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Ausgabe:

1907

Spalte:

637-642

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zänker, Otto

Titel/Untertitel:

Der Primat des Willens vor dem Intellekt bei Augustin 1907

Rezensent:

Scheel, Otto

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er das ftatiflifche Material darbietet, als in der tieferen j hat Zänker alles mögliche getan, um durch eingehende
religiöfen Würdigung. Es hängt dies damit zufammen, Befragung der Quellen das Problem zu löfen. Freilich
daß er in erfter Linie die Kulte, nicht die Religionen befchränkt er fich in der Hauptfache auf die Schriften
darftellen will. Da aber eine Kenntnis der erfteren und ; des fpäteren Auguftin, alfo auf die nach 397 verfaßten
ihrer Verbreitung die Grundlage ift für eine Würdigung Schriften. Er meint, der Frage der Entwicklung der
der religiöfen Zuftände im römifchen Reich, fo haben i auguftinifchen Anfchauung im einzelnen nachzugehen,
auch wir Theologen allen Anlaß, ihm für das Gebotene t fei eine Aufgabe für fich. Um diefe entbehrlich zu
dankbar zu fein. Wenn es ihm befchieden ifi, das große i machen und zugleich der Unterfuchung den Vorwurf der
Werk zu vollenden, fo wird uns damit ein Standard Unvollftändigkeit zu erfparen, fei als der Anfang das
Work für die Religionsgefchichte der römifchen Kaifer- Jahr 397 gewählt, von dem an eine ftärkere Entwickzeit
gefchenkt fein. 'ur>g nicnt mehr nachweisbar fei. Ganz kann allerdings

Göttingen. E. Schürer.

auch Zänker die erften Schriften Auguftins nicht unberücksichtigt
laffen; aber auf den Gang der Unterfuchung
haben fie keinen Einfluß geübt. Das Problem felbft wird
m;.,,,*.,* Ainhnn^p Clef de la lanque arameenne ou im Anfchluß an Kants Erklärung des Begriffes Primat er-
Mmgana, Alphonse Uet ae » S dialectes läutert. Unter dem Primat zwifchen zweien durch Ver-

Grammaire complete et prat.que des deux dialectes ^ verbundenen Dingen habe man den Vorzug des
occidental et onental. Mossoul, 11 der erfte BeftimmungSgrund der Verbindung mit

dem anderen zu fein, zu vei flehen. In engerer, prak-

synaques,

des peres dominicains 1905. (XVI, 197 p.) gr.

Der Verfaffer, Profeffor der fyrifchen Sprache am tifcher Beurteilung bedeute es den Vorzug des Intereffes
Dominikanerfeminar in Moful, ift den Kennern der fyri- des einen, fofern ihm das Intereffe des anderen unter-
fchen Literatur- und Kirchengefchichte nicht mehr un- geordnet fei. Die für Zänker in Betracht kommenden
bekannt. In der letzten Nummer der Th. L.-Ztg. des beiden Intereffen find der Wille und Intellekt bei
J.s 1906 habe ich feine wertvolle Ausgabe der Homi- Auguftin. Um das durch fie zu erreichende Ziel, das
lien des Mar Narfai rezenfieren dürfen. In wenigen Endintereffe, handle es fich zunächft nicht. Die Frage
Monaten wird er uns mit einer Ausgabe und Uberfetzung : fei vielmehr die, wo für Auguftin die erften und Haupt-
der neuentdeckten Chroniken des Msiha Zkha (VI saec.) motive zu einem Entfchluß, die Triebkräfte menfch-
und Bar Penkaye (VII saec) erfreuen. Die vorliegende : liehen Lebens überhaupt liegen, ob auf feiten des
Grammatik Minganas kann in der Th. L.-Ztg. felbftverftänd- j Willens oder des Intellekts. Es handelt fich um das
lieh nicht ausführlich behandelt werden. Aber erwähnt ! Problem, ob der Wille der Beftimmungsgrund des Er-
werden muß fie doch. Sie weift nach Anordnung und Um- kennens ift, fodaß das dem Willen untergeordnete Er-
fang des Stoffes fo viel Selbftändiges auf, daß es fchmerz- kennen dem fchlitßlichen Handeln nur einen höheren
lieh bedauert werden müßte, wenn fie, wie fchon fo man- Grad der Reife, der Vernunftgewißheit verleihe; oder ob
ches im Oriente erfchienene Buch, von uns Abendländern umgekehrt das Erkennen, der Verftand, die vernünftige
überfehen werden follte. Ich hebe nur Folgendes her- j Erwägung der Beftimmungsgrund für den Willen fei, der
vor: Die feparate Behandlung der Syntax ift aufgegeben. , dann nur die Rolle des Vermittlers zwifchen Erkennen
Sie ift unter den Artikeln Verde cmploye dans la phrase und Handeln zu fpielen habe. Im einzelnen gelte es
(pag. 83—95) und Notn employe dans la phrase (pag. j feftzuftellen, in welcher Folge in jedem Moment des
136—52) in der Lehre vom Verbum und Nomen einge- Handelns Denktätigkeit und Willenstätigkeit wirkfam
ordnet worden. Bei der Vokalifation der Worte und bei werden und welche dabei den virtuellen Vorrang habe;
der Setzung von Rukkakha und Qussaja {pag. 26—32) j ferner welche von beiden im Leben der Entfchlüffe den
find die Schätze der oft- und weftfyrifchen Mafforahhand- Ausfchlag gebe. Des weiteren fei zu erörtern, ob über-
fchriften in bisher noch unerreichtem Maße herangezogen 1 haupt einer von beiden, Wille oder Intellekt, notwendige
worden. In den Abfchnitten über die Poefie der Syrer . Vorausfetzung des anderen fei; und fchließlich fei noch
finden fich neue wertvolle Beobachtungen über poetifche ein Blick auf das letzte Ziel des Willens und des Intel-
Lizenzen {pag. 195—97). Die ganze Grammatik ift auf , lekts zu werfen. Zänker kommt zu dem Ergebnis, daß
einer originalen Theorie über die Quantität und den [ dje Frage nach dem Primat fich nur von dem Gottes-
Mechanismus der Vokale (pag. 14—19)^und über das j begriff aus löfen laffe, deffen Identifizierung mit der

