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Ausgabe:

1907

Spalte:

161-163

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holtzmann, Oskar

Titel/Untertitel:

Neutestamentliche Zeitgeschichte. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage 1907

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 6. l6- März 1907. 32. Jahrgang.

Holtzmann, Oskar, Neuteftamentliche Zeitge-

fchichte, 2. Aufl. (Schürer).
Bludau, Juden und Judenverfolgungen im alten

Alexandria (Schürer).
Knopf, Der Text des Neuen Teftaments

(Gregory).

Zimmermann, Der hiftorifche Wert der älteften
Überlieferung von der Gefchichte Jefu im
Markusevangelium (H. Holtzmann).

Clernen, Paulus, fein Leben und Wirken,
2 Teile (H. Holtzmann).

Wrede, Das literarifche Rätfei des Hebräerbriefs
(Knopf).

Aicher, Das Alte Teftament in der Mifchna

[Biblifche Studien von Bardenhewer XI, 4]
(Schürer).

Hahn, Rom und Romanismus im griechifch-
römifchen Often (Blaufuß).

Des heiligen Irenaus Schrift ,Zum Erweife der
apoftolifchen Verkündigung', in armenifcher
Verfion entdeckt, herausgegeben und ins Deut-
fche überfetzt von Ter-Mekerttfchian und
Ter-Minaffiantz [Texte undUnterfuchungen
von Harnack und Schmidt, 3. Reihe I, 1]
(Bonwetfch).

Delisle, Notice sur les manuscrits du ,Liber
Floridus' de Lambert, chanoine de Saint-
Omer (G. Ficker).

Sägmüller, Die kirchliche Aufklärung am Hofe
des Herzogs Karl Eugen von Württemberg

(Mirbt). JCsJ}
Aus einem reichen Leben, Blätter der Erinnerung >>

J ü n g ft, Der Methodismus in Deutfchland (Mirbt}f_>V

an D. Erdmann (Schian). V'j. f

Labanca,Die Zukunft des Papfttums (BrucknerPyHL
Mayer, E. W., Das pfychologifche Wefen der N?^

Religion und die Religionen (Ritfehl).
Koch, Lehrbuch der Moraltheologie (Ritfehl).
Störring, Ethifche Grundfragen (Ritfehl).
Ernft, Über die Notwendigkeit der guten Meinung
(Thieme).

Holtzmann, Prof.D.Oskar, NeuteftamentlicheZeitgefchichte.

Zweite, vollftändig neu bearbeitete Auflage. (Grundriß
der Theologifchen Wiffenfchaften. Zweite Reihe.
Zweiter Band.) Tübingen, J. C. B. Mohr 1906. (XII,
431 S.) gr. 8« M. 7; — geb. M. 8 —

Von 260 Seiten der erften Auflage ift das Buch in
diefer zweiten Auflage auf 431 Seiten angewachfen.
Damit ift fchon gefagt, daß es zu einem großen Teile
ein neues Werk geworden ift. Die Erweiterung ift in
der Hauptfache dadurch herbeigeführt worden, daß die
Mitteilungen durchweg eingehender gehalten find als
früher. Der Rahmen ift im wefentlichen derfelbe geblieben
: auch die Auswahl der Stoffe aus der römifchen
Gefchichte ift die gleiche. In der Anordnung fallt
am meiften in die Augen, daß die «Jberficht über die
jüdifche Literatur, welche früher in dem § über die
Quellen untergebracht war (§ 4), jetzt in den letzten
Hauptabfchnitt über ,die jüdifche Religion' verwiefen ift,
wo fie angemeffenerweife die Einleitung bildet (§ 31).
Die ftärkfte Erweiterung hat eben diefer letzte Haupt-
Abfchnitt über ,die jüdifche Religion in neuteftamentlicher
Zeit' erfahren. Auch in der D-ispofition find hier — zum
Vorteil der Sache — einige Änderungen getroffen. Durch
dies alles hat die Brauchbarkeit des Buches ohne Frage
gewonnen. Wahrend früher die Knappheit meines Erachtens
eine zu weitgehende war, dürfte jetzt dasjenige
Maß getroffen fein, welches für die erfte Einführung in
diefes Gebiet angemeffen ift. Freilich kann ich nicht
verfchweigen, daß mir in einzelnen Abfchnitten die Form
der Darfteilung nicht überfichtlich und durchfichtig genug
erfcheint. Wichtiges und Unwichtiges wird zuweilen aut
einer Linie nebeneinander geftellt, auch Disparates verbunden
, nur deshalb, weil es eben im Neuen Teftamente
vorkommt. Am ftärklten ift der Eindruck der Unüberficht-
lichkeit in den chronologifchen §§ 16 u. 17 (S. 124—147),
wo es einem Anfänger zuweilen fchwer werden wird, fich
durch das viele pro und contra hindurchzufinden.

