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Ausgabe:

1908 Nr. 14

Spalte:

403

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sievers, Eduard

Titel/Untertitel:

Samuel. Metrisch herausgegeben. Erster Teil: Text 1908

Rezensent:

Beer, Georg

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4°3

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 14.

404

Tradition doch zu wenig Rechnung, wenn er den nationalen
Charakter der älteren Jahwaereligion leugnet, wenn er
den Gedanken, daß Jahwae der Helfer Israels ift, mög-
lichft in den Hintergrund drängt, und wenn er den ge-
fchichtlichen Heilstatfachen (Befreiung aus Ägypten),
denen die Tradition eine grundlegende Bedeutung beimißt,
fo gut wie gar keine Bedeutung zuerkennen will. Nach
alledem halte ich die Ausführungen des zweiten Hauptteils
für wefentlich verfehlt; das Werk Mofes wird man
am glücklichften bei Budde, Die Religion Israels bis
zur Verbannung, Gießen 1900, formuliert finden.

Halle a. S. C. Steuernagel.

Sievers, Eduard, Samuel. Metrifch herausgegeben. Erfler
Teil: Text. (Metrifche Studien. III.) Des XXIII. Bandes
der Abhandlungen der philologifch-hiftorifchen Klaffe
der Königl. Sächfifchen Gefellfchaft der Wiffenfchaften
No. IV. Leipzig, B. G. Teubner 1907. (118 S.) Lex. 8°

M. 4.50

Der rhythmifierten Genefis hat Sievers die rhyth- I
mifierten Bücher Samuel rafch folgen laffen.

Daß der Stoff von 1. u. 2. Samuel fich für rhyth-
mifche Behandlung eignen würde, ift gar kein Zweifel.
Wie fchön ließe fich z. B. David als Mittelpunkt eines
altisraelitifchen Heldengedichtes denken 1 Da die pri-
mären Quellen der Davidgefchichte älter als die Penta- j
teuchurkunden J und E find, fo müßte auch die Wieder- |
herftellung der Texte nach ihren dichterifchen Urmaßen j
um fo ausfichtsvoller fein — eben wenn die Texte ur- j
fprünglich Gedichte waren!

Die Mittel, deren fich Sievers bei feinem neueften
Rhythmifierungsverfuch bedient, find die gleichen, wie !
bei feiner Genefis vgl. Theol. Lit.-Zeitung 1907 Nr. 23.
Vorab erhalten wir nur die tranfkribierten und fkandierten 1
Texte und am Ende eine kurze Überficht über die Quellen- '
fcheidung. Am Fuße der Seiten (tehen textkritifche Noten.
Einfiweilen kann ich nur bei meinem, gelegentlich der
Anzeigen über Sievers' Genefis und über den von ihm
zufammen mit Guthe behandelten Arnos in diefer Zei- J
tung 1907 Nr. 23/24 abgegebenem Urteil beharren. Solange
meine dort ausgefprochenen Bedenken gegen das
Vorhandenfein einer altisraelitifchen Dichtung mit und
ohne Paralcllismus membrorum und gegen die vielen von
S. angenommenen Enjambements nicht befeitigt find,
bleibe ich fkeptifch, obwohl ich mein Ohr gegen S.s
Verfe nicht grundfätzlich verfchließe. Nehmen wir z. B.
2. Sam. 15, 1 —IO den Anfang der Erzählung von Ab-
faloms Empörung gegen David vor, fo follen wir hier
um das S.fche Metrum gelten zu laffen (Siebner wechfelnd
mit Vierern und Dreiern), billigen, daß die Zäfur zwifchen
stat. constr. und abhängiges Wort fällt, z. B. 15,2 { f*n
-|Jh£>rT; ebenda bsil»i | irjaü; 15, 7 D^SIS | fp"ü. Oder beachte
auch die auffallenden Einfchnitte 15, 5 ib | pvnm;

15, 9 roi-an | pbn Ebenda foli üibtroN nbitPi raran

einen Dreier bilden! 15, 2 follen wir fkandieren rlTtt""^
-ubiOl tTi» -iTP oder 15, 4 «isrb3 Stti l'bfTl — das
Rheinen mir alles Vergewaltigungen einem fubjektiven
Schema zuliebe. Je mehr folche Abnormitäten auf
einer kurzen Textflrecke vorkommen — und es find noch
nicht alle aufgezählt — defto mehr hat man zum Kopf-
fchütteln Anlaß!

Straßburg i. Elf. Georg Beer.

Hauler, Otto, Die Urform der Pfalmen. Das erfte Buch
des Pfalters in metrifcher Umfchrift und Überfetzung.
Großenhain, Baumert & Ronge 1907. (XI, 187 S.) gr. 8°

M. 4-

Haufer befchäftigt fich mit dem Pfalter, zunächft 1
mit Pf. 1—41, als Dichter. Das ift das Originelle und

j Bedeutfame an feinem Buch. Es verbindet ihn mit Herder
,ein gleich reges Intereffe für die Literatur aller Völker'
(S. VIII).

