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Ausgabe:

1907 Nr. 11

Spalte:

326

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus. Buch I-X 1907

Rezensent:

Scheel, Otto

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325

Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. II.

326

fiüffig; in den letzten Monaten werden wir mit einer
großen Anzahl von griechifchen Wörtern, die viel beffer
durch deutfche zu erfetzen find, überfchüttet. Die Er-

für Tag' eingehen können, und die vielleicht zum Teil
erft im dritten Jahrhundert in der Tat eingingen. Der
Unterfchied zwifchen Perikope und Abfchnitt wird, S. 70

wähnung von 1 Tim. 413 gehört eigentlich nicht S. 35—38, I Anm., zu ftark betont; ein Lefeabfchnitt heißt zu Deutfch
fondern vorher bei der Feftftellung, daß die Chriften die i ,Perikope', wie beim Verfaffer die Vorlefung fo häufig

zu Deutfch .Anagnofe' heißt. Der Verfaffer möchte aus
diefen Randbemerkungen zu feiner Schrift erkennen, wie
fehr Ref. fich dafür intereffiert, und mit welcher Spannung
er auf die Fortfetzung wartet.

Leipzig. Caspar Rene Gregory.

jüdifche Vorlefung übernommen haben werden. Die
fpäte Datierung vom 1 Tim. ift nicht mehr nötig. S. 41
nennt der Verf. Abfchriften auf Papyrus koftfpielig; fie
waren aber die billigten, die zu haben waren, und find
für kleine Schriften nicht unerfchwinglich gewefen; der
Satz fieht dagegen fo aus, als ob gerade diefe Abfchriften
auf dem alltäglichen Stoffe befonders teuer wären.
Irre ich nicht, malt S. 42 die Stimmung der Gemeinden Die Bekenntniffe des heiligen Auguftinus. Buch I-X. Ins
bei der Auswahl oder bei der Annahme von Schriften I Deutfche überfetzt und mit einer Einleitung verfehen
v ählerifch aus. Man war aber im allgemeinen klar ! von Georg Freiherrn von Hertling. Zweite und dritte,
über das, was man erhielt. S. 46 erreichen wir endlich durchgefehene Auflage. Freiburg i. B., Herder 1907.
etwas Genaueres über die Gründe, die zu dem Vortrage ] ,v a0 M _ „eK M , . • r M • s_

irgend einer Schrift im Gottesdienfte führen konnten,! <X' 5*9 *>.) kl. 8
nur läßt der Verfaffer das alles zu fehr durcheinander

gehen; ein fchärferes Formulieren ift wünfchenswert. S. 47
ift der Satz, daß die Stellung der werdenden katholifchen
Kirche dem Paulus gegenüber keineswegs freundlich war,

Nach kurzer Frift ift bereits die zweite und dritte
Auflage der von v. Hertling veranftalteten Überfetzung
der Bekenntniffe Auguftins erfchienen. Was ich im allgemeinen
anläßlich der erften Auflage zu diefer Über-

nicht haltbar. Marcion mag Paulus gelitten haben, und fetzung fagen konnte (Th.L.Ztg. Nr. 9, 1906), darf auch
die Valentinianer auch, und trotzdem bleibt er vom An- für die neue Auflage wiederholt werden. Doch muß
fang bis zum Finde des zweiten Jahrhunderts ,der ApofteP, j hinzugefügt werden, daß v. Hertling, wie er in der Vor-
und fein Wort wird mit ein paar mehr oder weniger 1 rede erklärt, für die neue Auflage den Text feiner
durchfichtigen Ausnahmen die Schatzkammer der Schrift- I Überfetzung nochmals einer forgfältigen Durchficht unter-

fteller. S. 48_53 haben wir, auch in der Auffchrift : worfen und diejenigen Veränderungen vorgenommen hat,

