Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1908 Nr. 20

Spalte:

560-562

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Petschenig, M. (Ed.)

Titel/Untertitel:

Sancti Aureli Augustini: Scripta contra Donatistas. Pars I: Psalmus contra partem Donati, contra epistulam Parmeniani libri tres, de baptismo libri septem 1908

Rezensent:

Jülicher, Adolf

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

559

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 20.

560

darf man als eine der erfreulichften Erfcheinungen des
Jahres 1908 bezeichnen. Zumal der Herausgeber mit
glücklicher Umficht alles getan hat, um fie zu einem
feiner großen Edition faft gleichwertigen Werk zu machen,
namentlich keine für die Sache dienliche Notiz aus
feinen Apparaten darin fortgelaffen hat — bloß Rufin ift
natürlich verfchwunden.

Was zum Ruhme der von Schwartz auf Eufebs h. e.
I—V verwendeten Arbeit gefagt worden ift, findet in
dem zweiten Teil eine glänzende Beftätigung. Das Ge-
fchäft des Herausgebers wird hier, wenigftens bei den 3
letzten Büchern, noch fchwieriger, weil in den Hand-
fchriften Parallelberichte durch einander laufen, die aus
den verfchiedenen von Eufeb felber veranftalteten Ausgaben
der Kirchengefchichte herrühren. Schwartz glaubt
4 folche Ausgaben unterfcheiden zu können (vorläufig
mag man feinen Artikel über Eufebius von Caef. in Pauly-
Wiffowas RE XI, befonders S. 1403—8 zu Rat ziehen!);
die bloße Vergleichung der Handfchriftengruppe BDMJtVl
mit der ATER (hinter h. e. VIII 17 nur noch AER) liefert
den Beweis für ftarke Streichungen, die Eufeb zuletzt
vorgenommen hat, und ihre Motive liegen ebenfo auf
der Hand wie bei den Nachträgen zu dem älteften, nach
Schw. mit dem Toleranzedikt des Galerius abfchließen-
den und noch bei Lebzeiten des Maximinus niederge-
fchriebenen Entwurf. Das Material zur Entfcheidung der
ganzen verwickelten literarkritifchen Frage wird aus den
Handfchriften in mufterhafter Überfichtlichkeit vorgelegt
, und gelegentliche Notizen unter dem Text helfen
dazu, den Tatbeftand in diefer Richtung richtig zu erfaffen.

Andersartige Bemerkungen im Apparat wie zu 638, 20
,voreufebianifche Interpolation' oder zu /. 21 ,~~>Ä mit
für Dionys richtiger Konjektur' greifen nicht über die j
dem Textrezenfenten gedeckten Grenzen in das Gebiet ]
des Interpreten über; Winke wie zu 902, 17—24 .Umänderung
eines älteren Schluffes, vgl. . .' find gerade fo j
dankenswert wie der Verweis bei Varianten z. B. 852, 12 j
auf 902, 21 und umgekehrt. Sie könnten noch häufiger j
erfolgen, z. B. würde die Neigung, 867, 25 die von M
wahrlich nicht glänzend gedützte LA övvyö&rjfisvcjg (für
Gvvrjöd-rjusvovg ARcBD) mit Schwartz zu akzeptieren,
etwas wachfen, wenn man an die eben erwähnten yö&r]-
tjfcvcoc-Stellen erinnert würde; auch an Orig. c. Cels.
ed. Koetfchau I 197, 18 dürfte man denken. Bewundernswert
erfcheint mir Schw. nach wie vor in dem ficheren
Takt, mit dem er bei Varianten auswählt, wie in der
Zurückhaltung, mit der er feine Konjekturen verwendet,
meift bloß (f. 866, 24) um auf Schwierigkeiten des haud-
fchriftlichen Textes aufmerkfam zu machen: kühner wird
er mit gutem Recht, wo die Uberlieferung eine fchmalere
ift wie bei der 2. Rezenfion von de mart. Pal. S. 911fr.
Avast(iuJi)lmv 526, 25 würde ich nicht wagen, wo jt von
niemand überliefert ift und die Phrafe unbezeugt fcheint;
darf man dem Eufeb, der siövovg avaxlag liebt, nicht
auch ein inkorrektes xapaxovg ävaxXcöv zutrauen? Nach
wie vor glaube ich, daß Schw. die Zeugen BDM ein
wenig zu überfchätzen geneigt ift. Z. B. 858, 13 wird
deren vjtsgaiQouEvov ftatt sstaig. aus II Theff. 2, 4 bezogen
fein, wie ihr von Schw. verachtetes ävvtpcäv 865,
10 ftatt aviGxmv aus ip 112, 7 ftammt, während AT etc.
fich an I Regit 2, 8a halten.

