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Ausgabe:

1906 Nr. 3

Spalte:

91-92

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ficker, Johannes

Titel/Untertitel:

Evangelischer Kichenbau 1906

Rezensent:

Bergner, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 3.

92

kenntnisweit Hohn fpricht: die wiffenfchaftliche Weltan-
fchauung fleht mit der in der katholifchen Kirche überlieferten
Tradition in unverföhnlichem Widerfpruch.
Könnte fich der ,evangelifche Geift' von dem ,dogmati-
fchen' frei machen, fo wäre allerdings eine Verföhnung
mit der Kultur und dem freien Forfchen denkbar (369
bis 368), aber die Hierarchie hat diefen esprit evangehque
in Bande gefchlagen, von denen man fich nur durch einen
gewaltfamen Bruch frei machen kann, — es fei denn,
daß der Gelehrte fich durch einen zum Prinzip erhobenen
Dualismus vor dem geiftlichen Schiffbruch fchützt.
Kepler, Cartefius, Newton, Pafteur haben zwifchen dem
religiöfen und dem wiffeufchaftlichen Gebiet eine chi-
neüfche Mauer errichtet, durch welche beide Reiche unverworren
bleiben follten. Mais ils se faisaient illusion
sur Pimpenetrabilite de cette cloison artiftcielle ou Ren
voulaientpas voir Vinsuffisance (365). S.-Pr. felbft fcheint
in einem äfthetifch gearteten Pantheismus die Löfung und
den inneren Frieden gefunden zu haben, er bekennt fich
zu dem Glauben an die existence du divin, exigee par la
nature meme de la raison humaine pour en satisfaire la loi
fondamentale (272 u. ö., vgl. namentlich die Reflexions
finales, pag. 357f.).

Der Verf. erklärt, daß er die Geringfehätzung der
Theologen fürchtet, die ihn als einen Unberufenen zurückweifen
möchten: nous redoutons le dedain des theologiens;
ils ont le droit de nous demander de quoi nous nous nie Ions
(X). Von feiten derer, die dem von S.-Pr. gefeierten,
wohl aber nicht völlig erkannten evangelifchen Geilte
ihre religiöfe Befreiung und ihr geiftliches Leben verdanken
, ift eine folche Mißachtung nicht zu befürchten.
Namentlich find diejenigen unter ihnen, die fich an den
herrlichen Schöpfungen des tiefften und innerlichften der
franzöfifchen Dichter erbaut und erfreut haben, für die
fchöne Gabe dankbar, die fie in das liebevolle Verftänd-
nis des größten Sohnes von Port-Royal aufs neue eingeweiht
hat.

Straßburg i. E. P. Lobftein.

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kleiner Kirchbauten von E. Fürftenau u. a. Leipzig,
Dieterichfche Verlagsbuchh. 1905. (36S.) Fol. M. 3.50

Das Schriftchen Hoßfelds ift fo vorzüglich, durch
Wort und Bild belehrend, daß man es in den Händen
aller Geiftlichen wünfehen muß. Es wird darin eine
Auswahl der jüngften unter Mitwirkung der preußifchen
Staatsbauverwaltung entftandenen kleineren Kirchen be-
fchrieben. Die Beispiele find fo vielgeftaltig, fie werden
nach Grundriß, Aufbau, Einrichtung, Material und Kotten
fo eingehend und fachmännifch entwickelt, daß jeder
Pfarrer, dem ein Kirchenbau bevorfteht, fozufagen feinen
Typus leicht darin auffinden wird. Baukünftlerifch an-
gefehen kennzeichnet die Zufammenftellung eine merkwürdige
Erfcheinung. All die Leidenfchaft, womit früher
um den kirchlichen Stil', um einen fpezififch evangelifchen
Stil' gekämpft worden ift, ift völlig verklungen.
Die Überlieferung, Landkunft, Heimatkunft find Herr geworden
über alle Theorien. Hat man eine Zeitlang von
einer Kunft der Zukunft geträumt, fo ift man jetzt glücklich
, nur annähernd fo gut zu fchaffen wie die Alten,
nämlich fo einfach, fchlicht, bodenftändig, der Landfchaft,
dem Dorfbild, der heimatlichen Kunftart entfprechend.
Gotik und Barock, Hauftein, Backftein, Fachwerk, jedes
Genre außer dem langweiligen ift erlaubt, wenn es nur
die gefunden, feinen Reize erreicht, durch welche alte
Dorfkirchen fo überaus anziehend find.

Von diefem Grundgedanken ift auch der Vortrag
Fickers getragen. Er findet die wärmften Töne zum
Lob des ftimmungsvollen, vom Hauch der Kunft durchwehten
Gotteshaufes, legt es den Geiftlichen dringend
ans Herz, einem Neubau alle Kräfte zu widmen, im
übrigen aber die Aufgabe keinem Stümper und Handwerker
, fondern einem Künftler anzuvertrauen. Denn
die Welt fteht merklich auf dem Kopfe. Die biedern
Mauermeifter mit ihrer Baufchulenweisheit wollen womöglich
Kathedralen auf dem Dorfe bauen, und die
Architekten müffen heran, um alte, fchlichte Bauern-
kunft zu fchaffen. Hoffentlich siegt die gefunde Bewegung
auf der ganzen Linie, nachdem im letzten Jahrhundert
fo unendlich viel am Geift der Volkskunft ge-
fündigt worden ift.

Nifchwitz bei Mannichswalde, S.A. Dr. Bergner.

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