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Ausgabe:

1907

Spalte:

345-347

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Behrens, Emil

Titel/Untertitel:

Assyrisch-baylonische Briefe kultischen Inhalts aus der Sargonidenzeit 1907

Rezensent:

Küchler, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. HinrichsVche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 12. 8- Juni IQQ7- 32. Jahrgang.

Behrens, AfTyrifch-babylonifche Briefe kulti-
fchen Inhalts (Küchler).

Frank, Bilder und Symbole babylonifch-affyri-
fcher Götter (Küchler).

M c K i m, The Problem of the Pentateuch (Steuernagel
).

Lods, La croyance a la vie future et le culte
des morts dans Tantiquite Israelite, 2 parts

Zellinger, Die Dauer der öffentlichen Wirk-

famkeit Jefu (v. Dobfchütz).
Clemen, Die Entftehung des Neuen Teftaments

(Wernle).

Weber, E., Die Beziehungen von Rom. I—3

zur Miffionspraxis des Paulus (Wernle).
Preuß, Die Vorftellungen vom Antichrift im
fpäteren Mittelalter, bei Luther und in der

(Bertholet). konfeffionellen Polemik (Köhler).

Götz, Die Glaubensfpaltung im Gebiete der
Markgraffchaft Ansbach-Kulmbach in den
Jahren 1520—1535 (Rob. Holtzmann).

Steinberger, Die Jefuiten und die Friedensfrage
in der Zeit vom Prager Frieden bis zum
Nürnberger Friedensexekutionshauptrezeß 1635
—1650 (Rob. Holtzmann).

Gwatkin, The Knowledge of God and its
historical Development, 2 Bde. (E. W. Mayer).

Behrens, Dr. phil. Emil, Affyrifch-babyloniTche Briefe kul-
tifchen Inhalts aus der Sargonidenzeit. (Leipziger femi-
tiftifche Studien II, I. Herausgegeben von A. Fifcher
und H. Zimmern.) Leipzig, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung
1906. (III, 124 S.) gr. 8° M. 4 —
Aus der großen achtbändigen Harperfchen Ausgabe
von affyrifchen Briefen hat Behrens heben ausgewählt,
die er einer eingehenden Behandlung unterzogen hat; außer
diefen heben hat er aber noch zahlreiche andere Briefe
der Sammlung teils ganz, teils in Exzerpten mitgeteilt
und befprochen. Der Uberhchtlichkeit und Lesbarkeit
ift die Anordnung des Stoffes wenig günftig: man muß
fich immer wieder erft vergewiffern, ob man bei der Erklärung
des Haupttextes oder eines der zahlreichen Nebentexte
fleht. Durch eine andre Anordnung oder auch
durch größere Unterfchiede des Druckss wäre dies wohl
zu vermeiden gewefen.

Der ,kultifche' Inhalt der behandelten Briefe ift
eigentlich herzlich unbedeutend und unintereffant. Die
Mitteilungen bewegen fich durchaus im Rahmen des
antiken Polytheismus und Aberglaubens. Irgend etwas
theologifch bemerkenswertes ift mir nicht aufgeftoßen,
und nur wenige Punkte vermögen ein lebhafteres Intereffe
wachzurufen. Das find folgende:

1. Der Einfluß der Aftronomie oder Aftrologie
(das ift für das Altertum dasfelbe) ift fo groß, daß unter
ihm fogar kalendarifch genau beftimmte religiöfe Fefte
auf einen andern Termin verfchoben werden, weil der
eigentliche Fefttermin aftrologifch .ungünftig' ift (S. 63.

2. Es kommt felbft bei einem fo ,frommen' König
wie Afarhaddon vor, daß ihm die kultifchen Weifungen
feiner priefterlichen und aftronomifchen Berater nicht
paffen, und er fich dagegen auflehnt. Nach dem Text
Nr. 6 hat er keine Luft länger als einen Tag zu fallen,
obgleich die Aftronomen dies für erforderlich erklärt

ftellte und fich zum Ausgleich mit dem Sonnenjahr zyk-
lifcher Schaltung von einem ganzen Monat bediente.
Aus diefem Nebeneinander ergeben fich Konflikte, wie
der oben unter 2. befprochene. Nach der Rechnung des
Königs müßte der neue Monat, der dem Fallen ein Ende
macht, fchon begonnen haben. Die Aftronomen aber
wenden ein, daß der Mond noch nicht wieder fichtbar
geworden fei, was irgendwie auf den Einfluß des Jupiter
zurückgehe, daß demnach der alte Monat noch nicht zu
Ende fei, und darum der König eigentlich weiter fallen
müßte. (Was es mit diefem Faden des Königs am Ende
eines Monats auf fich hat, ift nicht klar. Behrens vermutet
, es handle fich um das Ende des letzten Monats
im Jahre, ohne freilich, wie er felbft bemerkt, einen
Beweis dafür erbringen zu können.)

