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Ausgabe:

1907

Spalte:

321

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neumann, Karl Eugen (Übers.)

Titel/Untertitel:

Gotamo Buddho‘s Reden aus der längeren Sammlung Dighanikayo des Pali-Kanons. 1. Bd 1907

Rezensent:

Oldenberg, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 11. 25. Mai 1907. 32. Jahrgang.
__ A *

Die Rede» Gotamo liuddho's etc. iiberf. von
Neu mann, i. Bd. (Oldenberg).

Cornill, Das Buch Jeremia (Giefebrecht).

Glaue, Die Vorlefung heiliger Schriften im
Gottesdienfte, t, Teil (Gregory).

Die Bekenntnifle des heiligen Auguftinus, überf.
von Hertling, 2. u. 3. Aufl. (Scheel).

Eggersdorfer, Der heilige Auguftinus als Pädagoge
(Knoke).

Dionysii bar Salibi Commentarii in Evange-
lia, edd. Sedlacek et Chabot, fasc. 1 [Corp.
Script. Christ. Orient, t. XCVIII] (Neftle).

Schneller, Nicäa und Byzanz (Ph. Meyer).

Jundt, Le Developpement de la Pens£e religieuse
de Luther jusqu'en 1517 (Köhler).

Goguel, Wilhelm Herrmann et le Probleme
religieux actuel (Bornhaufen).

R

Pfleiderer, Religion und Religionen (E. V»
Mayer). '

Müller, Joh., Hemmungen des Lebens (N'ieber- • '' rsl
gall).

Kattenbufch, Das littliche Recht des Krieges
(Niebergall).

Schulze, Alfr., Das Gelübde in der neueren
theologifchen Ethik (Niebergall).

Die Reden Gotamo Buddho's aus der längeren Sammlung
Dlghanikfiyo des Päli-Kanons überfetzt von Karl Eugen
Neumann. Erfter Band. München, R. Piper & Co.
1907. (X, 346 S.) gr. 8° M. 20—; geb. M. 24 —
Der Überfetzer, der fchon fo bedeutende Teile der
altbuddhifhTchen Literatur den deutfchen Lefern zugänglich
gemacht hat, legt jetzt Hand an ein neues, großes
Werk, das zu den wi'chtigften Haupttexten jener Literatur
gehört. Der Dighanikäya, die Sammlung längerer und
längfier unter den Buddha zugefchriebenen Predigten, enthält
eine Anzahl von Reden, welche die Stellung des
alten Buddhismus zu Fundamentalproblemen des Lebens
und der Weltanfchauung darlegen. Wir hören hier, wie
die buddhiftifche Lehre ihre Stellung zu den philofophi-
fchen Syftemen der Zeit auffaßt;- wir hören, wie man in
jenen Mönchskreifen über vedifche Opfer und Schrift-
gelehrfamkeit, über Thaumaturgie, über Kaftenwefen
denkt. Mit unvergleichlichem Ernft und Nachdruck wird
davon gefprochen, wie über den Regionen niederer, aller
Welt zugänglicher Übungen fittlichen Strebens fich höhere
Sphären0 erheben: die Ekftafen mit ihrer füllen Seligkeit,
Weltüberfchauende Vifionen, zuletzt der höchfte Gipfel,
die Erkenntnis der erlöfenden Wahrheit, die Gewißheit,
der Welt, der Seelenwanderung entnommen zu fein. Den
Gedankeninhalt umrahmen bunte, anfchauliche Bilder
aus dem Leben des damaligen Indien. Man fieht die
geifUichen Herren, die mit einander günftig oder miß-
günftig über Buddha und feinen jung auftauchenden Ruhm
reden, den Verkehr von Lehrer und Schülern, den Zug
der königlichen Elefanten, auf denen der Herrfcher und
feine Frauen nachts bei Fackelfchein zu dem Hain hinausziehen
, in dem Buddha weilt.

