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Ausgabe:

1907 Nr. 5

Spalte:

136-138

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Einleitung in das Neue Testament. II. Sprüche und Reden Jesu. Die zweite Quelle des Matthäus und Lukas 1907

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 5.

136

2) ~9 nach vorhergehender Tonfilbe (QiOffln) nicht betont
wird — 3?©© fcheint G. 2filbig zu lefen — deshalb
ift 1 vor ty' von G. getilgt. Ob in 10a 958 vor
©b©5"|i aus Zufall fehlt, oder auch dem Rhythmus geopfert
ift? 10b ift 5J958 (LXX »fco/ica = M?), das fachlich
entbehrt werden kann, des Versbaus halber geftrichen.

Nun die 3 erften Kinaverfe G.s. Hier gerät G. auf
Holzwege. Der I. Kinavers lautet 133 || 8©K ©139191 59
19135 und foll wahrfcheinlichft fkandiert werden 59
i{505 133 II 80» Qi"l9!9l. Das Zeilenende deckt fich mit Rebia
und die Zäfur fteht bei Darga. G. behält 8198 gegenüber
LXX 1819 bei. Das macht metrifch nichts aus. Aber
19135 133 ift unficher. LXX xosterov (fonft = 1300 Cor-
nill), hat vielleicht nur 1 Wort vor fich gehabt. Cornill
und Rothftein (Deichen 19135. Um 3 Hebungen in der
erften Hälfte zu erhalten, wird 59 betont. Ein Muß läge
vor, wenn der I. Kinavers felbft feftftände. Das ift aber
nicht der Fall, wie fich gleich zeigen wird. Der 2. Kinavers
lautet 1918 153© 533 13 || 9ßip 1310 91583 5 95 und ift
wahrfcheinlichft zu fkandieren 5333 13 || 9l3ip 1310 35583 595
1918 1530. Die 1. Hälfte klingt rhythmifch. 523 für
51530, nach LXX kt-ilinov, ift zuzugeben. Auch Streichung
des in LXX nicht überfetzten 139 nach ©1» müffen
wir uns gefallen laffen. Nun find aber 8©8 Oiltlil b9
19135 133 und 9ßip 1310 95583 595 zu deutlich parallele
Reihen. Sie werden von G. zerriffen und durch rhythmifch
nicht einwandfreie Kinaverfe erfetzt, vgl. das am Eingang
betonte 59 (vor DilMSl) und die rhythmifch bedenkliche
2. Kurzzeile des 2. Kinaverfes. Das Sündenmaß wird j
voll durch G.s dritten Kinavers TOpO || 55p (9)8) 590© 855
(139), wahrfcheinlichft zu fkandieren || 55p (958) 590© 85,5
(139) 9l3pO. Um diefen Vers zu akzeptieren, müffen wir
uns für'4 überlieferte Worte 3 Neuerungen G.s gefallen
laffen — das ift etwas des Guten viel! 1) Ergänzung von i
958 vor 55p 2) Zerreißung der engen Verbindung von 55p !
und 9i3pO und 3) die Herumziehung des in LXX fehlenden
139 hinter ©18 nach 9l3pO. Und mit dem allen j
werden die 2 guten parallelen Reihen des MT zerftört:
139 ©i» 1530 59523 13 und 9l3pO 55p 590© 855. Cornill
und Rothftein haben im allgemeinen das Richtige, wenn
fie 9a in 2 Diftichen mit gleichfchwebendem Maß zerlegen
. Giefebr. hat fich hier wohl durch Duhm beein-
fluffen laffen, der 9a auch in 3 Kinaverfe auflöft. Nur
Rheinen die von D. hergeftellten Kinaverfe für G. zu
kühn gewefen und deshalb durch beffere erfetzt worden I
zu fein, die aber die Nachprüfung auch nicht aushalten.

Ich glaube im Obigen gezeigt zu haben, daß G. im
2. Teil von Jer. 92—10 im allgemeinen richtig 3 Kinaverfe I
findet. Ihm im einzelnen folgen wird nur der, der a
priori von der Richtigkeit der G.fchen Metrik überzeugt i
ift. Im erften Teil hat G. dem Texte im Allgemeinen |
und Befonderen Gewalt angetan — ganz abgefehen vom
Metrum.

Ich werde mich hüten, das Gefagte zu verallgemeinern.
Dazu müßte ich fämtliche von G. vorgenommene Texte
nachprüfen, wozu ich weder Anlaß noch Luft habe. Wer
aber einen neuen Jeremia-Kommentar fchreiben will, wird
neben Cornill, Duhm und Rothftein auch Giefebrecht
Vers für Vers nicht unberückfichtigt laffen dürfen und
lieh von ihm fo oder fo gefördert finden.

Straßburg i. E. Georg Beer.

