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Ausgabe:

1907 Nr. 25

Spalte:

699-700

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoepel, G.

Titel/Untertitel:

Die kirchliche Vereinsarbeit 1907

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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699 Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 25. 703

Participatio domini nostri iesu christi proficiat tibi in
vitam aeternam. — Bei der Krankenkommunion (p. 25)
findet fich die Vorfchrift: Quando infirmns propter vomi-
tum aut aliud infirmitatis rationabile impedimentum non
poterit communicari, potest sibi ostendi corpus dominicum
ad ipsius infirmi maiorem devotionem. Et digitorum lotio
sibi detur, si volueris, ■— Wird die extrema unctio (p. 29)

zu einem großen induftriellen Emporium geworden;' die
Dorfeingefeffenen verfchwinden unter dem maffenhaften
Zuzug meiftens zweifelhafter Elemente aus aller Herren
Ländern, die nur mit verhältnismäßig wenigen ehrbaren
und frommen Leuten aus kirchlich gelitteten Gemeinden
untermifcht find, ,1m ftärkften Maße ift die Tendenz in
der Induftriegemeinde vorherrfchend, ihre Glieder dem

von einem Bifchof zelebriert, fo wird mit dem Aaronitifchen j religiöfen und kirchlichen Leben zu entfremden'. Die
Segen gefchloffen. Daß unter den Casus papales, in qui- oft eintönige, unbefriedigende Arbeit, die unerfreuliche
bus fiel remissio ad sedem apostolicam auch (p. 88 § XL) l Wohnung, der Mangel an Heimatgefühl und an Beziehung
contra damnatum Martinum lutter hereticunt et omnes 1 zu Familienangehörigen, das unerfättliche Vergnügungs-
eius sequaces nec non fautores, receptores et defensores eins- j leben und der völlige Mangel an Bildungsftreben, das alles
dem geeifert wird, und,daß zu den casus episcopales (p. 90 j ertötet die Gemütskräfte. Es fehlt alle kirchliche Sitte,
§ X) de Mo malefico, qui conpZtetur se credidtsse heretice I und ,die Sozialdemokratie geht mit Abficht darauf aus,

pravitati gerechnet wird, kann nicht wundernehmen. —
Als Anhang zu der Agende ift die Bulla Leonis Pape X
In cena domini publicata 1521 abgedruckt.

In der fo dankenswerten Ausgabe find einige Druckfehler
leider flehen geblieben. Wir notieren p. XIII22
Verwandtfchaft; 133 infans; 2913 tribulatione; 9138 dominum
. Die Anmerkung zu 7625 ,Anakoluth' beruht auf
einem Irrtum; 39. 42. 47 fehlt die Numerierung der Zeilen.

religiöfes und kirchliches Leben, wo fie es vorfindet, zu
zerftören. Kirchengemeinden, in denen die Sozialdemokraten
die Oberhand haben, gehen innerlich zugrunde'.
So ift es ein grau in grau gemaltes Bild, das der Verf.
uns S. 28—80 von ,den Menfchen', den großen und den
kleinen, entwirft; denn ,ein fchlechteres Schülermaterial
gibt es wohl nirgends als in der Induftriegemeinde'.

Es ift die bedenklichfte Spezies der Induftriegemein-

Marburg. E. Chr. Achelis. I den! dij; der Ve;faffer PsfchIieß"Ch im Auge hat, und

es ift daher unberechtigt, von ,der' Induftriegemeinde
1 überhaupt fo zu reden. Auch ich habe 7 Jahre als Paftor
Hoepel, Paft. Dr. G., Die kirchliche Vereinsarbeit. (Praktifch- einer Induftriegemeinde gedient; meine Erinnerungen
theologifche Handbibliothek. IV. Band.) Göttingen, | geben ein wefentlich anderes Bild. Allein man muß
Vandenhoeck & Ruprecht 1906. (VIII, 223 S.) 8° ! anderfeits dankbar fein, daß in die ungeheuren Schwierig-

M h M fin leiten, mit denen der Verf. in feiner Gemeinde zu

' ^ > Se • -3- i kämpfen hat, uns ein offener Einblick gewährt wird.
Bechtolsheimer, Ffr. H., Die Seelforge in der Indultriege- Man verfteht auch die gereizte Stimmung, die den Ver-
meinde. (Praktifch-theologifche Handbibliothek, her- ! faffer beherrfcht, feine farkaftifchen und oft wenig mo-
ausgegeben von F. Niebergall. V. Band.) Göttingen, ! «vierten verachtenden Ausfälle gegen günftiger geftellte
Tr j 1 1 o n 1 . rTT o o on i Gemeinden und Amtsgenoffen, gegen die .Stadtpfarrer'

Vandenhoeck & Ruprecht 1907. (VI, 180 S.) 8» ; und einzdne iGeiftlich*, mit törichten Anflehten und

