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Ausgabe:

1907

Spalte:

111

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schubert, Hans von

Titel/Untertitel:

Grundzüge der Kirchengeschichte. Ein Überblick. 3., verb. Aufl 1907

Rezensent:

Krüger, Gustav

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III

112

Studenten immer wieder nachdrücklich empfehlen, obwohl
ich Heglers oben wiedergegebene Bedenken teilen muß.

Gießen. G. Krüger.

Schubert, Prof. D. Dr. Hans von, Grundzüge der Kirchen-

gefchichte. Ein Überblick. Dritte verbefferte Auflage.
Tübingen, J. C. B. Mohr 1906. (VII, 304 S.) gr. 8°

M. 4—; geb. M. 5 —

Die neue Auflage diefes anregenden Buches, das in
diefer Zeitung 1905, Nr. 26, Sp. 699 ff. eingehend be-
fprochen wurde, ift nur in Kleinigkeiten verändert worden.
Es kann den Studierenden, und zwar nicht nur den Theologen
, nicht genug empfohlen werden; ebenfo gute
Dienfte wird es Laien tun, die nach einer fachkundigen,
nicht im engeren Sinne erbaulichen, aber durchweg die
treibenden Kräfte gerade der Frömmigkeit berückfich-
tigende Einleitung in die Kirchengefchichte fuchen.

Gießen. G. Krüger.

Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium.

Vom I.Januar 1903 ifl der lateinifche Profpekt diefes
großen Unternehmens datiert, und ich muß Herausgeber
und Lefer der Th. Lztg. um Entfchuldigung bitten, daß
ich erft jetzt dazu komme, darüber zu berichten, ebenfo
die Leiter und Mitarbeiter des Unternehmens. Vielleicht
hat es aber auch einen Vorteil, in unfrer viel produzierenden
Zeit, an Erfcheinungen erinnert zu werden, die
fchon etwas zurückliegen.

Schon lange wünfchten Theologen und Orientalinnen
ein Gegenflück zur lateinifchen und griechifchen Patro-
logie von Migne, oder beffer, zu dem Wiener Corpus
Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum; die griechifchen
chriftlichen Schriftfleller Berlins waren noch nicht in
Sicht, als das Verlangen nach einer entfprechenden
orientalifchen Sammlung fleh regte. So erfchien denn
fchon 1895 Parifot's Ausgabe des Aphraates als erfter
Band einer Patrologia Syriaca ed. R. Graffiti. Welche
Umftände Fortfetzung und rafches Fortfehreiten diefes
Unternehmens hinderten, weiß ich nicht; es blieb bei
diefem einen Bande. An feine Stelle trat aber bald
darauf die Patrologia Orientalis ed. R. Gr affin et F.
Nau, Paris, Firmin-Didol et de. Aus dem ,Avis des
Editeurs', wie er noch auf Bd. II, fasc. 3 fleht, fcheint
übrigens hervorzugehen, daß auch die Patrologia Syriaca
nicht ganz aufgegeben ift; denn es heißt da:

La Patrologie Orientale est destinee a completer les
Patrologies grecque et latine de Migne, dont eile emprunte
le format, ainsi que la Patrologie syriaque de Mgr. Graf-
fin. Tous les texts chretiens orientaux qui n'entrent pas
dans ces collections, sont donc de son ressort.

Eine große Reihe von guten Namen ift unter den
zur Mitarbeit gewonnenen aufgeführt (33 auf dem Um-
fchlag von II, 3). Von Bd. I find 4 Peile erfchienen,
von Perruchon und Guidi, Evetts, und Baffet bearbeitet,
ein 5ter von Baffet, Conti-Roffini, Guidi und Hackfpill
zu bearbeitender (Le Synaxaire Ethiopieti) fleht noch aus.
Dagegen liegen auch vom zweiten Band drei Teile vor,
von Kugener und Revillout, zwei fyrifche Leben des
Severus und koptifche Apokryphen. Wie diefe in einen
Band vereinigt werden können, verftehe ich nicht. Eben-
fowenig begreife ich, warum die Herausgeber, wenn fie
auf den Titelblättern keine Jahreszahlen geben wollten,
die nicht wenigftens auf der Rückfeite der Titel geben.
Sonlt ift, was ich von der Ausgabe gefehen habe, fehr
gut; fchönes Papier, guter Druck und ein Preis von 60 c.
für den Bogen großen Formats, während bei uns die Texte
und Unterfuchungen, die doch einen viel einfacheren
Satz haben, 50 Pf. koften. Welch große Verdienfte der
Herausgeber Graffin fich durch feine Erfindung des photo-
graphifchen Apparats mit Umkehrprisma um die Gei-

fteswiffenfehaften erworben hat, möge der Lefer der
Arbeit von Krumbacher entnehmen: die Photographie
im Dienft der Geifteswiffenfchaften (Neue Jahrbücher für
das klaffifche Altertum Bd. 17, Sonderdruck, Leipzig
1906, dazu Beilage zur Allgemeinen Zeitung 06, 285).

