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Ausgabe:

1906

Spalte:

129-131

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jacoby, Adolf

Titel/Untertitel:

Das geographische Mosaik von Madaba. Die älteste Karte des heiligen Landes. Ein Beitrag zu ihrer Erklärung 1906

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 5. 3. März 1906. 31. Jahrgang.

J acoby, Das geographifche Mofaik von Madaba
(Schürer).

Biblifche Zeit- und Streitfragen I, 1 —12 und II, 1
(Schufter).

Zenner, Beiträge zur Erklärung der Klagelieder
(Lohr).

Clemen, Die Apoftelgefchichte im Lichte der
neueren text-, quellen- und hiftorifch-kritifchen
Forfchungen (Heitmüller).

Farrer, St. Paulus (Holtzmann).

Kühl, Rechtfertigung auf Grund Glaubens und
Gericht nach den Werken bei Paulus (Holtzmann
).

Kühl, Die Stellung des Jakobusbriefes zum alt-

teftamentlichen Gefetz und zur Paulinifchen
Rechtfertigungslehre (Holtzmann).

Kühl, Über 2. Korinther 5, 1—10 (Holtzmann).

Kühl, Erläuternde Umfchreibung der paulinifchen
Briefe, 1. Heft (Holtzmann).

Allard, Haben die ChriHen Rom unter Nero in
Brand gedeckt? (Holtzmann).

Wudmann, Die Heilsbedeutung Chridi bei den
apodolifchen Vätern (Hennecke).

Gadrow, Joh. Salomo Semler (Troeltfch).
Zfcharnack, Leffing und Semler (Derf.).
Karo, Johann Salomo Semler (Derf.).

Hoffmann, Heinr., Die Theologie Semlers
(Troeltfch).

Spranger, Die Grundlagen der Gefchichts-

wiffenfchaft (Ritfehl).
Peterfen, Willensfreiheit, Moral und Strafrecht

(Ritfchl).

Hering, Perfönliches Chridentum (Niebergall).

Meyer, Arnold, Das Leben nach dem Evangelium
Jefu (Derf.).

Herrmann, R., Erlöfung (Derf.).

Krüger, Das Dogma von der Dreieinigkeit und
Gottmenfchheit (Derf.).

Lüttgert, G., Evangelifch.es Kirchenrecht in
Rheinland und Wedfalen (Frantz).

Jacoby, Adolf, Das geographifche Mosaik von Madaba. Die

alterte Karte des heiligen Landes. Ein Beitrag zu ihrer
Erklärung. Mit einem Plane der Karte und 4 Abbildungen
. (Studien über chriftliche Denkmäler. Herausgegeben
von Johannes Ficker. Drittes Heft.) Leipzig,
Dieterichfche Verlagsbuchhandlung 1905. (X, 110 S.)
gr. 8° M. 4 —

Über die Mofaik-Karte von Madaba haben wir, abgelebten
von kürzeren Erörterungen, namentlich eine eingehende
Unterfuchung von Schulten (Die Mofaikkarte

von Madaba, Abh. der Göttinger Gefellfch. der Wiffcnfch. | über Eufebius hinausgehen.

lieh. Die Ausführungen über die kunftgefchichtliche Bedeutung
der Karte S. 25 ff. fcheinen mir den Wert diefer
doch recht mäßigen Arbeit erheblich zu überfchätzen. —
Die Unterfuchung über die einzelnen Ortsangaben (S. 3 5—97)
leidet an einer gewiffen Willkürlichkeit in der Auswahl
des Materiales. Bei manchen ganz bekannten Orten
werden elementare Belehrungen gegeben, die hier niemand
fucht. Wollte der Verf. aber einmal in diefer
Weife verfahren, dann hätten die Quellenrtellen voll-
rtändiger mitgeteilt werden müffen. Im allgemeinen wird
zu wenig hervorgehoben, wie viel der Bearbeiter der
Karte aus Eufebius entnommen hat, und welche Notizen

