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Ausgabe:

1908

Spalte:

577-581

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pognon, H.

Titel/Untertitel:

Incriptions sémitiques de la Syrie, de la Mésopotamie et de la Région de Mossoul 1908

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 21. 10. Oktober 1908. 33. Jahrgang.

PognoD, Inscriptions s^mitiques de la Syrie, de
la M£sopotamie et de la r£gion de Mossoul
(Baudiffin).

Davidson, The Stoic Creed (Pohlenz).

Lehmann, Aberglaube und Zauberei, 2. Aufl.
(Schürer).

Syliematifche Bibliographie der Paläflina-Lite-
ratur, bearb. von Thomfen, I. Bd. (Schürer).

Mülinen, Beiträge zur Kenntnis des Karmels
(Ludw. Köhler).

Die Schriften des Neuen Teftaments, neu überfetzt
und für die Gegenwart erklärt von

Baumgarten, Bouffet, Gunkel, Heit-
müller, Hollmann, Jülicher, Knopf,
Koehler, Lueken, Weiß 2. Aufl. 2 Bde.
(Schufter).

Hort, The Apocalypse of St. John I—III (W.
Bauer).

Bonnet, Eclaircissement de l'Apocalypse (W.
Bauer).

Dunkmann, Gefchichte des Chriftentums als
Religion der Verföhnung und Erlöfung 1. Bd.

testamenti ed. S out er [Corpus Script, eccl.
lat. vol. L] (Jülicher).
Krumbacher, Miscellen zu Romanos (Ph.
Meyer).

nanadonovXoQ, doolfteoq naXQL('iQ-/rjq !fe-

(foaoXvftwv 1641—1707 (Ph. Meyer).
PaX?.rjg, IIoivixov öixawv xijg Öq&oSÖ^ov

avaxohxrjq ixxXrjaiaq (Ph. Meyer).
Seil, Katholizismus und Proteftantismus (Katten-
bufch).

(Scheel). j Thilo, Die Religionsphilofophie des abfoluten

Pseudo-Augustini Quaestiones veteris et novi j Idealismus (E. W. Mayer).

Pognon, Cons. general H., Incriptions semitiques de la Syrie,
de la Mesopotamie et de la Region de Mossoul. Paris,
V. Lecoffre MDCCCCVII. (II, II, 228 p. av. XLII pl.)
Fol. fr- 80—

Pognon gibt in diefer Sammlung was er auf feinen
Reifen während eines zwanzigjährigen Aufenthaltes in
den arabifchen Provinzen des ottomanifchen Reiches an
femitifchen Infchriften gefehen hat oder doch in Abdrücken
und Photographien erlangen konnte. Es find das zwei
Infchriften in Keilfchrift, eine altaramäifche und zwei
andere aramäifche Infchriften, die übrigen 113 Nummern
fyrifche Infchriften nebft zwei arabifchen und einer tür-
kifchen, die zur Ergänzung einer fyrifchen dienen. Andere
arabifche Infchriften, die P. gefunden, hat er teils wegen
der Schwierigkeit ihrer Entzifferung, teils wegen der Be-
deutungslofigkeit ihres Inhalts nicht aufgenommen.

Die Ausftattung des Werkes in den alle Infchriften
reproduzierenden Tafeln und im Druck ift glänzend, wie
man es an Veröffentlichungen aus der Imprimerie Nationale
gewohnt ift. Das Prinzip der Anordnung der Infchriften
ift mir nicht verftändlich geworden. Jeder Infchrift ift
ein forgfältiger Kommentar beigegeben über Sprachliches,
Geographifches und Gefchichtliches. Einzelne Erläuterungen
dehnen fich aus zu felbftändigen Exkurfen. Zu
der altaramäifchen Infchrift wird S. 209fr. ein Gloffar
gegeben, ebenfo S. 211 f. zu den beiden andern aramäi-
fchen, S.'2i3ff. aus den fyrifchen Infchriften ein Supplement
zu dem Lexikon von Payne Smith. Semitilten und Hi-
Itoriker find Pognon für feine mühfame Sammelarbeit
und feine vortreffliche Bearbeitung des Materials zu großem
Danke verpflichtet.

