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1908 Nr. 3

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80-81

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. VIII. Scriptores arabici. Series III. Tomus I 1908

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 3.

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mit bekannten Texten), glaubt C. die Gefchichte der
armenifchen Überfetznng der Johannes-Apokalypfe in
ihren Grundzügen klargelegt und einen wichtigen Zeugen
für den urfprünglichen Text diefes bekanntlich lehr
fchlecht erhaltenen Buchs aufgedeckt zu haben. In die
Bibel der armenifchen Kirche ift die Apokalypfe erft um
I20O aufgenommen worden; es war dies das Verdienft
des Bifchofs Nerfes von Tarfus (+ 1198), deffen Text-
rezenfion wir denn auch bereits in dem erften Druck
jener Bibel (1666) faft buchftäblich getreu wiederfinden.
Aber Nerfes hat nur eine ältere Überfetzung ziemlich
flüchtig revidiert, und diefe hatte bereits vor ihm ftarke
Veränderungen, mehrfache Revifionen nach (fchlechteren)
griechifchen Handfchriften erfahren; in einem 1905 von
F. Murat gedruckten Jerufalemer Kodex erkennt C. eine
folche Überarbeitung aus dem 8. Jahrhundert; der Urtext
einer armenifchen Verfion der Äpk., dem C. in feinen
Codices 1, 2, 3 nahe zu kommen hofft, foll nach ihm
wegen auffälliger Stärke des okzidentalifchen Einfluffes
um 400 aus einem graccolatinus, den eine montaniftifche
Gemeinde geliefert haben mag, gefloffen fein. — Sehr
erheblich fcheinen mir die bisher bloß durch diefen
Armenier bezeugten Lesarten nicht zu fein; ohne eingehendes
Detailftudium läßt fich über die fonftigen
Vermutungen des Herausgebers nichts fagen.

Des weiteren liefert er eine armenifche Überfetzung
der 37 (35) Scholia Cyrills cceqi rTjg EvavfrQcojtrjöEcog^ zov
/xoi>OYEi>ovg, die in lateinifchen und fyrifchen Über-
fetzungen publiziert, im Urtext größtenteils verloren
gegangen find. Bedeutfamer als diefe Vermehrung des
Variantenmaterials ift die Mitteilung einer bisher unbekannten
Reliquie von demfelben Alexandriner, nämlich
eines Geleitlclireibens, mit dem Cyrill die Überfendung
einer Oftertafel an Kaifer Theodofius II erbaulich
fchmückte. Die Oftertafel felber ift verloren; was von
ihr berichtet wurde, haben Krufch und Schwartz für
erdichtet gehalten. Aber der Brief Cyrills, deffen Echtheit
keinem Zweifel ausgefetzt fein dürfte, erhärtet dieExiftenz
einer 114 Jahre, d. h. 6 19jährige Ofterzyklen von 399 bis
512 umlpannenden, mit gelehrtem Apparat verfehenen
Tabelle, für die Cyrill die Verantwortung übernimmt.
Er möchte alles auf das Jahr 403 ftellen, weil dies das
erfte Konfulatsjahr des Kaifers war; 6 Zyklen wählt er,
weil er mit Jahren der diokletianifchen Ära rechnet, und
vor der Geburt und dem erften Konfulat des Theodofius
innerhalb diefer Ära eben auch fchon 6 Zyklen (285 bis
398) abgelaufen waren. Leider ift der Brief undatiert;
vor 412 hat ihn Cyrill natürlich nicht gefchrieben, wahr-
fcheinlich fpäter, denn bei dem 11jährigen Kaifer werden
wir kaum viel Intereffe für Ofterreihen vorausfetzen.
Sollte übrigens die Überfetzung S. 220 Z. 3 v. u. ganz
genau fein: your first . . consulate having ended in the
wgtli year from Diocletiani Beendet hat Theodof. fein
Konfulat erft im 120. Jahr Diokl.; ich vermute, es war
gemeint: das Konfulat fällt ins Jahr 119, felbft ein grie-
chifches jtEeilijQmpbvif} könnte diefen Sinn haben.

Die Zuverlälligkeit der Überfetzungen Conybeares
ift über jeden Zweifel erhaben; auch für diefe neue Gabe
find wir ihm dankbar. Daß er es dem Lefer leicht
machte, ihm zu folgen und feine Gefchenke zu verwerten,
kann man nicht behaupten. Vergebens erwartet man z. B.
eine Notiz über die Stellen, wo Cyrills Scholien (in
anderen Sprachen) zu finden find. Und ich finde es
beinahe graufam, daß S. 166 das Inhaltsverzeichnis des
Codex Bodlejanus, dem u. A. die Cyrilliana entflammen, mitgeteilt
wird, aber in einer Form, die die Identifikation der
übrigen Stücke unmöglich macht: konnten z. B. bei N. 17,
Fredigt des Theodotus von Ancyra über ,Epiphanien',
nicht in englifcher Sprache die Anfangsworte beigefügt
werden und ebenfo bei den andern Nummern bemerkt,
ob fchon bekannt oder nicht? Nach einer Bemerkung
S. 66 zu cod. ß fcheint in cod. a die dormitio Iohannis
der Apokalypfe ebenfalls angefügt zu fein; warum

j blieb das aber S. 65 bei der Befchreibung von et unerwähnt
?

