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Ausgabe:

1908 Nr. 21

Spalte:

599

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Papadopoulos, Chrysostomos A.

Titel/Untertitel:

Dositheos patriarches Hierosolymon (1641 - 1707) 1908

Rezensent:

Meyer, Philipp

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599

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 21.

600

11 aTtaöÖTtovXoq, XQVGoGXOfioq A., Aoßi&eoq TtaxQiUQXn?
KIsQoaoi.v/twv (1641—1707). 'Ev 'reQoöoXvfioic, xvnoiq
kgov xoivov zov jtavayiov xacpov 1907. (VI, 72 p.)
gr. 8° fr. 2 —

Es ift erfreulich, daß Verfaffer diefen urfprünglich in der
Nea Ximv erfchienenen Auffatz gefondert dem theolo-
gifchen Publikum zugänglich gemacht hat. Es ift die
erfte, allerdings nur in Umriffen orientierende, Biographie
des größten orthodoxen Theologen Griechenlands im
17. Jahrhundert. Wie gefagt, auch hier werden wir nur
allgemein orientiert. Aber die Hauptbedeutung des
großen Mannes, fein Kampf für die Orthodoxie tritt völlig
klar und umfaffend ans Licht. Gerade hier auch weicht die
Darftellung von der bei den Griechen üblichen Befchrän-
kung auf die Verhältniffe des Orients ab. Stets wird die
allgemein geiftige Lage des Zeitalters mit beleuchtet.
Da die literarifche Wirkfamkeit des Dofitheos fich eben- j
falls wefentlich auf polemifchem Gebiete bewegte, wird j
auch diefe dargeftellt. Die Hauptgegner der Orthodoxen j
waren damals die Proteftanten und Katholiken im eigenen
Lager. So erhalten wir auch eine Darlegung der Kyrill-
fchen Streitigkeiten und der Abwehr gegen die eindringende
Union. Welche praktifche Arbeit Dofitheos bei
alledem auch in anderen Beziehungen bewältigte, fei es
in unmittelbarem Verkehr mit den Orthodoxen auf feinen
ausgedehnten Reifen in der europäifchen Türkei, in Klein-
afien bis nach Trapezunt und in Syrien, fei es im Kampf
um die heiligen Stätten in Jerufalem, mag wohl zu dem
Schlußurteil des Verfaffers berechtigen: Toiovxoq vjtrig-
§£ rrü ovxi 0 Aooiv-eoq ofioCrjXoq xmv agyaicov Jiaxigcov
xal öiöaOxäXcov xrjq ExxXrjaiaq.

Hannover. Ph. Meyer.

l'ä XXijg, KcovGxavxlvoq M., üoivixöv d'ixaiov tSjq ogflo-
öo§ov ävatoXix-tjq exxXtjßiuq. Ev Aa-rjvaiq, zvxoyga-
rpsiov Eoxia, K. MatOVEQ xal N. Kagyaöovgr] 1907.
(XXVIII, 627 p.) 8" Dr. 20 —

Der durch eine Anzahl kirchenrechtlicher Monographien
bekannte Verfaffer war früher Unterftaatsfekretär
im Kultusminifterium zu Athen und fteht jetzt als Pro-
feffor an der Univerfität dafelbft. Die vorliegende Schrift
ift die Weiterführung einer Preisarbeit, deren Thema von
der Univerfität zu Athen ausgefchrieben war. Dem Verfaffer
war für feine Leiftung die höchfte Anerkennung zuteil
geworden. Es ift in der Tat ein für die griechifche
Kirche Neues, das kirchliche Strafrecht in diefer Ausführlichkeit
darzuftellen. Bei M. Sakellaropulos und N.
Milafch nimmt das Strafrecht den Raum von 50 Seiten
ein. Ältere Literatur gibt es nicht, foweit dem Referenten
bekannt ift. Auch in dem Literaturverzeichnis finden
fich ältere Monographien nicht angegeben. Verfaffer
bringt das Strafrecht feiner Kirche zum Ausdruck, aber
nicht ohne fortlaufend das abendländifche Recht, namentlich
das der römifchen Kirche zu berückfichtigen. Das
neuere Staatsrecht, foweit es hier in Präge kommt, wird
für Hellas, Kreta, Rußland und Rumänien berückfichtigt.
In außerordentlich reichen Fußnoten finden fich weitefte
Nachweifungen und foweit nötig auch Zitate. Ausge- !
zeichnete Indizes erleichtern den Gebrauch, fo daß das j
Buch ein vorzügliches Nachfchlagewerk ift. Der Inhalt
gliedert fich in 3 Bücher, die nacheinander als Hauptgedanken
1) die Strafen, 2) die Verfehlungen, 3) das Straf- j
verfahren zur Darfteilung bringen. Namentlich beziehen
fich die Beftimmungen auf Geiftliche und Mönche, doch j
felbftverftändlich auch auf die Laien. Der Standpunkt
des Verfaffers ift der eines orthodoxen Chriften. Seine
hervorragende Gelehrfamkeit läßt ihn aber durchaus objektiv
urteilen. Einzelheiten herauszuheben erfcheint über-
flüffig. Soweit der Referent als Theolog urteilen kann,
ift das Buch fehr zu empfehlen.

