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Ausgabe:

1908 Nr. 3

Spalte:

76-78

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilmart, André

Titel/Untertitel:

Les „tractatus“ sur le Cantique attribués à Grégoire d‘Élvire 1908

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 3.

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Abwägung verfchiedener Nachrichten ift einiges genauer 1 Urheberfchaft des Mak. Magn. bezüglich des mit feinem
zu ermitteln. Danach ift Turr. 1552 in Venedig gewefen 1 Namen in Verbindung gebrachten Bruchftücks im Cod.
und hat in der erften Hälfte dieles Jahres den Cod. Ven. Ottobon. und fomit der ganzen, bei Theodofios Melit.

(Apokr.) eingefehen und ausgezogen. Diefe Tätigkeit
fällt, wie Sch. wahrfcheinlich zu machen weiß, zwifchen
den 28. März und den 21. April 1552. Die Zahl der
Schriften, in welchen Turr. den Mak. anführt, beträgt 11,
die der Zitate im ganzen 38. — Über den Cod. Ven.,
der nicht mehr vorhanden ift, erfahren wir durch Turr.
leider nichts, er nennt den Verf. Magnes oder Magnetes

fich findenden Schöpfungsfchichte zweifelhaft geworden
fei. Und dafür bringt er in einem 3. Abfchnitt (,Maka-
rios Magnes nicht Verfaffer der »Schöpfungsgefchichte«',
S. 130—185) den Beweis. Daß Mak. Homilien zur Ge-
nefis verfaßt hat, ift zweifellos. Das zeigt Cod. Vatic.
Gr. 2022 f. 236, aus dem fich ergibt, daß das Werk den
Titel führte: Aöyoi elg rr/v TiveOiv, und wenigstens

das einmal davor gefetzte beatus berechtigt aber zu der | 17 loyot umfaßte. In der Schöpfungsgefchichte bei

Annahme, daß die Auffchrift im Cod. Ven. roü (laxaQiov
fiayvrjTog lautete, ebenfo wie in den beiden von Janos
Laskaris in Unteritalien gefundenen Codd. des Apokr.
Sehen wir von den verfchiedenen, von Turr. gebrauchten
Auffchriften des Werkes ab, welche Sch. S. 31/32 verzeich

Theodof. Melit. find aber viele Quellen verarbeitet, wodurch
die Annahme, Makar. fei ihr Verfaffer, durchaus
hinfällig wird. jUne Tatfache veranfchaulicht der Verf.
(S. 142—172) in tabellarifcher Form, indem er den einzelnen
Abfchnitten der Schöpfungsgefchichte die in dem

net, fo bezeugt er die auch durch eine Bemerkung des Cod. j fonftigen patriftifchen Schrifttum vorhandenen Parallelen
Paris. Gr. 1630 beftätigte Einteilung in fünf Bücher, und J gegenüberstellt. Zu demfelben Ergebnis, daß wir es

diefe fünf waren im Cod. Ven. i. J. 1552 noch voll vorhanden
. Seine Angaben über die Zeit des Mak. find allerdings
ganz willkürlich, auch hat er den Adreffaten Theofthenes
mit dem Gegner des Mak. verwechfelt. Beachtenswert
ift nun, wie Sch. feine Unterfuchung betreffs des Turr.
weiter geführt hat. Er teilt alle Stellen, die Turr. aus dem
Apokr. angeführt, vollständig und wörtlich mit und untersucht
fodann, ob fich nicht aus ihnen Rückfchlüffe auf
den Text des Cod. Ven. mit einigem Gewinn für die

nämlich in der Schöpfungsgefchichte mit etwas andrem als
einem Werke des Mak. zu tun haben, führt endlich auch die
vom Verf. angeflehte Prüfung ihres Inhalts auf Gedanken-
fortfchritt und logifchen Zusammenhang (S. 173—183). —
In einem Anhang (S. 186 ff.) gibt Sch. den Text des
bisher nicht gedruckten Ottobon. Bruchftücks, das ja
freilich für Mak. Magn. nicht mehr in Betracht kommt,
mit vollftändigem kritifchen Apparat. Ein doppeltes Re-
gifter, I.Namen- u. Sachregifter (S. 203—210) und 2. Wort-

Bereicherung oder Berichtigung des gedruckt vorliegenden : regifter (S. 211—218) zu den mitgeteilten griechifchen
Textes machen laffen. Und da ift es erftaunlich, mit | Texten (S. 10—12. 88. 188—200), befchließt das Werk,
welchem Fleiße Sch die Schriften des Turr. durchforfcht Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

und jeder einzelnen Anfuhrung nachgegangen ift. Aller- J
dings find diefe nicht fo zahlreich und vollständig, als j

zu wünfehen wäre. Von den Einwänden des Hellenen, Wilmart, Andre, Les „tractatus" sur le Cantique attribues
welcher im Apokr. bekämpft wird, teilt Turr. keinen ä Gregoire d'£lvire. (Bulletin de litterature ecclesiasti-
genauer mit Dies geringe Ergebnis der vorgenommenen , que puhM par pInstitut catholique de Toulouse I

Prüfung muß um fo mehr bedauert werden, als Turr. der ^ _ .