Wiederum weiß ich nicht, warum das Ünternehmen
nicht rafcher voranfihritt, und warum neben dasfelbe mit
dem genannten Profpekt vom 1. Januar 1903 das CSCO
trat, wie es von jetzt an genannt werden foll.1 Einer feiner
Leiter ift Guidi, der gleich beim erften Heft der PO beteiligt
war und noch weiter unter den Mitarbeitern der PO
genannt ift. Der Hauptleiter des Unternehmens fcheint
aber I.-B. Chabot, dem die fyrifche Literatur fchon fo
viele Veröffentlichungen verdankt, weiter H, Hyvernat
für das Koptifche und Carra de Vaux für das Arabifche;
ein Armenifcher Teil foll beigefügt werden, wenn ein
geeigneter Leiter dafür gefunden fei. Das Format diefes
Ünternehmens ift viel kleiner, 25:17 cm, der Preis 1 fr. für
den orientalifchen, fL fr. für den abendländifchen Satz.
Hier ift nämlich die nach einer Seite hin praktifche Einrichtung
getroffen, daß Text und Überfetzung getrennt ausgegeben
werden. Weniger praktifch fcheint mir, daß
für das Ganze zum voraus ein fo fetter chronologifch
angeordneter Plan ausgearbeitet wurde, daß alle einzelnen
Bände, wenigftens für die fyrifche Reihe, jetzt fchon
ihre Nummer haben. Für diefe ift beifpielsweife die Einteilung
Scriptores Syri A. Apocrypha sacra, Liturgica,
Canonica Bd. 1—21; B. Exegetica, Theologica, Phtloso-
phica Bd. 1 —125; C. Historica et Hagiographica Bd.
1 — 33; D. Opera peregrinae originis. Ift es fo ficher,
daß alle diefe 180 Bände erfcheinen werden? Kann nicht
auch die Nötigung entftehen, bis jetzt nicht ins Auge
gefaßte Schriftfleller einzufchalten? Wäre es da nicht
praktifcher gewefen, die Teile, wie es die Berliner Sammlung
macht, einfach nach der Zeit ihres Erfcheinens zu
numerieren, während man jetzt fchon A II 68 118, I
zitieren muß. Den Druck führt die Imprimcrie Nationale
aus, mit zum Teil ganz neuen Typen. Die fyrifchen
find im Vergleich zu den arabifchen etwas breit; das
Papier ift gut. Leider haben nun beide Unternehmungen
fich zum Teil fchon auf diefelben Werke geworfen, z. B.
die Gefchichte der Patriarchen Alexandriens in PO von
Evetts, im CSCO von Seybold. In einem Schreiben an die
Revue Critique vom 23. Sept. hat Seybold Befchuldigungen
erhoben, die Nau in einer Beilage zur RCr. vom
18. November 1905 in der fchärfften Weife zurückgewiefen
hat, nach meinem Eindruck mit allem Recht. Die Priorität
ift auf feiten der PO, aber das CSCO hat ihr durch
größere Energie den Rang abgelaufen, und da für Doppel-
pubhkationen auf diefem fo befchränkten Gebiet kein
Raum ift, follten die beiden Unternehmungen ein Abkommen
treffen, daß fie nicht diefelben Texte fall gleichzeitig
, die einen in Paris und die andern in Beirut, drucken
laffen. Doch hier gilt es nicht für die Zukunft Rat-
fchläge zu erteilen, fondern über fchon Geleiftetes zu
berichten; aber eines muß ein für allemal von den Benutzern
des CSCO verlangt werden, daß wer nach dem-
felben zitiert, ftets nach den Seitenzahlen der Originaltexte
zitiere. Diefe ftehen in den Überfetzungsbänden
am Rande, alfo laffen fich die Seitenzahlen des Textes
auch in der Überfetzung finden, nicht aber umgekehrt.
Und wie viel belehrenswertes ift in den bis jetzt erfchie-
nenen Bänden des CSCO fchon veröffentlicht worden!
Davon wird folgende Überficht zeugen.

Maulbronn. Eb. Neftle.

1) Für Deutfchland Otto Harraffowitz in Leipzig.