Driver, S. R., D.D., Litt. D., The Book of Job in the revised
Version. Edited with introduetions and brief anno-
tations. Oxford, Clarendon Press 1906. (XXXVI, 133
p.) 8° s. 2.6

Driver bezweckt durch die mit kurzen Anmerkungen
verfehene Ausgabe der ,Revised Version' des Buches
Hiob das Gedicht einem ,ordinary educated reader1 ver-
ftändlich zu machen. Stellt der Lefer nicht zu hohe j
Anforderungen, fo wird das Ziel auch erreicht werden. [

Eine Einleitung orientiert u. a. über Zweck und Inhalt
des Gedichtes und erörtert die in 1925fr. gipfelnde
Zukunftshoffnung. Der 583 fei nicht in chriftlichem Sinn
zu deuten, fondern als ,viudicator'. Jahwe wird fich feinem
Dulder nicht dauernd entziehen, fondern zuletzt, ,after Iiis
release from the troubles of the flesh, declare Himself
on his side, and grant htm the satisfying vision of Himself.
In dem großen Weltpanorama Jahwes Hi. 38fit. hat auch
das Leiden des Frommen einen Zweck. Verfaßt fei das
Gedicht in dem Jahrhundert nach der Rückkehr. Der
Dichter benutzte, wie die griechifchen Tragiker oder
Shakefpeare volkstümliche Traditionen. Auszufcheiden
find die Elihureden. Gelobt und öfter zitiert werden die
Kommentare von Davidfon, ,the Standard English Com-
mentary on Job' in der ,Cambridge Bible' und der neuefte
engl. Hiobkommentar von Peake (1905) in der ,Century
Bible'. Sehr inftruktiv find die den Text der Überfetzung
unterbrechenden Inhaltsangaben über kleinere oder größere
Sinngruppen.

Straßburg i. E. Georg Beer.

Harnack, Adolf, Beiträge zur Einleitung in das Neue Telta-
ment. II. Sprüche und Reden Jefu. Die zweite Quelle
des Matthäus und Lukas. Leipzig, J. C. Hinrichs'fche
Buchhandlung 1907. (IV, 220 S.) gr. 8°

M- 5—5 geb. M. 5.80
In diefem Beitrage zur Einleitung in das N. T. ift
der Verfuch gemacht, die Aufgabe, die gemeinfame
zweite Quelle des Matth, und Lukas (Q) zu rekonftruieren,
fchärfer zu faffen und ihr beffer zu genügen als das bisher
gefchehen ift. Den wichtigften Anlaß zur Unterfuchung
bot Wellhaufens Einleitung in die drei erften Evangelien
, die in das Ergebniß mündet, Q fei eine von Markus
abhängige, fekundäre Quelle. Die vorftehende Unterfuchung
beftätigt, daß es fich wirklich um eine einheitliche
. Ichriftliche Quelle handelt und daß fie wefentlich
den Umfang und die Anordnung gehabt hat, die ihr
Wellhaufen beilegt, aber fie kommt zu dem Refultate,
daß Q von Markus unabhängig und eine primäre Quelle
ift — die ältefte, in der Urgemeinde zufammengeftellte
Sammlung von Aoyoi rov 'itjOov bez. die AiöaGxalia rov
'frjöov. Sie ift von Paulus und feinem Evangelium (im
Unterfchiede von Markus) noch unabhängig; fie berück-
fichtigt das Leiden und den Kreuzestod überhaupt nicht,
fondern fchließt mit eschatologifchen Reden und Sprüchen;
fie hält überall den päläftinenfifchen Horizont inne und
hat den Spruch unkorrigiert überliefert, daß das Gefetz und
die Propheten fo lange bleiben, wie Himmel und Erde;
fie hat die Sprüche nicht oder nur im geringften Maße
zeitgefchichtlich gefärbt, ift von befonderen Tendenzen
frei und bietet daher eine fichere Unterlage für die
Kenntnis der Predigt Jefu. Daß fie von dem Apoftel
Matthäus redigiert ift, läßt fich aus inneren Gründen
nicht erweifen, aber noch weniger widerlegen. Zu hoch
darf man mit ihr nicht hinaufgehen; denn es wäre in
diefem Falle fchwer zu erklären, warum fie Markus —
auch wenn er in Rom fchreibt — beifeite gelaffen hat.
Aber der Ausbruch des großen Kriegs fällt nach ihrer Ab-
faffung: man wird diefe in griechifcher Überfetzung nicht
Ipäter als um das J. 60 anfetzen dürfen. Der Text der
Quelle läßt fich (wenn man zunächft die Abfchnitte vergleicht
, in denen Matth, und Luk. nur wenige Varianten
bieten, und dann zu den ftärker differierenden Abfchnitten
übergeht), mit größerer Sicherheit bez. Wahrfcheinlichkeit
feftftellen, als man bisher gehofft hat. Durch forgfältige
Beachtung des Sprachgebrauchs der beiden Evangeliften
laffen fich in der Regel zuverläffige Flntfcheidungen treffen.
Es ergibt fich — was von vornherein anzunehmen war —,
daß Luk. an mehreren hunderten von Stellen die Texte
ftiliftifch korrigiert hat; aber es ergibt fich auch, daß er
(abgefehen von diefen ftiliftifchen Korrekturen, die die