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Ausgabe:

1907

Spalte:

545-546

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Völter, Daniel

Titel/Untertitel:

Ägypten und die Bibel. Die Urgeschichte Israels im Licht der ägyptischen Mythologie. Dritte, neu bearbeitete Auflage 1907

Rezensent:

Wiedemann, Alfred

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'lche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark

Nr. 20.

28. September 1907.

32. Jahrgang.

Volt er, Ägypten und die Bibel 3. Aufl. (Wiedemann
).

Gunkel, Elias, Jahve und Baal (Volz).
Brandfeheid, Novum Testamentum Graece et

Latine, ed. 3. (Gregory).
Mufioz, II codice purpureo di Rossano e il

frammento Sinopense (Gregory).

Wilk, Antonius von Padua (Lempp).
Moeller,v.,Die Elendenbriiderfchaften (Lempp).
Menegoz, Une triple distinetion thdologique
(Lobflein).

Jalaguier, Theologie chretienne (Lobflein).
Eucken, Hauptprobleme der Religionsphilofo-
phie der Gegenwart (E. W. Mayer).

Simon, Entwicklung und Offenbarung (Heim).

Wasmann, Die moderne Biologie und die Entwicklungstheorie
3. Aufl. (Otto).
Cohen, Religion und Sittlichkeit (Niebergall).

Praktifche Fragen des modernen Chriftentums
(Schufter).

Völter, Prof. Dr. Daniel, Ägypten und die Bibel. Die Ur-

gefchichte Israels im Licht der ägyptifchen Mythologie
. Dritte, neu bearbeitete Auflage. Leiden,
Buchhandlung und Druckerei E. J. Brill 1907. (V,
125 S.) gr. 8° M. 2.50

Das Werk von Völter, in welchem er den Verfuch
macht eine Reihe von Geftalten der israelitifchen Vor

der vorigen Auflage. Der Verfaffer vermag Ähnlichkeiten
und Anlogien beizubringen, wie fie fich beim
Vergleiche verfchiedener Mythologien oder auch mytho-
logifcher Berichte mit folchen über mehr oder weniger
hiftorifche Vorgänge vielfach einftellcn werden. Auf folche
Parallelen läßt fich aber nach der Uberzeugung des Referenten
die Annahme tatfächlicher Zufammenhänge und
Entlehnungen nicht ohne weiteres aufbauen. Was man

.-----_ ._ jn Werke vermißt, ift der Beweis dafür, daß die

zeit Abraham und feine bann he, Jakob und leine Pamihe, rl . , , ., ... » . .„ ,r >, "M

Mofes, Simfon, mit Hilfe der ägyptifchen Mythologie, zu ^^l^ZrLr^ ^t^^^^

deuten, iit in dritter Auflage erfchienen. Wenn in der-
felben auch der Kern der gleiche geblieben ift, wie in
der an diefer Stelle XXX Sp. 163 f. angezeigten zweiten
Auflage, fo zeigt fich in Einzelheiten überall die beffernde

möglich fein kann, fondern daß fie vorhanden gevvefen
fein muß. Gerade dies fcheint mir aber nach wie vor
unerläßlich zu fein, ehe eine zu fo weitgehenden Konfe-
quenzen führende und für mein Empfinden an und für

und ergänzend! Hand des Verfaffers. Er hat fich weiter flchu n,ch fehr naheliegende Vermutung auf Zuft.mmung
mit der ägyptifchen Religion befchäftigt, die ihr gewid- rechnet?' £ann > daß _e'!"!:}anß";R-the wichtiger Teile der
meten neueren Werke durchgearbeitet und ihnen entlehnte 'sraelitifchen Urgefch.chte in Wahrheit nichts fei, als der

