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1907 Nr. 8

Spalte:

234-235

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

St. John Chrysostom 1907

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. 8.

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wie ich höchft wahrfcheinlich gemacht zu haben glaube,
dem Eufebios vom Emefa zuzuweifen feien. —

Auf die im 2. Teile feiner Schrift (S. 103 — 150) von
R. eingehend gewürdigten, von Theologen fchon vielfach
behandelten Akten desThomas und befondersdie beiden mit
der erften und letzten jrpägrc verwobenen eigentümlichen
Hymnen foll hier nur hingewiefen werden. Um ihrer
umfaffenden, in die Tiefe dringenden Behandlungsweife
willen, die aus dem reichen Schatze verwandten Schrifttums
mit ficherem Griffe das Bezeichnendfte zum Vergleich
und zur Aufhellung des Dunklen herbeizuziehen
weiß, verdient es diefe Unterfuchung in hohem Grade,
von Theologen, befonders den auf religionsgefchichtlichem
Gebiete arbeitenden, gelefen und beachtet zu werden.
Hier hat einmal ein gründlich gefchulter, auch mit dem
einfchlägigen theologifchen Schrifttum wohlvertrauter
Philologe den Nachweis geführt, welchen bedeutenden
Einfluß die flärker entwickelte und fchriftftellerifch höher
flehende heidnifche Literatur auf die frühchriftliche geübt
hat. ,Ich beneide', fagt er zum Schluß, ,den Theologen
, der einmal mit voller Kenntnis beider Literaturen
das ganze Gebiet diefer Erzählungen durchwandern wird;
er wird nicht nur eine Fülle falfcher Auslegungsverfuche
mühelos befeitigen, fondern fleh und uns erft ganz zur
Anfchauung bringen, wie ftark das Chriftentum und wie
flark wir felbfl vom Hellenismus beeinflußt find. Möge
er bald kommen!' — Wichtige Nachträge (S. 151—169),
aus denen ich S. 152 den Zufatz zu S. 11 ,Die Aretalogie
des Hermas' hervorhebe, und ein Regifter (S. 170—171)
befchließen das vielfeitig anregende und an neuen, wichtigen
Ergebniffen reiche Werk.

Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

Gottheil', Richard J. H., A Selection from the Syriac Julian
Romance. Edited with a complete glossary in
English and German. (Semitic Study Series. No. VII.)
Leiden, E. J. Brill 1906. (XII, 100 p.) 8« M. 3 —

Die semitic study series von Gottheil und Jaftrow hat
fleh die Aufgabe gefleht, Studierende der femitifchen Philologie
mit inftruktiven und doch auch billigen Texten
für akademifche Vorlefungen zu verfehen. Sie kommt
damit einem dringenden Bedürfnis entgegen. In dem
vorliegenden flebenten Bändchen bringt fie zu den fchon
veröffentlichten affyrifchen, hebräifchen {c/r. Smend in
Theol. Lit.-Ztg. 1906, Kol. 349 h) und arabifchen Texten
den erften fyrifchen Text, nämlich ein Exzerpt aus dem
Roman vom Kaifer Julian, fpeziell aus dem zweiten Teil
desfelben, aus der Glaubensprüfung des römifchen Bifchofs
Eufebius. Der Stoff, aus Hoffmanns und Bedjans Veröffentlichungen
längft bekannt, ift gut gewählt. Denn
wenn auch der hiftorifche Wert desfelben gleich Null ift,
fo ift doch feine Sprache {c/r. Nöldeke, Z. D. M. G. XXVIII,
pag. 263 ff.) außerordentlich inftruktiv. Sie gibt, wie G.
mit Recht hervorhebt, ,eine gute Anfchauung von den
literarifchen und rhetorifchen Möglichkeiten der fyrifchen
Sprache'. — Das Exzerpt ift gefchickt hergeftellt. Längere
und ermüdende Reden und Briefe find ausgelaffen, die
meiften Fehler des Hoffmannfchen Textes verbeffert,
Überfetzungsfchwierigkeiten durch ein ausfuhrliches
Gloffar in englifcher und deutfeher Sprache gelöft. Der
Druck hätte forgfältiger fein können. Im Vorwort lies
auf pag. VII, Z. 14 de ftatt he. Im fyrifchen Texte
auf pag. 2, Z. 16 Ismrnsl ftatt " ^1, pag. 10, Z. IO

J-i* ftatt "f^ipag. 2, Z. 4 rr*? ftatt ^ Pag- Z- 11
r*a-o ftatt PT" etc. Im Gloffar werden deutfehe Hauptwörter
bald mit großem, bald mit kleinem Anfangsbuch-
ftaben gefchrieben. Hier finden fleh auch undeutfehe
Wendungen wie: ,Sich erftaunen über' pag. 99, Z. 11 f.,
,die Kirche und feine Umgebungen' pag. 99, Z. 22,
>Vom Stimme' pag. 92, Z. 15 etc. Lies ferner pag. 90,
z- 8 xXrjQoq; pag. 92, Z. 14 geiftlich; pag. 94, Z. II

spirit— Daemon; pag. 97, Z. 11 aber-ration; pag. 98, Z. 10
wegfehicken ufw. — Möchte auch diefes Bändchen zum
Studium der fyrifchen Sprache auf unferen Hochfchulen
beitragen!

