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Ausgabe:

1908 Nr. 7

Spalte:

198-201

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Deubner, Ludwig

Titel/Untertitel:

Kosmas und Damian. Texte und Einleitung 1908

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 7.

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für den Syrer hält fich G. einfach an Seeberg. Die Les- I
arten der von mir verglichenen griechifchen Hff. find
übernommen; ich hätte noch einige andere (von zwei Hff.
in Turin, durch H. Achelis verglichen, und zweien der
Vaticana) zur Verfügung stellen können, aber tatfächlich
ergeben fie kaum etwas Neues, auch das rätfelhafte
■ejtavd-iöa in Kap. 11 wird durch fie nicht erklart; wie
lange wird es noch dauern, bis wir eine neue Ausgabe
des ganzen literar- und religionsgefchichtlich höchft wichtigen
Romans Barlaam und Joafaph (vgl. auch Geffcken
S. 316) erhalten, die allerdings eine Vergleichung von
allein über 70 griechifchen Hff., die überallhin zernreut
find, erfordern würde!

Ich gehe auf die Textrezenfion felber noch mit
einigen Worten ein, für die vornehmlich die zwei Hauptverfionen
, die griechifche (G) und die fyrifche (S) in Frage
ftehen. Es handelt fich 1) um die Entfcheidung über die
Abweichungen im einzelnen, d. h. die Kenntlichmachung
des aus der einen oder andern Verfion Vorzuziehenden
im Haupttext (über der Linie), und 2) um die Stellung- |
nähme zu der Frage der Einteilung der Völker und
deren Genealogie (in Kap. 2 bezw. fpäter, vgl. namentlich
Kap. 13).

Zu 1). Mit dem von mir beobachteten Kanon (f.
oben) vereinigt Geffcken trotz feiner Bevorzugung von
G (XXXVI) den andern, daß S in vielen Fällen recht zu
geben fei (was nicht geleugnet werden foll), und vermeidet
die Methode des Nebeneinanderabdrucks beider
Verfionen in Zweifelfällen, macht aber in den Anmerkungen
durch befondern Druck kenntlich, was etwa außer
dem darüber Angegebenen an befferen Lesarten vorhanden
fein könnte. Dies Verfahren ift nur fcheinbar
vorfichtig und übersichtlich, führt aber doch gelegentlich
dazu, den Wert des Überlieferten herabzudrücken, wie
z. B. unter Kap. 2 S. 5, wo der wirkliche Textbeftand
bei S gar nicht erfichtlich wird. Auch hätte zu Kap. 16 f.
S. 26h manches aus G unter dem Texte noch durch
Druck ausgezeichnet oder als fichere Lesart übernommen
werden müffen, was ich in meiner Ausgabe
fchon getan hatte (dagegen ift evo3Tireo{)-ai als LXX-
Ausdruck fchwerlich als urfprünghch anzunehmen). Man j
darf alfo fchon aus diefen Gründen nicht von einer ab-
fchließenden Ausgabe reden, vielmehr wäre für eine folche
eher das Verfahren von D. M. Kay (in Menzies' Supplementband
zur Ante-Niccne Chrißian Library 1897, p.
263—-279, mit einer Einleitung) vorzuziehen, der beide
Verfionen in Parallelkolumnen neben einander abdruckt. 1
Es ließen fich ja die ficheren Übereinftimmungen auf j
beiden Seiten dennoch hinreichend deutlich machen.

Zu 2). Auch die Schwierigkeit, die fich bei diefem
Verfahren ergäbe, die erhebliche Differenz in der Haupteinteilung
(Kap. 2 und fpäter) ohne Verkürzung der einen
oder anderen Verfion zum Ausdruck zu bringen, wäre
durch wiederholten Abdruck der Verfionen an den Haupt-
ftellen, wo die Differenz hervortritt, zu vermeiden. Denn
wie auch jetzt noch der Stand der Frage nach meinem |
Dafürhalten liegt, bringt eine ftrikte Entfcheidung für
oder gegen die eine der beiden Verfionen in diefem j
Punkte, foweit fie wenigstens in der Textkonftruktion in
ausfchließendem Sinne vorgeführt wird, auf jeden Fall
eine Vergewaltigung mit fich. Ich gebe zu, daß Geffcken
(nach Harqack, Die Miffion) gewichtige Gründe für die j
Urfprünglichkeit der (doppelten) Dreiteilung (G) beige- j
bracht hat, aber feine Auskunft, die genealogifchen Bemerkungen
zu fpalten und an den Anfang der fpäteren
Ausführungen über die einzelnen Völker zu verfctzen,
ift angefichts des einfachen Gedankenfortfehritts bei Ari-
ftides doch mindestens gewagt. Denn 1) liegt dem Autor
doch daran, nachdem er in Kap. 2 (cf. I) das Programm feiner
Ausführungen gegeben hat, der Reihe nach zu zeigen,
wie die einzelnen Völker zu Gott ftehen. Eine genealo-
gifche Bemerkung würde da jedesmal die Eingangsaufforderung
nebft anfchließender Ausführung unterbrechen, 1

