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Ausgabe:

1906 Nr. 22

Spalte:

606-607

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bojan, C.

Titel/Untertitel:

Les Bulgares et le Patriarche œcuménique ou Comment le Patriarche traite les Bulgares 1906

Rezensent:

Meyer, Philipp

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 22.

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wirkte in Zuir-huifter-Veen und wurde von Franciscus I einer Zeit nach der Ausgabe des Bekenntniffes, in dem

Elgersma des Socianismus angeklagt. Von der Synode
fchuldig befunden, mußte er fortan das Predigen ein-
ftellen. Einer Dankespflicht der niederländifchen Kirche
will Veen genügen, indem er fodann den Abraham Trom-
mius, den Verfaffer der niederländifchen Konkordanz

diefer den Vorwurf des Calvinismus entfchieden zurückweift
. Er veröffentlicht ferner aus Briefen des Nathanael
Konopius, des Protofynkellos Cyrills, Sätze, die beweifen
follen, daß derfelbe ein Schwindler war und die Leichtgläubigkeit
der Proteftanten zu eigenem Nutzen miß-

des Alten und Neuen Teftaments, behandelt (S. 445ff.); brauchte. Er fucht dann Zweifel zu erwecken an der
zugrunde legt er dabei eine 1720 herausgekommene | Echtheit des Originals der Confessio, das Legrand nament-
Selbftbiographie des Mannes. Der letzte Artikel endlich: : lieh ans Licht gezogen, und ftellt die Vermutung auf, daß
Jets over de Studie der Tlieologie te Groningen in de ! Nathanael der Verfaffer der Confessio gewefen fei. Es ift

Herrn Papadopulos zuzugeben, daß die Gefchichte Cyrills
keineswegs fchon geklärt ifl. Ohne Zweifel aber liegt
eine ganze Reihe von urkundlichen Beweifen vor, aus
denen Lukaris' calviniftifche Gefinnung deutlich hervorgeht
. Und daß Konopius ein Schwindler gewefen fei, ift
nicht fo ohne weiteres zu behaupten. Die von ihm für
das Jahr 1636 behauptete Synode zugunften feines Pa-

eerste helft der achttiende eetiw' (S. 479ff0 fchöpft fein
Material vor allem aus dem um 1738 anonym erfchienenen
Buche: ,Pseudo-Studiosus hodiernus sive Theologus Gro-
ninganus detectus et refutatus', das ohne Zweifel den 1803
hochbetagt als Professor honorarius in Rotterdam ge-
ftorbenen Petrus Hofftede (f. über ihn den vom Verfaffer
unferes Buches gefchriebenen Artikel in der Real-Ency-

klopädie, 3. Aufl. Bd. VIII S. 242 ff.) zum Verfaffer hat. tnarchen z. B. ift auch fonft bezeugt (Legrand IV, S. 432fr.).

In humorvoller Weife fchildert es den damaligen traurigen
Zuftand des theologifchen Studiums, für den fchon die
Aufzählung der Bücher eines Normalftudenten der Theologie
(S. 496) bezeichnend ift, macht aber auch bemerkenswerte
Verbefferungsvorfchläge und ift, obgleich es
hier und da offenbar karrikiert, für die in Frage ftehende
Materie eine vortreffliche Quelle.

Wir wünfehen van Veens Buche auch in Deutrchland
die verdiente Verbreitung. Der geringe Zeitaufwand, den
das Einlefen in die holländifche Sprache erfordert, belohnt
fleh reichlich durch den vielfach fo wertvollen Inhalt
.

Erichsburg b.Markoldendorf(Hann.).Ferdinand Co hrs.

Hitt £m»v. P.xx/.ijöii'.OTiy.hv jti Qioöixbv Ovyyna/ifia. TÖiioq
öevrtQoq 1905. (TEVoc ff—tjüvos a) 'favovctQtoc—
tpeßQovaQioq. 'Ev feQoooXvpoiq, Couvent Grec. (144 p.)

Auffallend bleibt ja nach der Publikation des Papadopulos,
daß Legrand diefe jetzt bekannt gegebenen Stücke nicht
fchon felbft veröffentlicht hat, zumal fie gegen feine Annahme
fprechen.

