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Ausgabe:

1906 Nr. 24

Spalte:

651-652

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Völter, Daniel

Titel/Untertitel:

Der erste Petrusbrief, seine Entstehung und Stellung in der Geschichte des Urchristentums 1906

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 24.

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gefchickter Verficherung, daß man mit gleichem Recht j Schriftftellers zufammengefunden und ihm feine Eigen-
wie ihn auch faft alle Schriftwerke des Altertums ihren [ art verliehen haben. Ich glaube, daß eine folche An-

Verfaffern abfprechen könnte.

Eine Widerlegung darf man fich fparen. Sobald der
Verfaffer übrigens die Grenzen des neuteftamentlichen
Kanons hinter fich hat, wird feine Kritik auffallend
tapfer; denn was feit dem Hebräerevangelium und Hegefipp
kirchliche Schriftfteller über Jakobus zu wiffen glaubten,
ift alles gleicherweife Fabel, die Nachricht über feinen
jerufalemifchen Epilkopat mit eingefchloffen. Stehen
bleibt dafür die Notiz des Jofephus über Jakobus den
Bruder des fogenannten Chriftus' (S. 234).

Baden. H. Holtzmann.

Völter, Prof. Dr. Daniel, Der erste Petrusbrief, feine Ent-
ftehung und Stellung in der Gefchichte des Urchriften-
tums. Straßburg i. E„ J. H. E. Heitz 1906. (V, 58 S.)
gr. 8° M. 1.50

Sehr mit Recht findet der Verfaffer in der Vierzahl
von Schriften 1 Petr., Jak., 1 Clem. und Hermas eine
zufammengehörige Gruppe verwandter altchriftlicher
Literatur, deren eigentümliche Glaubensrichtung näher
zu beftimmen eine für die Erforfchung der Gefchichte
des Urchriftentums, zumal der römifchen Gemeinde, ins
Gewicht fallende Aufgabe bildet. Zur Löfung derfelben
foll zunächft eine kritifche Unterfuchung des überlieferten
Textes beitragen, welche mit der aus frühern Schriften
des Verfs. zumal über Apoftolifche Väter- und Paulusbriefe
bekannten Zuverficht und Kühnheit, aber auch
mit unverkennbarem Scharffinn und Gefchick geführt
wird und zum Ergebnis die Herausfchälung eines, be-
fonders durch Ausfcheidung der eigentlichen Chriftologie
gewonnenen Grundftockes hat, der gegen Ende des erften

nähme fich bei einem nachapoftolifchen Manne, der augen-
fcheinlich feine geiftige Nahrung vor allem aus Septua-
ginta und aus Paulusbriefen mit Einfchluß des Hebräerbriefes
bezogen hat, recht wohl durchführen läßt.
Immerhin verdient der Umftand Beachtung, daß gleichzeitig
auch Soltau in den ,Theologifchen Studien und
Kritiken' 1905, S. 302—315. 1906, S. 456—460 eine folche
Zerlegung des Briefes verfucht hat, und daß beide, ganz
unabhängig von einander verfahrende Kritiker zufammen-
treffen wenigftens in der Ausfcheidung von 3, 19 — 22
und 4, 4—6, alfo gerade des in unferem Briefe befremd-
lichften und im Neuen Teftament ifoliert flehenden
Stückes von Chrifti Wirkfamkeit unter den Zeitgenoffen
Noahs, deffen Rettung durch die Sintflut einen Typus
für die Kraft des Taufwaffers abgeben muß. Aus Ver-
fehen find S. 21, Z. 4 v. o. die Worte yaoic xxX unüber-
fetzt geblieben.

Baden. H. Holt zmann.

Ropes, James Hardy, The Apostolic Age in the Light of
Modern Criticism, New York, Ch. Scribner's Sons 1906.
(IX, 327 p.) 8« $ 1.50

Das vorliegende Buch ift im wefentlichen der Abdruck
einer Reihe von Vorlefungen, die Ropes im
März 1904 als Lectures des Lowell Institute hielt, einer
Boftoner Einrichtung, die, wie ich erfuhr, die Tendenzen
unferer Volkshochfchulkurfe verfolgt. In neun Vorträgen
führt er den Stoff feinen Hörern und Lefern vor. Der
erfte grundlegende gibt die Methode, die Quellen und
die Überficht über das Material: Criticism and the Apostolic
Age. Befonnene hiftorifche Methode muß auch der Ur-
gefchichte des Chriftentums gegenüber rückfichtslos anJahrhunderts
in Rom entftanden, als Dokument zwar ! gewandt werden. Das apoftolifche Zeitalter reicht bis
nicht einer wirklich urapoftolifchen Auffaffung vom zum Jahre 100 etwa, aber feine eigenartigen Erfchei-
Chriftentum, wohl aber einer entnationalifierten, univer- j nungen können auch noch über das Jahrioo hinaus verfolgt

