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Ausgabe:

1907 Nr. 10

Spalte:

298

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bensow, Oskar

Titel/Untertitel:

Glaube, Liebe und gute Werke. Eine Untersuchung der prinzipiellen Eigentümlichkeit der evangelisch-lutherischen Ethik 1907

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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Seite 1

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297

Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 10.

298

des CSEL; als Gefamtausgabe von Hilarius' Werken
hat er laut S. 32 die der Benediktiner von 1730 (Verona)
benützt, die Bibliographie aber nennt bloß den fchäbigen
Venediger Nachdruck von 1749 (vielmehr 1749 u. 50).
Leider fleht es mit der Korrektheit feiner Regifter S.43ff.
und 77fr. nicht beffer, felbft wenn man nur die ernften
Fehler in Rückficht nimmt. Es möchte noch hingehen, daß

bei fo ungefchickter Befchränkung auf das diffizilfte
Material doppelt. Die ftatiftifchen Tabellen S. 95 und
118 find unbrauchbar. Der Verf. kennt die neueften
Arbeiten über N. T.liche Textkritik offenbar beffer als
die N. T.lichen Texte felber; ohne ehrfürchtige Vertrautheit
mit den alten Quellen, ja mit jedem Buchftaben
darin, gibt es aber in der Textkritik keinen Fortfehritt.

S. 85 zu Mt. 18 in als eine der fingulären Lesarten des; Hil. , Marburg i. H. Ad Jülicher

angelt parvulomm mitgezählt wird, wo alle Itala-Hdlcn.
angelt eorum haben. Zum minderten war diefe Notiz einzuklammern
, denn auch Hil. hat in feinem Text nicht Benfow, Lic. Doc. Dr. Oskar, Glaube, Liebe und gute Werke.

Eine Unterfuchung der prinzipiellen Eigentümlichkeit
der evangelifch-lutherifchen Ethik.

ang. parv. fondern eorum gelefen und nur um fein
kurzes Zitat verfländlich zu machen, aus dem Kontext
ein parvuli ergänzt. Aber S. 1IO verfichert uns B., die

linke Kolumne- werde bei Mc. wie vorher bei Lc. nur Lutgert, Prof. D. W., Das Problem der Willensfreiheit in der

die Sonderlesarten des Hil. enthalten, rechts rtänden die,
die Hil. mit einem oder mehreren Lateinern teile. Sogleich
aber S. 110 links fteht (Mc. 12 30) totis visecribus
Hdq, alfo eine dem Hilarius mit 2 Altlateinern gemein-
fame Lesart; S. 113 (Mc. 1233) omnibus holocaustomatis
et sacrifieiis Hr (?) dahinter die Variante ff2: omn. sacri-
ficiis et Itolocaustomatibiis. Als Nr. 3 folgt aus c und /
o. holocaustomatibus et sacrifieiis, dann Nr. 4 und 5 zwei
wirkliche Varianten, Nr. 6 wieder omnibas hominibus ho-
locaustoniatibus et sacrifieiis bei i, wo doch ein Kind
cinfieht, daß hominibus Dittographie ift und i = cl, beide
im Grunde = Hr und gleich Vulg. find, wie Nr. 7 aus c
omnibus sacr. et holocaustomatis bloß der gleiche Text

vorchriftlichen Synagoge.

(Beiträge zur Förderung chriftlicher Theologie. Zehnter
Jahrgang 1906. Zweites Heft.) Gütersloh, C. Bertelsmann
1906. (88 S.) gr. 8° M. 1.80

B. behandelt auf 52 Seiten den Begriff des Glaubens,
der Liebe und der guten Werke und unterfucht dann
biblifch-theologifch und dogmatifch ihr Verhältnis, ohne
daß ein neuer Gefichtspunkt die Lektüre der breiten
und wenig intereffanten Erörterungen lohnte.

Der inhaltrcichere Auffatz von L. zeigt, wie fich
fchon in der vorchriftlichen Synagoge derfelbe Prozeß
abfpielte, der fpäter die Prädeftinationsgewißheit von Au-

wie Nr. 2 aus ff2 in roher Ausfprache zu erheben ift. [ guftin und von Luther zugunften der willensfreien aktiven

Noch wunderlicher wirkt das Verzeichnis S. 112 b f.,
wo wir zu Mc. 12 33 IX tota anima Hbcjfi1 l r aur die
Varianten ex omni virtute a, ex tota anima sua iq, ex tota
tortitudine l r aur {!!) und (noch einmal, als ob a nicht

Betätigung des Frommen beeinträchtigte: zuerft herrfcht
die naive Gewißheit, daß Gott alles macht, auch das
Tun der Menfchen; das macht fich ein naturhafter Determinismus
zunutze, gegen den dann eine ausdrück-

fchon daftünde) ** omni virtute q vorgefetzt erhalten, liehe Verteidigung der Willensfreiheit zu Felde zieht. Der
Bei dem Zuftand diefes Verfes durfte natürlich nur das Verlauf diefer Entwicklung in der Synagoge wird mit
Ganze, wenigftens die 4 oder 3 Glieder von dem erften J Zitaten aus Jefus Sirach, Jofephus, Philo und andern
*~ — — -5-u* ,i:„ p-.t.fitr«in ,rt.rrri;,-v,f.r. Schriften klar gemacht. Zum Schluß wird darzulegen

verfucht, wie diefe Entwicklung auch das Nebeneinander
von Prädeftination und Freiheit bei Paulus erklärt. Diefe
Ausführung wäre freilich kürzer zu lefen, wenn fie etwas
länger wäre.

ex an, aber nicht die einzelnen Partikeln verglichen
werden!

