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Ausgabe:

1908

Spalte:

97-100

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hinneberg, Paul (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Die Kultur der Gegenwart. Ihre Entwicklung und ihre Ziele. Teil I, Abt. III, 1: Die orientalischen Religionen 1908

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: j. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 4. 15- Februar 1908. 33. JahrgaiQ

Die Kultur der Gegenwart Teil I, Abt. III, i:

Die orientalifchen Religionen (Schulter).
Mufil, Arabia Petraea L Moab (Schürer).

— Karte von Arabia Petraea (DerC).

— Umgebungskarte von Wadi Müfa (Petra)
(Derf.).

Meyer, Martin, History of the City of Gaza
(Schürer).

Meyer, Arnold, Was uns Jefus heute ift?
(Wernle).

Lenin, L'origine du quatrieme Evangile (H.
Holtzmann).

Farrar, St. Paulus lid. II u. III (H. Holtzmann).
Leipoldt, Gefchichte des neuteftamentlichen

Kanons, i. Teil (Jülicher).
Di Pauli, Die Irrifio des Hermias (Dräfeke).
Cabrol, Les Origines Liturgiques (Drews).
Poppelreuter, Die römifchen Gräber Kölns

(Hennecke).

Doumergue, Le dernier mot du fideisme (Lob-
Itein).

Jefus Chriftus für untere Zeit, Vorträge von Hau ß-
leiter, Walther, Lütgert, Kaftan,

Schaeder (Lobftein). bitz

Kirn, Grundfragen der chriftlichc 0 Ethik
(Wendt).

Keyferling, Unfterblichkeit (Lülmann).
Külpe, Immanuel Kant (Elfenhans).
Spitta, Studien zu Luthers Liedern (E. Chr.
Achelis).

Ludwig, Das kirchliche Leben der evangelifch-
proteftantifchen Kirche des Großherzogtums
Baden (Bafiermann).

Erklärungen von Schnürer, Haller, Schlie-

Die Kultur der Gegenwart, ihre Entwicklung und ihre Ziele, doch in klarer hiftorifcher Überficht dargeflellt. Wir

Herausgegeben von Paul Hinneberg. Teil I, Abtei- hätten gerne mehr gehört. Diefer Wunfeh gilt allerdings

lung III, i: Die orientalifchen Religionen. Von Edv. %r{ recht dfr Behandlung der babylonifch-affyrifchen

xu u? n tt , , tt ß\ a u t r a Rel|g'on durch Carl Bezold, S. 40—50. B. bemerkt in

Lehmann, A.Erman, C. Bezold, H. Oldenberg, I. Gold- der Einleitung) daß dne zu einer wirklichen Einheit

ziher, A. Grünwedel, J. J. M. de Groot, K. Florenz, flch erhebende Gefamtdarftellung der religiöfen Ideen
H. Haas. Leipzig, B. G. Teubner 1906. (VII, 167 S.) , aller Semiten mit Ausfchluß der israelitifchen Religion
gr. Lex. 8° M. 7—; geb. M. 9— einer- und des Islams mit feinen Vorftufen anderfeits —

^. . , ., , ., ,. , c ,, 1 ca' wie fie für diefe Stelle urfprünglich geplant war — gegen-

Die einzelnen Abteilungen d,efes Sammelbandes find wärtj noch unrnöglich. Unfere Hoffnung aber, in

wnjder von lauter Speziatfa^ .Die.Dar- dem befchränkteren Kreife nun ein lebendiges Bild zu
ftellungen find alfo über eine wiffenfchaftl.che Kritik feh wjrd enttäufcht Wir bekommen nicht vielmehr
des Referenten erhaben Seine Aufgabe ift nur die den ! als dn FacherWerk der bab.-aff. Religionsgefchichte, das

Inhalt zu fkizzieren und zu unterfuchen, ob es den Ver- j-_ v---------.n i„tm„mrr,mMt ,„»:i «. i;„ r?^ u ~-*u

fom=,„ „<u______u» „,,r ^m 1____o' i„„k„,„ ; den Kenner gewiß intcreffiert, weil er die Fächer mit dem

faffern gelungen ift, auf dem kurzen Raum eine lesbare
und verfländliche Darflellung zu geben.