Unter den Infchriften ift von hoher Bedeutung die
als Nr. 86 S. 156—178 mitgeteilte und befprochene altaramäifche
des Königs ,Zakir' (IDT) aus dem 8. vorchrift-
lichen Jahrhundert, die P. im J. 1903 aufgefunden hat.
Seit den Funden von Sendfchirli ift auf weftfemftifchem
Boden, wenn man von den aramäifchen Funden in Ägypten
abfieht, eine fo wichtige Entdeckung nicht gemacht worden
. Für biblifche Fragen ift der neue Fund noch bedeut-
famer. Diefe Infchrift ift nach P. die ältefte unter den
bisher bekannt gewordenen aramäifchen. Allerdings läßt
fich bezweifeln, ob fie älter ift als die Hadad-Infchrift von
Sendfchirli, die P. für nichtaramäifch hält. P. gibt den
Fundort nicht an, teilt nur mit, daß er weniger als 200
Kilometer vom Mittelmeer entfernt fei. Jedenfalls ift er
in der Gegend von Damascus oder Hamat zu fuchen,
wahrfcheinhch zwifchen beiden Städten. P. verfchweigt
den Fundort, weil außer einem von ihm käuflich erworbenen
Block und drei andern von ihm gelefenen Stücken,
über deren Verbleib er nichts angibt, noch weitere In-
fchriftteile an Ort und Stelle zu vermuten find, die er
vor unberufenen Händen bewahren und eigener Erfor-
fchung vorbehalten möchte. Das von ihm Gefehene find
Fragmente eines Monolithen; Refte eines Basreliefs über
der Infchrift, das eine Perfon im Profil darftellte, find
erhalten. Die vier gefundenen Blöcke find, zufammen-
gefetzt, in 3 Heligravüren abgebildet, die Vorderfeite
und die Schmalfeiten, auf denen allen fich Schriftzüge
finden. Die Infchrift bezeichnet die Stele als eine Weihung
des Zakir, Königs von Hamat (rvori) und ,Laafch' (109b),
an den Gott ,AW ("flbtf, ein bisher unbekannter Name).
Der Gott Baalfchamajin (pi32t2)bS>h, gefchrieben als ein
einziges Wort; die Wörter find durch Striche getrennt)
hat dem Zakir die Herrfchaft gegeben und ihm beige-
ftanden gegen Barhadad (TTtTÜ), Sohn des Hazael (b»m),
König von Aram, und feine Verbündeten, die nach ihren
Reichen aufgezählt werden, darunter ein König vonSchamal
(bSttTB). Sieben Könige haben die Stadt Hazrak (l"im)
belagert. Zakir hat feine Hände zu Baalfchamajin erhoben
, und diefer hat durch feine Seher (Jim) ihm Ermutigung
zugefprochen. Weiterhin werden eine Reihe
von Gottheiten genannt in nicht vollftändig erhaltenem
Zufammenhang; es ift aber deutlich, daß ihr Beiftand
angerufen wurde gegen jeden, der diefe Stele befeitigen
würde. Lesbar find die folgenden Gottesnamen und
-Bezeichnungen: Baalfchamajin, TibK, Schamafch, Schahar
(-im©), die Götter des Himmels und die Götter der Erde
(fjjifcl» i[m]b» und pia ifrfj*]). — Es kann keinem Zweifel
unterliegen, daß der Barhadad diefer Infchrift identifch
ift mit dem altteftamentlichen Benhadad, Sohn des Hafael.
Damit find feit langer Zeit geführte Verhandlungen über
den Namen Benhadad zu einem Abfchluß gelangt. Belege
für diefe Namensform außerhalb des Alten Teftaments
f. Artikel ,Hadad' PRE.3, VII, S. 283 f. Wie die Affyrer
dazu kamen, dem einen der verfchiedenen Könige, die
das Alte Teftament mit diefem Namen benennt, den
Namen Adadidri beizulegen, bleibt noch dunkel. Vielleicht
beruht der Name Benhadad für ihn auf einer Verwechfe-
lung.^ — Ferner darf mit P. angenommen werden, daß
der Stadtname 'Jim identifch ift mit dem bisher trotz des
affyrifchen Hatariku noch immer einigermaßen unverbindlichen
-Jim Sach. 9, 1. — Religionsgefchichtlich wichtig
ift außer dem neuen Gottesnamen nbfct befonders die
Stellung des Baalfchamajin. Vor noch nicht langer Zeit
konnte ein erfter Sachkenner hohes Alter diefes Gottesnamens
in Abrede ftellen; feitdem haben wir ihn aus einer
affyrifchen Infchrift in feiner altphönizifchen Form kennen

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