Noch eine Rarität enthält der Band, auf S. 70—74
die höchft wahrfcheinlich ältefte italienifche Überfetzung

j der Apokalypfe von c. 1300 am Rande eines armenifch-
griechifchen bilinguis Diefe darf keinenfalls in folch

| einem gelehrten Winkel verfteckt bleiben!

Marburg. Ad. Jülicher.

Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium.

VIII. (s. zuletzt 1908, Nr. 2.)

Petrus Ibn Rahib, Chronicon Orientale. Interpretationem
olim ab Abrahamo Ecchellensi institutam tum a
J. S. Assemano revisam iterurn ad fidem arabici
textus recognovit P. L. Cheikho, S. J. Textus et
Versio. (Scriptores arabici. Series tertia — Tomus I.)
Beryti. Lipsiae, O. Harrassowitz MDCCCCIII. (V, 146
et VIII, 174 p.) gr. 8° M. 11.60;

Textus M. 7.20; Versio M. 440

Während die zuletzt befprochenen äthiopifchen Teile
meift Inedita von zum Teil weniger bedeutendem Inhalt

boten, wird die Reihe der Scriptores Arabici mit dem
erften Band der dritten Serie durch ein fchon länger
bekanntes und berühmtes Werk eröffnet, die Chronik des
Petrus ibn Rähib. Von Abraham Ecchellenfis 1651, bezw.
1653 erftmals in Überfetzung herausgegeben (f.PRE3I, 113),
1685 wiederholt, 1729 von Jofef Simonius Affemani im 17.
Band der byzantinifchen Gefchichtsfchreiber überarbeitet

I ift diefe von ihrem Veif. von Adam bis 1259 nach Chriftus

j herabgeführte Chronik namentlich in ihren Ipäteren Teilen
über die mohammedanifchen Herrfcher und alexandri-

i nifchen Patriarchen in ihrer Wichtigkeit anerkannt (f. v.
Gutfchmid, Kleine Schriften II). Der arabifche Text lag
bis jetzt nicht vor. Hier erhalten wir ihn aus der fchon
von den Genannten benützten, keine 50 Jahre nach der

[ Vollendung des Werks gefertigten Handfchrift. Eine
zweite jüngerere im Brit. Mufeum (1789 aus einem Exem-

i plar von 1595 abgefchrieben) konnte vom Herausgeber

i nicht benützt werden. Die Bemerkung des Vorwoits

i vor der Überfetzung — der Textteil enthält gar nichts
über die Handfchriften — von dengrammaticae mendaquae
corrigenda censuinius wird keinen Beifall verdienen. Über

j den Verf. weiß man nicht viel Genaueres; zwei andre
Werke über die 7 Synoden und Jakobitifchen Lehren
befpricht Affemani — Affemanus follte der Herausgeber

j nicht fagen — in feiner Bibliotlicca Orientalis I, 626; II, 510.
Den erften Teil bilden die Patriarchen von Adam
bis Tharah nach der Chronologie der Septuaginta und
Maffora, letztere nach der Überfetzung eines/Profelyten
Abulfachri Mutanaffir. Durch fehr gefchickte Anordnung ,
in & bezw. 8 Spalten weiß Ibn Rähib die Ergebniffe
deutlich zu machen. Darauf kommt Abraham bis Mofes,

j Richter, Könige (auf parallelen Seiten); nach der Ge-
fangenfehaft die perfifchen Könige, Makkabäer, Alexander
bis Auguftus, die Geburt Chrifti am 25. Dez. 55CO, die
römifchen Kaifer bis Heraclius, (6114), die Kahphen
(Omajjaden, Abbanden, Fatimiden,' Ayubiden) bis 6751;
dann die Patriarchen Alexandrias von Markus (5567)
bis zum 76ften Athanafius (6745 = 1245). Ein fpäterer Nachtrag
gibt noch 19 weitere, bis 95. Gabriel (1526—1569).
Auf 18 Seiten gibt der Überfetzer Notulae brevissi-

mae zu einzelnen Stellen. Die Chronik ift felbft für die
Septuagintakritik von Intereffe. Bei Lamech gibt fie die

j Zahlen 182. 595. 777; die erfte hat bei Brooke-Mclean
nur Dillmanns äthiopifcher Kodex b, die beiden andern
gar kein Zeuge, über ihre Zahlen 187 u. 782 für Methu-
fala f. meine Septuagintaftudien 5,3 und Röfch in PRE2
17, 448. Für Arpachfad hat fie 430, für den zweiten
Kainan 139, für Nahor 122, für Jofua 31. Samgar heißt

filius Aod. Zwifchen Abimelech und Jair kommt Abu gai