Diefes Lob gebührt gleich dem erften Beitrag von
Edvard Lehmann, Über die Anfänge der Religion
und die Religion der primitiven Völker, S. 1—29.
Natürlich befchränkt L. fich bei dem zur Veranfchau-
lichung herangezogenen Material nicht auf den Orient;
er gibt alfo eine Einleitung zu den die Religion behandelnden
Bänden überhaupt. (Zu erwarten ifT nach dem
Programm noch ein Band über die europäifchen Religionen
des Altertums, die jüdifche und chnüliche Religion
ift in I, 4 dargeflellt, vgl. Theol. Lit.-Zeitg. 1906, 641).
Als Einleitung ift diefer Beitrag in der Tat nur gemeint;
denn L. behandelt nach einer Überficht über die Gefchichte
der Religionstheorieen (Degeneration, Evolution,
wiffenfehaftliche Einzelforfchung) nicht die einzelnen
primitiven Religionen, fondern die allen gemeinfamen
Hauptzüge. Bemerkenswert ift z. B. die Polemik gegen
die vulgäre Auffaffung vom Fetifchismus. L. zitiert zu-
ftimmend das Urteil von Mary Kingsley: .Materielle Dinge
nehmen in der Ordnung der Dinge eine viel zu niedrige
Stufe ein, als daß es irgend einem Wefen in Weftafrika
im Traume einfallen könnte, fie anzubeten'. Der Fetifchismus
ift vielmehr als eine Methode der Kraftübertragung
aufzufaffen. Diefer Hinweis auf die Bedeutung
der Kraftübertragung fcheint mir ungemein lehrreich,
zumal wenn man beherzigt, daß feine roheften Formen,
wie Kannibalismus, gar keiner .Götter' oder .Geiftei'
bedürfen. Die folchen Methoden zu Grunde liegende
Naturauffaffung möchte L. lieber nicht Animismus fondern
Panvitalismus nennen. Denn es handelt fich nicht Von Oldenberg ift auch die iranifche Religion,
um inkorporierte Seelen, fondern um eine Befcelung, S, 77—86, bearbeitet, mit befonderem Recht, da er mehr-
d. h. Krafterfüllung des All. fach auf die urfprünghehe Verwandtfchaft beider hin-

Die ägyptifche Religion' hat Adolf Erman, j weifen kann. Wie unficher hier leider noch fehr vieles
S. 30—38,' fehr knapp und doch anfehaulich, im Bewußt- | ift, fehen wir, wenn O. über Zarathuftras Zeit nur fo viel
fein der durch die Quellen gegebenen Schwierigkeit, aber 1 zu fagen wagt: bis 600 herunterzugehen fei nicht wohl

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nur angedeuteten Inhalt füllen kann, das uns Laien aber
keine lebendige Vorftellung von der wirklichen Religion
jener Menfchen zu geben vermag (keine Sage wird
erzählt, kein Gebet oder Pfalm zitiert). Diefe übermäßige
Kürze ift bei dem zur Zeit der babyl. Religion zugewandten
Intereffe doppelt zu bedauern.

Ein Meifterftück, ausgezeichnet durch die Kunft
poetifch-religiöfer Nachempfindung und die Kraft der
fchönen Darflellung, ift Oldenbergs Schilderung der in-
difchen Religion, S. 51—76. Da 0. fich auf die 4 Hauptkapitel
: Veda-Religion, die Anfänge der Spekulation
(Brahmanismus), Buddhismus (nur den urfprünglichen) und
Hinduismus befchränkt, und auch hier wieder fich an das
Wefentliche hält, fo gelingt es ihm, auf dem verhältnismäßig
befcheidenen Raum ein Bild zu geben, das die Farbe der
Anfchauung und den feinen Duft feelifcher Stimmung
mit fich trägt. — Das abfchließende Urteil über Buddha
lautet vielleicht manchen überrafchend: ,Die prüfende
Betrachtung des Hiftorikers wird ihn kaum den mächtigen
Denkern zuzählen, die dem Gedanken neue Bahn
gebrochen haben. Aber fie wird ihm den Ruhm einer
durchaus auf das Größte gerichteten Perfönlichkeit zuerkennen
, von der fich weltentfagende Freudigkeit und
Frieden in die Seelen zuerft Vieler, dann Unzähliger
durch Jahrtaufende und durch die Fernen Afiens hin ergoffen
hat'. Über das Eindringen buddhiftifcher Elemente
in die Evangelien urteilt O.: ,Eine weder zu erweifende
noch zu widerlegende Hypothefe, die ich meinerfeits eher
unwahrfcheinlich finden möchte.'