Die Sauberkeit der Korrektur ift unübertrefflich; auf
Druckfehler, die erwähnt werden dürften, bin ich überhaupt
nicht geftoßen; über mangelhafte Auskunft im
Apparat hat man in feltenen Ausnahmefällen zu klagen:
518, 4 z. B., wo der von Schw. gebotene Text kaum erträglich
ift, follte der Wortlaut bei A genauer angeführt
fein. In dem Nachweis der Autoren, die Eufeb benutzt
oder die ihn ausgefchrieben haben, kann fich Schw. nicht
genug tun — wer den Fortfehritt der Wiffenfchaft beobachten
will, vergleiche bloß diefe Vollftändigkeit und
Genauigkeit mit den bisherigen Ausgaben! Höchftens
Bibelftellen fcheinen ihm noch entgangen zu fein; denn

I zu dem Hippokrates-Zitat 866, 8 ift's nur ein bei dem
I Schüler des Origenes nicht ganz wertlofer Nachtrag, daß
Eufeb aus Orig. c. Cels. IV 15 — von Koetfchau nicht
bemerkt — jenen Satz des großen Arztes kennen konnte.
Einige Verweifungen auf A und NTliche Parallelen würde
ich fogar ftreichen, weil die Anklänge gar zu unerheblich
find, z. B. IOI2, 24 II Cor. 3, 3, 862, 3f. tp 148, 12 und
vollends Gen. 2, 15 zu 856, 21. Das von Schw. vergeblich
gefuchte Zitat 990, 14 fteht ip 34, 15c; 1015, 1 gehört
vor II Cor. 4, 7 ,Col. 2, 3'. II Tim. 2, 22 ift 526, 24 wie
912, 12 unerwähnt geblieben, I Tim. 5, 23 zu 529, 29k

1 Tim. 2, if. zu 894, 19—21. Bei 949, 22k wäre ,vgl.
Rom. 15, 22' nachzutragen, bei 947, 7—9: Phil. 4, 8, bei
991, 20k: I Cor. 10, 33 und bei 1004, 14: Mt. 26, 50.

Im Befitz der Prolegomena und Indices, die bei
Schwartz die höchfte Zuverläffigkeit und Ausführlichkeit
erwarten laffen, wird man vielleicht einige verdorbene
Stellen anders reftaurieren als es bei Schw. gefchehen
ift, und jedes Bemühen der Art verfchiebe ich getroft
bis nach ihrem Erfcheinen: es wird dann aber nur noch
klarer fein, daß wir das fefte Fundament und alle Hilfsmittel
, um im Verftändnis von Eufebs Kirchengefchichte
weiterzukommen, diefer meifterhaften Ausgabe von
Schwartz verdanken.

Marburg i. H. Ad. Jülich er.

Avgvstini, Sancti Avreli, Scripta contra Donatistas. Pars I:
Psalmvs contra partem Donati, contra epistvlam Par-
meniani libri tres, de baptismo libri Septem. Recensuit
M. Petfchenig. (CorpvsScriptorvm Ecclesiasticorvm
Latinorvm. Editvm consilio et impensis Academiae
Litterarum Caesareae Vindobonensis. Vol. LI) Vin-
dobonae, F. Tempsky MDCCCCVIII. (XXIII, 387 p.)
gr. 8° M. 13 —

Die antidonatiftifchen Schriften Auguftins, foweit fie
uns noch erhalten find, haben in Petfchenig, dem bei
Joh. Caffianus und Victor von Vita wohlbewährten Mitarbeiter
des Wiener Corpus scriptorum eccl. lat., zu unferer
Genugtuung einen Herausgeber erhalten, wie fie ihn
verdienen. Auf 3 Bände ift der Inhalt von Mignes
tomus 43 verteilt worden; offenbar ift die Arbeit an den
beiden letzten Bänden fchon fo weit gefördert, daß Petfch.
ihr baldiges Erfcheinen in Ausficht ftellen darf. Diefer
erfte umfaßt den psalmus contra partem Donati vom
Jahr 393, die 3 Bücher contra epist. Parmeniani (v. J. 400?)
und die bald darnach verfaßten 7 Bücher de baptismo.
Sach- und Wortregifter werden dem Schlußbande vorbehalten
, erfreulicherweife enthält auch fchon diefer Band
einen Index locorum; die bezüglichen Abfchnitte aus
Auguftins Retractationes findet man auf S. 16. 142. 376.

Außer der mufterhaften Akribie des Flditors fallt
feine Sparfamkeit auf; keinen Vorwurf braucht er fo
wenig zu fcheuen, wie den, daß er ein Wort zu viel
gefagt hätte. Übrigens auch den nicht, daß er fichs
bequem mache: das Verzeichnis der von Aug. benutzten
Bibelftellen und anderer Parallelen ift bei ihm um vieles
reicher geworden; auch die immer wiederkehrenden Schriftworte
identifiziert er pünktlich, und hat nur für ein paar
unerhebliche Ergänzungen Raum gelaffen. Im textkri-
tifchen Apparat fuhrt er, um feine Entfcheidung zwifchen

2 Varianten zu rechtfertigen, nicht feiten verwandte
Stellen aus den anderen antidonatiftifchen Schriften an,
z. B. 23, 20 zugunften von manifestata gegen manifesta,
oder verweift wie zu 50, 21 auf Roenfch, Itala und
Vulgata, oder bei zweifelhafter Bedeutung auf das entfpre-
chende griechifche Wort (sustinent = ävapivovGi). Da
wünfehte man denn gelegentlich noch mehr: 41, IO war in
dem Zitat aus der Donatiften-Petition an Julian — das als
folches nicht kenntlich gemacht wird — die Richtigkeit
von sola justitia gegenüber dem handfehriftlich glänzend
bezeugten solum j. durch Aufzählung aller Parallelen,