Verweife auf Klem. Rom., Herrn., Plinius und die Didache, die ihm im Intereffe fowohl des leichteren Verftändniffes
wo der Verfaffer felbft fagt, keiner von diefen berühre J als der Treue in der Wiedergabe der auguftinifchen
den Punkt! Das, was er aus Klem. und Herrn, holt, ge- Gedanken notwendig erfchienen find. Die Bemerkungen
hört alles in den folgenden Abfchnitt unter Rom um 150. einzelner Kritiker (Th.L.Ztg. 1906 Nr. 9, Th. Revue 1906,
Es ift hier wie in dem ganzen Heft zu bedauern, daß der , Nr. 10, DLZtg. 1906, Nr. 20) hat er .mehrfach' berück-
Verfaffer feinen Stoff nicht gefichtet und durchgedacht I fichtigt. Auf Einzelheiten brauche ich mich diesmal nicht
zu haben fcheint. S. 53 ift nicht einzufehen, warum nicht j einzulaffen. Einiges, das verbefferungsfähig wäre, hat v.
auch Wochentags Vorlefung diefes und jenes ftattfinden Hertling in der alten Form flehen laffen. Vgl. z. B. II 2.
follte. Die Gemeinden waren fchwerlich fo überhäuft ( Warum V. 10 die falfche Lesart Knölls confusiones Matt
mit Gefchäften und Taufen und fonftigen Dingen, daß confessiones aufs neue verwertet ift, verfteht man nicht
fie nicht auch Mittwochs und Freitags oder an anderen recht. Mußte v. Hertling für die neue, durchgefehene
Abenden etwas vorlefen konnten; f. S. 82 und S. 6. S. 63 1 Auflage den keineswegs einwandfreien Text Knölls
fcheint mir der Verf. unvorfichtig zu fein in der Annahme, 1 wieder zugrunde legen, fo hätten doch die offenkundig-
daß Juftin ,doch gar keine Kenntnis von den Gebräuchen ften Irrtümer ausgemerzt werden können. Eine mißver-
der verfchiedenen anderen Chriftengemeinden' hatte. Auch ftändliche Bemerkung in der erften Vorrede hat v. Hert-
wenn er nicht annimmt, daß Juftin aus Paläftina oder hng in der zweiten genauer präzifiert. Dort fchrieb er,
dem hypothetifchen Aufenthalt in Alexandrien perfön- , daß die Vergleichung einiger von den vorhandenen Überhöhe
Kenntnis von den dortigen Gebräuchen hätte, fo fetzungen ihm beftätigte, daß eine neue Überfetzung nicht
gibt er felbft zu, daß Juftin länger in Ephefus von den ! überfluffig fei. Wie die zweite Vorrede erklärt, ift es v.
kleinafiatifchen Gebräuchen, und ich meine dann von den > Hertling nicht in den Sinn gekommen, mit diefer Bemer-
Gebräuchen in Makedonien und von denen in Griechenland, kung ein Urteil über den Wert der vorangegangenen
fowie in Italien gewußt hat. Dann aber ift bei der Uberfetzungen abzugeben. Der neuen Auflage wünfche
ganzen geiftigen Anlage Juftins vorauszufetzen, daß er ich denfelben Erfolg, den die erfte verzeichnen durfte,
bei feinem regen Verkehr mit Chriften aus allen Ländern ' Tübingen Otto Scheel

auch über die fonftigen Sitten unterrichtet gewefen fein ____

wird. Der Gedanke, daß ein etwaiger Tauf-Abendmahl- . ... . ...

Abend - als ob die Taufen regelmäßig zweimal die Eggersdorf er, Franz Xaver, Der heilige Auguftinus als
Woche ftattfänden! — von nur einem kleinen Teile der Pädagoge und feine Bedeutung für die Gefchichte der
Gemeinde befucht fein würde, ftößt gegen alle Wahr- j Bildung. (Straßburger theologifche Studien. Heraus-
fcheinlichkeit und gegen alle Erfahrung, bis zu dem 1 gegeben von Albert Ehrhard und Eugen Müller
heutigen Tage Das will fagen, man drängt fich dazu, Achter Band. Drittes und viertes Heft.) Freiburg i. B„
eine Perfon fich weihen, oder auch eine Perfon durch iprAor /VTW „ Q c. on '

eine fo auffallende Übung eingeweiht und in die ge- Herder 'W. (XIV, 238 S.) gr. 8<> M. 5-

fchloffene Gefellfchaft aufgenommen zu fehen. S. 64. 65 j Es muß als ein verdienftliches Unternehmen bezeich-
darf das r — entweder Denkwürdigkeiten oder Propheten net werden, daß fich neuerdings eine Reihe römifcher
vorlefen — gar nicht fo ftark betont werden; der Verf. Theologen eingehenden Forfchungen über das Unter-
felbft nennt, S. 67, den Satz Juftins ungenau. Der Satz richts- und Erziehungswefen in der alten Kirche fowie
ift ein völlig allgemeiner. S. 67 hat der Verf. recht, daß über die Pädagogik einzelner Kirchenväter zugewandt
das Gefetz bei Juftin unter Propheten mit zu verftehen und unfere Kenntniffe darüber wefentlich bereichert
jft- S. 70 phantafiert der Verfaffer wieder, wenn er für die ; und berichtigt hat. Ich nenne nur die Arbeiten von
Zeit Juftins fchreibt: ,Die neuteftamentlichen Stoffe, die Mayer und Funk über den altkirchlichen Katechumenat
zur Verlefung kommen konnten, vermehrten fich noch fowie das Werk über die Erziehungslehre der drei Kap-
von Tag zu Tag'. Damals hat man in den großen padozier von Weiß, die das Gefagte beftätigen. An diefe
Kirchen, fo müffen wir annehmen, alles bis auf ein paar Publikationen fchließt fich die wiffenfehaftliche Unterfu-
•deine Briefe, die auch keine Woche lang hätten ,Tag chung Eggendorfers über Auguftins Pädagogik ebenbürtig