Angaben feinen Ausführungen eingefügt. Einige derart
ergänzte Stellen verzeichnet er felbft im Vorworte,
aber auch fonft ift vieles nachgetragen und zahlreiche
Erwägungen find fchärfer gefaßt worden. Die den ägypto-
logifchen Autoren entnommenen Bemerkungen find zuver-
läffig wiedergegeben und gefchickt verwertet. Da der
Verfaffer nicht felbft Ägyptologe ift, fo war er naturgemäß
von feinen Gewahrsmännern abhängig und konnte
deren Behauptungen nicht überall nachprüfen. Das wäre
aber den häufig fehr hypothetifchen Ausführungen der
ägyptifchen Religionshiftoriker, befonders denen von
Brugfch, gegenüber, bisweilen recht wünfehenswert ge-
wefen. Wenn Brugfch beifpielsweife (bei Völter S. 40)
angibt, der Erdgott werde in Ägypten als gelähmter
Mann gedacht, fo ift mir aus den Texten und Darftellungen
keine einzige Stelle bekannt, an der Seb (Keb)
lahm wäre. Er erfcheint an den fraglichen Stellen der
Schöpfungsfzene als eine zu Boden geworfene oder getretene
, aus der Umarmung mit der Himmelsgöttin Nut
geriffene Geftalt. Gerade bei Brugfch ift auch keine
Scheidung älteren und jüngeren Materiales erfolgt und
fo fchwierig diefe auch infolge der Geftaltung der uns
erhaltenen religiöfen Texte ift, in manchen Fällen ift fie
doch möglich und von Wichtigkeit.

Diefe Einzelausftellungen würden jedoch den Wert
der Völterfchen Erörterungen nicht fchädigen , denn es
handelt fich bei ihnen um Punkte, die das Ganze und
die Schlußfolgerungen nicht wefentlicher beeinfluffen. Die
Lefer werden aus den geiftvollen, freilich gelegentlich
fehr kühnen (vgl. z. B. S. 31 den Verfuch, den Namen
der Qetura mit dem der Hathor zufammenzubringen)
Kombinationen, Belehrung und Anregung gewinnen
können. So anfprechend aber die Zufammenftellung
des ägyptifch-mythologifchen Materiales fein mag, über
ihre Verwertung zur Aufhellung der israelitifchen Überlieferungen
kann ich heute nicht anders denken als bei

ägyptifchen Mythologie entlehnte Erzählungen.

Bonn. A. Wiedemann.

Gunkel, Prof. D. H., Elias, Jahve und Baal. 1—10. Taufend.
(ReligionsgefchichtlicheVolksbücher. II.Reihe. S.Heft.)
Tübingen, J. C. B. Mohr ic/06. (76 S.) 8° M. —50

Nach einer Einleitung über den hohen Beruf der
Kritik und über den Charakter von Gefchichte und Sage
analyfiert Gunkel zunächft die Eliastradition. Sie be-
fteht aus verfchiedenen, urfprünglich felbftändigen Stücken:
1 K 17C5 19; 21; 2 K 12-8, 17a; 21-15. Diefe Stücke
haben in fich felbft einen mannigfaltigen Werdeprozeß
erlebt; z. B. find die drei Szenen 172-6, 7—ig,
17-24 felbft urfprünglich felbftändig, nicht der Eliasfage
eigentümlich, fondern Gemeingut der Antike (vgl. die
religionsgefchichtlichen Parallelen), fie find erft von dem
Erzähler des ganzen Kranzes zur Auffüllung der Teuerungsperiode
hier eingefetzt; auch in der Nabotgefchichte
find fpätere Zutaten .übereinander gewachfen wie Blätter
einer Blattknofpe'. Dann der gefchichtliche Wert der
einzelnen Stücke: fie find Sagen, übertreibend, kindlich,
finnenfällig plaftilch, fie haben aber einen gefchichtlichen
Kern; am nächften der Wirklichkeit kommt ' I K 19:
Elia Ichließt tragifch, erfolglos, aber mit der Vorahnung
des gewiffen Sieges; in i K 18 fchreibt die heldenverehrende
Sage ihrem Helden zu, was Elia nur plante,
was aber erft Elifa und Jehu in der Tat vollbrachten.
Endlich der wirkliche Elia und fein wirklicher Beitrag
zu der Gottesgefchichte: der Eifer gegen den Baal d. h.
gegen die Naturreligion; die monotheiftifche Stimmung;
die Rückkehr zum altisraelitifchen Jahwe; der Gott des
Elia ift Jahwe Zebaot', der altisraelitifche Jahwe der
furchtbaren Naturmacht, aber zugleich der Gott des
Rechts und der Gott, dem das fittliche Prinzip höher
fteht als die eigene Nation Israel.

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