Wahrheit nicht auf neuplatonifche Einflüffe als die ent-
fcheidenden zu fchließen geftatte. Das Verhältnis des Men-

Verhältnis der fogenannten fchwachen Konfonanten zu
ihren Vokalen (pag. 19—23) aufgebaut. Wer tiefer in

die Kenntnis der fyrifchen Sprache eindringen will, wird j fchen zu Gott und zur Wahrheit habe religiös-fittliche

nicht umhin können, neben den Grammatiken unferer
deutfehen Syrologen auch diefes Buch zur Hand zu nehmen.
Berlin. Diettrich.

Vorausfetzungen, ohne die man nicht zur Wahrheit gelange
, wie denn auch die letzte Urfache des religiös-
fittlichen Mangels der böfe Wille, nicht der Mangel an
Erkenntnis fei. Die Sehnfucht nach Wahrheit werde
von Gott nicht durch Einwirkung auf den Intellekt, fon-
Zänker, Paft. Lic. Otto, Der Primat des Willens vor dem , d

ern durch Sündenvergebung und die Gabe des guten
Intellekt bei Augultin. (Beiträge zur Förderung chrift- Willens gefüllt, welch letztere fich im gewollten Glauben
licher Theologie Herausgegeben von A. Schlatter . äußere, der nun erft eine erfolgreiche Betätigung des
und W I ütgert Elfter Jahrgang 1907. Erltes Heft.) Intellekts geftatte. Auch für den zur Wahrheitser-
nna w. ^urgert r,i j b b „ ' i kenntnis gekommenen Menfchen trete die Erkenntnis

Gütersloh, C.Bertelsmann 1907. (150 S.) gr. 8» M. 2.80 | njcnt an die Stelle des Glaubens, es bleibe vielmehr
Seitdem Kahl in feinem Buch: ,Die Lehre vom ; ,die Notwendigkeit des Willens zum Glauben und der
Primat des Willens bei Auguftin' es verfucht hatte, die Einflößung des guten Willens beliehen'. Auch für den
Abhängigkeit des theoretifchen Vermögens der Seele : Fortfchritt in der Erkenntnis behalte der Glaube feine
vom praktifchen zu erweifen und den den neuplatoni- Bedeutung, und der in der Liebe fich betätigende gute
fchen Intellektualismus verdrängenden Willensprimat als Wille fei unentbehrlich für das Wachfen in der Er-
die für Auguftin konftitutive Anfchauung hinzuftellen, ift kenntnis. Auch in der letzten, höchften Geftalt des
die Frage nach dem Primat des Willens oder des Intel- j Lebens fpiele der Wille eine Rolle. Die Seligkeit werde
lekts bei Auguftin nicht wieder zur Ruhe gekommen, j mit dem Willen genoffen. Damit ift dann die Thefe
Zänker ventiliert fie in feiner beachtenswerten und um- j vom Primat des Willens vor dem Intellekt erwiefen.
faffenden Unterfuchung aufs neue. Hatte Kahl fich einer 1 Zänkers eine große Fülle von Beobachtungen ver-
unvollftändigen Quellenbenutzung fchuldig gemacht, fo J arbeitende Unterfuchung ift die vollftändigfte, die wir