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Ausgabe:

1906 Nr. 3

Spalte:

81-83

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zwingliana. Mitteilungen zur Geschichte Zwinglis und der Reformation. 1905. (Bd. II, Nr. 1 u. 2.) 1906

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 3.

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fchließen. Es hat aber keinen Zweck, fich bei diefer
Frage aufzuhalten, da Diekamp mit vermutlich vollftän-
digem Material an fie herantreten wird. Außer der Doc-
trina zieht Sch. eine ihr inhaltlich verwandte noch ungedruckte
Sammlung aus Cod. Par. 1115 heran. Auf
feine Vermutungen über das literarifche Verhältnis der
beiden Sammlungen einzugehen, möchte ich aus dem
foeben angegebenen Grunde unterlaffen. Von den Schrift -
ftellern kommen, wie man weiß, in erfter Linie Leontius,
Maximus, Anaflafius in Betracht. Der Wert der Sch.fchen
Arbeit liegt nicht fowohl in diefen einleitenden Notizen,
als in der .Zufammenftellung des florilegifchen Materials,
die die übrigen Kapitel füllt. Darüber läßt fich in Kürze
nicht referieren, und wer keinen vollftändigeren Überblick
als der Verfaffer hat, foll auch nicht kritifieren. Sch.
weiß ohnehin, daß es fich nur um einen Anfang handelt.
Die von ihm felbft gewünfchte Durchfuchung der Kataloge
und Handfchriften nach weiterem Material kann ja
nicht ausbleiben und wird immer wieder Ergänzungen
bringen. Aber fragen möchte ich doch, warum Sch. einer fo
inhaltsreichen Quelle wie Wrights Katalog nicht nachgegangen
ift? Schon mein Kommentar zwxHistoria Miscellania
hätte ihn darauf hinweifen können. Neuerdings hat Loofs
dem Katalog einen ungeahnten Zuwachs an Neftorius-
Fragmenten entnommen, die freilich nur zum Teil aus
der Florilegienliteratur entflammen. Indeffen, der Anfang
ift nun gemacht, und jedem Forfcher wird es erwünfcht
fein, an der Hand des Sch.fchen Namenregifters fich
erheblich bequemer unterrichten zu können, als es bisher
möglich gewefen ift. Ich erwähne noch ein paar
Kleinigkeiten. S. 31 und 34: Das Religionsgefpräch von
Konftantinopel fand wohl nicht 531 (fo Loofs), fondern
533 ftatt (fo mit den meiften auch ich in meinem Art.
Monophyfiten. Real-Enzykl. 13, 392, 2, wo freilich die
entfcheidende Ziffer durch Druckverfehen ausgefallen ift,
meine Meinung aber aus dem Zufammenhang deutlich
entnommen werden kann). S. 53 u. ö.: Monergismus ift
eine falfche, freilich fchwer auszurottende Bezeichnung
für Monenergismus. S. 73f.: Paulus von KP. amtierte
641 bis Dez. 653 (nicht 654), Petrus Jan. 654 (nicht 655)
bis 666. wie ich in meinem Art. Monotheleten S. 407 f.
gezeigt habe. S. 73 A. 2 L Brooks ft. Brook; 75 A. 3
Schwarzlofe ft. Schwartzlofe. Stiliftifche Verfehen find
leider nicht feiten. Es muß einmal gefagt werden, daß
zumal unfere jüngeren Autoren in der Behandlung ihrer
Mutterfprache keineswegs immer hohen Idealen nachjagen
.

Gießen. G: Krüger.

Zwingliana. Mitteilungen zur Gefchichte Zwingiis und
der Reformation. Herausgegeben vom Zwingliverein
in Zürich. Redaktion: Prof. Dr. Emil Egli. 1905.
Band II. 2 Hefte. Zürich, Zürcher & Furrer. (64 S.)
gr. 8° M. 1.50

Der neue Jahrgang der Zwingliana bietet vorzugs-
weife für Zwingli und feine Freunde und Anhänger
neues Material. H. Bruppacher befpricht den Familiennamen
Zwingli, der mehrfachen Deutungen unterlegen
ift; foll fich doch Zwingli als Student in Wien Cogentius
genannt haben, während er fpäter fich Geminius (der
Zwilling) nannte, und fein Vater, wie er felbft, einen
Ring (,Zwinge') im Wappen führte. Bruppacher gibt
die entfernte Möglichkeit der Ableitung von der Zwinge
zu, beftreitet aber — mit Rückficht auf die Nebenform
Twingli — die Herkunft von Zwilling und leitet den Namen
von einem Flurnamen, einem ungefriedigten Anwefen
her. Egli gibt aus einem alten kleinen Büchlein von
J. Fr. Frantz eine Befchreibung des Zwinglihaufes ,im
Lifighaus' in der Gemeinde Wildhaus mit einem Bild
des Haufes und feiner Umgebung, fowie der Wohn-
ftube wieder. Weiter fchildert Egli den Zürcher

