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1907 Nr. 10

Spalte:

299-301

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Jso’yahb III Patriarcha liber epistolarum. Textus: edidit, und Versio: interpretatus est Rubens Duval. (Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Scriptoris syri. Series II. Tomus LXIV.) 1907

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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299

Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 10.

300

Leo Modenas Briefe und Schriftftiicke. Ein Beitrag zur
Gefchichte der Juden in Italien und zur Gefchichte
des hebräifchen Privatftiles. Zum erftenmal herausgegeben
, mit Anmerkungen und Einleitung verfehen
von Prof. Dr. Ludwig Blau. Zweite (Schluß-) Hälfte.
(In: 29. Jahresbericht der Landes-Rabbinerfchule in
Budapeft für das Schuljahr 1905—1906.) Budapeft
1906. (S. 97—184.) Straßburg, K. J. Trübner. gr. 8°

Mk. 2 —

Diefer zweite Teil der verdienftlichen Blau'fchen
Arbeit ift hinfichtlich der Darfteilung nicht nur erheblich
intereffanter, fondern auch ungleich gereifter als der erfte,
in Nr. 9 von 1906 (Sp. 277h) befprochene. Er behandelt,
mit Kap. VIII einfetzend, die in Leos Schriften vorkommenden
venezianifchen Rabbiner von ca. 1550—
1650 auf Grund wefentlich reicheren Materials, als bisher
verfügbar war. Daran fchließt fich (in Kap. IX) ,Kultur-
und Sittengefchichtlich.es', das größte und wertvollfte
Stück der ganzen Arbeit. Der Verf. verwebt hier das
aus feinen Texten gezogene Material mit andern, meift
wenig bekannten Ergebniffen über Handel und Gewerbe
(Abfchn. 2), foziale Stellung und Privatleben
(3), Religiofes und Gemeindeleben (4) der
venezianifchen Juden im Zeitalter Leos zu einem an-
fchaulichen, von jeder ,poetifchen' Schönmalerei freien,
exakten Bilde mit lehrreichen Perfpektiven auf die damaligen
Juden anderer Gegenden, zumal Deutfchlands.
Kap. X enthält Bemerkungen ,zur Diorthofe (!) und Erläuterung
des Textes', woran fich Berichtigungen und
Nachträge, Perfonenverzeichnis und Inhaltsregifter für die
ganze Arbeit fchließen. So ift ein Werk entftanden, das
nicht nur für den Kulturhiftoriker, fondern auch für den
Theologen von hohem Werte ift.

Leipzig. Erich Bifchoff.

Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium.

II.

Dionysius Bar Salibi, Expositio liturgiae. Textus: edidit,
und Versio: interpretatus est H. Labourt. (Scriptores
Syri. Series secunda — Tomus XCIII.) Parisiis. Lip-
siae, O. Harrassowitz MDCCCCIII. (95 et 106 p.) gr. 8°
M. 8 —; Textus M. 5 —; Versio M. 3 —

Jsö'yahb III Patriarcha über epistolarum. Textus: edidit,
und Versio: interpretatus est Rubens Duval. (Scriptores
Syri. Series secunda — Tomus LXIV.) Ibd.
MDCCCCIV. (297 et 222 p.) gr. 8° M. 15.20;

Textus M. 9.6b; Versio M. 5.60

Was Sokrates von Heraklit gefagt haben foll: was
ich verftanden habe, ift gut, von dem was ich nicht ver-
ftand, glaube ich, daß es gut fei, kann ich mit einiger
Abänderung auf diefe Sammlung anwenden. Seit La-
garde tot ift, gibt es neben Guidi vielleicht niemand
mehr, der alle hier vereinigten Literaturen gleichmäßig
beherrfchen würde; da aber die fyrifche unter ihnen den
weitaus größten Anteil hat, glaubte ich die mir angetragene
Befprechung der Sammlung in diefer Zeitung
übernehmen zu dürfen. Ich beginne mit Syrifchem, zu-
nächft mit Bar Salibi's Erklärung der Liturgie.

Barfalibi ift im Nov. 1171 geflorben, die ältefte
Handfchrift, die für die vorliegende Ausgabe feiner Erklärung
der Meßliturgie benützt wurde, ift in Edeffa am
27. Juli 1174 vollendet worden. Trotz diefes günftigen
Umftands war aber die Textfrage nicht fo ganz einfach,
da auch auf eine in maronitifchem Intereffe umgearbeitete
Rezenfion Rückficht zu nehmen war. Letzere hatte
Affemani im Cod. Lit. 5, 227 benutzt, auch Renaudot
hatte fchon Kenntnis von Barfalibi, und neben R. hätte