Berlin. G. Diettrich.

St. John Chrysostom kxqI isQoovv^q (de sacerdotio).
Edited by J. Arbuthnot Nairn, Litt. D., B. D. (Cambridge
Patristic Texts.) Cambridge, University Press
1906. (LVIII, 192 p.) 8° s. 6 —

Der Text diefer — wie alle bisher erfchienenen Hefte
der Cambridger Sammlung — wunderhübfeh ausgestatteten
Ausgabe von Chryfoftomus' berühmtem Werk ,über das
Prieftertum'bedeutet einen Fortfehritt über alle bisherigen
Ausgaben, felbft die von Savile und Dübner. Nairn hat
ein fehr reichliches Handfchriftenmaterial herangezogen,
auch mit einer Klaffifikation feiner Handfchriften begonnen
; foweit man nach dem natürlich nur eine Auswahl
von Varianten bietenden Apparat urteilen kann, handhabt
er die textkritifche Methode ausgezeichnet; ich habe
keinen Fall gefunden, wo ich ihm nicht gegen Montfaucon
recht geben müßte — und es handelt fleh dabei oft um
wefentliche Differenzen.

Auch in den Anmerkungen und im Regifter bewährt
fleh N. als ein zuverläffiger Arbeiter; auf forgfältige
Beftimmung der Zitate (auch aus profaner Literatur!) ift
großer Fleiß verwandt; S. 1239 ift I Tim. 416b fort-
gelaffen worden, dagegen nicht im Index II S. 184; im
ietzten Index vermiffe ich Worte wie vxolpla, Jtn6o<poQoq
und Verbindungen, die geradezu für Chryfoftomus charak-
teriflifch find wie dxrj xal uctxrjv (z. B. 8u. 895. 134a);
bei juörevsöd-ai verdiente 6413 fo gut wie 295 eine Erwähnung
. Einige Akzentfehler in diefem Index wird
man nicht übel anrechnen; im Text find fie äußerft
feiten — bei xi . . aXX' rj fcheint N. nicht entfehieden
zu fein, ob er aXX' als aus aXXa oder aus dXXo abgekürzt
zu nehmen habe. Die etwas aufdringliche Interpunktion
(Komma zwifchen capivxeq und eX&(HflSP, zwifchen Subjekt
und Objekt) ift aus dem Beftreben erwachfen, die
Lektüre zu erleichtern, ebenfo eine Reihe von Anmerkungen
im Stil eines Handlexikons; nur daß auch Stücke
aus paulinifchen Briefen (nämlich zu 30 rs (pagpaxda und
kgidxlai aus Gab 5 20) in einer Chryfoftomus-Ausgabe der
Überfetzung bedürften, hätte ich nicht geglaubt. Ein par
fchwierige Stellen bleiben dagegen ohne Nachhilfe. Was
N.als Exeget liefert, ift meift willkommen; fchade nur, daß
er das Auffinden der Parallelftellen aus demfelben Werk
unnötig erfchwert, indem er, — unbekümmert um die doch
in feinen Text aufgenommenen bequemen 624 Paragraphen
der Bengelfchen Ausgabe — in den Noten ausnahmslos
nach Buch und Kapitel zitiert und bei der Umfänglichkeit
vieler Kapitel einem das Suchen verleidet.

Von Fehlgriffen des Auslegers Nairn nenne ich:
S. 124 off., wo er die clgy^opevoi (im Text den legelq entgegen-
geftellt) auf den niederen Klerus deutet, obwohl 1285. 13O4
namentlich aber 13116 — das Verhältnis des ieQtvq zu den
äqxouevoi gleich dem des Vaters zu den nalösq dyäv
vr/moi — die Beziehung auf die Laienfchaft erzwingt.
1709 wird pvx<öv xxcöpctxa durch dead souls in feiner
beabfichtigten Doppeldeutigkeit nicht genügend wiedergegeben
, und 170ls heißt hvtev&ev tfdn (Gegenfatz: (isxd
de xr)v hv&ivöe dstaXXayr]v) nicht ,unmittelbar nach dem
Fall', fondern ,fchon hienieden', wie bei Chryfoftomus oft,
vgl. u. a. Savile V 15838. 44. 1594. Seltfame Belehruno
bietet N. zu 1192, ,auch die Wüfte hat den Paulus
kennen gelernt xivövvEvovxa Se^aiitvrj JtoXXctxiq', wo N.
Beziehung auf Act. 9 23. 29 fordert, da der Befuch in
Arabien Gal. 117 offenbar durch das Wort xivövvsvovxa
ausgefchloffen fei; nicht minder feltfam die Verweifung
auf Gal. 2nff. zu 1217 ftatt auf Act. 151 f. Das Paulusbild
des Chryfoftomus hat vielleicht etwas anders ausgefehen,
als das des Theologen Nairn.

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