Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1908 Nr. 5

Spalte:

133-135

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smirnov, A.

Titel/Untertitel:

Das Buch der Jubiläen oder die kleine Genesis 1908

Rezensent:

Bonwetsch, Gottlieb Nathanael

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

133

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 5.

134

den Gedankenkreis der Pf. einzuarbeiten. Die kurze die kleine Genefis, Lpz. 1874, mit der neuen Ausgabe
Einleitung ift in manchen Stücken ein Mutter klug ab- 1 des lateinifchen Textes ift ihm unbekannt geblieben,
wägenden und befonnenen Urteils, das zumeift ebenfo , Aber daß er eine Uberfetzung der Jubiläen ins Ruffifche
frei wie wohlbegründet ift. Ich denke befonders an die unternommen hat, war eine anerkennenswerte Tat. Er
Kapitel, in denen er über die Entftehungszeit der Pfalmen j hat ihr die griechifch erhaltenen Bruchftücke (zugleich
(S. 4 ff.),'den Text (S. 6 ff.) und den Wert der Überfetzungen i in Überfetzung) beigefügt. Die Zuverficht, mit der er
redet: ebenfo freudig überrafcht, was man S. 13 fr. über i den rein jüdifchen Urfprung der Jubiläen S. 26 vertritt,
die Überfchriften der einzelnen Lieder und den Wert i ift berechtigt; aber daß niemand diefen je beanftandet
derfelben zu lefen bekommt. Die bedeutendere Literatur 1 habe, trifft feit W. Singers Behauptung des judenchrift-
ift ohne Unterfchied der Richtungen und Konfeffionen liehen Charakters nicht mehr zu.

herangezogen und gewürdigt worden. Daß die oft freien 2. Seiner Uberfetzung der Pfalmen Salomos hat

Erklärungen dann doch auf eine bisweilen fonderlich an- ; Smirnov die Ausgabe v. Gebhardts zu Grunde gelegt,
mutende dogmatifche Art korrekt begründet werden, aber auch die Hilgenfelds und von Ryle und James verwird
den vernünftigen Lefer nicht weiter anfechten. Zu ' wertet, ebenfo die bis 1896 erfchienenen Überfetzungen
der Überfetzung müßte man freilich viele Fragezeichen : und Erklärungen. Er begleitet daher feine Überfetzung

fetzen, z. B. gleich im Anfang wird ip 121 1-4 überfetzt
ich hebe meine Augen auf zu den Bergen —
von wannen kommt mir Hilfe?
,meine Hilfe kommt von Jahve,
dem Schöpfer des H. und der E.'
Ein Gott, der unftät macht deinen Fuß,
ein Gott, der fchlummert, ift dein Hüter?
.nein, er ift kein Schlummerer und kein Schläfer

mit eingehendem fachlichen Kommentar, der die Uberfetzung
verdeutlicht und rechtfertigt. — Die Einleitung
S. 3—32 charakterifiert die Schrift und begründet die
jüdifche Herkunft und die Abfaffung zur Zeit des Pom-
pejus. S. ioöff. fügt er bei die in der Piftis-Sophia enthaltenen
fünf gnoftifchen Oden Salomos nach der Überfetzung
Schwartzes.

3. Die ruffifche Überfetzung des Buchs Henochs, der

der Hüter Israels'. Jubiläen und der Pfalmen Salomos bildete Smirnov die

Ebenfo ift »/> 130 v. 41. ganz unmöglich: doch bei dir ift I Vorarbeit für die im dritten Werk von ihm gegebene
Vergebung und wegen deines Gefetzes harre ich auf dich, Darfteilung der Meffiashoffnungen der Juden zur Zeit
o Jahve.! Auch im 3ten Pfalm, ip 126, ib 2b finden j Jefu. Er hat darin die Ergebniffe der gerade in den
fich fchwere Überfetzungsfehler. Zu bedauern ift auch, letzten Jahrzehnten fo eifrigen Forfchung auf dem Gebiet
daß der Hr. Verf. eine neue, ganz fubjektiv begründete | des Spätjudentums in felbftändiger Weife geprüft und
Reihenfolge der Lieder feiner Erklärung zugrunde legt, verarbeitet. Nach einer Überhebt über die erhaltenen
ftatt die des MT. beizubehalten. Urkunden der jüdifchen Meffiashoffnung — neben den

Louifendorf. Frankenberg. j altteftamentlichen Apokryphen, Apokalypfen, fog. Pfeud-

epigraphen, Philo und Jofephus werden auch u. a. Juftins

»„„..», Prof. A, D.S M *r MÜH .der die Heine i g£fd* WUE*!^^^XS?S2&
Genefis. (Der altteftamentlichen Apokryphen 2. Lie- 1 Smirnov fehr entfehieden das Beliehen einer meffianifchen

ferung.) [A. CMiipiioux, fflOjean aKafleMW CBflineiimiKT.,
Kmira FOönJieeBTS hjh Majroe Burie. Bropoil ntmycKt
BeTX03aB'i; thmxt» anoKpiirboB'r,.] Kafan 1895. (208 p.)
gr. 8«

