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Ausgabe:

1908

Spalte:

186-189

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schian, Martin

Titel/Untertitel:

Die evangelische Kirchgemeinde 1908

Rezensent:

Bassermann, Heinrich

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den Lutheranern in Antwerpen noch zu erforfchen fein. , Clemen, Priv.-Doz. Prof. Lic. Dr. Carl. Zur Reform der

1576 widmete er den aus Antwerpen nach Aachen ge- praktifchen Theologie. (IV, 80 S.) M. 1.80

flüchteten Evangelifchen feine Schrift ,Von dem Jubel- _ •

jar der Juden, Chriften und Papiften' (Frankfurt 157;, E9er> D,r- Prof- D- Karl- D,e Vorbildung zum Pfarramt der

114 S.). Irrig fchreibt Pont das Lied des Speratus ,Es Volkskirche. Befteht die derzeitige theologifch-wiflen-

ifl das Heil uns kommen her'Luther zu (S. 91), während fchaftliche Vorbildung zum Volkskirchlichen Pfarramt

der Ketzername ,Stenkfeld' von diefem, nicht von grundfätzlich zu Recht, und ift fie ausreichend? (IV,

Schlüffelburg flammt, wie S. 158 Anm. 2 gefagt ift. g Mi 70

Es wäre fehr erwünfcht, wenn Ponts Beiträge rüflig 1 ■> 1 • •/

weiter fchreiten würden. Haupt, PalL Hans, Die Eigenart der amerikanirchen Predigt.

Stuttgart. G. Boftert. (II, 46 S.) M. 1.20

-—----Schian, Priv.-Doz. PalL Lic. Dr. .Martin, Die evangelilche

Tfchackert, Prof. D. Dr. Paul, Modus vivendi. Grundlinien Kirchgemeinde. (III, 114 S.) M. 2.70

für das Zufammenleben der Konfeffionen im Deutfchen (_ Studien zur praktifchen Theologie. 1. Band. 1. bis
Reiche. München, C. H. Beck 1908. (V, 143 S.) gr-8" 4. Heft.) Gießen, A. Töpelmann 1907. gr. 8°

