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Ausgabe:

1907 Nr. 16

Spalte:

451-453

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wrigth, Charles

Titel/Untertitel:

Daniel and his Prophecies 1907

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 16.

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bequem beifammen (dazu Liturgiae und den umfang- I
reichen, aber wohlgeordneten Artikel Anonymus). Dazu
kommen viele Gebete (z. B. 80. 86. 229 u. a.), womit I
dann die Schreibergebete, die in dem Katalog fehr forg-
fältig gegeben werden, zufammenzunehmen wären. Die j
falfche mönchifche Demut zeigt fich z. B. in der Unter-
fchrift 42 (XIII), wo der Schreiber Johannes fich als
xaxoygacpog bezeichnet. Die Hauptmaffe fällt natürlich
auf junge asketifche Literatur und befonders kanoniftifche
Sammlungen. Die hier auf Identifizierung der einzelnen
Texte verwandte Mühe ift erftaunlich.

Nicht um diefen durch Sorgfalt hervorragenden
Katalog zu tadeln, möchten wir für künftige Fälle noch
drei Wünfche ausfprechen: 1. Die Zeitbeftimmung, auf
die es doch in fehr vielen Fällen vor allem ankommt,
muß an augenfälliger Stelle untergebracht oder durch
den Druck hervorgehoben fein: es ift hier oft nicht leicht,
fie in dem Zahlengewimmel der minutiös genauen de-
scriptio herauszufinden. Übrigens datieren die Herausgeber
aus paläographifcher Vorficht offenbar eher zu
jung, z. B. 808 V, wo andere IV—V, 522 XI ex., wo
andere X fagen. — 2. Es war ein praktischer Brauch
der alten Bibliothekare, jeder Handfchrift ein Stichwort
zu geben; das haben fie oft ungefchickt getan, indem fie
den zufällig erften Autornamen oder Titel dazu wählten,
woraus dann der übrige Inhalt nicht zu erfchließen war. I
Wir find in dem Verftändnis für die Sammlungen weiter:
dank Ehrhards Forfchungen können wir z. B. 46 kurzweg
als interpolierten Januarteil des Metaphraften, 73
Oct. Nov. des Metaphraften, bezeichnen. — 3. In dem
Autoren- und Sachregifter find die Nummern ftatt in
einer fortlaufenden Reihe beffer nach den Schriften geordnet
zu geben. Jetzt muß man bei Chryfoltomus 121
Codices nachfchlagen, um zu finden, ob Homilien zu Mt.
dabei find. Nimmt es zuviel Platz, die Titel in Stichworten
anzugeben, alfo Horn, in Gen. 45. 70. 206. 823.
838. 861. 869. 879. 883. 1081; in Mt. 64. 79. 500. 996. 1092,
in Joh. 215. 407. 694. 855. 874 uff, fo könnten auch
ohne die Stichworte die das gleiche Stück bietenden
Nummern zufammenflehen: lieft man z. B. Gennadius

I28ll9 303 1G3 682 342 868 948 — 277110? — 484124 — 524

passim — 704203 724277 1062 [?] — 838?, fo weiß man
gleich, daß es fich bei den 11 Handfchriften nur um 6
Schriften handelt. Das wäre eine wefentliche Erleichterung
für den Benutzer.

Straßburg. E. von Dobfchütz.

Wright, Rev.Charles H.H., D.D., Daniel and his Prophecies.

London, Williams & Norgate 1906. (XXII, 334 p.)
gr. 8° s. 7.6

Das Buch bietet nach einer Einleitung (p. VII—XXII)
zuerft eine ,neue Überfetzung auf Grund der revidierten
Verfion', in das bei Kap. III nach LXX das Gebet der 3 Männer
in feurigen Ofen in kleinerem Drucke eingefchaltet ift
(1—42). Es folgen (Kap. 1) allgemeine Bemerkungen
(43—37), weiter die LXX von Daniel und die fpäteren
vorchriftlichen Schriften in ihrer Beziehung zu Daniel: LXX.
2 Macc. 3. Buch der Sibyllinen; Sirach, Henoch, Judith
und Tobit, Baruch, Jofephus, Pfalter Salomos und As-
sumptio Mosis, 4 Esra, Jubiläen, Neues Teftament und
apoftolifche Väter (Kap. 2, 58—100), die hiftorifchen
Erzählungen in Daniel (Kap. 3 u. 4, S. 100—141), die
Prophezeiungen von den 4 Königreichen (Dan. II u. VII,
Kap. 5, S. 141 —170), die Prophezeiung über Medien,
Perfien und Griechenland (Kap. 6, S. 171 —190), die heben
Jahrwochen (Kap. 7, S. 196—241), die letzte Vifion des
Daniel (Kap. 8. 9. 10, S. 242—310).

