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Ausgabe:

1907

Spalte:

657-659

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sachau, Eduard

Titel/Untertitel:

Drei aramäische Papyrusurkunden aus Elphantine 1907

Rezensent:

Fraenkel, Siegmund

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Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 24. 23. November 1907. 32. Jahrgang.

Sachau, Drei aramäifche Papyrusurkunden aus

Elephantinc (Frankel).
Vodel, Die konfonantifchen Varianten in den

doppelt überlieferten poetifchen Stücken des

matTbretifchen Textes ißeer).
Sievers und Guthe, Arnos metrifch bearbeitet

(Beer).

Paläftinajahrbuch des deutfchen evangelifchen In-
ftituts für Altertumswiflenfchaft des heil. Landes
, herausg. von Dalman, 2. Jahrg. (Schürer).

Staerk, Neuteftamentliche Zeitgefchichte, 2
Bändchen (Schürer).

Rofenmann, Der Urfprung der Synagoge und
ihre allmähliche Entwicklung (Schürer).

Wünfche, Aus Israels Lehrhallen, Kleine Mi-
drafchim zum erden Male überfetzt, I, 1—2
und II, I (Bacher).

Lombard, Essai d'une Classification des pheiio-
menes de Glossolalie (Schürer).

Monceaux, Enqufite sur l'£pigraphie chretienne
d'Afrique (Hennecke).

Köder, Die Ethik Pascals (Lobdein).

Stange, Der dogmatifche Ertrag der Ritfchl-
fchen Theologie nach Julius Kaftan (Titius).

Beth, Die Moderne und die Prinzipien der
Theologie (Lobdein).

James, Die religiöfe Erfahrung in ihrer Mannigfaltigkeit
, überf. von Wobbermin (Eck).

Sachau, Eduard, Drei aramäifche Papyrusurkunden aus
Elephantine. (Abhandlungen der Königl. Preuß. Akademie
der Wiffenfchaften vom Jahre 1907.) Mit
1 Tafel. Berlin, G. Reimer in Komm., 1907. (46 S.) 40

M. 2.50

diefer Petition berichtet dann ein kurzes .Memorandum1
(pDT Ezr. 62), in dem die Erlaubnis zum Wideraufbau des
Tempels aufgezeichnet ift.

IDie Schrift des vollftändigen Papyrus I ift diefelbe wie
die der Papyri von Syene. Zu bemerken ift eine größere
Deutlichkeit der Charaktere in den erften Zeilen gepen-

::1____ A__t„4._4.___ :_ AH_____• - _ i_ _ -A 2? -

Nach Veröffentlichung der Papyri von Syene, die über den letzten; im Allgemeinen aber ift die Lefung

—. z~a f 1 - T , 1 rr 'S. *"i<7 11 C rl Ar I o rA /—» r-* l x. t-*, , r-, e ,, . . —- — C7 L__.11. _ _ _ f 1 • 1

zum erften Male uns ganz neue Daten zur Gefchichte
der älteren jüdifchen Diaspora gaben, konnte man wohl
erwarten, daß neue Ausgrabungen uns weitere Funde auf
diefem Gebiete bringen würden; auf eine Überrafchung
aber, wie fie die vorliegende Publikation Sachaus enthält,
war man doch nicht gefaßt. Wenn jene Papyri uns die
Juden von Syene in ihrem Privatleben zeigten, uns belehrten
, was bei ihnen in Heirats- und Kaufkontrakten
Rechtens war, fo erhalten wir hier authentifche religiös

— —0

ganz ficher. Jedoch gerade einige Stellen, auf die es be-
fonders ankommt, find z. T. zerftört (fo z. B. gleich im
Eingange der Name des 1ST1J1S und das folgende nnB, ebenfo
am Schluffe). Dadurch, daß Sachau die Lefungen diefer
Stellen erkannt hat, ift es ihm gelungen, diefes wichtige
Dokument in den richtigen hiftorifchen Zufammenhang
zu bringen. Er hat auch in den philologifchen Einzelheiten
der weiteren Arbeit eigentlich nur wenig übrig
gelaffen. An den Stellen, wo er fchwankt oder mit einer

politifche Dokumente, die nicht nur auf die Gefchichte der definitiven Deutung zurückhält, ift mit unteren jetzigen
ägyptifchen, fondern auch auf die der paläftinifchen Ju- Mitteln auch kaum etwas mehr zu finden. Dies gilt z. B.
den zur Perferzeit ein helles und zum Teile ungeahntes von dem merkwürdigen Ausdruck DTTOtl (eine Waffe?),

Licht werfen.

