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Ausgabe:

1908 Nr. 19

Spalte:

534-537

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diekamp, Franz

Titel/Untertitel:

Doctrina Patrum de Incarnatione Verbi. Ein griechisches Florilegium aus der Wende des siebenten und achten Jahrhunderts 1908

Rezensent:

Bonwetsch, Gottlieb Nathanael

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 19.

534

die Seitenzählung der Parifer Ausgabe (Tom. III) vom
Jahre 1638 verzeichnet, I, 10 S. 14= p. 47C: buoXoycöv,
während bfioX.oynvv, auf das Subjekt xb fivdxt'/giov bezogen
, augenfcheinlich das Richtige ift. — M. hat V, 2
S. 24 = p. 50D die gewöhnliche Zeichenfetzung: dosßsq,
duoXoy streu xavxcoq ort . . . ouoXoyTjOovdiv, die auf einem
Mißverfländnis des bei fpäteren Schriftftellern nicht
feltenen xdvxmq ort beruht. Das Komma muß mit
Oehler hinter uuoZoyslxcu gefetzt und demgemäß überfetzt
werden: ,Ift dies eingeftandenermaßen ungereimt und
mit der Gott fchuldigen Ehrfurcht unverträglich, fo
können fie nicht umhin zuzugeftehen, daß ufw.' — M.
lieft VI, 6 S. 38 = p. 55 C: övvaxbv ö uv elf) xcu 61 oXiyov
xolq tvxEiilsoxtpotq xctgalstairai rbv X.byov, dementfpre-
chend fchon Morel überfetzte: qui ad credendum faci-
liores fuerint. ,Krabinger', bemerkt Oehler, ,hat auf
Grund einer oder zweier feiner Hff. die nach Sinn und
Zufammenhang der Stelle nicht unhaltbare Vulgate dxet-
ß-sdxigotq verlaffen und svxsi&söxsgoiq aufgenommen', er
überfetzt daher durchaus angemeffen: ,doch dürfte es
möglich fein, den mit minder willigem Glauben uns Entgegenkommenden
auch in Kürze die Sache auseinanderzusetzen
'. — M. hat VIII, 10 S. 56 = p. 61C folgenden
Text: 0 ro?c ftsv yavvoxigoiq axttXij xcu Oxv&gmxcöv
iöxtv sxavögilcoöiq, welch letzteres Wort auch Krabinger
, wahrend der überlieferte Text sxavddxaoiq bietet,
aus zwei feiner Hff. aufgenommen hat mit Außeracht-
laffung feiner einleuchtenden, von Oehler mit Recht in
den Text gefetzten, Verbefferung ixavdx aOiq. Beide
durch xcu verbundene Begriffe müffen hier offenbar finnverwandt
fein, fo daß Oehler richtig überfetzt: (es ift die
Rede von gewiffen Schmerzen beim Endgericht) ,was für
die Törichteren als eine Mahnung und Androhung
fchrecklicher Dinge gilt, damit wir, durch Furcht vor
einer fchmerzlichen Wiedervergeltung zur Befinnung gebracht
, das Böfe meiden' ufw. — In VIII, 13 S. 58 =
p. 62 C ift in Meridiers^ Text: xcu ydg jlöti xb eoö[isvov
xcu xijv xgbq xb ytvofisvov bgui/v ovx txc6?.vOev das
ftatt yivout vov von Oehler gefetzte ysvbusvov wenig-
ftens wert erwogen zu werden. — Bei Oehler findet fich
in Kap. XIV_ p. 69A bei den Worten: Ovx dxogovusv
xcu xgoq xovxo {rsoxgsxovq axoxgiosmq die Bemerkung:
,Herkömmlicher, aber völlig ungerechtfertigter Weife
beginnt hier ein neues Kapitel [fo auch bei M. S. 78].
Auf Grund hdfchrftl. Autorität habe ich den Anfang des
neuen Kapitels weiter unten nach den Worten xtjq dv-
d-gcoxoxtjxoq öcaxsiutvijq verlegt', d. h. p. 69C, S. 62 (bei
M. am Ende von § 3 S. 78), was Billigung verdient. —
XX, 4 S. 100 = p. 66D lefen wir bei M.: olq xs-yvixT/
xiq övvauiq svsgysl xgbq xrjv xov xduvovxoq laotv.
So fetzte auch Krabinger nach 2 feiner Hff, Oehler dagegen
ovvsgysl. ficher das Beffere: ,die allein führen
diefes Wollen zum Vollbringen, welche bei Heilung des
Kranken die Kraft des ärztlichen Gefchicks unterftützt.
— XXIII, 1 S. 106 M. = p. 79B: Avvaxbv Laxe 61 dxo-
ZovtJov oxoyaoubv xiva xyq tjitOvuiaq avxov XaßetV, el
x et xgoönXa yivtuxo i)ulv xcbv tgjxovuivcov xexurjgia.
Oehler bemerkt S. 84: ,Xaßslv, slxa xgoönXa hat die
Parifer Ausgabe, der fich eine von Krabinger benutzte
Münchener Hf. anfchließt. Aus zwei anderen Münchener
Hff. hat Krab. Xaßslv, st xct xg. hergeftellt, wie fchon
Hervet überfetzte: capere aliquant coniecturam eins cupi-
ditatis. si sint nobis manifesta signa eorum quae quac-
runtur'. Oehler fetzte als feine, wie mir fcheint fehr an-
fprechende, Vermutung slx' luv in den Text: ,Wir können
folgerichtig über fein Begehren mutmaßen; fpäter durften
wir offenbare Beweife für untere Unterfuchung erlangen
'. — XXVII, 5 S. 130 = ja. 87B. M. u. Oehh lefen:
txsgcp 6s xivl ysixvicbv xctl svXtjxxov sx xov ovvsyyvq
yiyvotxo, letzterer aber bemerkt: ,Die richtige Lesart
fcheint mir die Münch. Hf. n. 23 zu bieten, welche ysix-
vio'jy hat. Diefe Lesart beftätigt wohl auch die Münch.
Hf. n. 84 durch die Korruptel ysixvicnvi'. — Soviel