— Die Plalmen Salomos nebft den Oden Salomos. (Apokryphen
des Alten Teftaments 3. Lieferung.) [A.
CsinpuoBT,, nporbeccopTs aSBAeuiH npoToiepefi, ITcajiMLi
CoJioMOHa ct» npiiJoaxeiiieMT» oät. CnjioMona. Tperifi BLinycKT»
anoKpnrhoBT» BeTxaro saßiTa.] Kafan 1896. (n6p.)gr. 8°

— Die mellianifchen Erwartungen und Glaubensmeinungen der
Juden um die Zeit Jefu Chrifti (von den makkabeifchen
Kämpfen bis zur Zerftörung Jerufalems durch die
Römer.) [Ax Cmiiphobt», nporneccopT» yiiHBepCHTera npo-
ToiepeS, MecciaucKia oatiiAania 11 BtpOB&Hifi Iy7t,eeBT> okoxo
BpeiieHT» Incyca XpHCTa (ott» MaKKaBeHCKHxr. Bonnr. jsfl
pa3pyrneniHIepyca.THjiaPiiMAanajui)]. Kafan 1899. (522 p.)
gr. 8»

Die drei Werke Smirnovs find erft jetzt der Literatur-
zeitung eingefandt worden. So erklärt fich ihre fo fpäte

Zukunftserwartung in Israel, beruhend auf dem befon-
deren Verhältnis Gottes zu diefem Volk. Für ihr Da-
fein in der nachprophetifchen Zeit fei fchon die jüdifche
Apokalyptik ein genügenden Beweis (S. 110), mag auch
in diefer die Perfönlichkeit des gehofften Meffias oftmals
fehlen. Die Lage des nachexilifchen Israels fei auch
niemals eine folche gewefen, daß fie nicht Anlaß gegeben
hätte, nach der meffianifchen Zeit auszufchauen. Mit
Recht finde Schürer fchon im Sirachbuch alle wefent-
lichen Elemente der alten meffianifchen Erwartung (S. 116).
Nur durch diefe Erwartung werde namentlich die Erhebung
gegen die Übermacht Roms verftändlich (S. 137).
Auch das Ausfehauen nach Lohn für treue Gefetzes-
erfüllung habe jene Hoffnung nur begünftigt; ebenfo das
Studium von Gefetz und Propheten; aber deshalb fei fie
doch nicht auf den efoterifchen Kreis der Schriftgelehrten
und auch nicht auf das paläftinenfifche Judentum be-
fchränkt geblieben. — Im 3. Kapitel des erften Teils
S. 158—236 legt Smirnov dann die Grundzüge der jüdifchen
Meffiologie der nachmakkabeifchen Periode und
den Prozeß ihrer Herausbildung dar: das politifche und
religiöfe Moment, die Vermifchung, teilweife Identifizierung
des Meffianifchen mit dem Efchatologifchen, den trans-

Befprechung, aber auch daß diefe Befprechung nur eine zendenten Charakter und den Individualismus der meffia
fehr knapp gehaltene fein kann. nifchen Hoffnung. Aüßerjüdifche, fpeziell griechifche

1. Die erfte der Schriften bietet eine ruffifche Über- 1 Einwirkungen auf diefe Erwartung, an und für fich mög-
fetzung des Buches der Jubiläen nebft einer orien- lieh, feien nicht nachweisbar (gegen O. Holtzmann). Bal-
tierenden Kinleitung (S. I—49). Der Verfaffer hatte denfpergers Beurteilung der meffianifchen Hoffnung als
fchon eine Überfetzung und Erklärung des Henochbuches einer Reaktion wider die ausfchließliche Herrfchaft des
vorausgehen laffen (1888). Die Schrift über die Jubiläen j Gefetzes verchriftlicht fie in den Augen Smirnovs zu fehr;
ift 1895^ erfchienen, fie konnte daher die Ausgabe von j fie fei bereits älteren Datums und beruhe auf dem Ver-
R. H. Charles (Oxford 1895) nicht mehr benutzen. Da langen nach Befreiung von Sünde und Schwachheit
S. nicht über die ausgebreitete Sprachkenntnis feines (S. 234fr".).

früh verdorbenen Landsmanns Bolotov (vgl. Neue kirchl. Der zweite Teil der Schrift Smirnovs behandelt den

Zeitfchr. 1907 S. 536ff.) verfügt, hat er feine ruffifche Inhalt jener Erwartung im Einzelnen. Zunächft die Zeit
Überfetzung auf Grund der deutfehen Dillmanns ange- der Erfcheinung des Meffias und die ihr vorangehenden
fertigt. Auch H. Rönfch, Das Buch der Jubiläen oder | Ereigniffe und feine Vorläufer. Sodann die Bezeichnungen