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Ausgabe:

1908 Nr. 3

Spalte:

81-82

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Beissel, Stephan

Titel/Untertitel:

Geschichte der Evangelienbücher in der ersten Hälfte des Mittelalters 1908

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 3.

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filius Joel patrui AbimeUch (flatt Thola); Ebzan wird nachkarolingifcher (ottonifcher) (Kap. 12 — 14) Provenienz
mit Naheffon gleichgefetzt, ftatt wie fonft mit Boas, zur Darftellung bringen. Dabei ift Kap. I für die erfte
Abdon heißt Agrän (Cheiko ,Ageron') f. Helian. Woher Reihe, infofern zufammenfaffender Art, als es unter
diefe und ähnliche Mißverftändniffe Hammen, z. B. die der Überfchrift: ,Die Herftellung der älteften Evange-
Auslaffung von Ela und Simri, ob fie dem Petrus per- lienbücher' (S. II—24) orientiert über das Buchwefen in
fönlich zu Laft fallen oder fchon feinen Quellen, ift altchriftlicher Zeit: Schreibmaterial, Schrift, Ausftattung
Aufgabe weiterer Unterfuchung. Den Pharao Necho und Einrichtung der Bücher, Rolle und Kodex, Verbrei-
nennt er den ,Hinkenden', wie Targum und Pefchito; die tung und Schickfale der chriftlichen Handfchriften während
eherne Schlange ,serpentem suspicionis' (oder opinionum, der Verfolgung. Kap. 15 (S. 292—324) hinwiederum ge-
■ "J13'cfcs). Eltazar, den Antiochus tötete, und Simeon, hört zu beiden Reihen insgefamt, indem es der Befprechung
der Chriftus auf den Armen trug, gehörten zu den 70 der .Einbände der Evangelienbücher' gewidmet ift; es
Dolmetfchern des Philadelphus. Die Kreuzigung erfolgte ift hauptfächlich beachtenswert als Beitrag zur Gefchichte
im 19. Jahr des Tiberius; unter Claudius fchrieb Matthäus der altchriftlichen und frühmittelalterlichen Elfenbeindipty-
fein Evangelium. Die den größten Umfang einnehmenden chen. Von den vier Anhängen (I. Vorreden der Evangelien,
muhammedanifchen Nachrichten müffen hieraußerBetracht II. Kapiteleinteilungen. III. Lebensfkizzen der Evangehften.
bleiben. Den Abfchnitt über die alexandrinifchen Patri- IV. In Evangelienbüchern daigeftellte Szenen) ift der um-
archen eröffnet ein eigener Paffus über Marcus, auf den faffendfte und der wichtigfte der vierte, der in überficht-
um fo mehr hingewitfen werden muß, da die PRE3 XII, licher Ordnung zuerft die in den Evangelienbüchern bis
288 ff. nicht t inmal im Literaturverzeichnis auf Lipfius zum 12. Jahrhundert lieh findenden bildlichen Darftellungen
verweift. Ausführlich wird die Gefchichte von dem zer- : zum Leben und zu Worten Jefu verzeichnet und fodann
riffenen Schuh und feinem Nachfolger Anianus erzählt, die Evangelienbücher und verwandten Denkmäler der
Sein Todestag (im Jahr 67) der letzte Pharmuthi wird Plaftik, Mofaik- und Wandmalerei, in denen die genannten
hier mit dem 24. Nifan (bei Lipfius III, 335 ,16. Nifan') ' Szenen erfcheinen. Zwei höchft wertvolle und vorzüglich
gleichgefetzt. Befonders ausführlich wird Demetrius gearbeitete Regifter: I. Verzeichnis der Handfchriften,
(224), dann Dioskur (450) und Timotheus (538) behandelt. IL Verzeichnis der Perfonen nnd Sachen, bilden den Be-
Das vorflehende mag genügen, um den Dank zu fchluß des Werkes. Als Ganzes ift diefes inhaltlich nicht
begründen, daß diefe Chronik jetzt fo bequem zugänglich etwa eine vor allem auf große Entwiklungslinien drängende
ift. Der Druck der beiden Bände ift im Orient herge- ; Darftellung, fondern vielmehr eine auf umfaffendfter
ftellt worden, aber nicht ganz fehlerfrei. Kenntnis der Quellen und der Literatur gegebene, durch-

Maulbronn Eb Neftle ' aus Schliche lyftematifche Überfchau über den Beftand

i unter befonderer Bei ückfichtigung der Ausftattung und
Illuftration der Evangeliare; methodifch ausgezeichnet
Beillei, Stephan, S. J., Gefchichte der Evangelienbücher in durch die volle Vertrautheit mit dem Stoff wie durch
der erlten Hälfte des Mittelalters. Mit 91 Bildern. die Nüchternheit, Befonnenheit und Sachlichkeit in der
Freiburg i. B., Herder 1906. (VII, 365 S.) gr. 8° f?arftellung und m der Mitteilung der Anfchauungen.
*• v J ' P Eur letzteres lei z. B. nur erinnert an die Bemerkungen

