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Ausgabe:

1908 Nr. 8

Spalte:

246-248

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Faut, S.

Titel/Untertitel:

Die Christologie seit Schleiermacher, ihre Geschichte und ihre Begründung 1908

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 8.

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Widmung der Wartburgpoftille an Graf Albrecht von
Mansfeld vom 26. November E. A. 7 2 2 verwiefen, und auf
die Bemerkung über die Meffe in Mailand CR. 1,498 Abf. 2

ift der Abfchnitt ,Luthers Gedanken über den Aufbau
der neuen Gemeinden', in denen fich Müller mit W. Köhlers
Ausführungen (Deutfche Zeitfchr. f. Kirchenrecht 16, 211

die auf Luthers eigener Beobachtung beruhte, vgl. die j und Chr. Welt 1907, Nr. 16) berührt und fie durch die
S. 28. Anm. angegebenen Stellen. Dann aber wird man Schriften und Briefe von 1522 ergänzt. Ebenfo zu be-

erfl recht nicht mit Barge 1, 344 an Karlfladt als Ver
faffer des Gutachtens C. R. 1, 494—500, Nr. 161 denken
dürfen. Denn es ift kaum anzunehmen, daß die Freunde
Karlftadt in das Geheimnis der Anwefenheit Luthers

achten ift der Abfchnitt über den Begriff der fides aliena
bei Luther S. 220. S. 24 Anm. 1 erkennt Müller an, daß
der Befuch eines Auguftiners bei Luther auf der Wartburg
anzunehmen ift, wie Ref. einen folchen auf den

einweihten, da fie feinen unzuverläffigen Charakter nur 1. November angefetzt hat (Stud. u. Krtt. 1897, 321), S. 25

zu gut kannten. Die letzten Predigten der Wartburg- Anm. 6, Barge 2, 547, 34 dürfte ftatt des fonderbaren

poftille aber beweifen klar, wie Luther von der Lage der Ausdrucks ,ein funderlicher priefter' zu lefen fein: ,ein

Dinge in Wittenberg dachte, und wie er über Karlftadt sundersichen priefter', d. h. ein Priefter des Sonderfiechen

und Zw illing urteilte. Aber mit Recht hebt Müller hervor
, daß es zunächft die Eilenburger Ereigniffe waren,
welche in Luther fchon im Januar den Gedanken an
einen Abgang von der Wartburg anregten. Sehr ein>
gehend und gelungen ift der Nachweis, daß Luther gegen

haufes. S. 67, 1. Z. 1. Kolde 2, 38. Zu S. 97, Anm. 2 ift
die Frage, ob 2 Tage für den Weg von der Wartburg
bis Lochau ausreichen. Ref. hat a. a. O. 1897, 370 3 Tage
angenommen, aber es wäre fehr erwünfcht, wenn darüber
Nachweife aus den Archiven gegeben würden. S. 99,

den Willen des Kurfürften auf eigene Fauft nach Witten- t Anm. 1 fragt Müller, was die große Veränderung fei
berg ging, was ja auch Herzog Georg im April anerkannte. I von welcher der Kurfürft in feiner Inftruktion an Oswald

Die Beweismittel für Barges allenthalben Auffehen erregenden
Satz, daß Luther als Exekutor der katholifchen
Reaktion, ja als Mandatar des Reichsregiments in Wittenberg
eine Gegenreformation gegenüber Karlftadts Reformation
eingeleitet habe, fallen in nichts zufammen. Sehr

von c. 26. Februar fagt ,Es ftunde darauf, daß die Ding
mittler Zeit zu einer großen Veränderung kommen
möchten'(C/ZI, 563,8ff.). V. Bezold und Kawerau denken
an politifche Verhältniffe der Zeit, Müller aber an eine
große Umwälzung, welche von Wittenberg fich auf ganz

ftark ift der Irrtum Barges, daß der Brief des Herzogs Deutfchland ausbreiten könnte. Aber es war Februar 1522.
Georg nicht erft am 24. Februar (Matthiastag), fondern j Damals befchäftigte die Geifter eine große Veränderung
am 6. in die Hände des Kurfürften gelangt fei. Und ! der Dinge, welche im Februar 1524 eintreten follte, und
wie befcheiden ift im ganzen die Reftauration, wie ganz : mit der fich auch Luther im Februar 1522 befchäftigte.
im Dienft der Seelforge an den noch unreifen Gemeinde- E. A. I02,Ö9, Anm. Vgl. Enders 3. 72. Das ift die
gliedern, wie fchonend und rückfichtsvoll das Betragen große Sintflut infolge einer von Joh. Stöfler geweiffagten
Luthers und feiner Freunde gegen Karlftadt. der heim- i Konftellation der Planeten. Der Kurfürft will alles im

lieh eine Schrift gegen Luther verfaßt, der mit päpftlicher
Schalmei die Schafe verführt, als Tyrann Gottes Gericht
über das verführte Volk bringt, und doch am 21. Dezember
1522 Luther faft eidlich beteuerte, er fchreibe

