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Ausgabe:

1907 Nr. 24

Spalte:

666-668

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köster, Adolph

Titel/Untertitel:

Die Ethik Pascals. Eine historische Studie 1907

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 24.

666

Monceaux, M. Paul, Enquete sur l'epigraphie chretienne

d' Afrique. Extrait des memoires presentes par divers
savants ä 1' Academie des inscriptions et belles-lettres
t. XII, Ire partie. Paris, Klincksieck 1907. (139 p.) 40

fr. 7.50

des heiligen Geiftes!) in Nr. 270 (bereits in C. I. L. VIII
2272).

Betheln (Hann.). E. Hennecke.

Köfter, Kandidat Adolph, Die Ethik Pascals. Eine hifto-
rifche Studie. Tübingen, J. C. B. Mohr 1907. (XV,
172 S.) gr. 8° M. 3.50

Den Anfangsbänden feiner Histoire litteraire de
1' Afrique chretienne (f. 1904 Nr. 7 diefer Ztg.) hat
Monceaux inzwifchen den reichhaltigen III. Band (LelV' ■ Din ""ffen und flott gefchnebenes Buch, das feinen
Steele d'Arnobe a Victorin) folgen laffen (1905), worin | Gegenftand mit Luft und Liebe behandelt, den fchul-
er— ftellenweife wiederum etwas weitfehweifig und fich ! maßigen Stil angfthch meidet und in der jugendlichen
wiederholend, aber immer gründlich — u. a. den Marty- | Begeifterung, die ihm der Stoff eingibt, bald kecke und
rienberichten und chriftlichen Infchriften Nordafrikas vor Faradoxien nicht zurückfehreckende, bald gehobene,
nachgeht. Verfchiedene zuverläffige Liften und Zu- orakelhaft klingende Töne anfchlagt. Man fühlt es dem
fammenfaffungen aus diefen (zwanglofer bereits bei Verfaffer an, Pascal hat ihn unmittelbar ergriffen, er hat
Leclercq f 1905 Nr. 11 diefer Ztg.) können dem nach- es ,hm angetan; diefes kongeniale Verftändnis, das der
fchlagenden Forfcher wertvolle Dienfte leiften. Außerdem Darfteller feinem Helden entgegenbringt, bildet den
hatte M. in der Revue archeologique feit 1903 (zuerft IV, i Hauptreiz der Schrift, die der innerlich gefeffelte Lefer
2,p. 59 ff.) bis 1906 eine den gelehrten Anfprüchen gerecht i zunächft auf fich wirken läßt, ohne weiter zu rechten
werdende Veröffentlichung des chriftlichen Infchriften- j und zu richten. Sucht man fich indeffen nach been-
materials geliefert, das feit ca. 1885 bedeutend ange- d'gter Lektüre zu fammeln, erholt man fich allmählich
wachfen ift und wovon nur ein Teil in C. I. L. VIII und I von dlefer eine beträchtliche Anzahl moderner und
den beiden Supplementen vorliegt (das 3., Mauretanien rnodernfler Einflüffe widerfpiegelnden Schreibweife, läßt
betreffend, wird von Cagnat erfcheinen), und zwar in man die unbeftechliche Kritik zu Wort kommen, indem
vier Abfchnitten, zuerft die griechifchen chriftlichen In- > man von dem Kommentar auf den zu erklärenden Text
fchriften, fodann die jüdifchen, ferner die metrifchen und [ zurückgeht, fo laffen fich mancherlei Ausftellungen nicht
zuletzt die die Märtyrer und Reliquien betreffenden, > unterdrücken, ja fie müffen um fo lauter zum Ausdruck
Nimmt man hinzu ,dedicaces et ex-voto; versets bibliques; kommen, als fie in ihrer Weife auch den Wert einer
acclamations et untres inscriptions monumentales; inscrip- Arbeit anerkennen, die keinen gleichgültig laffen wird.
tions sur objets divers, vases, lampes, utcnsiles, sceaux, i Daß K. die Grundgedanken Pascals richtig erfaßt
poids, bijoux, amulettes, etc.', fo beläuft fich die Gefamt- ! und wiedergegeben hat, wird ihm jeder bezeugen, der
zahl auf beinahe 2000. Davon find griechifch-chriftliche mit dem Gegenftande vertraut ift. Daß er namentlich
119 vorhanden, über die Hälfte aus Karthago, aber faft ! der Eigenart der zu eruierenden Fragmente gerecht
alle aus der byzantinifchen Zeit. Wie anders fleht es in ! gewefen und fie im großen und ganzen mit der ge-
Rom, und felbft im Mufeum zu Aquileja habe ich im I bührenden kritichenVorficht verwertet hat, wird man auch
Vorjahr unter den ziemlich zahlreichen chriftlichen In- zugeben müffen. Allerdings ergibt die ohne weiteres vor-
fchriften wenigftens 3 ältere griechifche gezählt (es fleht genommene Einfügung der Provinciales (S. 77 fg., 83 fg.)
eine Katalogifierung durch den Direktor Heinrich Maio- in den St°ff der Pensees ein Bild, das zuweilen in eine
nica in Ausficht; bisher machte Wilpert Mitteilungen). ; fchiefe Beleuchtung gerät. Auch hätten die mit Recht
„ ,. , , „ .., ,. c .... . 1 herangezogenen, zum urfprünglichen Plan der Apologie

