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Ausgabe:

1907 Nr. 16

Spalte:

463

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rohling, August

Titel/Untertitel:

Die Zukunft der Menschheit als Gattung nach der Lehre der h. Kirchenväter 1907

Rezensent:

Leipoldt, Johannes

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Seite 1

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463

Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 16.

464

Die philologifche Seite der Ausgabe ift alfo im ganzen I
recht zufriedenftellend, dagegen ift die theologifche
etwas zu kurz behandelt. In der Einleitung (vgl. S. XLVI f.)
vermißt man ein genaueres Eingehen auf die ßibelzitate,
eine Unterfuchung des Bibeltextes der Acta und der
abweichenden Lesarten in den Hff. Unter dem Text
aber hätten Anfpielungen auf Bibelzitate und Verwendung
von biblifchen Ausdrücken vollftändiger und genauer,
als es gefchehen ift, verzeichnet werden müffen. Ich
notiere, was mir beim Durchlefen aufgefallen ift: S. 27,7
Gen. 12« S. 30, 9 Gal. 519—21 S. 35,18 Luc. 1019 S. 37,4
Gen. Ii.2 S. 37,8 Gen. 12.4 S. 47,33 Pf. 29 S. 48,30
Matth. 275 S. 51,10 Gen. 61—4 S. 59 24 I Kor. 210. 922
S. 68,15 Gen- 4910 (vkT'- S. 73,17) S. 68,16 Joh. 103. 4.12
S. 69,19 h Exod. 5 S. 80,13 h (wo ausdrücklich vox Jesu
erwähnt wird) Joh. iois S. 84,25 Matth. 2237—40 S. 87,33
Matth. 5 i8 S. 88,12 h Matth. 172 S. 88,30 etwa Joh. 824.
Ferner war S. 411—17 die durch Ficker nachgewiefene
Benutzung der Petrusakten (vgl. Einleitg. der Acta S. XV)
nochmals zu notieren, S. 43,3 war auf S. 24.3 zu verweilen
, S. 45 Teft. ift 16 vor Matth. 2229 zu (teilen,
S. 45 war Z. 23 größtenteils als Zitat kurfiv zu drucken,
S. 48 Teft. fchr. 6 f. ftatt 8, S. 65 Teft. 21 fchr. Num.
15,32—36, S. 66 Teft. fchr. 10 ftatt 11. Von fonftigen
Druckfehlern bemerke ich: S. XXVIII Z. 10 v. u. 1.
Weihrich S. 16 App. Z. 2 v. u. 1. evosßeiaq S. 37,32 fetze
Komma nach ut und tilge das Komma nach dixerim
S. 50,29 1. appellata S. 58,2 f. Kolon ftatt Komma hinter
dixerit S. 61,25 tuSe das Komma S. 62,21 f. Komma
ftatt Punkt hinter Christi S. 67,6 tilge das Komma S. 82
App. Z. 2 v. o. 1. ligiertem S. 85,9 tilge die Klammern,
da kis in C, wenn auch falfch verbanden, überliefert ift. ;

Der Gefamteindruck der Ausgabe ift aber erfreulich; I
fie wird als wertvolles und nötiges Hilfsmittel mit Freuden !
begrüßt und mit Dank benutzt werden.

Eifenach. Paul Koetfchau.

Rohling, Prof. Dr. Auguft, Die Zukunft der Menschheit als j
Gattung nach der Lehre der h. Kirchenväter. Ein Wort
zur Förderung der religiöfen Einigung. Leipzig, C.
Beck 1907. (VII, 370 S.) gr. 8° M. 8—

Der Verfaffer fucht, im Gegenfatze zu der ,verirrten
Scholaftik', vor allem ein Doppeltes zu zeigen. Erdens:
es wird ewig auf Erden eine pilgernde Menfchheit geben,
nur daß diefe fpäter vollkommen und dem Tode nicht
mehr unterworfen fein foll. Zweitens: es gibt keine
ewigen Höllenftrafen. An der Spitze fleht ein kurzer
Schriftbeweis. Dann wird die Wichtigkeit efchatologifcher
Forfchungen diefer Art begründet mit einem Hinweife I
darauf, daß das Ende der Zeiten nahe ift; diefe Tatfache
ergibt fich vor allem aus den Weisfagungen des heiligen
Malachias, deffen Papftdevifen Rohling für echt hält.
Den Hauptteil des Buches nimmt der Nachweis ein, daß
die Sätze des Verfaffers durch das Zeugnis der Väter
geftützt werden. Berückfichtigt find Hilarius von Poitiers,
Cyrill von Jerufalem, Gregor von Nyffa, Epiphanius von j
Salamis, Johannes Chryfoftomus, Ambrofius, Hieronymus
, Auguftin, Leo der Große, Gregor der Große und
die Liturgie; nebenbei wird auch der Syrer Efraim herangezogen
. In einem Anhange find die wichtigften Vätcr-
ftellen vereinigt. Rohling gibt fich der Hoffnung hin,
daß die Verföhnung der Itreitenden Bekenntniffe erleichtert
wird, wenn feine Lehre von den letzten Dingen zur
Herrfchaft kommt.