Die Seite 37 widmet B. der Befprechung des Hil.-
Textes von Mt. IO 31. Das non pacem seci divisionem
(Pfalmkomm. 593) kann er fich, weil er, sed gladiutri erwartet
, nur als Akkommodation an den Pfalmtext dnnsa
Samaria erklären; er ahnt alfo nicht, daß in Lc. 12 u
eine Parallele zu Mt. 10 34 fteht mit diajisciLönov ftatt
uaxaiQav, und daß Hil. zu w 59 c eben an Lc. 12 und
nicht an Mt. IO gedacht hat. S. 50 in den Texten Hellt B.
als Hil.-Text von Mt. 8 2a feft: sine mortuos sepelire mor-
tnos suos (Pf. 6, 7, 8), S. 67 als Hil.-Text von Lc. 9 cn
sine mortuos sepelire mortuos (Pf. 67 %). Zuvörderft ift
auf S. 67 hinter mortuos ein suos einzufchieben, auf S. 50
das Pf. 6, 7, 8 in Pf. 67 s zu verbeffern. Dann muß alfo

Heidelberg. Niebergall.

Berefchit Rabba mit kritifchem Apparate und Kommentare
von J. Theodor. Lieferung III. Berlin 1906
Boj anowo, Selbftverlag des Herausgebers. (S. 161 —
240) gr. Lex.-S" M. 3 —

Den im Jahrg. 1905, Nr. 7, der Th. Litztg. befprochenen
erften zwei Lieferungen ift jetzt die dritte gefolgt. Meine
diefelbe Hilarius-Stelle den Text von Lc. 9 60 und von ! damaligen Bedenkengegen die Zugrundelegung des Lon-

Mt. 8 22 feftftellen? Und daß Hilarius in Mt. 7 11 für doner cod. b {Add. 27 169), der weder eine befondere
feinen Matthäus — nach den bisherigen Ausgaben! — Textform als z. B. cod. B {Paris. 149), noch eine erheb-
dimitte mortuos sepelire mortuos suos bezeugt, vergißt B. lieh beffere Textfolge als die Ausgaben bietet, find ge-
zu notieren? Diefe paar Beifpiele genügen, um einen der t blieben. Geblieben ift aber auch meine Freude an des
Hauptmängel von B.'sUnterfuchung zukennzeichnen. Dem 1 Verf. trefflichem (hebr.) Kommentare, der oft mehr als
Verf. ift die befondere Schwierigkeit, die bei den fynop- 2/3 einer Seite in Kleindruck einnimmt und fich ebenfo
tifchen Evangelien die Parallelberichte mit ihrem fort- 1 durch Reichhaltigkeit wie durch Beherrfchuno- des weiten
währenden Einfluß auf den Abfchreiber von Bibeltexten Stoffgebietes auszeichnet. Zu wünfehen wäre vielleicht
und noch mehr auf die altkirchlichcn Schriftfteller fchaffen, daß felteneren griechifchen Wörtern, die in den gan"-'
gar nicht zum Bewußtfein gekommen. Hätte er ihn auch . baren Lexicis fehlen, in den Fußnoten die deutfehe
nur geahnt, fo hätte er aus den Sätzen über Mt. 1810 | Überfetzung beigefügt würde, wie das Verf. bei ver-
S. 36 ganz andere Folgerungen gezogen; die Hälfte fchiedenen hebr. Ausdrücken tut. Wiederum anzuerkennen
feines Hilarius-Materials wird durch die Nichtberück- ift auch die philologifche Sorgfalt der Textedition und
fichtigung der Paralleltexte wertlos. Gerade wegen diefer des kritifchen Apparats.
Eigentümlichkeit der fynoptifchen Evangelien, die bei j Leiozi"- r- ■

Johannes zum Glück faft ganz fortfällt, durfte folch eine j F *>' Erich Bifchoff.

Unterfuchung das vierte Evangelium nicht fpäterer Ar- I
beit vorbehalten; am Johannesevangelium erft werden
fich die Verwandtfchaftsverhältniffe ficher enthüllen. Und
<ter völlige Verzicht auf die übrige mit Evangehen-
2itaten ausgeftattete Literatur des Abendlandes rächt fich