Der Verfaffer vertritt mit Entfchiedenheit die Au-
thentie des Danielbuches, mag diefem auch mancherlei
Unglück zugeftoßen fein. Vielleicht ift es einft ins Ara-
mäifche überfetzt und, da der hebräifche Urtext verloren
ging, ins Hebräifche zurückuberfetzt worden, doch nur j

zum Teil, so daß für die fehlenden hebräifchen Abfchnitte
aramäifche Überfetzung eintrat. Auch mag unfer Buch
vielfach nur einen Auszug eines größeren Werkes bieten

— zwei Vermutungen, die wenig für fich haben. — Maßgebend
ift für Wright die Stellung des Neuen Teftamentes,
namentlich Jefu. Es ift nach ihm Unglaube, wenn man fich
der Wucht diefes bindenden Zeugniffes entzieht. Diefer
Unglaube der modernen Kritiker zeigt fich auch darin,
daß fie eine Erzählung fofort verwerfen, wenn fie ein
Wunder berichtet, eben um diefes Wunders willen. Wie
wahr das ift, kann Wright an Kuenen fehen, den er ja
als kritifchen Theologen wohl gelten laffen wird und
der in feiner anderen Forfchern, nur anfcheinend Wright
nicht, recht bekannten Abhandlung über die ,kritifche
Methode' das Gegenteil deutlich genug hervorhebt {Cri-
tical method in The modern Review I, 1880, S. 461 ff; Ge-
fammelte Abhandlungen von Kuenen 1894, S. 3 ff).

Daß mit einer Verwertung des Neuen Teftaments zu
Zwecken der hiftorifchen und literarkritifchen Forfchung
fchlechterdings nichts zu machen ift; daß die Annahme
der von Jefu und den Apofteln mit ihren Zeitgenoffen
geteilten Meinungen über das Alte Teftaments eben die
Annahme der oft recht unkritifchen Vermutungen und
Einfälle jüdifcher Gelehrte bedeutet, braucht für wiffen-
fchaftliche Theologen nicht weiter bemerkt zu werden.
Das Bekenntnis zu der Verbindlichkeit diefer Angaben
führt Wright auf die Seite eines Rupprecht, deffen Buch
,Pfeudodaniel und Pfeudojefaja der modernen Kritik'
1894 befonders lobend hervorgehoben wird. Bei folcher
Stellung kann man fich nicht wundern, wenn er einmal
den klaffifchen Satz ausfpricht, daß in diefen Fragen
(über Echtheit einer Schrift) nicht nur die Kritiker, fondern
das ganze Volk der Gläubigen mitzufprechen habe. Es
fpricht mit — leider, und man kann nicht einmal hoffen,
daß das Wort ,Schüller bleib bei Deinem Leiflen' von
ihm jemals wird beherzigt werden.

Wo ein Wille, da ift auch ein Weg. Und fo findet
auch Wright feinen Weg, um die Authentie Daniels zu
beweifen. Aber wer möchte feinem Wege folgen? So
folldie Vifion Sacharjas von den 4 Hörnern, die 4 Schmiede
ausreißen (Sach. 2.), der Hirt in Sacharja XI auf Daniel
zurückgehen, für exilifche Entftehung Daniels fprechen

— wers glaubt! Die Behandlung des Buches Daniel aber
bei dem Griechen, Henoch ufw. beweift natürlich ganz und
garnichts für vormakkabäifche Abfaffung; die Nichterwähnung
aber der Glaubenshelden (Daniels und seiner
Genoffen) bei Sirach 44 ff. kann auch durch die Ausreden
Wrights in ihrer Bedeutung nicht erfchüttert werden.

Gefpannt kann man natürlich darauf fein, wie der
Verfaffer fich zu den hiftorifchen Schwierigkeiten Hellt,
die das Buch Daniel ja in nicht geringer Zahl bietet.
Da ift doch Belfafar ausdrücklich als Sohn und Nachfolger
Nebucadnefars und König von Babylonien genannt
(5, 11. 13. i8ff.) Es würde niemanden einfallen, zwifchen
ihm und Nebucadnefar noch eine Reihe von Königen
zu vermuten, ja Belfafar nur als Kronprinzen und Kommandanten
von Babel an Stelle feines abwefenden Vaters
Nabü-näid zu faffen. Tatfächlich hat die jüdifche Sage
ebenfowenig wie Herodot noch von fo viel verfchiedenen
Herrfchern (Amel-Marduk, Nerigliffar, Labafi-Marduk,
Nabü-näid) etwas gewußt und es ift eine gar kühne
Behauptung Wrights, daß die Juden in der Gefchichte
gut Befcheid gewußt hätten. Es bleibt dabei, daß Belfafar
hier als Erbe des ganzen Reiches — nicht bloß der
Stadt — und als direkter Sohn Nebucadnefars genommen
wird, und es bleibt gleichfalls dabei, daß der wirkliche
Verlauf der Dinge damit nicht zu vereinen ift. Nicht
anders fleht es mit ,Darius dem Meder'. Weder ein
felbftändiges Reich der Meder noch ein Mederkönig
mit Namen Darius exiftirte damals, als Kyrus Babel
einnahm. Nach Daniel aber folgt auf Belfafar Darius,
auf diefen dann Kyrus. Die Kap. 8. 9. 10, die zeitlich
geordnet find, verletzen uns in die Regierung des Belfa-