über den Text (S. I—199). Die ,ATotes critiques et ex-
plicatives' (p. LIX—LXXXV) find durchaus zweckent-
fprechend, dasfelbe gilt von dem Index (S. 201—211).

Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

Butler, E. C., Authorship of the Dialogus de Vita Crysostomi.

Estratto dal Volume Unico stampato a cura del Co-
mitato per i festeggiamenti del XVo Centenario di san
Giovanni Crisostomo. Roma, Tipografia poliglotta
della S. Congregazione de Propaganda Fide 1908.
(14 p.) Lex.-8»

Namentlich von Seiten der ruffifchen Theologie ward
das Gedächtnis des 1500jährigen Todestages des Chry-
foftomus durch nicht wenige ihm gewidmete Abhandlungen
gefeiert. Aber auch im Abendland hat man ihn
nicht unbeachtet gelaffen. Einen Teil der römifchen
F'eftfchrift bildet die Abhandlung Dom Butlers über den
Autor des Dialogus de vita Chrysostomi. Butler erinnert
daran, daß fowohl die neuefte Monographie über Chry-
foftomus von Dom Chr. Baur, S. Jean Chrys. et ses oevres
dans l'histoire litteraire, Löwen 1907, als auch Preufchens
Artikel in der Realenzyklopädie Palladius, den Verfaffer
der llistoria Lausiaca, für den Autor des Dialogs halten,
daß aber ein ftrikter Nachweis für feine Autorfchaft noch
nicht erbracht ift. Jener Bifchof, der als Unterredender
im Dialog erfcheint, kann freilich Palladius nicht fein.
Aber eine andere Frage ift, ob nicht diefer den Dialog
verfaßt hat. Die Biographen des Chryfoftomus im 7.
Jahrh. halten ihn dafür. Ebenfo bezeugt den Palladius
von Helenopolis als den Verfaffer der cod. Medic. Laurent.
Flut. IX, cod. 14, s. XI, die einzige Handfchrift des
Dialogs, auf die, wie Dom Baur Butler mitgeteilt, alle
übrigen und die 1533 herausgegebene lateinifche Über-
fetzung zurückgehen. Immerhin könnte eine nachträgliche
Identifizierung des Autors mit dem Palladius von Helenopolis
vorliegen; nur innere Gründe können daher ent-
fcheiden. Zu diefem Zweck hat Butler zunächft neben-
einandergeftellt überrafchend zufammenftimmende Ausdrucksweifen
im Dialog und in der Lausiaea. Größeres
Gewicht legt er auf die gleiche Art der Verwertung von
drei Schriftftellen (die Verbindung von Mt. II, 18 mit
Mt. 21,32 und die Geftalt, in der Mc. 2,16 und 1 Joh. 2,18
benutzt und eingeleitet find) und auf die auffallend übereinkommenden
Mitteilungen über folche Perfonen, mit
denen der Autor beider Schriften perfönliche Berührungen
gehabt hat. Das Zufammentreffen ift in der Tat ein derartiges
, daß man den Nachweis der Identität des Ver-
faffers für erbracht anfehen muß. Das Überzeugende
diefes Ergebniffes und die überaus umfichtige und vor-
fichtige, zugleich lichtvolle Durchführung der Unterfuchung
machen die Lektüre diefer kurzen Schrift zu einem Genuß.
Göttingen. N. Bonwetfch.

Diekamp, Prof. Dr. Franz, Doctrina Patrum de Incarnatione
Verbi. Ein griechifches Florilegium aus der Wende des
fiebenten und achten Jahrhunderts. Zum erften Male
vollftändig herausgegeben und unterfucht. Mit zwei
Tafeln. Münfter i. W., Afchendorff 1907. (XCI, 368 S.)
gr. 8° M. 20 —

Ein Werk von Diekamp zu befprechen bereitet ftets
Freude. Philologifche Schulung und Gründlichkeit, voll-
ftändige Behenfchung des Materials, ein forgfältig erwogenes
und gefundes Urteil, klare und durchfichtige
Darfteilung darf man von vornherein erwarten. Die vorliegende
Ausgabe der Doctrina patrum de incarnatione
verbi, die nun endlich einmal diefe vollftändig und in
zuverläffiger Geftalt darbietet, weift alle diefe Vorzüge
auf. — Zunächft orientiert eine Einleitung S. I—XCI über
die Handfchriften, die bisherigen Ausgaben und Unter-