während fie im Zufammenhange am Anfang (Kap. 2) einen
guten Sinn hat; 2) wird eben der erkennbare Zufammen-
hang der vierfachen — was S zu feiner Änderung des
Völkerprogramms veranlaßte — genealogifchen Aufreihung
durch Verfetzung ihrer Teile zerriffen. Daß das
erste Glied fpeziell auf die Chaldäer Bezug hat, wird
man nach Geffckens Nachweis zugestehen müffen und
fich nicht darüber wundern dürfen, daß bei der dritten
Unterabteilung (Ägypter) eine Genealogie überhaupt
fehlt. Denn auch nachher ift die Ausführung über die
Ägypter ganz in die über die Griechen hineingebettet,
dafür wird aber in der genealogifchen Bemerkung über
die Juden Ägypten wenigstens erwähnt und der unzerreißbare
(von Geffcken zerriffene) Anfchluß der ent-
fprechenden Bemerkung über die Christen an die vorhergehende
über die Juden durch die Erwähnung der
Hebräer bezw. der hebräifchen Jungfrau ficher gestellt.
Bei feinen Vorausfetzungen unnötig und nicht zu rechtfertigen
ift es nun 3), wenn Geffcken trotz fonft geäußerter
Neigung für S den mechanifchen Eintrag von
G am Anfange von Kap. 13, der alle drei Völker wiederholt
, statt des deutlicheren und dem Folgenden durchaus
angemeffenen Überganges von S bevorzugt und es
fogar für möglich hält, baß die ,Dichter und Philofophen'
in 13,5 (nach G) auf alle drei Völker urfprünghch bezogen
fein könnten. Er drückt fich allerdings S. 45 f.
fchwankend aus, aber eben diefes Schwanken beweilt,
daß die von ihm getroffene Entfcheidung von erheblichen
Schwierigkeiten gedrückt ift. Auch mit dem Wegfall
der drei Völker in diefem Kap. ließe fich das von G
in Kap. 2 gegebene Programm m. E. aufrecht erhalten.
Was aber S, der in Kap. 13 nur von den Hellenen redet,
den Vorzug zuerkennen läßt, ift noch ein Äußerliches:
Ich hatte hier wörtlich rücküberfetzend rpöjroig (im Sy-
rifchen deutlich erkennbar) y.ai löym (das loyoiq ift Druck-
verfehen) vorgefchlagen. Das durfte einstweilen nicht zu
beanstanden fein. Die Annahme, daß S hier eine Vorwegnahme
habe eintreten laffen (S. 76h), ift fchwer zu
halten. An einer anderen Stelle Kap. 15,2 G, S. 2310 für
.durchbohrt' glaubt Geffcken S. 85 unter Hinweis auf
13,6 in lotpayrj das richtige Wort gefunden zu haben;
daß ftimmt aber nicht, da S felbft tatfächlich an beiden
Stellen ein verfchiedenes Wort hat. Hier muß die Vergleichung
ähnlicher patriftifcher Wendungen weiterhelfen.
Zu 7,1 S, S. 10 5—s liegt übrigens eine äußerst treffende
Parallele, die meines Wiffens von den Auslegern noch
nicht bemerkt worden ift, in Hippol. ed. de Lagarde 148
p. 207 f. vor, eine zweite bei Vetter a. a. O. S. 538 f.

Doch damit des Äußerlichen zu Ariftides genug.
Hoffen wir, nach den trefflichen Erfahrungen diefes Buches,
daß Geffcken feine Arbeiten über die Apologeten, ein-
fchließlich der Gegner (insbefondere Porphyrius), fortfetzen
und uns damit neuen Dank abnötigen wird.

Betheln (Hannover). E. Hennecke.

Deubner, Ludwig, Kosmas und Damian. Texte und Einleitung
. Leipzig, B. G. Teubner 1907. (VII, 240 S.)
gr- 80 M. 8 —

Das Buch ift eine Fortführung der bereits 1900 erschienenen
Studien des Verf.s über die Inkubation {de
ineubatione capita quattuor scripsit L. Deubner. Lipsiae,
Teubner 1900). Da diefe auch für den Theologen beachtenswerten
Unterfuchungen in diefer Zeitfchrift keine
Befprechung gefunden haben, fei ihr Inhalt kurz wiedergegeben
. Es handelt fich um die im Altertum weitverbreitete
Sitte, durch Schlaf an heiligen Stätten, im Tempel
bestimmter Heilgötter entweder Heilung oder aber im"
Traum Anweifung zu folcher zu finden. D. befpricht
zunächft den heiligen Traum als folchen, die Einteilung
der Träume bei den Alten, deren übliche Requifiten; fo-
dann die bei der Inkubation beachteten Riten und Symbole
(Faften, Wafchungen, Salbungen, Opfer uff ); endlich