einzige ift, der überhaupt den Cod. Ven. benutzt und r" " P- 33 99-1

ausgezogen hat. Den Schein, daß noch ein anderer ihn — L'ad Constantium über primus de St. Hilaire de Poitiers

eingefehen und an einer Stelle verwertet habe, Zacharias et les fragments historiques. (Extrait de la Revue Bene-

auS, KIfa (3" dZa„char'af Skoi-dylios und der Apokr. des dictine, avril et juillet 1907.) Bruges, Desclee, de Brou-

Mak. Magn.' S. 81—96), zerftött Sch. durch genaue Un
terfuchung, indem er ihn als einen der vielen erweift, die,
was fie von Mak. wiffen und mitteilen, ausfchließlich dem
Turr. verdanken. Durch eine ,Gefchichte des Cod. Vene-
tus' (4. S. 96—108) fucht der Verf. fodann dasjenige zu
ergänzen, was Turr. über diefe Hf. berichtet. Es find nur
wenige handfehriftliche Spuren, aus denen hervorgeht, daß
der Cod. zwifchen 1552 und 1637 abhanden gekommen
ift. Außerhalb Venedigs dauerte es noch über 100 Jahre,
bis man an das Verfchwindcn des Apokr.-Cod. aus der
Bibliotheca Marciana glaubte. Da tauchte 1867 der Cod.
Athen, auf, der bekanntlich i. J. 1876 von Foucart (Blon-
del) in mufteihafter Weife veröffentlicht wurde. — ,Das
Verhältnis des Cod. Athen, zum Cod. Ven.' (5. S. 109—113)
beftimmt der Verf. dahin, daß, den Anführungen des
Turr. zufolge, Ven. und Athen, nicht wohl als ein und
diefelbe Hf. betrachtet werden können, was von Neumann
u. a. behauptet worden ift. Insbefondere fpricht
die Tatfache dagegen, daß im Athen., obwohl er nur
mehr die Hälfte des urfprünglichen Werkes enthält, der
Apokr.-Text jetzt noch 125 folia einnimmt, der Ven. dagegen
, der viel vollftändiger war als Athen, ift, nur 104
cartae zählte. Der Ven. hat alfo auf kleinerer Blätterzahl
viel mehr, vielleicht das Doppelte an Apokr.-Text
enthalten, als der Athen, jetzt bietet. — In der II. Hälfte
feines Werkes behandelt Sch. mit tief eindringender Ge-
lehrfamkeit ,Die fogen. Homilien des Mak. Magn. zur
Genefis' (113—185), von denen man — ein ,Gefchichtli-
cher Rückblick' (1. S. 113—120) gibt darüber Auskunft —
bis Ende des 17. Jahrhundert nichts wußte, und nennt
(2.) die ,Fundftellen der fog. Genefishomilien des Mak.
Magn.' (S- 120—129), mit dem Hinzufügen, daß ihm bei
längerer Prüfung aller einfchlagenden Verhältniffe die

wer et O. (58 p.) gr. 8°

Der gelehrte Benediktiner von Farnborough, A. Wilmart
, der für das Wiener Corpus Script. Eccl. tat. eine
Ausgabe des Phoebadius übernommen hat, trägt in den
beiden genannten Auffatzen Ergebniffe feiner Forfchung
vor, die die Aufmerkfamkeit der Kirchen- und Dogmen-
hiftoriker in hohem Grade verdienen; gerade weil fie,
namentlich der erfte, an einem außerhalb Frankreichs
fchwer zugänglichen Ort erfchienen find, foll ihnen hier
eine kurze Anzeige gewidmet werden.

In dem erften Auffatz enthüllt W., übrigens mit außergewöhnlicher
architektonifcher Kunft, von fcheinbar unbedeutendem
patriftifchen Kehricht ausgehend vor uns
das Bild einer markanten Perfönlichkeit aus der fpanifchen
Kirche, des Bifchofs Gregorius von Illiberis (heuteGranada),
dem Hieronymus das Kapitel 105 feines Katalogs berühmter
Männer gewidmet hat. Gregor's Bücher, von denen
Hier, nur eins, ,de fide' mit Namen nennt und als .elegant'
belobt, fchienen verloren; fonft kennen wir ihn als uner-
fchütterlichen Vorkämpfer der Orthodoxie auf der Synode
von Rimini i. J. 359 und fpäter (392 hat er noch gelebt)
als felfenfeften Luciferianer. Diefem Manne weift nun W.
die in einem wenig beachteten Sammelwerk von G. Heine
1848 herausgegebenen Homilien über das Hohelied zu, die,
von W. hier vielfach verbeffert und wiederhergeftellt, die
ältefte noch vorhandene Auslegung diefes ATlichen Buchs
aus der abendländifchen Kirche bieten. Sie find unter
dem Schutznamen Gregors des Großen der Vernichtung
entgangen; eine Handfchrift hat indes noch foviel von
dem urfprünglichen Titel bewahrt, daß wir ihn herftellen
können: Tractatus Gregorii Eliberitani episcopi de epita-
lamio. Die Berührungen diefes Kommentars mit den i.