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Ausgabe:

1907

Spalte:

11

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Quirmbach, Joseph

Titel/Untertitel:

Die Lehre des hl. Paulus von der natürlichen Gotteserkenntnis und dem natürlichen Sittengesetz 1907

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologifche Literat

urzeitung 1907 Nr. 1.

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fleller durch Beziehung des xaß-' rjuegav 727 auf Chriftus
gegen den Vorwurf eines Irrtums tichert (S. 42), im übrigen
aber die Minderwertigkeit der archäologifch orientierten
Betrachtungsweife für unfer heutiges religiöfes
Bewußtfein anerkennt (S. 40. 51 f.). Die definitive Überwindung
der altteftamentlichen Religionsftufe erhellt am
klarften aus der Lehre des erften Petrusbriefes und der
Apokalypfe vom allgemeinen Prieftertum, die der Verf.
zum Schluffe noch als unabkömmliches Erbflück des
Proteftantismus kräftig zur Geltung bringt (S. 65 f.).

Baden. H. Holtzmann.

Manen, Dr. W. C. van, Die Unechtheit des Römerbriefes.

Aus dem Holländifchen überfetzt von Dr. G. Schläger.
Leipzig, G. Strübigs Verl. 1906. (VIII, 277 S.) gr. 8°

M. 4—; geb. M. 5 —
(Bildet zugleich Band II von Manen, Paulus.)

Das holländifche Original diefes Buches ift vor fünfzehn
Jahren erfchienen. Jetzt noch eine Überfetzung
davon zu veröffentlichen, konnte deshalb angebracht
erfcheinen, weil die Anfchauung, die es vertritt, wie in
Holland, fo auch in England, Nordamerika und Deutfch-
land wieder einige Anhänger gefunden hat. Ihre ältern
Vertreter hat ja Schmiedel in feinem Kommentar zu den
Korintherbriefen zufammengeftellt; zu ihnen find feitdem
noch hinzugekommen: J. Efchelbacher, Das Judentum und
das Wefen des Chriftentums 1905, A. Kalthoff, Die Ent-
ftehung des Chriftentums 1904, N. Mann, The evolution
of a great literature, J. M. Robertfon, A short history of
Christianity 1901, W. B. Smith, Did Paul write Romans,
Hibbert Journal 1903, 308 ff. und Der vorchriftliche Jefus
1906, Th. Whittaker, The origins of christianity 1904. Ja
vielleicht dringt diefe Anfchauung auch fonft noch in
weitere Kreife; fo ift es gut, fich im voraus mit ihr bekannt
zu machen. Und dazu ift das van Manenfche
Buch als die ausführlichfte Darftellung der fpeziell gegen
den Römerbrief gerichteten Bedenken am geeignetften.
Das Urteil darüber freilich wird nicht anders lauten können
, als es an diefer Stelle fchon 1892, Sp. 226 f. H. Holtzmann
formulierte und als es fich denen ergeben hat, die
feither — doch wohl eingehend genug — die Aufhellungen
jener Kritik nachprüften.

Bonn. Carl Clemen.

Quirmbach, Dr. Jofeph, Die Lehre des hl. Paulus von der
natürlichen Gotteserkenntnis und dem natürlichen Sittenge-
fetz. Eine biblifch-dogmatifche Studie. (Straßburger
theologifche Studien. Herausgegeben von A. Ehr-
hard und E. Müller. Siebter Band. Viertes Heft.)
Freiburg i. B., Herder 1906. (X, 93 S.) gr. 8° M. 2.40

Der Verf. diefer Doktordiffertation unterfucht nach
einander die Stellen act. 14, 15 ff. 17, 26 ff., I. Kor. 13, 12
(die, wie er felbft fagt, nur indirekt hierhergehört),
Rom. 1, 18 ff. 2, 14 f. Letztere beiden Verfe werden als
Parenthefe betrachtet, fonft trifft die unter umfaffender
Berückfichtigung der Literatur geführte Unterfuchung
im wefentlichen das Richtige. Man fragt fich nur, ob fie
für ihren Zweck genügte und den Druck verdiente.

Bonn. Carl Clemen.

Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, editum consilio
et impensis Academiae Litterarum Caesareae Vindo-
bonensis. Vol. XXXXV: Scriptores ecclesiastici minores
saec. IV. V. VI. Fasciculus I. Euagrii altercatio
legis inter Simonem Iudaeum et Theophilum Chri-
stianum. Recensuit Eduardus Bratke. Vindobonae,
F. Tempsky 1904. (XII, 99 p.) gr. 8° M. 3.70

Bratke, Prof. Lic. Dr. Ed., Epilegomena zur Wiener Ausgabe
der Altercatio legis inter Simonem Iudaeum et Theophilum
Christianum. Mit einer Tafel. (Sitzungsberichte
der Kaif. Akademie der Wiffenfchaften in Wien,
philof.-hift. Klaffe Bd. CXLVIII, 1). Wien (A. Holder
) 1904. (198 S.) gr. 8° M. 4.50

Vier Textzeugen verwendet B. in feiner Rezenfion
der Altercatio, einen Bamberger Kodex (E), einen Reichenauer
Palimpfeft, der in Karlsruhe auf bewahrt wird (/?),
einen Casinensis (C) und den verfcholleneu Vindocinen-
sis (V), nach dem Martene 1717 die Altercatio edierte.
Den Reichenauer Palimpfeft hat B. felber 1890 aufgefunden
. Die Handfchrift enthält den bei weitem größten
Teil der Altercatio, nämlich S. 8, 5 bis 46,11 der Ausgabe.
Leider ift die fehr alte (6.—7. Jahrh.), mit vieler Mühe
entzifferte Handfchrift nicht befonders wertvoll. Die vier
Zeugen flammen, wie B. aus gemeinfamen Fehlern und
Eigenheiten mit Recht fchließt, von einem gemeinfchaft-
lichen Archetypus ab; der befte unter ihnen ift B:
,B führt, aber RCV find feine Kontrolleure und Korrektoren
. Derjenige Text ift als der befte anzufehen, den
B vertritt, wenn nicht durch das Gewicht der inneren
Gründe die Wagfchale zugunften von RCV oder von RC
oder von RLoder von CV oder von R oder von Coder
von V finkt' (Epilegg. S. 34). Wie nach den in § 2 der
Epilegg. entwickelten Grundfätzen die Textrezenfierung
im befonderen fich geftaltet, zeigt § 3: Die Textkritik im
einzelnen und die Exegefe (S. 41—109). Gegen 170 Stellen
der Altercatio werden dort befprochen, die Wahl zahlreicher
Lesarten der Textrezenfion wird gerechtfertigt.
Im ausführlichen Apparate der Ausgabe felber hat B.
alle Varianten der Zeugen forgfältig gebucht, um dem
Benutzer feines Textes ein felbftändiges Urteil möglich
zu machen und ihm eine Abweichen von feiner eigenen
Rezenfion zu ermöglichen.

In § 4 der Epilegomena (S. 109—178), mit dem Titel:
Die Quellen, ftellt B. die intereffante Ünterfuchung nach
den Schriften an, die dem Verfaffer der Altercatio bei
der Abfaffung feines Buches vorgelegen haben. Corffens
und Batiffols, aber auch Harnacks und Jahns Erörterungen
führt er fehr umfichtig weiter. Der Autor ift
kein origineller Kopf, fondern er trägt aus den Werken
feiner Vorgänger zufammen. Tertullianus Adv. Iudaeos,
Cyprians Teftimonien und die Tractatus Origetiis find
primäre Quellen für die Altercatio. Auch Anklänge an
die lateinifche Didache, an Firmicus Maternus, an Hieronymus
ftellt B. nach älterem Vorgang feft. Welchen
Typus der Itala die Altercatio benützt, konnte er nicht
ergründen. In den Schriftftellerkatalog des Buches rücken
weiter ein: Symbole, nämlich ein gallifches Symbol, das
Nicaenum und Elemente des Athanasianutn, Phöbadius
von Agennum, Ambrofius (Polemik gegen Jovinian, der
die Jungfräulichkeit der Maria in partu beitritt), der
gallifche Dichter Orientius, die ebenfalls gallifchen Con-
sultationes Zacchaei Christiani et Apollonii philosophi,
Caffian von Maffilia und Eucherius von Lyon. Schon
diefer Schriftftellerkatalog und die von B. feftgeftellte
Arbeitsweife des Autors der Altercatio geben Material
zur Löfung der wichtigen Frage, ob die Altercatio die
Überfetzung oder doch die Überarbeitung des Dialogs
ift, den Arifto von Pella noch vor Juftin fchrieb. Die
einft von Harnack aufgeftellte, von Jahn und Corffen modifizierte
Hypothefe, die Altercatio fei die Überfetzung
oder doch in irgendeiner Form ein Abfenker des Arifto-
dialoges läßt B. mit Bedauern ganz fallen (S. 158—178).
Keins der beigebrachten Argumente ift ihm ftichhaltig,
die Verwandtfchaft zu beweifen. Die Möglichkeit eines
Zufammenhanges der Altercatio mit Arifto läßt er an
fich offen, aber ein pofitiver Beweis dafür kann nicht
aufgeftellt werden.

Benutzung der Altercatio durch fpätere Autoren läßt