Der jetzt vorliegende erfte Band der Überfetzung —
zwei weitere follen folgen — umfaßt eben denfelben
Teil des Textes, den auch Rhys Davids in den ,Dia-
togues of the Buddha' [Sacred Books of the Buddhists,
v°i- II, Lond. 1899) bietet. Mir fcheint, daß der weihevolle
Ernft, der altertümlich hieratifche Charakter des

Cornill, Prof. D. Carl Heinrich, Das Buch Jeremia erklärt.
Leipzig, Ch. H. Tauchnitz 1905. (LH, 536 S.) Lex. 8°

M. 10 —

Cornills Kommentar ift im nahen Zufammenhang
mit dem Graffchen Kommentar zu denken: zwar de<-
Ausdruck ,2. Aufl.' ift vermieden worden, aber Cornill
hat doch vielfach fogar Grafs Worte gebraucht, nämlich
an folchen Stellen, wo fein Urteil im wefentlichen mit
demjenigen Grafs übereinftimmte. Im übrigen ift feine
Arbeit im wefentlichen im Hinblick auf Duhm entftanden
und gibt vielfach eine Auseinanderfetzung mit diefem und
Erbt Jeremia und feine Zeit'. Dabei ift nun auch eine
ziemliche Abhängigkeit von Duhm zu konftatieren, die
fich auch nicht feiten in einer ftarken Anerkennung der
Verdienfte desfelben kund tut.

Gehen wir zum Kommentar felbft über, fo habe ich
zunächft gegen § 1, der Jeremias Zeitalter fchilderr, nichts
wefentliches einzuwenden. Cornills gewandte Feder, fein
warm religiöfes und zugleich nach hiftorifcher, echter
Erkenntnis ftrebendes Urteil find allgemein bekannt. Auch
weiß jeder, der feine Schriften kennt und fchätzt, daß er
kein fenfationslüfterner, aber ein der gefchichtlicheu Vermutung
nicht abholder Gelehrter ift. Man kann daher
vielfach auch anders urteilen, z. B. über die einhaltgebietende
Wirkung, welche die Skythen auf die erfte
Belagerung Ninives unter Phraortes ausübten, über die
Sicherheit, mit der die Abdämmung Jeremias von dem
Elidenhaus behandelt wird, und über die weit gehenden
Konfequenzen, welche aus diefer ,Tatfache' gezogen
werden, über die intereffanten Konfequenzen, welche
Cornill z. B. über die Vermögenslage des Propheten
diefem Tatbeftand abzugewinnen weiß. In § 2 Jeremias
Leben' lieft man ihn am beften felbft nach. Wundervoll
ift § 4 Jeremia als Dichter', auch hier kann man nur,
wie in § 2 auffordern: komm und lies! Am fchwerften
zu würdigen ift § 3 ,Das Buch Jeremias'. Hier möchte
ich meine Hauptfragezeichen fetzen, fowie auch neben
das, was über die Stellung Jeremias zum Deuteronomium

Originals reiner in der deutfchen als in der englifchen ; gefagt wird. Ich glaube nicht, daß uns das Buch noch
Überfetzung zur Geltung kommt. Zwar die aus Neumanns j lichere Schlüffe geftattet über die ,Dichtungen' des Profrüheren
Arbeiten bekannten Eigenheiten find auch hier pheten aus der Zeit Jofias, hier habe ich, glaube ich, mit
~7 man mußte das erwarten — nicht abgelegt. Aber das , meiner Skepfis das Recht auf meiner Seite, und Cornill
hier begonnene Werk bleibt doch in jeder Hinficht be- j fcheint mir felbft für meine Beurteilung die Handhabe
deutfam genug, um zu rechtfertigen, daß es auch an diefer ; zu bieten durch feine ftrikte Leugnung, daß wir über die
Stelle der aufmerkfamen Lektüre aller, denen religions- | Jahre 620—608 irgend etwas ficheres wüßten. Es ift doch
gefchichtliche Probleme am Herzen liegen, empfohlen wird, ein gewiffer Widerfpruch darin, daß die erften 6 Tahre

Kiel. H. Oldenberg.

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(oder 7) feiner Wirkfamkeit fo vortrefflich bezeugt vor
uns liegen follen, dann ein großes Vakuum uns entgegen-
ftarrt, dann von Jojakims Zeit wieder alles vortrefflich
zu kontrollieren ift. Und wenn nun K. 36 uns diefe
Schwierigkeit fo überzeugend löft durch den Bericht, daß

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