Das Hauptftück ift ein in zwei Exemplaren vorhandener
Brief des Vorftehers Jedonjah von Elephantine und feiner
Genoffen an den perfifchen Stadthalter Bagoas (T130)
in Paläftina, gefchrieben im Jahre 17 des Königs Darius
(II. Nothus). Diefer hat im Wefentlichen folgenden Inhalt
: Nach einer kurzen, Segenswünfche für den Adref-
faten enthaltenden Einleitung geben die Schreiber Bericht
über die Zerftörung des VPtempels auf Elephantine
, die im Jahre 14 des Darius in Abwefenheit des
Statthalters Arsam durch eine Abmachung der Priefler
des ägyptifchen Gottes Hnüb mit einem Beamten
Namens a3T.Yi erfolgt war. ,In den Tagen der Könige
Ägyptens aber hatten unfere Väter diefen Tempel in
derStadt Jeb(Elephantine) erbaut und alsKambyfes (TODD)
nach Ägypten kam, fand er ihn bereits erbaut vor. Die
Tempel aller Götter Ägyptens warfen fie (die Perfer)
damals nieder, diefen Tempel aber verletzte niemand im
geringften.' Nach diefer Zerftörung ihres Heiligtums
hatten fie getrauert, gefaltet, zu TCP gebetet und den
Untergang ihrer Feinde erlebt. Den Tempel aber hatten
fie noch nicht wiedererbauen können und auf die Briefe,
die fie deshalb an Bagoas, den Oberpriefter Jchohänän
und feinen Bruder ^ViS T jnc/IK gerichtet, war ihnen
keine Antwort zugekommen. Sie wiederholen nun ihre
Bitte, Bagoas möge dafür wirken, daß der Tempel, an
deffen Wiederaufbau fie gehindert werden, bald wieder
fich erheben könne und verfprechen ihm dafür, daß fie
dort für ihn zu "m beten und ihm von jedem Opfer
eine beftimmte Abgabe entrichten würden. Die gleiche
Nachricht haben fie an die zwei Söhne des Sanaballat,
des Statthalters von Samaria gelangen laffen. Den Erfolg

, -----n

dem in dem zweiten Exemplare Ei"P:T gegenuberfteht.

Nur für einen Paffus möchte ich einen anderen Er-
klärungsvorfchlag machen.

Bei der Schilderung der Zerftörung des jüdifchen
Tempels wird zuetft erzählt, daß die fteinernen Säulen
zerbrochen wurden. Es folgt die Erwähnung von 7 fteinernen
(großen) jytri und fodann die folgenden Worte:

it ppy bbaai mm fba s^cira v at-p-pn Tapp di-po-ti
xcxn «ba sin iran T prtxn S3*,»s m-pw ay v «ba Tis

Sachau, deffen Lefung hier wiedergegeben ift, überfetzt
: ,Und ihre Köpfe (?) Wp(i) und ihre Angeln in
Marmorplatten (?) jene aus Erz und die Bedachung ganz
aus Zedernbalken beftehend famt der Gipsverkleidung
(?) der Mauer (? des Vorhofs?) und anderes was
dort war, alles haben fie mit Feuer verbrannt'. Ich
lefe Z. IO arFTST! (für Sachaus arDlöTl) und ebenfo Z.II
tOffittTPi für S's ttilöaai (das zweite Zeichen fieht, wie ich
gerne zugebe, der fonft hier vorkommenden Form des
ä fehr ähnlich, aber es ift doch vielfach zu konftatieren,
daß die Feder dem Schreiber nicht überall ganz ge-
horfam war). Das hier vorliegende Nomen ift MB 1
,Tür' (targumifch und talmud.). Diefem entfpricht das
famarit. HW1 in derfelben Bedeutung, das zugleich die
Verdoppelung des zweiten Radikals in SO" fiebert. Damit
ift dann auch die Erklärung der zwei nebeneinander
gebrauchten Ebrmen ErDEH und iOTBItjT gegeben. —■ S©1
überfetzt das hebr. nb"!. Es ift alfo von Sjnn njrtö, das
das Portal, das Eingangstor bezeichnet, zu fcheiden.
Vgl. I Chr. 22 s; II Chr. 2319. — Im Folgenden lefe ich
ni-i© ftatt S's rV>-PO und fetze dies = m~lD I Chr. 122«.
Reft .Übriges'.

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