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Ausgabe:

1907 Nr. 2

Spalte:

53-54

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Simons, Eduard (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Kölnische Konsistorial-Beschlüsse. Presbyterial-Protokolle der heimlichen kölnischen Gemeinde 1572 - 1596 1907

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 2.

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des 3. Bandes zurückgeftellt, ein Mangel, der durch die j Die Niederländer bekommen ein befonderes Konfiftorium
wertvollen Biographien über Fabricius und die anderen (= Presbyterium), das feine Sitzungen für fich hält, aber

Brieffchreiber, die Schieß diefem Bande wie dem erften
beigegeben hat, nicht aufgewogen wird. Der noch aus-
ftehende 3. Band wird auch eine Biographie Bullingers
enthalten. Hoffentlich ift es dem Herausgeber vergönnt,

alle Monate mit dem Konfiftorium der Deutfchen tagt.
Die Prediger follten bei gemeinfamer Befoldung ge-
meinfam fein und fo die fortdauernde Gemeinfchaft bezeugt
und gepflegt werden. Aber diefer Gemeinfchafts-

ihn bald fertig zu ftellen, und damit das fchöne Denkmal verband hat fleh begreiflicherweife bald gelockert, die
zu vollenden, das er der fo anziehenden Perfönlichkeit
Bullingers durch diefen Briefwechfel gefetzt hat.
Weimar. H. Virck.

Gemeinden haben ihre Prediger für fich; daß der Zu-
fammenhang nicht völlig bricht, verhindern gemeinfame
Aufgaben, gemeinfame Bedrängniffe und nicht zum
wenigften die auf der Emdener Synode 1571 noch weiter
gefertigte Organifation. Die Gemeinden in Köln bilden
Kölnifche Konfirtorial-Befchlüfre. Presbytenal-Protokolle mit denjenigen von Aachen, im Herzogtum Jülich, zu
der heimlichen kölnifchen Gemeinde 1572—1596. Maaftricht, Neuß, u. a. die ,Kölnifche Klaffe'. Ein Ge-

Herausgegeben von Prof. D. Eduard Simons.
(Publikationen der Gefellfchaft für rheinifche Ge-
fchichtskunde XXVI.) Bonn, P. Hanftein 1905. (XXXII,
510 S.) gr. 8° M. 18 —

Vorliegende Publikation erfüllt einen Wunfeh, den
der befte Kenner der rheinifchen Kirchengefchichte, der
verftorbene Elberfelder Paftor K. Krafft, geäußert hatte,
als 1881 in den Werken der Marnix Vereeniging (Serie
I Teil III) die Verhandlungen des Presbyteriums der
niederländifchen Gemeinde in Köln während der
Jahre 1571 — 1591 erfchienen. Krafft wies auf die ebenfalls
erhaltenen Aufzeichnungen der deutfchen Gemeinde
hin, die eine Veröffentlichung wohl ebenfo verdienten
. Diefe Aufzeichnungen legt Simons jetzt vor,
deffen Arbeiten feit feinem Eintritt ins akademifche
Lehramt vornehmlich der rheinifchen Kirchengefchichte
galten. Eine eingehende Einleitung unterrichtet über
,den Proteftantismus in Köln bis zum Jahr 1572'. Die
rheinifche Metropole ift dank eifrigen Wachens der
Katholiken im wefentlichen beim alten Glauben geblieben
, wenn auch evangelifche Regungen nicht fehlten,
1529 durch den Tod von Klarenbach und Fliefteden
gewaltfam unterdrückt. In den fünfziger Jahren aber
machen fich neue Lebenskeime kräftig bemerkbar, unter
Evangelifchen franzöfifcher Zunge, wahrfcheinlicn Wallonen
, beginnt fogar ein fefterer Zufammenfchluß —
vielleicht der Urfprung der fpäteren wälfehen oder fran-
zöflfchen Gemeinde. Auch die allgemeine Kräftigung
des evangelifchen Bewußtfeins durch den Augsburger
Religionsfrieden 1555 macht fich geltend, der Herzog
von Jülich aber hat fleh der vermittelnden ,caffandrifchen'
Richtung zugewandt, von feiner Landesfchule in Düffeldorf
unter ihrem erften Rektor Joh. Monheim geht unmittelbarer
Einfluß aus, der aber alsbald in dem bekannten
Streit um feinen Katechismus durch die
Jefuiten wefentlich gefchwächt wird, fogar im Domkapitel
Hermanns v. Wied fitzen Verdächtige. Alle jefui-
tifchen Gegenmaßregeln müffen fchließlich fcheitern an
der Macht des Handelsverkehrs zwifchen Köln, den
Niederlanden und England, der immer wieder ketzerifches
Gift einfchleppte. Niederländer find denn auch zum
großen Teil die Mitglieder der ,chriftlichen Gemeinde',
deren Exiftenz feit 1565 feftfteht. 1566 brachte ein
großer Schub infolge niederländifcher Unruhen auch
calviniftifche Portugiefen in die Stadt. Daneben aber
gehen fortgefetzt Anfeindungen und Verfolgungen her,
1570 wird ein Ratsedikt von den Kanzeln verlelen, das
von allen eingewanderten Fremden den Nachweis katho-
lifcher Religion bei Strafe der Ausweifung verlangte.
In beftändigem Balanzieren kann die Gemeinde in Köln
fich halten, die mit 1568 (Wefeler Konvent) einfetzende
Synodalorganifation Itärkt das Rückgrat. Unter dem
Eindruck der Synode zu Bedburg, deren Zweck eine
feftere Verbindung der Einzelgemeinden war, 1571, vervollkommnen
die Kölner Proteftanten ihre Organifation.
Die Gemeinfchaft gliedert fich in 3 Gemeinden: Wallonen
, die von Anfang an infolge ihrer Sprache einen
Kreis für fich gebildet hatten, Niederländer, Deutfche.

