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1907 Nr. 25

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688

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Titel/Untertitel:

Irenaei Lugdunensis episcopi Adversus Haereses Libri quinque 1907

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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687

Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 25.

688

klar, um welche Form es lieh handelt. Daß man ganz j hielt. Eine reine Freude ift folch ein Index nur für den

ohne folche Hilfsangaben nicht auskommt, mag ein Bei- , Grammatiker.

fpiel von S. 98 illuftrieren. Hier tritt zunächft C,rjXoq als j Marburg. Ad. Tülicher
neue Rubrik mit 7 Stellen auf, dazu gehörig tgqXovq und '

L'ijXoq, d. h. Genetiv und Akkufativ des neutralen t,rjXoq. lrenaei Lugdunensis episcopi AdversusHaereses Libri quinque,

Ein neues Lemma bietet ^rjXov, dahinter CrjXov, alfo
Genetiv und Akkufativ des maskulinen C,ifXoq. Aber
warum muß das maskuline hinter dem neutralen qrjXoq
zurückftehen? Und woher wiffen die Indiziften, daß an
allen genannten Stellen L}rj?.oq nom. sing, neutr. gen. ift?
Feftftellbar ift es nur für Trall. 42 durch den Artikel
t6 ^TjXoq — der aber nicht etwa mit abgedruckt wird —;
warum benachrichtigt man da den Lefer nicht ,masc.
oder neutr.'} Und während in den Formen die Sonderung
bis zum äußerften getrieben wird, gefchieht nichts,

curante Sac. Ubaldo Mannucci, Theol. et phil. Doct.
P. I [Bibliothecae Sanctorum Patrum et Scriptorum
ecclesiasticorum Theologiae et christianarum Litter-
arum cultoribus aecomodata. Series secunda: Scrip-
tores Graeci Antenicaeni vol. III P. I], Romae, apud
Directionem Ss. Patrum MDCCCCVII. (244 S.) 8°

Der vorliegende Band der neuen Irenaeus-Ausgabe
umfaßt nur die Kapitel I—XXII von Buch I; allerdings
um auf die VerfcT^ f,nd 69 Seiten mit Prolegomena einer Bibliographie und

die befonderen Verbindungen, in denen es auftritt, auf- | einer ausführlichen Uberficht über der Inhalt von Buch I
merkfam zu machen. Unter den vielen vExgcdv fände i anp^TIk Manchem Lefer werden diefe Abfchnitte nützliche
Hilfsmittel fein; für den Gelehrten tragen fie nichts
aus, am wenigffen wohl Teil III mit der Überfchrift:
promenturn operis lrenaei. Man fieht übrigens aus diefem

ich gern von vornherein die Stellen mit dvddzaoiq vsxgcöv,
bei dcpsOiq die mit a. auagziebv, bei ogäv die, wo ein [irj-
Satz darauf folgt, herausgehoben und zufammengeftellt:

aber die Verfaffer haben leider nur ein Formenlexikon Titel.daß da*von dem Herausgeber gebrauchte Latein nicht
geben wollen. Das gute Vorbild, dem fie da gefolgt1 nach dem Ruhm Reifer Klaffizität geizt: Phrafen wie quod
find, wird vielleicht daran fchuld fein, daß unnachficht- lonSe credtbile estp. 146 « 2 oder conclusio huiusepistolae
lieh die fog. 2. Aorifte Act. hinter den Paffiven rangieren, nostrainnuere videtur p. 76 n. 1 beftatigen den Eindruck,

siagdöoq z. B. hinter stagaöod-avza, von nagäöcoxa weit
getrennt. Daß für die Literatur der erften Jahrhunderte
n. Chr. ein Schema der Art nicht mehr anwendbar ift
offenbart fich an Inkonfequenzen, z. B.: zifreö als 1. p.

Wichtiger ift natürlich in folch einer Ausgabe der
Text, zu deffen leichterem Verftändnis eine ziemliche
Menge von Anmerkungen textkritifcher, kirchen-, dogmen-
und literargefchichtlicher Art dienen wollen. Der la-

sing. ind. praes. fleht vor xl^rfiiv, hzifrovv vor hidaöav, *"ni.fchfe Je.Xt, na?h Maffuet- der gnech,fche nach

dagegen dstoöiöoi als 3. p. sing. ind. praes. hinter dsto- Nindorfs Epiphanius-Ausgabe in fchonen, klaren Iypen

öidcootv und dstEÖidov. Schlimmer ift noch, daß depiovoev abgedruckt, der lateinifche faft fehlerlos, im griechifchen

gar nicht bei dcphui zu finden ift, dstoXXmi eine eigene ; Aoren öfter Unvorsichtigkeiten wie oxazcovopaözoiq p.

Gruppe, gefondert von der großen Gruppe dndXXvoi etc., , >6 ™d stagaxsustovEvoi gleich in der erften Zeile auf

einleitet. Ift es gerechtfertigt, die Konjunktivform stgoq- P- 71- Immerhin find nur die Akzentfehler fehr häufig;

Eviyxriq vor dem Paffiv jcgoqevexv-evToq, dagegen xgoq- ' "nd dle Interpunktion1 fcheint laft darauf eingerichtet,

tvevxelv und nQogeveyxSvzag erft hinter, diefem aufzu- I das eng Zufarnmengehorige kunftl.ch zu trennen. Em

führen? Gehören Mgoqnveyxsv und szqoqEvayxvq denn Paar yatikanifche 6öte hat der Herausgeber e.ngefehen

überhaupt ficher der Gruppe ,Aorift P an?