Hannover Ph. Meyer.

Seil, Prof. Dr. Karl, Katholizismus und Proteftantismus in

Gefchichte, Religion, Politik, Kultur. Leipzig, Quelle
& Meyer 1908. (VII, 327 S.) gr. 8° M. 4.40;

geb. M. 4.80

Als das ,Neue' feines Buchs bezeichnet Seil dies,
daß das Verhältnis des Katholizismus und Proteftantismus
hier nicht als eine .Streitfrage' behandelt werde.
.Vergleichende Betrachtungen' über die beiden Konfef-
fionen würden in der Regel angeftellt, ,um den Nachweis
zu führen, daß eine von ihnen recht hat und die
andere unrecht'. Aber gefetzt den Fall, man könnte
.objektiv' ausmachen, ,welcher der beiden Religionsformen
die größere göttliche Wahrheit beiwohnt', fo würde
doch noch die Frage offen bleiben, auf welcher Seite
die größere menfchliche Wahrheit zu finden fei, d. h.
,wo man mehr Ernft im Fragen nach dem Ewiggültigen,
mehr Hingabe an höhere Zwecke, mehr Selbftverleugnung
und Standhaftigkeit, mehr Treue im täglichen Beruf und
in der Erfüllung aller bürgerlichen und menfchlichen
Pflichten antrifft'. Diefer ,menfchliche Gefichtspunkt',
geftattet erft ein .allgemein gültiges Urteil'. So foll alfo
in diefem Buche die .Dogmatik' fchweigen, die ,Hiftorie'
nur foll zu Wort kommen. Ich geftehe, daß mich diefe
programmatifche Erklärung Seils nicht gerade fehr begierig
machte, das Buch zu lefen. Was daran richtig
ift, dürfte zur Zeit von jedem, der fich in wiffenfchaft-
licher Abficht mit den Konfeffionen befchäftigt, berückfichtigt
werden; Seil könnte, fo fchien mir, da feine Mitarbeiter
etwas gerechter einfchätzen. Wiederum die
Art, wie er göttliche nnd menfchliche Wahrheit kontra-
ftiert, wie er zumal das ,Moralifche', das fich ,von felbft
verfteht', als das im Grunde allein in Betracht kommende
Kriterium der Dinge hinftellt, fchien mir philifterhaft.
Aber wir kennen doch Seil als einen Mann von Geift und
Gefchmack! In der Tat ift fein Buch fehr anders, als
der Eingang anzudrohen fcheint. Ich habe bei der
Lektüre je länger jemehr von neuem die Erfahrung gemacht
, daß Seil ftets viel Gutes zu fagen hat. Das Buch
ift ein wertvoller Beitrag zur Konfeflionskunde.

Was S. bietet, hat überall folide Gelehrfamkeit zur
Vorausfetzung, aber das Buch meidet den gelehrten
Anftrich, fo fehr, daß es kein fremdfprachiges Zitat bringt,
ohne es in Klammern zu überfetzen. Sieht man genauer
zu, fo merkt man, daß die Fundamentierung fich auch
fachlich in beftimmten Grenzen hält. Seil verwendet
überwiegend Material aus der Lebensgefchichte der Konfeffionen
. Vom ,Dogma' will er abftrahieren, fo bedeutet
ihm auch die Dogmengefchichte nicht viel. Die Symbole
erfcheinen ihm vollends belanglos. Daß er feine
Lefer nicht eigens über fie unterrichtet, ift bei dem
Abfehen feines Buches berechtigt. Anders fteht's, wenn
S. im Grunde glaubt, das Theologifche in den Konfeffionen
ignorieren zu dürfen. Denn bloße, leere Spekulation
ift es doch nicht; das meint auch S. nicht, aber
er hält das Theologifche letztlich für etwas Efoterifches
in den Konfeffionen. Innerhalb diefer felbft übt man
notwendigerweife eine .Lehre' über das was man zu befitzen
meint, aber das reicht nicht hinaus auf das Feld,
wo fich die Konfeffionen in der Gefchichte treffen und
meffen. In ihrem Kampfe um die Völker kommen
Kräfte in Betracht, die unmittelbarer die Gemüter erregen
und ftärker anziehende Ziele zeigen. S. operiert
fehr gern mit hiftorifchem Anfchauungsmaterial, mit
dem, was er den Perfonen ablaufchen kann, was in den
,Richtungen', innerhalb der Konfeffionen zu Tage tritt.
Es ift die praktifche Entwicklung, der er hauptfächlich
die Lichter für feine Darfteilung entnimmt. Aber darüber
entgeht ihm andrerfeits manches. Die Dogmengefchichte
läßt fich nicht fo in's Haus bannen, wie er meint und
praktifch gern fähe.

Ich kann an dem Buche nur einzelnes näher beleuchten
. Es gehört zu feinen großen Vorzügen, daß es in