M. 2.80 j-)as Er-fcheinen diefer Studien, von denen hier der

Der Göttinger Gelehrte verfolgt in dem vorliegenden ! erfte Band vorliegt, darf man freudig begrüßen; denn
Buche, das in der Einfamkeit von Davos entftanden ift, es befteht wirklich das Bedürfnis nach einem Auf-
den edlen Zweck, mit feiner reichen Lebenserfahrung ein nahmeort für praktifch-theologifche Arbeiten, welche für
namhaftes Teil zu dem dringend nötigen, fchiedlich-fried- Zeitfchriften zu umfangreich, andrerfeits aber zu ernft und
liehen Zufammenleben der beiden Konfeffionen innerhalb zu wenig .aktuell' gehalten find, als daß fie fleh in Form
des deutfchen Reiches und feiner Kolonien beizutragen, einer Einzelbrofchüre zur Geltung bringen und dem Schick-
So lobenswert auch diefes Unternehmen ift und fo zweifei- fal des fofortigen Vergeffenwerdens entgehen könnten,
los gut gemeint fein Ratfchlag: ,Das Gemeinfame pflegen, Die praktifche Theologie hat heute wirklich mancherlei zu
das Trennende zurückftellen' (S. 40), fo wenig Hoffnung fagen, wofür auch ihre .Lehrbücher' nicht den genügenhege
ich doch für den tatfächlichen Erfolg desfelben. Denn '• den Raum zur Verfügung haben. — Daß jedoch diefe
wie Tfchackert felbft mehrfach äußert (S. 47. 115. 119 ufw.), Studien von dem Hauptherausgeber Clemen im erften
werden die Wünfche, die er vor allem an den katholi- Heft eingeleitet werden unter dem Titel ,Zur Reform
fchen Kletus lichtet, noch recht lange Zeit frommeVVünfche der praktifchen Theologie', kann ich nicht glücklich
bleiben, und wird nur der evargelifche Teil gewilltund im- finden. Es klingt anmaßend, obwohl es nicht fo gemeint
ftande fein, feine Mahnungen zum Frieden zu beherzigen, ift. Alle ,praktifche Theologit', die diefen Namen ver-
Andererfeits aber fcheint mir auch der bis in die Tiefe | dient, ift reformatorifch in Beziehung auf die Praxis;
gehende prinzipielle Gegenfatz zwifchen der katholifchen natürlich ift fie auch felbft der Weiterbildung bedürftig
und evangelifchen Religionsauffaffung von Tfchackert all- und fähig wie jede junge Wiffenfchaft — und fie gehört
zufehr nivelliert und in ein bloßes Mehr und Minder ver- 1 zu den jungen —, aber ob man das als ,Reform' be-
mindeit worden zu fein, das den Tatfachen nicht entfprichr. zeichnen foll, ift mir fraglich. Jedenfalls kann ich von
So, wenn er S. 50t. fchreibt: ,In den Theorien vom Glauben eigentlich Reformatorifchem in dem erften programma-
werden die Gelehrten tiefgehende Verfchiedenheiten kon- tifchen Hefte nichts finden. Im Gegenteil: dem von
ftatieren; aber das gehört vor das Forum nur der Theo- mancher Seite fo verpönten Syftematifieren wird das
logen; die Laienfchaft hüben und drüben wird immer Wort geredet (2L) und bei der Frage nach der Methode
empfinden, daß wir an denfelben Gott und Heiland die Berechtigung der Gefchichte anerkannt (13). Ich freue
glauben, nur daß die Katholiken noch vieles dazu mich, diefen alten Grundlagen der praktifchen Theologie
glauben.' Manche Urteile find nicht zutreffend, fo wenn auch hier zu begegnen, und konftatiere, daß die lediglich
er S. 50 fchreibt: ,Aus dem Urchriftentum haben wir ! empiriftifche, nur auf Bedürfniffe und Wirkungen (ich
gemeinfam die Taufe und erkennen fie uns gegenfeitig ! gründende Methode doch (S. 23. 35) nur maßvoll zur
an', während doch die katholifche Kirche faft allgemein Anwendung kommt. Wenn der Verf. auf die .Einteilung'
die Praxis der bedingten Wiedertaufe für Konvertiten einen befonderen Wert zu legen fcheint (S. 24—79), fo
eingeführt hat, oder S. 59: ,Überblicken wir die deutfchen j will mir das auch nicht der richtige Weg zur ,Reform'
Verhältniffe in Beruf und Gefellfchaft, fo dürfen wir ge dünken; denn das Reformatorifche liegt ficher nicht hier,
troft behaupten: fie haben uns längft geeinigt' Anderes , fondern in den Teilen felbft und ihrem Inhalt. Zudem
ift zum mindeften fehr problematisch, fo S. 69: .Unfere : fcheint mir die von Cl. gegebene Grundeinteilung (die
Hoffnung, daß doch auch im politifchen Leben von Seiten j Pflege des religiös-fittlichen Lebens I. durch die Genieinder
Katholiken Deutfchlands ein erträgliches Verhältnis | fchaft [= Liturgik], II durch die Organe der Gemeinfchaft)
hergeftellt werden kann, wird beftärkt durch die erfreu- ganz unannehmbar. Ich wüßte nicht, wie die Gemeinliche
Wendung, welche die deutfchen Katholikentage fchaft überhaupt ohne Organe handeln follte, auch auf
genommen haben' und S. 74: ,Dazu kommt, daß in der I dem liturgifchen Gebiet. Von der Untereinteilung des
öffentlichen Schule in der Behandlung der Kinder keine j II. Teils will ich hier nicht reden. Auch die zahlreichen
Ausnahmen gemacht werden können.' — So fordert Themen und Probleme, die im Laufe der Darftellung

das Buch Tfchackerts öfters zum Widerfpruche auf, vor
allem dadurch, daß er den Katholizismus um einiger temporärer
erfreulicher Erfcheinungen willen in einem ent-
fchieden zu rofigtn Lichte darfteilt und daran Hoffnungen
knüpft, die bei dem ultramontanen Geift, der gegenwärtig
auch in der deutfchen katholifchen Kirche herrfcht, ent-
fchieden noch kein Anrecht auf baldige Verwirklichung
in fich tragen.

Bremgarten. A. Bruckner.

berührt werden, können hier nicht befprochen werden.
Ohne fcharfe fyftematifche oder ftrenge hiftorifche Begründung
können die hier, gewiffermaßen vorläufig gefällten
Orteile nichts Einleuchtendes haben. Daß fie
mitunter fehr fraglich find, zeigen die höchft anfechtbaren
Äußerungen über Kirchenmufik (39) f., fowie der
Vorfchlag (41), die Bibellektionen mit Erläuterungen
zu verfehen: ich würde an der praktifchen Theologie
keine Freude haben, welche eine ihrer .Zukunftsaufgaben
' darin fleht, ,neue Melodien (vielleicht z. T.
unter Benutzung der ausländifchen Mufikliteratur) zu
finden, bezw. zu erfinden'; und die Lektionserläuterungen
würden einem vermutlich die Lektionen ganz ungenießbar