Rohlings Idealismus ift gewiß zu bewundern. Daß
er viele überzeugen wird, glaube ich nicht. Allzu oft
muß er zu verzweifelten Hilfsmitteln greifen (z. B. xokaöig
mit ,Zuftutzung' überfetzen): dadurch bringt er fich felbft j
um alles Vertrauen.

Halle (Saale). J. Leipoldt.

Herwegen, P. Ildefons, ü. B., Das Pactum des hl. Fruk-
tuosus von Braga. Ein Beitrag zur Gefchichte des fue-
vifch-weftgothifchen Mönchtums und feines Rechtes.
Mit einem Vorwort des Herausgebers. (Kirchenrechtliche
Abhandlungen. Herausgegeben von Ulrich Stutz.
40. Heft.) Stuttgart, F. Enke 1907. (XI, 84 S.) gr. 8IJ

M. 3 40

In der vorliegenden klar und durchfichtig geführten
Unterfuchung Hellt der Verfaffer die aus verfchiedenen
fpanifchen Klöftern flammenden pacta d. h. die Profeß-
formeln der Mönche zufammen. Die ältefte Formel, auf
die die anderen fämtlich zurückgehen, ift das pactum des
heiligen Fruktuofus von Braga, des Stifters des Klofters
Complutum und einer Reihe anderer fpanifcher Klöfter,
der 656 zum Metropoliten von Braga erwählt wurde.
Der Inhalt diefer pacta befteht in einer Verpflichtung
der Mönche zum Gehorfam, zur Unterlaffung jedes dem
Abte feindlichen Einverftändniffes mit Auswärtigen und
zum dauernden Verweilen im Klofter, während der Abt
feinerfeits ausdrücklich die Pflicht übernimmt, gegen die
Mönche gerecht zu fein. Diefe Rechtsfätze klingen, wie
Herwegen erweift, deutlich an germanifche, genauer weft-
gotifche Rechtsanfchauungen an. Daraus zieht der Verfaffer
dann den einleuchtenden Schluß, daß der fpanifche
Klofterftifter in dem pactum das Untertanenverhältnis von
dem Gebiete des Reichs auf den engen Kreis der Klofter-
genoffenfchaft übertragen habe. Während die Profeß-
formel des pactum dem weftgotifchen Untertaneneide
nachgebildet ift, ift in den an römifche Rechtsanfchauungen
fich anlehnenden Regeln Benedikts von Nurfia und
Ifidors von Sevilla der römifche Fahneneid das Vorbild
des mönchifchen Profeffes. In dem pactum des
PYuktuofus findet eine Selbftübergabe der Mönche an
den Abt ftatt, die aber kein fchrankenlofes Gewaltsverhältnis
auf feiten des Abtes begründet, fondern dem
Tradenten ift kraft des pactum die Klage gegen den
Abt erlaubt. Gerade, daß dem Mönch gegen den willkürlich
verfahrenden Abt ein Rechtsanfpruch zufteht,
unterfcheidet diefe Verpflichtungsformel in charakterifti-
fcher Weife von den orientalifchen Mönchsregeln und
der Regel Benedikts, nach denen der Mönch fich vorbehaltslos
Gott und deffen Stellvertreter, dem Abt, zu
übergeben hat. So zeigt fich alfo hier eine merkwürdige
Verfchmelzung des heimifchen, weftgotifchen Rechts
mit der altmonaffifchen Disziplin. Die fleißige Arbeit
ift ein wertvoller Beitrag zur Gefchichte des fpanifchen
Mönchtums, das fich zur Zeit des heiligen Fruktuofus
von Braga entgegen der Meinung Mabillons noch völlig
unbeeinflußt von der Regel Benedikts erweift.

Heidelberg. Grützmacher.

Wobbermin, Prof. D. Dr. G., Das Wefen des Chriftentums.

(Beiträge zur Weiterentwicklung der chnftlichen Religion
. Heft 10.) München, J. F. Lehmann's Verlag
(1906). (S. 339—386.) gr. 80 M. -60

Diefe Schrift des um die Bearbeitung religionsphilo-
fophifcher und im beften Sinne apologetifcher F"ragen
längft verdienten Verfaffers bildet das zehnte Heft der
.Beiträge zur Weiterentwicklung der chriftlichen Religion'
und bringt die Reihe diefer Veröffentlichungen in würdiger
Weife zum Abfchluß. Während Harnacks .herrliche
Vorlefungen' fich auf eine rein hiftorifche Betrachtung
des Problems befchränken, will W. die PTage ,auch
und gerade religionsphilofophifch, überhaupt rein philo-
fophifch behandeln und beurteilen'. Ausgehend von der
alle Stufen und Arten in fich faffenden allgemeinen
Definition der Religion als des ,Beziehungsverhältniffes
des Menfchen zu einer von ihm geglaubten jenfeitigen
Welt' (341) gruppiert W. die einzelnen Religionen je
nach der Befchaffenheit und dem inneren Zufammenhange