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Ausgabe:

1907 Nr. 26

Spalte:

713-715

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eckhardt, R.

Titel/Untertitel:

Palästinensische Kulturbilder 1907

Rezensent:

Furrer, Konrad

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 26.

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nur je einmal angedeutet find' (S. V). Das erleichtert der Mittelmeerflora vertraut ifl, die Malcolmien? Dem
dem Anfänger das Lefen. Vielleicht aber wäre prak- Freunde der Botanik wäre beffer gedient gewefen mit
tifcher gewefen, die Schemata am Rande der Zeilen zu der Bemerkung, daß die Familie der Kreuzblüter auch
notieren. Auf durchgehende Rhythmifierung ift verzichtet, in Paläftina mit vielen Arten vertreten ift, fo mit Gold-
da noch Verfe rhythmifch mehrdeutig find. St. ,maßt lack, Nachtviole, Schaumkraut, Schottendotter, Rauke ufw..
fich flicht an', . . ,für alle Verfe Jefaias den richtigen , darunter auch Malcolmien, die den Nachtviolen nahe
Rhythmus, fowohl was das Verhältnis der Hebungen j ftehen. Eine Pflanze Parcmoccliia kennen wir nicht, wohl
und Senkungen als was die Eruierung der das Schema | aber neun Arten Nagelkräuter, Paronychiae, die über
konftituierenden Tonfilben betrifft, gefunden zu haben' ! Syrien, Paläftina und Sinai verteilt find. Nicht weniger
(S. V). Sehr richtig bemerkt St., daß wir nicht wiffen, : als 37 Arten Labkräuter {Galium) haben ihre Heimat
ob im konkreten Fall, Formen wie aniSiSl ein- oder in Paläftina und Syrien gefunden, 13 Arten Waldmeifter
doppeltonig zu lefen find (S. VI). Er hofft,'daß durch , {Asperula). ,Über die Hochflächen Paläftinas ergießen
Einzelunterfuchungen das Problem zu löfen fei. Betreffs j fich violette Farbenkaskaden und durchlaufen eine chro-
der Betonung der Segolat- und Paufaformen gefleht St. ' matifche Tonleiter.' Gewiß, ein recht feltenes Schaufpicl.

offen fein Nichtwiffen ein, auch Sievers habe darüber
noch nicht das letzte Wort gefprochen. Endlich ift St.
,der Überzeugung, daß fowohl das Gefetz von der
rhythmifchenTonverfchiebung'... ,als auch die me-
trifche Kritik an den überlieferten Sprachformen

Der Spiegel des toten Meeres hat nicht die Ausdehnung
des Genferfees, die nur 539 qkm beträgt, fondern umfaßt
929 qkm. Die Perfer haben nicht 616, fondern 614 Paläftina
verwüftet. Samaria ifl nicht das Gefenke des jü-
difchen Hochlandes, fondern erft beim Ebal beginnt die

grundfätzlich zu ihrem Rechte kommen müffen' (S. VI), j ftarke Senkung der Gebirgsmaffe. Von den umgrenzen
Ich frage mich nun vergeblich, worin St. die Erkenntniffe den Bergen haben fich fehr viele Bafaltbäche über die
Sievers' weiterführt? Vielleicht bringen St.s nächfte ; Ebene Jefreel ergoffen und ihren Boden fchwarz, aber
Hefte mehr — das jetzige muß ich für im ganzen über- , nicht rot gefärbt. Die Kämpfe von Gideon und Saul
flüffig halten. Hätte St. fich doch lieber einmal an die I haben nicht in der Ebene, fondern in dem örtlich an-
LXX zu Jefaja herangemacht, daraus gibts auch noch | grenzenden Tale Jefreel ftattgefunden. Von (tattlichen
manches für die Metrik zu holen! Aus LXX konnte St. 1 Waldern kann man am Tabor nicht fprechen. Während
auch entnehmen, daß Jef. 1 2 THbi (= eyevv^aa LXX) der Sudabhang des Berges ziemlich kahl ift, find feine
für Irtna zu lefen ift. Vgl. Oriental. Lit.-Zeit. 1901 , ub"gen Halden mit Eichen verfchiedener Gattung park-
Nr. 6 und 7. Aus LXX war z. B. auch für die Her- I ähnlich beftanden. Es ift keine Frage mehr, daß die
ftellung von Jef. 110-17 mancherlei zu lernen. Nehme St. Quelle el-Leddan wafferreicher ift als die bei Banjäs.
fich doch einmal LXX Jef. 291fr. vor! Da gibts noch , Macgregmr hat mit kleinem Boot faß den ganzen Schilf
manche Nüffe zu knacken. Mit Metrik allein kommen des Hulahfees durchfahren. Der Jordan eilt nicht von
wir im A T nicht weiter. Es war vorauszufehen, daß ; Katarakt zu Katarakt vom Meromfee dem See Gennefaret
Sievers' Metrifche Studien eine Sintflut metrifcher Ar- zu, fondern in wefentlich gleichförmiger Senkung. Die
beiten entfeffeln würde. Es ift daher an der Zeit, an 1 Ebene bei Bethfaida wird nur von einem einzigen Ge-
Hiob 38 n zu erinnern und vor einfeitigem Betrieb me- ; birgsbache (es-Safä) reichlich mit Waffer verforgt. Die
trifcher Studien zu warnen! Im übrigen lefe ich manche Refidenz Julias ftand droben auf der Höhe et-Teil, das
Abfchnitte anders als St tut. So ift für mich Jef. 22-1 Dorf Bethfaida drunten in der Ebene. Am et-Täbira
in gleichfchwebendem Rhythmus gedichtet und das Ganze 1 ift eine laue aber nicht heiße Quelle von 23—28" C.
ein Lied von 5 Strophen ä 4 Reihen Warum foll denn Von lokalen Variationen abgefehen kann man nur von
Irttl 22 außerhalb des Gedichtes ftehen? Vgl. Or. Lit- zwei Ufern des Jordan reden, nämlich von dem Hoch-
Zeit, a. a. O. Sp. 282 Auf Strophik in den Dichtungen ufer der lalfohle, das fich durchfchnittlich 15 m über
Jefajas fcheint St. nichts zu geben. Warum? dem Flußfpiegel erhebt und von dem niederen Ufer,