Im einzelnen feien noch folgende Notamina geftattet.
Beim 2. Makkabäerbuch S. 14 f. dürfte ein kurzer Hinweis
auf Niefes günftige Beurteilung desfelben nicht fehlen
(Hermes XXXV, 1900, auch feparat). — S. 35, über
IvaaQaut). habe ich (Gefch. I, 249) bemerkt: ,Rätfelhaft
bleibt das h>. Ich vermute, daß urfprünglich osyev =
"JD dageftanden hat, denn dies entfpricht dem griechi-
fchen örparr/veV. Dazu nun Holtzmann: ,daß der Über-
fetzer verltummelte hebräifche Worte in den ihm lefer-
lichen Beftandteilen abgefchrieben habe, wird hoffentlich
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aus dem Schürerfchen Werk demnächft verfchwinden'.
Da aus meinen Worten klar hervorgeht, daß ich eine
Verftümmelung des griechifchen Textes annehme, ift
diefe Kritik eine recht voreilige. — S. 95 über Sergius
Paulus vgl. die erfchöpfende Erörterung von Zahn, Neue
kirchl. Zeitfchr. 1904, S. 189—195 (die mehr Material
bietet als Lightfoot). — S. 96 über Lyftra als römifche
Kolonie neues Material bei Kornemann in Pauly-Wiffowas
Real-Enc. IV, 551 (Art. coloniae) und Dittenberger, Ori-
entis graeci inscr. sei. n. 536. — In der Chronologie der
Prokuratoren Felix und Feftus war Holtzmann früher
den aus Eufebius flammenden Anfätzen gefolgt (daher
Pauli Gefangenfchaft in Caefarea 53—55 n. Chr.). Er
nimmt dies jetzt ftillfchweigend zurück und fetzt mit
der Mehrzahl der Forfcher den Amtsantritt des Feftus
in das J. 60, alfo Pauli Gefangenfchaft in Caelarea 58—6b
n. Chr. (S. 144, 413). Von der Beweisführung, mitteilt
welcher diefes Refultat erreicht wird, gilt befonders das
oben über die Undurchfichtigkeit einzelner Abfchnitte ge-
fagte. — S. 153, der Adler, welchen Herodes am Tempel
anbringen ließ, befand fich nicht über der &vQa cogala
Act. 3,2, fondern über dem Tore des eigentlichen Tempelhaufes
(Antt. XVII, 151: vjieq rov fieyäXov jtvlcövog rov
vaov). Das Tor, welches vom Frauen-Vorhof zum Männer-
vorhof führte, war nicht den acht andern gleich (S. 153),
fondern größer als diefe (B. J. V, 204). Auch fonft
finden fich über die Tore des Tempels infolge ungenügenden
Verftändniffes des Jofephus mehrfach irrige
Angaben (S. 156 f.). Ganz übel ift die Behauptung, Jofephus
wiffe nichts davon, daß der Männer-Vorhof höher
gelegen habe als der Frauen-Vorhof (S. 157), da Jofephus
dies ebenfo benimmt fagt wie die Mifchna {B. J. V, 206.
Middoth II, 5. Sukka V, 4). — S. 173 f. fchließt fich H.
der bekannten fadduzäifchen Deutung von Lev. 23, 11 u. 15
an, wonach Pfingften immer am Tag nach Sabbath, alfo
am Sonntag zu feiern fei. H. fetzt voraus, daß die tat-
fächliche Sitte diefer Auslegung gefolgt fei, und nimmt
ferner an, daß man den erlten Nifan immer als
Sabbath gefeiert und mit diefem Sabbath eine
neue Wochenzählung begonnen habe (S. 174),
was bei dem reinen Mondjahr der Juden die Folge
gehabt habe, daß die letzte Woche des Jahres ,unter
Umftänden' [Poll heißen: in den meiften Fällen] gekürzt
wurde' (S. 129 f.). Hoffentlich findet diefe neue Kon-
ftruktion des jüdifchen Kalenders, welche auf fehr gebrechlichen
Stützen ruht, nicht allzu viele Anhänger.
— S. 240, über die Diafpora in Ägypten hätte wohl
etwas mehr Material gegeben werden dürfen. — S. 307.

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