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Ausgabe:

1906

Spalte:

97-98

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jahn, G.

Titel/Untertitel:

Das Buch Daniel. Nach der Septuaginta hergestellt, übersetzt und kritisch erklärt 1906

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

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Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark. V!

Nr. 4. 17. Februar 1906. 31. Jahrgang.

Jahn, Das Buch Daniel (Neftle). sitive, Deuxieme Serie, L'Eucharisrie etc. (Lob- zweite Abt., 1. Hälfte, herausg. von Reich en-

Hölfcher, Kanonifch und Apokryph (Schürer).

Die Septuaginta-Papyri und andere altchriflliche
Texte der Heidelberger Papyrus-Sammlung,
hrsg. von Deißmann (E. Kloftermann).

Müller, Ad., Gefchichtskerne in den Evangelien
(Hoffmann).

Wendling, Ur-Marcus (Derf.).

Kennedy, St. Paul's conceptions of the last
things (Clemen).

Batiffol, Etudes d'histoire et de theologie postein
).

Schmid, Jof., Die Oflerfetlberechnung auf den
britifchen Infein von Anfang des 4. bis zum
Ende des 8. Jahrh. (Krüger).

Anz, Die lateinifchen Magierfpiele (Kauffmann).

Archiv für Reformationsgefchichte, herausg. von
Friedenshurg, 2. Jahrg. (Boffert).

N i e m a n n, Die Dialogliteratur der Reformationszeit
(Boffert).

Nuntiaturberichte aus Deutfchland, 1585—1590,

berger (Virck).
Mumm, Die Polemik des Martin Chemnitz

gegen das Konzil von Trient (Tfchackert).
Unger, Hamanns Sprachtheorie im Zufammen-

hange feines Denkens (Zilleffen).
Mirbt, Die katholifch-theologifche Fakultät zu

Marburg (Bruckner).
Lütgert, Gottes Sohn und Gottes Geift, Vorträge
(Niebergall).
Hamack, Reden und Auffätze, 2 Bde, 2. Aufl.
(Holtzmann).

Jahn, Prof. G., Das Buch Daniel. Nach der Septuaginta
hergeftellt, überfetzt und kritifch erklärt. Mit einem
Anhang: Die Mesha-Infchrift aufs neue unterfucht.
Leipzig, E. Pfeiffer 1904. (XXII, 138 S.) gr. 8°

M. 5—; geb. M. 6 —

Es ift vielleicht nicht unnötig, die Bemerkung vorauszuschicken
, daß ich trotz der Vorrede, zum Teil gerade
auch wegen ihr, mit aller Sympathie an das Studium
diefes Buches herangetreten bin, fchließlich aber doch
zu keinem andern Urteil kommen konnte, als daß es in
der Hauptfache verfehlt ift, und nur einzelne wertvolle
Bemerkungen enthält. ,So fpräch ich, wenn ich Daniel
wäre', das ift der Eindruck, den die Arbeit macht. Jahn
hat vollftändig verkannt, was eine Überfetzung leiften
kann. Ift fie buchftäblich wie die Aquilas, dann kann
man aus ihr die Vorlage rekonftruieren; ift fie frei, wie
die Septuaginta zu Daniel, dann ift es völlig verfehlt,
nach ihr unfern überlieferten Text zu ändern. Weil G
beginnt ejrl ßaoiltmq 'imaxsifi xrq'lovialaq ETpvq xglxov
ftatt hv erst xqItco xijq ßaoiXslaq 7. ßaaiXimq lovöa, foll
das [»ib» rotn] rTTirP b* Wp^rP Tb»! vorausfetzen,
wobei G falfch ifbB ftatt tfbz? vokalifiert habe. Die
Formel 2, 5 und 3, 29 ift von G an beiden Stellen ver-
fchieden überfetzt worden, alfo gibt J. einen ganz ver-
fchiedenen hebr. Text. Zu 2, 30 fchreibt er ,Am Schluß
ift LXX verderbt; die richtige Lesart Iva yvmq gibt Syr.
Hex., sv yvmoti ift wohl daraus verfchrieben'. Aber Xva
yvmq ift doch Überfetzung des Aquila; wie kann G daraus
entftanden fein? Ähnlich S. 32 über Symmachus. 8, 15
wird die Dublette in LXX erkannt; aber ftatt die erfte
Hälfte aus Theodotion abzuleiten, wird umgekehrt auf
Benutzung der LXX durch Theodotion gefchloffen. 10, 5
foll ßvOOiva wohl aus ßdööiva verfchrieben fein; 12, 6
aber wird es mit ©Erl überfetzt, trotz 1 Chr. 1527. G
gibt 921 das Fliegen Gabriels durch xäysi (psgo/isvoq,
alfo fetzt Jahn rnnM EH in den Text, und erklärt, dies
xäysi <psQ. fei als ein für einen Engel zu anthropopa-
thilcher Ausdruck zuerft nach Jef. 62 geändert und dann
in G korrumpiert. Alfo die Arbeit ift prinzipiell verfehlt.
Die intereffante Frage, ob G für die aramäifchen Teile
des Buchs einen hebräifchen Text vor fich gehabt, bejaht
Jahn mit Rießier. Ich geftehe, daß keiner der angeführten
Gründe mir durchfchlagend erfcheint. Viel
Mühe hätte der Verf. feinen Lefern durch eine andere
Einrichtung feines Buchs erfparen können. Er gibt links
den von ihm erfchloffenen hebräifchen Text, rechts deffen
deutfche Überfetzung, unter beidem feine Erläuterungen,
fodaß man ftets noch G und mafforetifchen Text vergleichen
muß, um ficher zu fein, wo eine Abweichung vorliegt
.