phil.-hirt. Klaffe. N. F. Bd. IV, Nr. 2, 1900). Er hat das
Hauptgewicht darauf gelegt, die Quellen, auf welchen
die Karte ruht, und ihr Verhältnis zu andern alten Karten
zu ermitteln. In der neuen Monographie von Jacoby
treten diefe Fragen in den Hintergrund. Sie ift aus Anregungen
von Joh. Ficker erwachfen; und dement-
fprechend geht ihr Hauptintereffe darauf, die Karte als
ein Denkmal der altchriftlichen Kunftgefchichte zu würdigen
und in den Zufammenhang der verwandten Kunft-
denkmäler des alten Orients einzureihen. Infofern ift
fie eine willkommene Ergänzung zu Schultens Arbeit.
Der Hauptwert von Jacobys Unterfuchung liegt daher
in dem errten Abfchnitt S. 3—25, in welchem er die
ihm bekannt gewordenen fyrifch-paläftinenfifchen
Mofaiken zufammenrtellt und befpricht und diefen
ganzen Kunftzweig, gleichviel ob heidnifchen oder
chriftlichen Urfprungs, zu würdigen fucht. Auf diefen
einleitenden Abfchnitt folgt S. 25—35 eine Charakteriftik
der Karte von Madaba: ihre Bedeutung, ihr Platz in der
Kunftgefchichte, die Datierung (etwa 520—550 n. Chr.),
die Quellen des Künftlers. Den größten Teil nimmt
dann die Unterfuchung der einzelnen Ortsangaben ein

(S- 35—97).

In dem einleitenden Abfchnitt ift mir befonders der
Satz aufgefallen (S. 6), daß durch die fogenannte Gnofis
der antiken Kultur (und fo auch der Kunft) in der Kirche
Tür und Tor geöffnet worden fei. Wie will der Verfaffer
diefe Behauptung begründen? Nicht die Gnofis hat der
antiken Kultur in der Kirche Eingang verfchafft, fondern
umgekehrt: durch das Einftrömen der antiken Kultur in
die Kirche ift da, wo diefes Einftrömen in extremem
Maße ftattfand, die'Gnofis erzeugt worden. Stattgefunden
hat es überall, auch ohne die letztere, und in ftärkerem

Im einzelnen möchte ich noch folgendes bemerken.
Bei der Literatur über Madaba im allgemeinen S. 2 fehlt
z.B. Ritter, Erdkunde XV, 1181 —1185, und The survey
of Eastem Palestine vol. I, 1889, p. 178—183.— S. 33 f. die
für die Beurteilung der Karte wichtige Frage, ob fie auf
dem Text von Plufebius' Onomafticon oder auf einer von
Eufebius angefertigten Karte beruht, hätte eingehender erörtert
werden müffen.— S.48f. zu Bethylion vgl. auch den
Paläftina-Pilger Theodofius {Jlinera Hierosolymitana ed.
Geyer 1898 138 unten). — S. 61: zu Jahne bemerkt der
Verf., es fei ,die namentlich durch die Synode von 79—80
p. Chr. bekannte Stadt, in der die Synagoge den alttefta-
mentlichen Kanon feftfetzte'(!!). Hier ift faft jedes Wort ein
Phantafiegebilde, auch wenn in Werken jüdifcher Autoren
derartiges zu lefen ift. — Bei den Ausführungen über
Bethabara S. 87—91 war es verhängnisvoll, daß dem
Verf. die forgfältige Arbeit von Mommert, Änon und
Bethania, die Taufftätten des Täufers, 1903 (vgl. meine
Anz. in der Theol. Litztg. 1903, 296—298), unbekannt
geblieben ift. Aber auch fchon Schulten (S. 76 ff.) hat
die entfeheidenden Momente in der Gefchichte der Tradition
präzifer herausgeftellt, als es bei Jacoby gefchieht.
Er hat gezeigt, was bei Jacoby nicht deutlich wird, daß
die ältere Tradition bis zu Theodofius und Antoninus
einfchließlich (6. Jahrh.) die Taufftätte richtig, wie Ev.
Joh. 1, 28 auf das jenfeitige, örtliche Ufer des Jordan
verlegt, während die fpätere, deren erfter Zeuge die
Mofaikkarte ift, fie auf das diesfeitige, weftliche fetzt.
Nur hat Schulten geglaubt, daß der Pilger von Bordeaux
(4. Jahrh.) eine Ausnahme unter den älteren Zeugen mache,
indem er die Taufftelle bereits am weltlichen Ufer fuche.
Mommert aber hat auf Grund richtiger Interpretation der
Worte des Pilgers gezeigt, daß auch er tatfächlich mit

Maße erft dann, als die Gnofis überwunden war. Auch i den älteren Zeugen geht (vgl. Theol. Litztg. 1903, 298,
fonft ift der Verfaffer in feinem Urteil nicht immer glück- I super fliimcn nicht = trans flumen, fondern = supra flumen
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