faliftifch umgedeuteten und nach ihrem rein geiftigen Charakter
verftandenen und vertretenen altteftamentlichen
Religion hingeftellt wird. Eine ähnliche Erfcheinung foll
auch die noch nicht überarbeitete Geftalt der übrigen,
oben genannten Schriften bieten, fofern deren Chriften-

werden; das apoftolifche Zeitalter ift keine beftimmte
Reihe von Jahren, fondern ein beftimmter Typus von
Chriftentum. Der zweite Vortrag, The Earliest Christian
Missions, fpricht von den günftigen Vorbedingungen, von
der Art und von der Ausdehnung der urchriftlichen

tum fich nur als ein erneuertes und reduziertes Juden- Miffion. Dann entwirft R. eine Skizze des Judenchriften-
tum herausftelle. Diefe theologifche Richtung gehe wohl i tums und feines finkenden Einfluffes: Jewish Christin-

bis in die Anfänge der römifchen Gemeinde zurück, fei
aber jedenfalls feit deren Neugründung nach der Nero-
rifchen Verfolgung herrfchend geworden — eine Behauptung
, deren Haltbarkeit freilich gänzlich von der
Zuverlässigkeit aller an den bezüglichen Schriften vor-

nity and its Fate. Die beiden folgenden Vorträge be-
faffen fich mit Paulus: The Apostle Paul und Paul's
Theology. Das Leben in den urchriftlichen Gemeinden —
die Abgefchloffenheit von der Welt, die Parufieerwartung,
die Geiftesgaben, die Askefe, die Verweltlichung, den

genommenen kritifchen Manipulationen abhängt. Seine j Gottesdienft, die heiligen Schriften, Abendmahl und
jetzige Geftalt foll der Brief in den letzten Zeiten Trajans [ Taufe, die Verfaffung, den Beginn der Verfolgungen,
erhalten haben. Jetzt erft wird die fpezififch paulinifche 1 die Ethik — zeichnet der 6. Vortrag: Life in an Apostolic

Heilslehre von Chrifti Perfon, Tod und Auferftehung
hereingearbeitet, und erfcheint das Ganze nunmehr als
ein unter dem Namen des Petrus an die verfolgten
Gemeinden Kleinafiens gerichtetes Troftfchreiben.

Eine fprachliche Nötigung zu folcher Prozedur läßt
fich m. E. fchwerlich erkennen. Der Verf. operiert
auch faft immer nur mit Gründen des logifchen

Church. Es folgt die Darftellung von der Entftehung
der Evangelien mit der Behandlung der überlieferungs-
und literargefchichtlichen Probleme, die das Thema ftellt:
The Apostles and the Gospels. Hier entwirft R. auch
ein Bild von der Bedeutung des Apoftels Petrus und
des afiatifchen Johannes. Den Übergang des Urchriftentums
zur altkatholifchen Kirche und zwar infonderheit

Fortfehritts, des innern Zufammenhangs und fucht die Ausbildung der altkirchlichen Theologie durch Joh.,
außerdem eine nur literarifch zu erklärende Geteilt- j Hebr., Paft. fchildert der 8. Vortrag: The Preparaüon
heit der theologifchen Gedankenwelt im Briefe nach- for Catholic Christianity. Damit ift die pofitive Dar-
zuweifen. Und in diefer Beziehung muß ihm ja wohl ! ftellung erfchöpft; die Schlußvorlefung: Ancient and Mo-
eingeräumt werden, daß mit dem paulinifchen Charakter dem Study of the Apostolic Age, zeichnet in ganz großen
des Ganzen (der Verf. nimmt mit Recht Abhängigkeit j Zügen nach einer Charakteriftik der Apgfch. und des

von Paulus für beide Briefe an) mancherlei Elemente
kontrahieren, die einen engern Anfchluß an jüdifche
Analogien und Vorausfetzungen bekunden. Es frägt
fich eben nur, ob eine folche Zweifeligkeit notwendig
auf literarifche Zweifchichtigkeit hinweift oder ob

Eufebius die Entwicklung der hiftorifchen Kritik im
19. Jhrh.: Strauß und die Tübinger, die Ritlchlfche
Schule, Lightfoot, Renan, die Holländer (van Manen).

An den Ausführungen R.s ift nichts irgend wefent-
liches auszuftellen. Es ift die Auffaffung der deutfehen

fie nicht aus der Verfchiedenheit der Elemente ihre Er- kritifchen Theologie, die er, felber in Deutfchland ge-
klärung findet, die fich in dem religiöfen Bewußtfein des S bildet, vertritt. Mit Recht fagt er im letzten Vortrage,