auch Brig h tma n 's Heistern Liturgies p. LXII. 69 genannt
werden follen. Ignatius, von 1140—85 Patriarch von Je-
rufalem, erbat fich diefe Erklärung von B., um Romäern
d. h. in diefem Fall Franken Auskunft geben zu können.
B. zieht da und dort Vorgänger an, z. B. Jakob von
Edeffa, weiß von Änderungen, die im Lauf der Zeit eingedrungen
find, führt die Liturgie felbft aber auf die
Woche des erften Pfingftfeftes zurück. Von Einzelheiten,
die ich nicht erklären kann, nenne ich feine Überfetzung
des Ausdrucks ölsixvxov — das Ding von ,2 Bedeutungen'
oder von ,2 Brettern'. Geht das erftere auf die übertragene
Bedeutung zurück, in der Euripides das Wort
braucht, oder wie ift es fonft zu erklären? Lehrreich ift
i auch die Erörterung, daß fich der Priefter nicht an die
I Stirne fchlagen dürfe als Zeichen der Buße, und wo laut
j oder leife zu fprechen fei. Über eine andere Einzelheit»
Noah als Erfinder der Glocken, f. Chriftl. Kunftblatt
(Stuttg. 1907 Nr. 1). Nicht fehlt es natürlich an der
Polemik gegen die Armenier.

2. Iso'yahb d. h. Jefudor (wie Theodor), der dritte
neftorianifche Patriarch, gehörte 630 zu der Gefandtfchaft,
welche die Perferkönigin Boran an den Kaifer Eleraklius
fandte, und war 647—58 in unruhigen Zeiten Patriarch.
106 feiner Schreiben liegen noch vor, in einer vatikanifchen
Handfchrift, die vielleicht dem 8. Jahrhundert angehört.
Aus diefer floß 1696, fo lang fie noch im Orient war,
eine Abfchrift, die heute in Elkofch ift, und aus diefer
kamen moderne Abfchriften an Budge und nach Paris.
Aus der letzteren hat — ein tragifches Mißgefchick —
Scott-Mongrieff den erften Teil in dem Augenblick herausgegeben
, in welchem Duval ihn nach dem Original bearbeitete
.

Die Schreiben find zeitlich geordnet, 52 aus der
1 Bifchofs-, 32 aus der Metropoliten-, 22 aus der Patriarchats-
j zeit des Iso'yahb. Einzelne find Billete von wenigen
1 Zeilen, andere erreichen den Umfang von mehr als
12 Druckfeiten und find ganze Abhandlungen dogma-
tifcher oder kirchenrechtlicher Natur. Manche find fo
fchwungvoll, daß man zwifchen den Zeilen lefen muß,
um was es fich eigentlich handelt, andere rhetorifch-
paränetifch, wieder andere lehrhaft; alles flott gefchrieben,
aber nicht immer ganz leicht zu verliehen, daher auch
der Kenner des Syrifchen für die Überfetzung dankbar
fein wird, die, foweit ich fah, nur an einzelnen Stellen
Mißverftändniffe aufweift, z.B. 59=101, weil das Zitat
aus II. Theff. 2 3 verkannt wurde. Auch fonft find einzelne
Zitate verkannt oder nicht erkannt, z.B. 2Ö9Act. 127
ftatt Elph. 6 15; 277 Ecclesi 1 2 ftatt Eph. 3 17. Die Namen
der Adreffaten legen aufs neue den Wunfeh nahe, es
möchten einmal die chriftlichen Namen der Syrer bearbeitet
werden, oder zunächft einmal nur die mit Jefus
zufammengefetzten, deren hier über ein Dutzend bei-
fammen ift, wie Abd-, Arz-(== Geheimnis), Dad-, Hnan-,
Qam-, Sabr-, oem-, Teris-iso', oder mit Jefus als erfttm
; Glied - zekä,-sabran,-rahme. Ebenfo wäre eine Ver-
gleichung der Formeln, mit denen Mönche, Priefter,
Bifchöfe ufw. angeredet werden, mit den entfprechenden
i griechifch-lateinifchen lehrreich. Von kirchlichen Würden
ift mir der Archidiakonus nur zweimal (98, 245). der Land-
bifchof nur einmal begegnet (120). Sehr lehrreich für
die Gefchichte des Chriftentums in Perfien und Indien
find die letzten Schreiben, dogmatifch lehrreich die Ausführungen
über den Unterfchied von Hypoftafe, Perfon
und Natur 135ff, oder im letzten Brief über die 3 Möglichkeiten
der Ketzerei, daß man Chriftus als Gott und
nicht Menfch, als Menfch und nicht Gott, oder nicht
richtig als Gott - Menfch erkennt. S- 212 ff. wird gerühmt
, daß Gott ein großes Wunder getan, und die
Namen des Cyrill und Severus aus den Diptychen getilgt
worden feien, in Rom, Ravenna, Italien, Lombardei,
Franzien, Afrika, Sizilien, Thrazien ufw. Einzelne Zitate
aus Unterfchriften oder Mönchsregeln find mir neu z. B.
sine fiducia est, qui nimiuni confidit (18), was mich an das