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Ausgabe:

1907

Spalte:

705-711

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zu den von E. Sachau herausgegebenen aramäischen Papyrusurkunden aus Elphantine 1907

Rezensent:

Smend, Rudolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich r8 Mark

Nr. 26. 21. Dezember 1907. 32. Jahrgang.

Zu den von E. Sachau herausgegebenen ara- Eckardt, Zickermann, Fenner, Paladinen- Gabrielsson, Über die Quellen des Clemens
mäifchen Papyrusurkunden aus Elephantine fliehe Kulturbilder (Furrer). Alexandrinus (Pohlenz).

(Smend). I Golubovich, Iiibüoteca bio-bibliografica della Vom Corpus Scriplorum Christianorum Orien-

„ . . j 1 11. • t- . . Terra Santa e dell' Oriente francescano t. I, j talium, IV (Nestle).

Gautier, Introduction a 1 Ancien Testament, i _ __„ zu-.,™.! p„t. 1 1 tv V . • d i_. i_ j

1215 —1300 (luirrer). | Petrakakos, Die loten im Recht nach der

Rabinson, Le Messianisme dans le Talmud et I Lehre und den Normen des orthodoxen mor-

les Midraschim (Schürer). genländifchen Kirchenrechts und der Gefetz-

Les quatre Evangiles. Materiaux pour servir a 1 gebung Griechenlands (Ph. Meyer).

Gliederung. Heft 1. Die Dichtungen'Jefajas Phistoire des Origines orientales du Christi- j Ni ffen, Orientation, Studien zur Gefchichte der

(Beer). anisme, publ. par Metzger (Oldenberg). Religion, I. Heft (E. W. Mayer).

2 Bde. (Volz)

Staerk, Ausgewählte poetifche Texte des Alten
Tellamentes in metrifcher und llrophifcher

Zu den von E. Sachau herausgegebenen aramäifchen Papyrus- düng zwifchen Bagoas und dem Hohenpriefler Johanan
Urkunden aus Elephantine.1 zufammenhängt, die fchon zwifchen 411/410 und 408/407

ihren Anlang genommen hätte. Jofephus fetzt diefen
Durch diefe Papyri werden die bisherigen Vor- 1 Streit unter Artaxerxes II. Notwendig ift diefe Annahme
Heilungen von der Entftehung des Judentums in keinem ! nicht> und fchwetlich darf man das Verhalten der Juden
wefentlichen Punkte korrigiert, wohl aber wird die Kennt- ; von Elephantine allein hieraus erklären,
nis feiner Anfänge in nicht unerheblichem Maße durch Wjchti jft fod daß jm

f.e erweitert. Eine oberagyptifche Kolonie, deren Spur : in "jerufalem ein perfifcher Landpfleger war

fich ,m A. 1 . vermutlich in dem winMI Jer. 44vgl. ; g T^' £ und Sanaballat I 29 rW

Tef. II 11 erhalten hat, hatte fich bald nach der Zerftorung 1 D^us -ft ?u fchlicßen, daß Bagoas feinen ySi z jn JeriJD
Jerufalems zu, eine.; fonnlichen Kultusgeme.nde organ.f.ert ( { h * fc h* , J

und befaß feit diefer Zeit in Elephantine eine anfehnhehe j - . c r ' u„ m,,o n__Ts> . . -. . , "> uc,'

r «--^ j • n /irucj- i- tu I olepnus lucnen muls. Den 1 itel rTT!T nfiS hat auch

Opferftatte und eine Priefterfchaft, die bis zum Jahre L 5, , , Uo„„ , „ . . " . ' c"
f , . .. , , ' , . f •> . Zerubbabel riagg. 1 1. 14. 22. 21 im J. 521/520, etwas anal
1/10 und wahrfchemheh auch noch in fpaterer Zeit ' r . M, °f, „ . « ,. ,} 1? ' L

^ .1. . i-m r t »r "u u n j o _f ii —r 1 ners fagt Nehemia 5 m, daß er (im 1. 44c) rTTW V"1R3 nnr
exifherten. Diefe Tatfache beweift, daß das rehgiofe ; „/-„_ r-.; «/;-. a—* u. ??r , v , n
c 11 n. o.r j j tt. , .. & 1 gewelen lei. Wie er dort weiter v. 15 fagt, hatte es vor

Selbftbewußtfein, das dem Untergang des nationalen 5 , t j a „. u j.' JA ,

„ . , l" " ' ' . „ v , ,.ihm andere Landpfleger gegeben, die offenbar ebenfal s

Reichestrotzte, auch außerhalb Babyloniens und Palaftmas . t „„/-_,__ faf{,A „iL, JLK„; ...Ju j 1 . ,7"!
.r>. .. i_ * j j „ t_ m Jerulaiem lauen und dabei auch als uden er cheinen

befland und auch ohne Verbindung mit der neuen Jeru- J . t-n,rat.mrr.itt,n iT„,infl^r „ä. ,
t . . ^- 1 v r~ »v. ii ■ i,„„„t. zn einen jeruiaiemncnen Lanoptleger w rd man auch

fa emifchen Gemeinde lange Zeit tortbettehen konnte. ■ , J, »Vi t , , . "ul-u

',, ' u »! > „mri» „nn Flenhantine nach Mal- 1 8 denken muffen. Aber Nehemia fand bei ferner