Anftand laffen, bis fleh zeigt, ob die Sintflut .Gottes
Willen und Werk' hindern würde. Luther geht in feiner
Antwort auf diefe Sorge nicht näher ein, befeitigt fie
aber mit den Worten: Wenn E. F. G. glaubte, fo würde

nichts gegen ihn, während fchon mehrere Bogen gedruckt j er Gottes Herrlichkeit fehen. E. A. 53, 109.
in den Händen einer Kommiffion waren. Nicht gerecht geworden ift Müller Barge 1, 456 und

Ebenfo unredlich und unberechtigt ift die Art, wie I dem Satz Karlftadts Barge 2, 565 Z. 22ff.: ,Contra Och-
Karlftadt in Orlamünde fich eindrängt und dem Herzog ! senfardum indoctum et stultum doctorem, qui dixerit com-
Johann etwas vorfpiegelt. Karlftadt bezog nur das Ein- i memorationem significare sacerdotetn, alioquin se nescire,
kommen der Pfarrei Orlamünde. Die Pfarrei aber ge- ubi et quando Christus ordinavit sacerdotes. Mit comme-
hörte der Univerfltät, der Kurfürft hatte alfo, was Müller moratio meinte Ochfenfart Luk. 22, 19: hoc facite in
S. 137 bezweifelt, mit Recht beftritten, daß Karlftadt die meam commemorationem. Mit diefem Wort habe Jefus
Pfarrei inne habe. Es ift ganz undenkbar, daß je ein feine Jünger zu Prieftern gemacht. Die große Verlegen-
Univerfltätprofeffor als folcher Pfarrechte in einer der heit für die katholifche Theologie war die Frage: Wann
inkorporierten Univerfltätspfarreien beanfprucht oder aus- hat Jefus feinen Jüngern die Priefterweihe erteilt, daß fie
geübt hätte. Darüber werden wohl Stutz' Forfchungen den Kelch empfangen und das euchariftifche Opfer darüber
die Pfarreien der Univerfltät Freiburg volle Klarheit 1 bringen konnten. Das muß während des Abendmahls
fchaffen. Es gehört der ganze Mangel an Rechtsbewußt- 1 gefchehen fein. So lehrte auch Ufingen in der Schrift
fein, den Karlftadt fchon bei feiner Romreife bewiefen ' über die Euchariftie, welche vor einigen Jahren ein
hatte, zu feinem Auftreten als Pfarrer in Orlamünde. Münnerftadter Ordensbruder herausgegeben hat, die aber
Eine genaue Prüfung der Nachrichten ergibt nach Müller leider Ref. augenblicklich nicht zur Verfügung fleht. Vgl.
weiter, daß Luthers Darftellung diefer Periode in Karl- RE. 163, 51,4. S. 207 Z. 34 ift ftatt lufanz wohl fchanz
ftadts Leben in feiner Schrift ,Wider die himmlifchen zu lefen. Das Spiel ift über die Priefter gegangen.

Stuttgart. G. Boffert.

Propheten' ganz mit den Briefen und Akten fich deckt
und von einem Schutz der reinen Lehre durch Polizeigewalt
bei Karlftadts Ausweitung aus Sachfen nicht die
Rede fein kann. Denn diefe wurde wegen der Gefahr Faut, Stadtpfr. Lic. Dr. S., Die Chriftologie leit Schleier-
desAufruhrs verfügt, während Luther nur feine Entfernung macher, ihre Gefchichte und ihre Begründung. Tü-
aus dem Saaletal beantragt hatte. hinopn T r u i/i«r._ rxrnr .„„ 0 on
Sehr wertvoll ift die Richtigftellung, daß Karlftadt b,ngen' * C B- Mohr (VIII, 102 S.) gr. 8<>
es war, der im Frühjahr 1525 ein Gefpräch mit Luther M. 2.80
wünfehte. Nicht zu überfehen ift die kurze wertvolle Diefe durch Gründlichkeit und lichtvollle Darfteilung
Ausführung über Luther im Bauernkrieg, deren Schluß ausgezeichnete Schrift zerfällt in zwei Teile. Der erfte
wohl Gehör findet, befonders nachdem jetzt auch Luthers entwirft die Gefchichte der Chriftologie im XIX. Jahredles
Verhalten gegen den Exulanten und die Energie, hundert (2—64). Nach einem kurzen Rückblick auf den
mit der er im Widerfpruch mit dem ganzen Hof beim Rationalismus, fchildert F. zunächft diejenigen theolo-
Kurfürften für Karlftadt eintritt und ihm Hilfe erwirkt, gifchen Richtungen des XIX. Jahrhunderts, bei denen
und daneben die Heimtücke in Karlftadts Brief an Schwenk- das alte chriftologifche Dogma die Grundlage' der Chrifto-
feld und Krautwald und feinen neuen Schriftfätzen ins j logie bildet. Der Vf. unterfcheidet vier Gruppen von Ver-
hellfte Licht geftellt ift. | fuchen, welche die Überlieferung, fei es pofitiv, fei es
Hervorragend fchön und allgemeiner Beachtung wert negativ zur Vorausfetzung haben: die Reftauration bezw