Als Dichter lächelt er ,über die gelehrten Unter-
fuchungen über das hebräifche Metrum', ,denn diefelbe
Unbeholfenheit und Täppifchheit, wie fie bekanntlich
ein . . . gewiffes Grautier auf dem Eife hat, offenbarte
fich' ihm bei ihnen. Diefe Erfahrungen will H. namentlich
' bei den Arbeiten E. Sievers' gemacht haben (ebenda)
— er fcheint S.s Metrifche Studien I zu meinen. Über folche
Bekenntniffe läßt fich verfchieden urteilen. Wären fie am
Platze, dann wäre über fämtliche metrifchen Arbeiten über
das A.T. der Stab gebrochen. Denn bis auf weiteres bleibt
es dabei: ift etwas an der a.t.lichen Metrik, dann wird
fie in dem von Sievers zu Ehren gebrachten Ley'fchen
Syftem zu fuchen fein. Schließlich zollt auch H. diefer
Metrik feine Anerkennung. Denn er redet wie die Anhänger
diefes Syftems von Hebungen, 3—5 hebigen Verfen.
Nur Sievers' Enjambements will H. für den Pfalter nicht
gelten laffen. Auch Strophenbildung erkennt H. mit
Sievers an. Der Pfalter Soll aber neben Vier-, Drei-
und Sechszeilern auch ,Strophengebilde von weit größerer
Künfüichkeit befitzen', was mir zweifelhaft ift.
Leider fehlt dann eine methodifche Anleitung zum metrifchen
Lefen der Gedichte. Wir erfahren nur, daß H.
bereits vor 10 Jahren, als er bei Lötz und Sellin Hebräifch
ftudierte, ficher war, daß den Pfalmen Regelrechte Metren
zugrunde liegen müßten' (S. 18). Es kommt alfo bei
H. darauf hinaus: Gefühl ift alles — auch die Metrik!

Im übrigen ift Haufers Arbeit textkritifch beachtenswert
, wenn auch kein ftrengerer wiffenfchaftlicher
Maßftab angelegt werden darf. Zum Ruhm erwähnt fei,
daß Haufer, als Dichter, der LXX zu den Pfalmen großen
Wert beilegt. Die Pfalmen werden nach der Reihenfolge
der kanonifchen Sammlung vorgeführt. Der Text wird
auf den linken Blättern tranfkribiert, gegenüber rechts
fteht die deutfche, metrifche Überfetzung, deren Lektüre
wirklich oft einen dichterifchen Genuß bereitet. Darunter
fteht, über beide Seiten, ein textkritifcher Kommentar.
Leider ift die Tranfkription recht nachläffig. Man vergleiche
nur einmal Pf. 19 und 23! mßaprim, jabia1, fcham
(!öiö), kgibor, miptar (hftDi) ufw. Auch die Rückübersetzung
der LXX ins Hebräifche ift mitunter willkürlich;
z. B. Pf. 19, 5 Ende foll rb Oxrivcoua avrov = irTO bn«
fein. Pf. CXXXII, 3 (nicht CXXI1, 3 wie H. angibt) ift
itT1^ bntf = öxrjvmfia o'ixov (iov oder fo foll XQi'iav ovx
exsig Pf- 16, 2 = -312 b2 fein (H. fchreibt zarkekha!).

H. ruft feinen Kritikern zu: Soyons amis; ich will
gern dazu gehören! Da und dort fallen wirklich einige
gute Früchte aus H.s Werk für die Kritik ab: z. B. ergänzt
m. E. Haufer mit Recht nach LXX Pf. 1, 4 p xb,
oder 19, 20 ebenfalls nach LXX "Pütt vor <Tin

Straßburg i. Elf. Georg Beer.

Haupt, Prof. Paul, Biblilche Liebeslieder. Das logenannte
Hohelied Salomos. Unter fteter Berückfichtigung der
Überfetzungen Goethes und Herders im Versmaße
der Urfchrift verdeutfcht und erklärt. Leipzig, J.C. Hin-
richs'fche Buchhandlung 1907. (LVI, 135 S.) 8°

M. 4.50; geb. M. 5.50

Unter dem Namen ,biblifche Liebeslieder' verfteht
Paul Haupt das Hohe Lied, in dem er eine nach Beginn
der Seleuciden-Ära in Damaskus zufammengeftellte Sammlung
volkstümlicher hebräifcher Hochzeits- und Liebeslieder
fieht, die alle bei Hochzeiten gefungen worden
fein können, wenn fie auch zunächft nicht für diefen
Zweck verfaßt waren (S. XIII). Diefe Sammlung umfaßt
nach ihm folgende 12 Lieder: I. Der Brautzug: 3,6—11;
II. Schwerttanz der Braut mit Schilderung ihrer Reize:
6, 10 (ich zitiere abweichend von Haupt nach der he-
bräifchen Bibel) 7, 1. 2. 8. 6. 5. 10. 7. 3; III. Die Brüder