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Ausgabe:

1907

Spalte:

425-427

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Duhm, Bernhard

Titel/Untertitel:

Das Buch Habakuk. Text, Übersetzung und Erklärung 1907

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig. Jahrlich 18 Mark.

Nr. 15. 20. Juli 1907. 32. Jahrgang.

Duhm, Das Buch Habakuk (Nowack).
Workman, The Servant of Jehova (Frankenberg
).

S talker, Das Verhör und der Tod Jefu Chrifti
(H. Holtzmann).

Völter, Mater Dolorosa und der Lieblings-
jilnger des Johannesevangeliums (H. Holtzmann
).

Mayor, The Epistle of St. Jude and the Second
Epistle of St. Peter (H. Holtzmann).

Guignebert, Manuel d'Histoire ancienne du
Christianisme, Les Origines (Krüger).

Raufchen, Grundriß der Patrologie, 2. Aufl.
(Krüger).

Burkitt, Urchriftentum im Orient (G. Ficker).
Die Regel des hl. Benediktus erklärt (Grützmacher
).

Jodl, Gefchichte der Ethik als philofophifcher

Wiflenfchaft. 1. Bd. (Elfenhans).
Wein (lein, Die philofophifchen Grundlagen

der Wiffenfchaften (Elfenhans).
Kellner, Heortologie. 2. Aufl. (Drews).
Geyer und Rittelmeyer, Gott und die Seele,

Predigten (E. Chr. Achelis).
Ebers, Das Devolutionsrecht (Frantz).

Duhm, Prof. D. Bemh., Das Buch Habakuk. Text, Über-
fetzung und Erklärung. Tübingen, J. C. B. Mohr 1906.
(III, 101 S.) gr. 8» M. 2.80; geb. M. 3.80

Den letzten Anftoß zu diefer erneuten Unterfuchung
des Hab. hat Duhm durch Martis Bearbeitung des Buches
erhalten, ,der mit ihm nicht viel glimpflicher verfährt, als

unter den Kittäern d. i. den Griechen 1 Makk. 1 1. 8 .->
wohlgefühlt, deswegen konnte man nicht begreifen, daß
Hab. fo wie hier gegen fie gefchrieben haben follte, man
fetzte daher die tTHTÖSH an die Stelle. Eine weitere
Stütze für feine Oppofition gegen die Echtheit von
DilODÜ in 1 s und für die Beziehung unfres Buches auf
die Kittäer findet D. in 19, wo er "it&B ft. des unver-
Jahve in Hab. 313 mit dem Haus der Frevler, aber in ftändlichen nuaHÄ lieft und hier den Gedanken findet, daß
der Tat auf dem Boden, auf dem für ihn das Haus diefer von Hab. befchriebene ruchlofe Feind von Wert
ftand, nicht anders verfahren konnte'. D. verfucht es I nach Oft zieht, was fich nur von Alexander M. verftehen

auf fetteren Boden zu (teilen, auf dem es, wie er hofft,
dem kritifchen Unwetter ftandhalten wird. Welches ift
der neue Boden? Mit einem Wort: die Zeit Alexanders
nach feinem Siege bei Iffus, der Eroberung von Tyrus

läßt, von deffen Städtebauten, Zechgelagen ufw. K. 2 4ff.
ein deutliches Bild entwirft.

Ich zweifle, ob diefer von Duhm feftgeftellte Boden
für Hab. fo ficher ift, daß er hinfort allen kritifchen

und der Niederwerfung von Syrien und Ägypten; in , Stürmen ftandhalten wird; weder halte ich die Kritik
diefer Zeit, und zwar wahrfcheinlich vor -dem letzten , der bisherigen Auffaffung unfres Buches, noch die neue