waltakt am St. Martinsabend 1571 erfchüttert zwar die Gemeinden
fchwer, doch gelingt den mutigen Niederländern
die Wiederaufrichtung der nahezu zerrütteten
Schweftergemeinde, Johannes Chriftianus reorganifiert feit
1572. Damit fetzen die Protokolle ein.

Ihren großen Wert ließ fchon Simons' frühere
Publikation: ,Niederrheinifches Synodal- und Gemeindeleben
unter dem Kreuz', (1897) erkennen; in einem Auf»
fatze ,die Gemeinden unter dem Kreuz' in den ,Preuß.
Jahrbüchern' (Bd. 125 H 2) hat Simons die Aufmerk-
famkeit auch weiterer Kreife auf die Protokolle zu lenken
verftanden. Ich darf wohl auf beides verweifen und
mich hier mit der Bemerkung begnügen, daß man trotz
einer gewiffen, von S. wohl empfundenen (S. XXVI)
Eintönigkeit der Protokolle je länger defto mehr die
kleine Schar liebgewinnt und ihre fittliche Kraft bewundert
, die in Kirchenzucht wie Liebesübung fich betätigt
. Intereffant waren mir die zahlreichen Parallelen
zu den von Diehl ,Zur Gefchichte des Gottesdienftes und
kirchlichen Lebens etc.' beigebrachten Materialien zur
heffifchen Kirchengefchichte. Katechismusunterricht der
Erwachfenen, Kirchenzucht, Mifchehenfrage etc. berührt
fich hüben und drüben. Das ift nicht Zufall, geht
auch nicht auf allgemein-reformatorifche Grundlage zurück
, fondern hier wirkt in Heffen-Darmftadt einmal das
Bucertum, die Vorftufe des Calvinismus, nach, fodann
aber ift direkt calvinifcher Geift herübergekommen aus
Heffen-Caffel, aus den dortigen Klaffenkonventen und
den fie betreffenden Verfügungen. Einzelheiten kann
ich hier nicht bringen, betone nur nachdrücklich, daß
man über der konfeffionellen Spaltung der beiden
Heffen die fehr intenfive gegenfeitige kirchliche Befruchtung
nicht vergeffen darf. — Der Druck ift fehr
korrekt. S. 39 Z. 2 lies consistorii, S. 40 Z. 20 1. diaken,
S. 42 Z. 13 1. Arnoldus, S. 130 Z. 26 1. Praesentes,
S. 133 Z. 19 1. besoechung, S. 186 Z. 15 1. man. Auf
die erläuternden Anmerkungen ift fehr große Sorgfalt
verwendet worden. Am Schluffe wird eine Lifte
der Alterten und Diakonen fowie ein vortreffliches Perionen
-, Orts- und Sachregifter geboten.

Gießen. Köhler.

Grünberg, Pfr. Lic Paul, Philipp Jakob Spener. Zweiter
Band. Spener als praktifcher Theologe und kirchlicher
Reformer. Zur 200jährigen Wiederkehr des
Todestages von Philipp Jakob Spener (geft. den
5. Februar 1705). Göttingen, Vandenhoeck& Ruprecht
1905- (VIII, 25öS. gr. 8.) M. 4.60; geb. M. 6 —
— Dasfelbe. Dritter Band. Spener im Urteil der Nachwelt
und feine Einwirkung auf die Folgezeit. — Spener-
Bibliographie. — Nachträge und Regifter. Ebd. 1906.
(VIII, 447 S.) gr. 8» M. 940; geb. M. 11 —

Mit dem vorliegenden 3. Bande ift Grünbergs große
Spener-Monographie zum Abfchluß gelangt Seine Er-
gebniffe hat der Vf. gleichzeitig in dem Artikel Spener
derKtalencyklopädieBd.i8zufammengefaßt. Erfelbft hatte