M. 2.80; geb. M. 3.40 ; törichter Praxis. Auch gegen die Lehrbücher der Prak-

1. Unter den kirchlichen Vereinen, deren Arbeit der j tifchen Theologie zieht er mit bitteren Worten — das
Verfaffer befchreibt, verfleht er folche Vereine, deren ift ja in kleinem Kreife hochmodern — zu Felde; mein
Mitglieder der kirchlichen Lokalgemeinde angehören, und ' anfänglicher Unmut wandelte fich aber in ein Lächeln
deren Arbeit dem kirchlichen Leben diefer Gemeinde der Befriedigung, als ich in dem Abfchnitte ,die Mittel
zugute kommen foll. Unter diefem Gefichtspunkt kommen zum Zwecke' (die Aufgabe des Predigers und Seelforgers
auch die Hilfsvereine der Äußern und der Innern Miffion, I zu erfüllen) ganz dasfelbe angepriefen fand, was ich in
die Zweigvereine der Guftav-Adolf-Stiftung und des Evan- j meinem Lehrbuch der Praktifchen Theologie vorgetragen
gelifchen Bundes zur Sprache. Im erften, dem allgemeinen, ! habe. — Nach einer .Einleitung' werden in zwei Ab-
Teil wird über Kirche (Gemeinde) und Vereinswefen, ! fchnitten ,die äußere Situation' und ,die Menfchen' geüber
Licht- und Schatten feiten des Vereinslebens, über : fchildert; es folgen (S. 81—119) .Skizzen aus der Induftrie-
Stellung des Pfarrers im Vereins-Vorftande, über Vereins- | gemeinde', die ziemlich überflüffig find, da jede größere
mitglieder, über Räumlichkeiten u.dergl.gehandelt, während i Stadtgemeinde analoge Fälle und ähnliche Perfönlich-
der befondere Teil über Evangelifchen Gemeinde- oder keiten in Menge aufweift. Sodann wird .unfere Aufgabe'
Männerverein, Frauenvereine, Jünglingsvereine. Jungfrauen- j kurz fkizziert; ,den Mitteln zum Zwecke' (S. 122—165)
vereine, endlich über Vereine für fpeziell gottesdienflliche | folgen noch drei Abfchnitte, welche die wirtfehaftliche
Zwecke, wie Kirchengefang- .Kirchbau- und Paramenten- j Organifation der Gemeinde, das Verhältnis der Gemeinde
Vereine Auskunft gibt. In den .Anlagen' finden wir Mu- j zu den Behörden ufw., endlich ,Ausfichten und Hoffnungen'
fterbeifpiele von Vereinsfatzungen und Programmen dar- i (' Seite!) befprechen.

geboten. — Der Verfaffer ift weit davon entfernt, in den Marburg E Chr Achelis

Vereinen die Bedingung aller geiftlichen Wohlfahrt der
Gemeinde zu erblicken, aber auch unbefangen genug, den

vorhandenen religiöfen und fittlichen Bedürfniffen durch BibllOgraphiö
Vereinsbildungen Rechnung zu tragen. Eine reiche Erfahrung
im Vereinsleben fleht ihm zu Gebote: in anfehau- von Lic- theol. Paul Pape in Berlin,
licher, nüchterner und liebenswürdiger Weife führt er in
das Vereinsleben, in die Leitung der Vereine, in die
Fefte der Vereine ein und weiß den Lefer dafür in fehr
anfprechender Weife zu erwärmen. Namentlich jüngeren
Pfarrern ift das Buch Hoepels warm zu empfehlen, um
Mut und Anregung zu eventueller Vereinsbildung und
vor allem weifen Rat daraus zu gewinnen.

2. Nicht die Induftriegemeinde überhaupt, fondern
eine ganz befondere Spezies der Induftriegemeinde, wie
fie in der Landpfarrei Mainz und möglicherweife an
andern Orten befteht, ift der Gegenftand der Seelforge (im
weiteften Sinne des Wortes), von der der Verfaffer redet.

iCcutfcbe Literatur.

Völlers, K., Die Weltreligionen In ihrem gefchichtlichen Zufammenhange.

Jena, E. Diederichs 1907. (IV, 199 S.) 8« M. 3" S geb- M- 4 —
Samuel el-Magrebi: Die Speifegefetze der Karäer, nach e. Berliner
Handfchrift im arab. Urtext hrsg. u. m. deutfeher Uberfetzg., Einleitg.
u. Anmerkgn. verfehen. Von M. Lorge. Berlin, L. Lamm 1907. (24
u. 78 S.) gr. 8» M. 3 —

Böklen, E., Adam u. Qain im Lichte der vergleichenden Mythenforfchung.
(Mythologifche Bibliothek hrsg. v. der Gefellfchaft f. vergleich. Mythen-
forfchg. I. Bd. 2. u. 3. Heft.) Leipzig, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung
1907. (IV, 148 S.) Lex. 8» M. 4 —
Leimbach, K. A., Biblifche Volksbücher. Ausgewählte Teile des alten
Teftaments. 3. Heft. Die Weisfagungen des Ofee, Arnos u. Michäas,
überf. u. erklärt. Fulda, Fuldaer Actiendruckerei 1907. (157 S.) 8"

Ein kleines Dorf ift in unheimlich rafchem Wachstum 1 M. 1.20