorwurf, daß der Verfaffer nicht ftets gleichmäßige
Sorgfalt hat walten laffen, kann auch hinficht-

ift unter folgende Überfchriften gebracht, aus denen Natur j lieh der Korrektheit der Texte nicht zurückgehalten
und Zweck diefer Exzerpte am heften zu erkennen ift. werden. Es find zwar Anzeichen vorhanden, daß für die

A.Land und Leute(S. 1—86), mit den Untertiteln: Namen
des Landes Babel. Fruchtbarkeit. Bewirtfchaftung. VerTexte
aus dem babyl. Talmud die unentbehrliche Varian-
tenfammlung von Rabbinowicz benutzt ift; aber dies ift

kehrsmittel. Steuern. Wohnungen. Städte (S. 20—54). j äußerft feiten der Fall (z. B. 169. 171); hingegen zeigt

Bewohner (S. 54—80). Kulte. — B. Babylonifche Gefchichte
(S. 87—176), und zwar: Affyrifches Reich. Neu-
babylonifches Reich. Medoperfifches Reich. Chronolo-
gifche Zufammenfaffung. C. Weltbild (S. 177—240, noch
unbeendet): Himmlifche Weltordnung. Irdifche Weltordnung
. Die unter diefen Hauptüberfchriften mit genauer
Vokalifierung unddanebenftehender deutfeher Überfetzung
gebotenen Textftücke find mit fortlaufenden Nummern
verfehen (bisher 799), auf die ich in den nachftehenden
Bemerkungen hinweife.

Bei der Auswahl der Texte wurde, wie es in dem

der Text viele Verftöße, die leicht hätten vermieden
werden können. So wird z. B. die Unterfcheidung der
Titel 31 und 131, von denen der erftere nur dem Namen
babylonifcher Ämoräer vorgefetzt wird, gar nicht berück-
fichtigt, fo daß paläftinifche Autoritäten (fogar Tannaiten)
den Titel 31, babylonifche den Titel ?31 erhalten. Die
nur durch die Zenfur in den Talmudtext gekommene
Bezeichnung mbTttl t3"0313 "H3i» für Heiden, Nichtjuden
wird von F. beibehalten (50, 219, 309, 465). — In 186
hätte die handfehriftlich bezeugte Lesart Abaji für R.
Afchi gegeben werden follen, da fie mit dem Inhalte

Vorworte zu Heft 2 heißt, nicht die Vollftändigkeit der l von 187 übereinftimmt. — 250. St. ib ?blt1 1. TVbSI. —

zu jedem Thema heranziehbaren Quellenftellen, fondern
Betonung des Wefentlichen, Uluftrativen, alfo die Beibringung
der entfeheidenden Spezimina angeflrebt. Eine
nähere Umfchreibung des Literaturgebietes, aus dem die

255. Vor ml!Ti fehlt 31 (auch in der Überfetzung). —
286. 13?n nach »bl (grammatifch unrichtig) ift zu ftreichen,
das Wort fteht in Cod. München (Hör. 12a) tatfächlich
nicht. — 355. St. «mCIK L J1»i1K (f. Levy I, 175a). —