18er 19Ti ih6at 7 nch ss -ei-^rn ^tss* inierrfalrkeinen ^n^«

r u ft y - V: 7 2 n ' " rundem auch an den vor' den er abgel°ft hatte. Vielmehr war er .Landpfleger
&S&SL?S^*&^J^ Äieffef in j»>nde Juda' in außerordentlicher Vollmacht und für

Hohenpriefler Johanan und feine Genoffen, die Priefter in
Jerufalem, und an feinen Bruder Oftan CjnoifiC) Stve Anani
("Oäf 8T) und an die jüdifchen Adligen (R'H'llT i"in)' gewandt.
Aber nachdem diefer Brief unbeantwortet geblieben ift,
wendet fie fich jetzt an den Bagoas allein und zugleich
in einem befonderen Brief an Delaja und Schelemja, die

beftimmte Zeit (2t}. Man muß daher annehmen, daß die
Juden in der unglücklichen Zeit, die feiner Ankunft vorausging
, einem Landpfleger in Samaria unterftellt waren,
und der war wohl fchon im J. 445 kein anderer als
Sanaballat. Hieraus erklären fich die Schwierigkeiten,

Sölmee desl ^ZdS Der (I %) der Pecha wie bei f Sanaballat dem Nehemia machen konnte, und auch
sonne des sanaDaiiar, der nier (i■je9) Von Bagoas ' das Selbftbewußtfein, mit dem er ihm als ein Gleichbe-

Jofephus oareeexys) von Samaria heiß , ™»9W* rechtigter gegenübertritt. Vgl. befonders Neh. 6, und
und Delaja bekommt die Gemeinde nun auch Belcüeid dort Allerdinas werden R.raT. ., ....

(III 1). Daß fie fich diesmal nicht zugleich an diejeru-
falemifche Gemeinde wendet, fondern ftatt deffen auch
an die Söhne des Sanaballat, d. h. an die Häupter der
Samariter, weift darauf hin, daß fie fich von Seiten
der Jerufalemifchen Gemeinde keiner Fürfprache verfah,
die fie dagegen von deren Gegnern erhoffte und auch
tatfächlich erlangte. Sie galt alfo wohl wegen ihres
Heiligtums, deffen Beftand dem Gefetz widerfprach, den
Jerufalemern trotz ihrer judäifchen Herkunft (vgl. RiTU-p
I 22 26) für fchismatifch. Die Reflexionen, die Sachau
S. 38 hierüber anfleht, lind gegenftandslos. Dagegen
könnte man fragen, ob der Unterfchied der Adreffen, an
die fich die Bittfteller vorher und nachher wenden, auch
mit der von Jofephus (Antt. XI 71) berichteten Verfein-

1) Vgl Nr. 24 Sp. 657—659.

2) Augenfcheinlich war er zur Zeit diefes Schreibens fchon tot
(anders Sachau S. 37), wozu ftimmt, dali Nehemia im J. 445 mit ihm
zu tun hatte. — Die herkömmliche Anfetzung Nehemias unter Artaxerxes
1 wird durch diefe Papyri gefichert. Denn daß es fich beide Mal um
denfelben Sanaballat handelt, beweift die Erwähnung des Hohenpriefters
Johanan, der mit Johanan ben Eljafchib Neh. 12, 21 identifch fein muß.

dort das im ITBFft Allerdings werden Ezra 4«. .
andere Namen von perfifchen Beamten in Samaria genannt
, fie führen auch andere Titel (D3>H bj>3 und RnBC),
und ein Landpfleger ift nicht darunter. Aber das Ezra 4
Erzählte fällt einige Zeit vor die Ankunft Nehemias, und
nachher ift die Ernennung Sanaballats zum Landpfleger
nicht leicht denkbar. Sodann flammt die Erzählung aus
fpäterer Zeit, in der es in Samaria vielleicht keinen Landpfleger
gab, und ihre Darftellung kann hierdurch beeinflußt
fein. Zweifellos fetzt aber auch fie voraus, daß
Jerufalem damals der perfifchen Behörde in Samaria unterftellt
war1.

Nach Sanaballats Tode hatten, wie I 29 zeigt, feine
Söhne, befonders Delaja, in Samaria eine offizielle Stellung
. Bagoas und Delaja fenden III 1 den Boten der
Juden von Elephantine an Arfames, den Statthalter von
Ägypten, um durch ihn ihrer beider Interzeffion zu Gunften
der Bittfteller zu erklären. Aber Landpfleger war Delaja
augenfeheinlich nicht.

1) Auch zur Zeit der Seleuciden fland Judäa unter Samaria.
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