entfcheidenden Siege bei Gaugamela hat Hab. diefes
Buch gefchrieben, in dem er fleh gegen die neu auftretende
Weltmacht der Griechen und fpeziell gegen
Alexander wendet, der in eingehender und abfälliger
Weife namentlich in K. 2 befchrieben wird. Das Buch
befteht aus fechs Gedichten, die in Vierzeilern verlaufen;
das erfte 12-4 hat abwechfelnd drei- und zweihebige,
die übrigen fünf (1 r,-n, I 12-17; 21-3; 24-20. K. 3) lauter
dreihebige Stichen. Die Gedichte fchließen fich eng an
einander und zwar bilden die erften drei gleichfam die
Expofition: der Dichter erhebt als Sprecher der recht-
fchaffienen Leute und im Intereffe von Gefetz und Recht
die Anklage vor dem höchften Tribunal über die Vergewaltigung
der Welt durch Ein ruchlofes Volk, das
zwar von Jahve felbft aufgeftellt ift, aber feine Kraft zu
feinem Gott macht. Die drei letzten Gedichte, in denen
der Verf. als Prophet auftritt, geben die Antwort auf
die Fragen und Klagen, und zwar das vierte und fechfte
auf Grund göttlicher Offenbarung, das fünfte auf Grund
der fittlichen Weltordnung. Die vier erften Gedichte
find wohl nach einem einheitlichen Plan niedergefchrieben,
und dann bald darauf von demfelben Verf. die beiden
letzten gewiffermaßen als vervollftändigende Nachträge
zum vierten Gedicht, dem wichtigften des ganzen Buches,
hinzugefügt.

Die bisherige Auffaffung, die in dem Buch ein Produkt
der chaldäifchen Zeit und meift in dem ruchlofen
Volk die Chaldäer fah, die 1 o ausdrücklich nennt, ift

von Duhm vertretene für überzeugend. Jene nicht, weil
fie zu ftark fubjektiv bedingt ift. Am fchwerften würde
der aus 1 9 genommene Grund wiegen, wenn nicht der
Text hier zu unficher wäre, um daraus Schlüffe zu
ziehen. Dagegen wird es wenig überzeugen, daß die
von Hab. vertretene Darflellung des Eroberungszuges
als eine fchlimme Ruchlofigkeit für einen Schriftfteller
unmöglich fei, der in feiner Jugend das affyrifche Joch
gekannt und um 608 die Eroberung Judas durch die
Ägypter erlebt hatte, oder daß die Befchreibung diefes
Volkes als ,bitter', ,erfchrecklich' ,überfchnell' für die
Chaldäer nicht paffe, da diefe fehr langfam waren und
erft nach der Zerftörung Jerufalems in jener Beleuchtung
erfcheinen vgl. Jef. 144fr. Pf. 137 ufw. Was will endlich
der aus l4f. genommene Grund befagen? Weder werden
andere aus 1 5 fchließen, daß die Juden zur Zeit unteres
Verf. feit langem an ein ungefchichtliches Hindämmern
gewohnt waren, noch werden fie die in 1 1 fich findenden
Ausdrücke etwa 1—2 Jahrzehnte nach der Reform der
Jollas für unerklärlich halten. Was aber die von Duhm
vertretene pofitive Kritik angeht, fo kann ich erhebliche
Bedenken nicht unterdrücken. Die ganze Schilderung
des ruchlofen Volkes und feiner Taten, die Frage der
Ungeduld und der fich regende Zweifel an der Gerechtigkeit
Jahves fcheinen mir nur begreiflich, wenn Hab. mit
fei nem Volk fchwer unter dem Frevel diefes gewalttätigen
Volkes zu leiden hatte; nur fo ift 23, nur fo auch
| die Theophanie K. 3, die nach Duhm von demfelben Verf.

nach D. völlig unmöglich, weil der ganze Inhalt dem | herrührt, erklärlich. Von alledem wiffen wir aus der

widerfpricht, wie er das auf Grund des Textes nachzu-
weifen fucht. In § 3 der Einleitung Hellt er die Hauptgründe
zufammen, die ihn zu feiner ablehnenden Stellung
beflimmen und auf Grund deren er behauptet, daß das
I 0 fich findende CHttJDn nicht urfprünglicher Text fei,

Zeit Alexanders nichts. Freilich find ja die uns überkommenen
Nachrichten überaus dürftig und unficher, aber
man wird wohl zu dem Schluß berechtigt fein, daß
wenn die Juden damals fchwer zu leiden gehabt hätten
die Überlieferung eine andere Farbe angenommen hätte!

fondern Korrektur eines Abfchreibers der ptolemäifchen 1 Jedenfalls wäre um 331 eine folche Stimmung, wie fie
Zeit für EiPS: die erften 150 Jahre hatten fich die Juden 1 uns hier entgegentritt, kaum begreiflich, hatte doch auch

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