Der vorliegende Band enthalt nur die auf Märtyrer wohl 8nicht gehörigen Stücke, vor allem das Gebet um
und Reliquien bezüglichen Infchriften als Nr. 228-337 den richti Gebrauch der Krankheit (S. 120) eine rei-
alfo zufammen 110 (mit Einfchluß unbedeutenderer auf chcre Verwendung erfordert. Am wenigften dürfte die
griechifche Heilige ufvv bezüglicher, käme man auf ca. t Ad des Ganzen befriedigen. Die von dem Verf. auf-
150). Diefe Infchriften find befonders zahlreichim Nu midien, , geftellte Unterfcheidung eines äfthetifchen (S. 1-6), eines
wobei die Herkunft aus katholifchen oder donat.ft.fchen fkeptifchen (S. 7-30) und eines chriftlichen (S. 30-172)
Kreifen in Einzelfällen offen bleiben muß darunter nur Stadlums wn.ft 'fur° die Kenntnis und Beurteilung der
wenige datierte, die älteften von 324 und 329. Merk- ethifchen Gedankenwelt Pascals nur dadurch einen pofi-
vvürdigerweife entflammen alle datierten chrim,chen • tiVen Gewinn ab, daß K. die eigentliche Problemftellung
Infchriften Nordafr.kas überhaupt - 81 Nrn der Lifte vid weit und all iner f ßt (S 6) Auch di ,; £
Hut. litte,: III p. 188-190 - den beideriM^^ten tierende Bemerk * K jene dref Stadjen fljeßen jn def
Die Einleitung zu der vorliegenden Veröffentlichung , inneren Entwickelung Pascals immer durcheinander, ge-
p. 2—16 ift größtenteils wörtlich der Bist, litt. III p. nu t nicht um dje hjer verfuchte Dispofition zu recht-
176—187 entnommen. Von den beigegebenen Abbil- 1 fertigen v
düngen beruhen einige auf genauer (photographifcher) j Bd dem afthetifchen Stadium denkt K. an die
Wiedergabe. Jahre 1652—1653, in welchen Pascal fich dem .Welt-

Natürlich ift es bei der Menge nordafrikanifcher 1 leben' vorübergehend hingab; er befchreibt dasfelbe mit
Heiliger eine verzweifelte Aufgabe, die auf den Infchriften Zugrundelegung des von Coufin zuerft veröffentlichten
genannten Perfonen mit entfprechenden Namen der | Discours sur /espassions de /'tfwrar; allein abgefehen von
Märtyrer- und anderen Berichte in Einklang zu bringen. < der noch keineswegs völlig aufgeklärten Echtheitsfrage,

Monceaux hat fie nach Kräften zu löfen verfucht (vgl.

bleibt es ein fehr gewagtes Unternehmen, Pascals Auf-

bereits die Doppellifte am Schluß der Bist. Litt. III), faffung von dem Leben des ,Weltmenfchen' aus indirekten
Das meide wird für immer dunkel bleiben. Sollte bei j Auslagen über jene Epoche zu entnehmen. — Was das
dem SMS + GUREVS + Nr. 278 etwa an Gurias (G.-und fkeptifche Stadium betrifft, fo gibt K. auf die viel-
Shamonas-Akten cd. Rahmani 1899) gedacht fein? Die umftrittene Frage nach dem Skeptizismus Pascals die
Verbefferung in puclla sacra zu Nr. 258 ift nach dem gewiß zutreffende Antwort (S. 12 — 13), bleibt aber in
beigegebenen Fakfimile ausgefchloffen. Von befonderem der weiteren Ausführung nicht immer feines eigenen
Intereffe ift (zu Nr. 334) der Bericht über die kürzlich Ausfpruchs eingedenk: ,Es ift falfch, jede Pensee als
erfolgte Aufdeckung einer Unterkirche in Uppenna, aus 1 die wahre Meinung Pascals anzufprechen. Das beweift
deren Apfis für die Oberkirche die dort befindliche wenig tiefes Verftändnis für die Geiftesarbeit eines ein-
Märtyrerinfchrift in byzantinifcher Zeit kopiert wurde famen Denkers. Auf manchem diefer Zettel hat Pas-

(Nr. 238), ferner die höchft intereffante Formel in nomine cal gleichfam mit feiner Seele debattiert' (S. 3_4). _

Patris et FilH [et] domini Muntani (Montanus an Stelle ! Die bei weitem umfangreichfte Darfteilung des chrift-

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