Ratsherrn Klaus Brunner, Zunftmeifter, der durch eine
unbedachte Äußerung fich den Zorn der Berner zugezogen
hatte, worauf Zwingli den Mittler machte und
dabei fein ruhiges, nüchternes Urteil und feinen friedfertigen
Sinn bewies. Ebenfo gibt er ein Lebens- und
Charakterbild von Meifter Ulrich Punk, dem Glafer und
und Glasmaler, der einer der allervertrauteften Freunde
Zwingiis wurde, den er fich zum Begleiter auf der Reife
nach Marburg wählte. Es ift beachtenswert, welche
Tüchtigkeit neben einer nicht zu verachtenden Bildung
in dem Handwerksmann fteckte, der auch die Feder
nicht übel führte, wie der von ihm flammende Abfchnitt
über daß Meßopfer im ,Gyrenrupfen' zeigt. Ein weiterer
Verehrer Zwingiis ift Ritter Fritz Jakob von Anwyl, von
dem Egli ebenfalls ein Lebensbild gibt. Seine Begeifte-
rung klingt aus in einigen Kirchenliedern, fein Heimat-
finn, wie ihn die neue Zeit geweckt hatte, in einer ,Be-
fchreibung des volcks und der landfchaft Thurgöw', die
er Hans Landfchad zu Steinach (Neckarfteinach bei Heidelberg
, nicht bei Bruchfal), dem Patron Jak. Otters und Melch.
Ambachs, widmet. Ein Landsmann Zwingiis war der
Toggenburger Amtmann Hans Giger, der erft Landvogt
der Graffchaft Toggenburg im Dienft des Abts von
S. Gallen war, dann von der Landfchaft, die fich für kurze
Zeit vom Abt losfagte, zum Säckelmeifter gewählt wurde,
dann aber vom Abt feine frühere Stellung wieder bekam,
ein Mann, der offenbar bei allen Parteien Achtung genoß
und zum Vermitteln in fchwierigen Fällen wie gefchaffen
war. Neben ihm zeichnet Egli das Bild des eidgenöffi-
fchen Landvogts von Thurgau, Philipp Brunner, der zugleich
Bürger in Glarus und Zürich war, und dem diefe
Doppelfteilung verhängnisvoll wurde, als er den Zürchern
im zweiten Kappeler Krieg zu Hilfe zog, der aber zuvor
dem Thurgau die große Reformationsordnung gab.

Den neugeweckten Heimatfinn beweilt auch Glareans
Descriptio Helvetiae, die Oswald Myconius kommentierte,
wozu ihm der Luzerner Chorherr Zimmermann in einem
Brief, den Egli mitteilt, einen Beitrag gab.

Gegen Bernoullis Schaufpiel ,Ulrich Zwingli' und
deffen ZwinglicharakterifUk in der Neuen Zürcher Zeitung
wendet fich Egli fehr kräftig und zeigt, daß
Bernoulli eine alte Hypothefe (Vögelis ,Glück von
Kappel') auffrifche und fich möglichft wenig um alles,
was feither darüber gefchrieben und verhandelt wurde
kü mmere; dabei beweift er die Haltlofigkeit der von
Vögeli aufgebrachten, von Bernoulli wiederholten Märe
von der ,Vernichtung der Ratsbücher jener Zeit und
jeglichen Urkundenmaterials'. — Der Entwurf eines
Zwinglidenkmals für die Schule in Winterthur von
L. Kaifer ziert das erfte Heft. Die Archivreifen Eglis
im Dienfte der Zwingliforfchung nach Schwaben, Baden,
Elfaß und Rom bieten andern Forfchern Fingerzeige und
waren auch für fei ne nächften Zwecke nicht ohne Ergebnis
. Wir fehen, wie Zwingli bald einen Brief durch
einen dritten fchreiben läßt und nur revidiert und unter-
fchreibt, bald in einem Kollektivbrief die Namen feiner
Kollegen mit unterfchreibt. In Rom war zwar Zwingiis
Konfeffionale nicht zu finden, dagegen beleuchtet Plgli
Konrad Pellicans Bericht über feine Pilgerreife nach Rom
und feinen Befuch in den Katakomben. Die päpftliche
Schweizergarde weckt ihm die Erinnerung an den wackern
Bürgermeister Marx Röift von Zürich, der noch in feinen
alten Tagen den Zürich vorbehaltenen Ehrenpoften eines
Gardehauptmanns übernehmen mußte und feinen Sohn
Kafpar als Stellvertreter fandte, der beim Sacco feinen
Tod vor dem Altar zu S. Peter gefunden haben foll. —
Weiter ift es geglückt, Autographen von 2 Voten Zwingiis
auf der Disputation zu Bern feftzuftellen,

J. Schwarzenbach gibt Notizen über die 2 S. Galler
läufer Thom. Schugger, den Brudermörder, und Nik.
Guldin aus den S. Galler Malefizbüchern. Eine weitere
Unterfuchung verdient das von Herrn. Efcher befchriebene
kleine Büchlein ,das Pilgerfchiff', deffen Titelbild Heft 1 bei-