Im Anhang wird (S. 122—134) ,die Mefha-Infchrift
aufs neue unterfucht'. Sie foll eine Fälfchung fein. Es
genügt, dies mitzuteilen.

Muß ich das Ganze ablehnen, fo ftimme ich um fo
mehr einzelnen Bemerkungen zu; z. B. der Klage der
Vorrede, daß in den neueren Ausgaben des Gefeniusfchen
Lexikon ,von einer Erklärung der Eigennamen ganz Ab-
ftand genommen' ift, ,wiewohl fie nicht feiten das ältefte
Sprachgut enthalten und für Kultur- und Religionsgefchichte
von höchfter Wichtigkeit find'. Ich laffe deswegen grund-
fätzlich meine Schüler kein hebr. Lexikon mehr an-
fchaffen. ,Name eines Mannes', ,Name einer Frau', folche
Gelehrfamkeit haben meine Anfänger auch ohne Wörterbuch
. Auch einzelne Befferungsvorfchläge verdienen
Zuftimmung; doch ift unbegreiflich, wie J. zu 121 xal
xaxa xrjv ymgav exelvrjv bemerken kann ,ycbgav ift aus
yut'gav verichrieben', ohne das viel näher liegende moav
zu finden. (Die Stelle ift, beiläufig bemerkt, auch für das
N. T. von Wert, wo oft top« und tffisga fchwankt). Der
Schluß des Ganzen in G dvaöxr'jor] sjtl xrjv dogai» aov
wird überfetzt YbTib SiptTl mit der Begründung: ,Das faft
finnlofe qbTJb des H ift aus Tjb-Jjb der LXX entftellt.
Entfprechend jbTib wurde Dlpfi der LXX in nttSTI geändert
, was nicht ,,auferftehen" bedeuten kann'. Zwar
kommt doga nie, aber öot-d^siv für die Wurzel b-jj vor,
infofern wäre die Überfetzung nicht unmöglich. Aber
ift das Hebräifch? Andrerfeits wird J. gegen Behrmann,
Marti im Recht fein, wenn er auf den Unterfchied von
-TD? und Dlp hinweift (Marti: ,Tay = Qlp, deffen Ableitungen
im Syr. kejamtä und im Arab. kijäma die Auf-
erftehung bedeuten').

Ich betone nochmals, es ift mir leid, das Ganze für
verfehlt erklären zu muffen.

Maulbronn. Eb. Neftle.

Hölscher, Priv.-Doz. Lic. Dr. G., Kanonisch und Apokryph.

Ein Kapitel aus der Gefchichte des altteftamentlichen
Kanons. Leipzig, A. Deichert Nachf. 1905. (VIII,
77 S.) gr. 8» M. 2-

Die Unterfuchung geht davon aus, daß die Sammlung
und der Gebrauch der fpäter kanonifierten Schriften
noch nicht gleichbedeutend fei mit ihrer Erhebung zum
Rang von kanonifchen. Diefe Kinficht fei bei Behandlung
der neuteftamentlichen Kanonsgefchichte bereits
durchgedrungen, nicht aber bei Behandlung der altteftamentlichen
. Die Merkmale des .Kanonifchen' fucht
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