Endlich bedaure ich es noch, daß diefem Regifter

und ihre Varianten gelegentlich notiert: eine der Rede
werte Verbefferung des lateinifchen Textes wird dadurch
nicht erzielt. In den Anmerkungen bilden ein wirklich

der Text der cd. minor von Gebhardt-Harnack-Zahn wie 1 neues Element die maffenhaften Verweifungen auf Parat
ein textus reeeptus zugrunde gelegt worden ift, mit fo lelen (nicht immer die Mühe des Nachfchlagens lohnende!)
exorbitanter Gewiffenhaftigkeit, daß felbft djiEgUpnOav in der neu entdeckten und in den Texten und Unterfuch.
und djtEggUpnöav (vgl. dstoglipnq und astogghpavza) eigene von Lic. Dr. Karapet und Genoffen herausgegebenen
Zeilen erhalten. So hoch jene Ausgabe zu fchätzen ift: 1 Schrift des Irenaeus slq esi'iöei^iv zov dstodzoXixov xtjgvy-
fie kann oft genug nicht mehr als wahrfcheinliche oder j uetzoq. Natürlich fehlt es auch fonft nicht an Richtigem
vielleicht richtige Lesarten bieten. Diefem Sachverhalt j und Brauchbarem, obwohl man fette Grundfätze über
trägt unfer Index dadurch nicht genügend Rechnung, das Maß des Hingehörigen vermißt. Erfchöpfend find
daß er abweichende Lesarten, die die Ausgaben von J die dortigen Mitteilungen nicht einmal in bezug auf Fund-
Lightfoot und Funk in den Text aufgenommen haben, mit orte von Zitaten oder Anfpielungen auf Bibelftellen. Daß
einem L und F notiert (z. B. S. 208a: stgodzdyuadi2 Clem. man die Erwartungen nicht hoch fpannen darf, beweifen
19: 3, nächfte Zeile: sigodzdyuadiv .... 2 Clem. 19: 3 F). die aus fehr lückenhafter Sprachkenntnis fließenden Feh-
Varianten in Ny epheleyst. verdienen fchwerlich fo viel 1er des modernen Erklärers. In den Prolegomena ift die
Beachtung, lieber hätte bei allen unficheren Stellen durch j Zahl der Fehler in griechifchen Worten ja noch größer
ein kleines Zeichen vermerkt werden follen, daß Varian- | als in den Noten. Aber p. 95 11. I ad uEdoznv quod
ten vorliegen fei es in der handfehriftlichen Überlieferung, J attinet fieht nicht wie ein Druckfehler aus; Iii yo'ixöq,
fei es in den Drucken. Es ift ein Mangel, der fich beim a xqcö: linto ift auch verdächtig; und was foll man zu
Gebrauch fühlbar machen muß, wenn man bei jtcöXvna ' der Überfetzung einer durch Dindorf dargebotenen Pfeudo-
gar nicht an die Variante szoXvjcoda erinnert wird, auch Demofthenes-Stelle fagen (/. 75f.): elstag vpslq zov lyxi-
bei jcoXvjcoöa wäre es angenehm, außer ,F' noch zu er- cpaXov ev zolq xgozdcpotq xdi ur] ev zalq utzigvaiq xaza-
fahren, was denn eigentlich die Andern dort lefen, näm- szEJtazrjUEVOv cpogElza: ,si quidem vos cerebrum in recon-
lich jtcolvjta. Jetzt flehen im Index reine Konjekturen ditis, non in narieibus prolapsum foretis'P Die Be-
wie Lightfoots ddscöq Trall. 62 ftatt yöecoq (auch d-sgoq ; merkungen zu idiotice p. 75 und zu jtaga zrjv i]/i£ZEgav
ftatt d-Egsla Herrn. Sinil. IV 2), allerhand intereffantes j alziav (Mannucci meint = absque nostra culpa, während
Material aber aus den Apparaten bleibt ungenutzt. I der alte Lateiner ganz richtig cum nostro delicto verlieht!);

x? -n. c n Lir u • r „ . r . die Erinnerung p. 7% n. 3 zu ovilis pelhs: ,ita pro ovillae

Es ift faft unbillig, bei einer fo wertvollen Gabe , , . ""fe/wo o c.,-^vü 7 K ■/■ 1

c.pU ,„ k 1 i„ j q r • v.» 1 4- it 'ix ak vel ovinae — als ob in der Sprache jener Zeit ovilis als
lieh zu beklagen, daß fie nicht noch wertvoller ift. Aber . TT r„n-„„L ,..y^Z ni^ 1 u

p„p„;-,u • i- i_ t_ . »To tti o 1 Adiektiv um ein Haar feltener wäre als ovinus] — be-

gegenuber einem ungewöhnlich hohen Maß von Fleiß, J?."J. , „ ,. » m„ri.„n„pn „Ko„ <- o. • c- u

c„,„f,u „„ j r- • 1 i n c u • • 1 4. ftatigen es, daß die Anmerkungen eben lo oft irrefuhren

borgtalt und Genauigkeit, das a len Schwierigkeiten ge- """s " v > . , , p^f„ift;i j

wachfen fcheint, fragt man fich unwillkürlich, warum der Tals nutze"-. Alf° "t dlC 1 atnftlk aUS dem nGUen

Arbeitsplan nicht gleich fo geftaltet worden ift, daß die Irenaeus kelnen Gewmn-

Brauchbarkeit mit der Vollftändigkeit gleichen Schritt ] Marburg. ,_____ Ad. Jülicher.