M- 6-5° ! zur fog. byzantinifchen Frage in altchriftlicher (S. 70 ff.)
Was Beiffel hier darbietet, ifl ein gut Stück Lebens- j und karolingifcher (S. 208 f.) Zeit, die zugleich beweifen,
arbeit, gut im quantitativen wie im qualitativen Sinn. ! daß Beiffel auch die großen allgemeineren Probleme
Das wird befonders noch fich zum Eindruck bringen, wenn und die kultur- und kunftgefchichtlichen Zufammenhänge
das vorliegende Buch über die altchriltlichen und früh- in feinem Kompendium nicht außer acht gelaffen. An
mittelalterlichen Evangelienbücher ergänzt und vervoll- 1 Einzelheiten nur dies, daß B. in dem Rabbulakodex von
händigt fein wird durch die parallel mit ihm vorbereitete 1 586 fehr auffällige, mit den gegenwärtigen Beftandteilen

und, wie wir mit Beiffel hoffen, bald folgende Gefchichte
der Perikopen und der Zyklen, welche Szenen des Evangeliums
darftcllen, im gleichen zeitlichen Rahmen. So
wenig aber Beiffel in dem vorliegenden Bande fich ge-
fcheut hat, etwa die Jofuarolle oder die Quedlinburger
Italahandfchrift u. a. heranzuziehen, obwohl fie keine
Evangeliare find und auch im Bildwerk oder fonftwie

der Handfchrift vorgegangene Verwirrungen konftatiert
(S. 59 ff.); .irotzdem', fagt freilich B,, .gehören alle Bilder
mit Einlchluß der Kreuzigung (!) derfelben Schulrichtung
an'; aber .fraglich bleibt immerhin, ob alle zu gleicher
Zeit entftanden' (S. 66). Daß die Barberini-Tafel mit dem
reitenden Kaifer jetzt Eigentum des Louvre ift, fcheint
überfehen (S. 299). S. 18 und 84 wird die Angabe vermißt,

keinerlei fachlichen Bezug zu folchen haben, fo wenig j in welcher die Joluarolle ,nach den neueften E"orfchungen'
hat er fich fklavifch an die für ihn durch den Stoff und ] in ihrer gegenwärtigen Gcftalt als ,erft im 9.—10. Jahr-
deffen Entwicklung gegebene untere Zeitgrenze, Mitte hundert' hergeftellt erwiefen wird: Codices e Vaticanis

des 11. Jahrhunderts, gehalten, wenn die Berückfichtigung
jüngerer Werke, namentlich morgenländifcher, fich nahelegte
entweder indem diefe frühere Verhältniffe bei-

sclccti etc. Vol. V. Rotulus Josuae Cod. Vat. Pal. 431
(// Rotido di GiosuZ etc.) Text und Tafeln, dazu Atlas.
Fol. Mailand, 1905. Die 91 Abbildungen, die den Text

behalten oder eine klarere Erkenntnis älterer Werke <■ begleiten, find voitreffiich ausgewählt und bei all ihrer

Anfpruchslofigkeit eine fehr willkommene Illuftrierung
der jeweiligen Darlegungen.

Niederhaufen a. d. Appel. G. Stuhlfauth.

vermitteln. Der Inhalt des Beiffelfchen Buches, deffen
Hauptmaffe in 15 ohne weitere Zufammenfaffung nebeneinander
geflellten Kapiteln niedergelegt ift, läßt fich
etwa in folgender Weife gruppieren. Einleitung und
Schluß fchildern einander ergänzend auf Grund zahlreicher
Zeugmffe aus den literarifchen Quellen die .Ehrung der Hennig, Bruno, Die Kirchenpolitik der älteren Hohenzollern

Evangelienbücher bei Feier der Konzilien und im Leben in der Mark Brandenburg und die päpftlichen Privilegien

lS,?lift^ a,-VL dieA.Werlfchätzung.der Evan- des Jahres 1447. (Veröffentlichungen des Vereins für

gelienbucner' im chriftlichen Altertum und frühen Mittel- r r , . , , . , u , . , , „ .

alter. Kap. 1-14 geben die Überficht über den Beftand Gefchichte der Mark Brandenburg.) Leipzig, Duncker

und die Entwicklung der Evangelienbucher von den älteften ! & Humblot 1906. (V, 258 S.) gr. 8° M. 7 —

Handfchriften bis zum 11. Jahrhundert und, wie bemerkt, U.Stutz hat in der Deutfchen Literaturzeitung 1907
gelegentlich darüber hinaus, fo zwar, daß Kap. 1—9 die | Sp. 1221 ff. dem vorliegenden Buche ehrende Worte der

Gruppen von Evangeliaren behandeln, deren frühefte
Vertreter vorkarolingifchen Urfprungs lind, während Kap.
10—14 die Werke karolingifcher (Kap. 10 und 11) und

Anerkennung gewidmet; fie follen hier nicht wiedeiholt
werden, obwohl auch wir dem Autor für mannigfache Belehrung
reichen Dank fchulden, fo gern wir gefehen hätten,