In anderer, nämlich in grammatifcher und lexikali-
fcher Beziehung find die von Behrens vorgeführten Texte,
wie die Briefe überhaupt, fehr lehrreich. Im Gegenfatz
zur Klaffizität der Königsinfchriften und der großen my-
thologifchen Texte lernen wir hier die Sprache des
Alltags kennen, in der eine Fülle von Wörtern gebraucht
wird, die fonft gar nicht oder fehr feiten vorkommen
(vgl. die Zufammenftellung S. 2—4). Daneben fällt eine
weitgehende Zerfetzung der Sprache in formaler wie
in fyntaktifcher Beziehung auf. Durch beide Uni-
Hände wird felbftverftändlich die Erklärung der Texte
außerordentlich erfchwert. Um fo mehr ift der Erfolg
anzuerkennen, den Behrens zu verzeichnen hat. Daß
trotzdem noch immer vieles fraglich bleibt, führt er uns
durch feine zahlreichen Fragezeichen eindringlich zu
Gemüte.

Nun noch einige Einzelheiten: Nr. 6, Vorderf. 10
Same ik-ku-Su u-kar-rn-ni ift felbftverftändlich, wie Behrens
in bezug auf ikku fchon tut, auch hinfichtlich des Verbums
mit K. 71 b etc., III, 55 ikkasu igk k-ta-nir-ru zufammen-
zuftellen (f. meine Beiträge zur Kenntnis der affyrifch-
babylonifchen Medizin S. 32 und 122). Aus der Stelle

haben. Noch intereffanter ift vielleicht hierbei, daß auf in dem Behrensfchen Briefe fcheint mxx nun hervorzugehen

daß ich feinerzeit die Bedeutung des ig k kta-nirru richtig
.geraten' habe; denn wenn es hier heißt: ,der König hat

feinen Gaumen.....keinen Biffen gegeffen', fo liegt es

augenfeheinlich nahe als Sinn des erften Satzes anzunehmen
: ,der König hat nichts getrunken'; das würde
durch die Worte ,der König hat feinen Gaumen trocken

die königliche Weigerung hin die beiden Hofaftronomen,
Wenn auch mit einigem Vorbehalt, die Erlaubnis zur Beendigung
dfs Fadens geben. Sehr ernft kann es diefen
.Augurn' alfo mit ihrer Überzeugung von feiner Notwendigkeit
nicht gewefen fein.

3- Wir find im allgemeinen gewohnt anzunehmen, ! auren aie Worte ,aer ivonig nat leinen bäumen trocken
aer affyrifche Monat habe regelmäßig aus 30 Tagen und werden laffen' oder ,trocken gehalten' ausgedrückt fein
°as Jahr aus zwölf folchen Monaten mit fünf Schalt- Demnach hätte man wohl an der vorliegenden Stelle
ragen am Schluffe beftanden. Wie aber fchon die Exiftenz n-i$ar-ru-niund K;ib etc., III, 55 ik^ta-mr-ni zu lefen —
j^'ner Hemerologie für den »zweiten Ululu' nahelegte, gab Nr. 6, Rückf. 1 ift wohl zu lefen la u-hir-ra da« Prl~f
« neben diefer reinen Sonnenjahrrechnung eine andere, •» '■ ... rraet-

^amlich eine Mondjahrrechnung, die nicht nach konven

II 1 von ins wäre und wohl bedeutet: ,ich will nicht (länger)
warten'. Sehr merkwürdig ift die Reihenfolge der »Planeten'
«onell dreißigtägigen Monaten rechnete, fondern den Mo- S.95: Jupiter, Venus, Saturn, Merkur, Mars, Mond, Sonne
natsanfang nach der Erfcheinung der Neumondfichel feft- Die Ausführungen über den babylonifchen ,Sabbat' S. 107

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