r R tz-Zor, da* im Frühling bei ftarker Schneefchmelze über-

Straßburg l/Elf. Georg tieer. . fcnwemmt wird Man zählt acht) njcht nur ejne Ar(.

i von Eichen in Paläftina. Die eigentliche Scabiosa palaest.
Eckardt R E Zickermann Dr F Fenner, Palästinen- hat eine roftfarbene, nicht eine weiße Blumenkrone,
rilche Kulturbilder. Beiträge zur' Paläftinakunde. Leip- Der Ausdruck Totes Meer erfcheint im 2. Jahrhun-
n xxt- ] * , Ahhildunpen ! dert nach Ch- bel gnechifchen und romifchen Autoren,

z.g, G. W.gand 1907. (X, 260 S. m. 64 Abbddunf^ Er mochte aber doch von den Juden flammen, denen
u. 2 Stadtplänen.) gr. 8° M. 5.50; geb. ivi. 7 j der Totencharakter jenes Sees drückend war. In der

Wer in anfprechender populärer Weife fich über die Zeit der Vollendung wird das Oftmeer von Fifchen
gegenwärtigen Zuftände von Paläftina belehren laffen wimmeln und .brüllen', d. h. eine Brandung haben wie
will, dem können wir diefe Schrift zum Lefen empfehlen, das .große Meer'. Die Länge des toten Meeres beträgt
In bunter Menge ziehen darin Bilder vom Frühling des 76 km, die größte Breite 15,5 km. Unter deffen Erfor-
h. Landes, vom toten Meere von allerlei Städten Palä- ■ fchern dürfen Albert, Duc de Luynes und L. Lartet 1864
ftinas, vom Straßenleben in' Jerufalem, von Volk und j nicht vergeffen werden. Nicht alles Leben ift an diefem
Regierung, von Wegen und Verkehrsmitteln, von den See erftorben. Es gibt wohl einen Rücken des jüdifchen
Beduinen,'von den Aufgaben der Altertumswiffenfchaft, j Gebirges, aber keinen Kamm. Der Dfch. Usdum ift
von orientalifcher Religtofität, von Ortern in Jerufalem, , 10 km lang und befteht bis zur Höhe von 30—50 m aus
von Kirchenbauten von der evangelifchen Liebesarbeit Steinfalz, über das fich Mergelfchichten lagern. Das
und von kämpfenden Mächten an uns vorüber. 64 Bilder Waffer des toten Meeres enthält auf einen Liter 246 gr.
in Lichtdruck mehren den inftruktiven Wert der Schrift. ' faline Stoffe. Doch fchwankt die Zufammenfetzung des
Den neuen Bildchen möchten wir freilich die klaren deut- I Waffer je nach der Stelle, in der es gefaßt wurde. In
liehen Holzfchnitte der früheren Zeit vorziehen. der Tiefe ift der Betrag der falinen Beftandteile größer.

Die Frühlingsbilder find in etwas überfchwenglichem 1 Der Vetfaffer meint, das Waffer enthalte 7°/0 Kochfalz
Tone gehalten. Nur der kann fie malen, der fich an und außerdem noch Chlornatrium ufw., indem er nicht
ihnen beraufcht. Diefer Frühling ift ein Raufch der Natur, | bedachte, daß Chlornatrium der wiffenfehaftliche Name
ein trunkener Farbentraum.' Rezenfent, von Jugend auf | für Salz ift. Die Quelle Ain Djidi liegt 186 m über dem
ein fehr nüchterner Menfch, kann fich einen betrunkenen toten Meere. Wadi Modschib und Arnontal ift die
Farbentraum gar nicht vorftellen. Die Blumen erfchei- j gleiche Schlucht. Wahrfcheinlich wollte der Verfaffer
nen bald unter dem wiffenfehaftlichen, bald unter dem j anftatt Modschib Wadi Zerkä Ma'in andeuten,
volkstümlichen Namen. Wer kennt, wenn er nicht mit j Man follte nicht mehr von einer Omarmofchee an-