Außer diefem Artikel fei noch genannt die fachkundige
Studie über den Nomokanon des Photios von dem
Archimandriten Kalliftos. Die Unterfuchung ift noch
nicht abgefchloffen.

Den Auffätzen folgt eine Reihe von Urkunden, zu-
nächft die gritchifche Überfetzung einer Antwort der
ruffifchen Synode auf eine Plnkyklios des Patriarchen
Joachim III, fodann einige ältere, die fleh auf die Eigentumsrechte
an den heiligen Stätten in Jerufalem beziehen.

Hannover. Ph. Meyer.

Bojan, C, Les Bulgares et le Patriarche oecumenique ou

Comment le Patriarche traite les Bulgares. Leipzig,
Lex. 8° Jahrgang fr. 16— j Breitkopf & Härtel 1905. (XXXII, 143 p. m. 1 Bild.)

Man erkennt nicht, aus welchem Grunde diefes ein- *»r" ^ ^. 2.40

zelne Heft der Xea Sinn der deutfehen Theologie zur 1 Das in Sofia erfcheinende bulgarifche Journal ,Cer-
Kenntnis unterbreitet wird, ob etwa nur, um die Zeitfchrift i koven Viestnik' hatte in einer längeren Reihe von Artikeln
im ganzen bekannt zu machen oder um auf einzelne J eine Entgegnung gebracht auf die Note des ökumenifchen
Artikel hinzuweifen. Es mag daher zunächft mit Be- j Patriarchen Joakim III, die diefer am 21. Auguft 1903 an
Ziehung auf die Zeitfchrift im allgemeinen bemerkt , die Pforte und die Vertreter der fremden Mächte über die
werden, daß fie von orthodox-griechifcher Seite ausgeht j damaligen Unruhen in Mazedonien richtete. C. Bojan, über
und von dem .Couvent Grec- in Jerufalem herausgegeben , deffen Perfon aus der Schrift nichts näheres hervorwird
. Sie will wiffenfehaftliche Themata aus dem ge- ! geht, hat nun die Äußerungen des bulgarifchen Jour-

famten Gebiete der Theologie behandeln, doch namentlich
aus der Gefchichte, Archäologie und Topographie
Paläftinas. Daneben beachtet fie die gegenwärtigen Zu-
ftände der orthodoxen Kirche im allgemeinen und die
religiöfe und geiftige Entwicklung anderer Völker. Endlich
will fie eine Chronik der Kirche von Jerufalem bringen
. Sie erfcheint jeden zweiten Monat und koftet für

nals ins Franzöfifche überfetzt, um fie allgemein zugänglich
zu machen. Er hat es für nötig befunden, der Überfetzung
, die den Hauptteil des Buchs ausmacht, ein
apereu historique von 32 Seiten vorauszufchicken, das
eine Überficht über die Entwicklung der bulgarifchen
Frage gibt, natürlich vom Standpunkte der Bulgaren aus.
Die Schrift felbft beginnt mit dem Texte der er-

die Gebiete des Weltpoftvereins i6frs. wähnten Note, der als Anlage die Protefteingabe der

Nach dem vorliegenden Hefte zu urteilen, gehört die | 13 Metropoliten von Thrazien und Mazedonien beige-
Nea Siou zu den guten griechifchen Zeitfchriften. Ihre Hai- 1 fügt ift, die das den Griechen bzw. den Patriarchiften
tung ift würdig und wiffenfehaftlich, die Polemik maßvoll, j gefchehene Unrecht fchildert und dem Patriarchen den
Der bedeutendfte Artikel des Heftes ift der von dem j äußeren Anlaß gegeben hat zu feiner Note, in der er
Archimandriten Chryfoftomos A. Papadopulos (S. 17—35), j den Sultan und die Mächte um Abhülfe erfucht. Die
der den Titel hat: AxoXtryla KvqiXXov tov AovxaQtmg j Vorftellung der Metropoliten, die an diefer Stelle eben-
.-rarQiayyov KojvaravnvovstoXsmg. Wie fleh leicht den- j falls in franzöfifcher Überfetzung gegeben ift, findet fich
ken läßt, bemüht fich der Verfaffer, den ökumenifchen | am Ende des Buches auch im griechifchen Urtext. Dort

Patriarchen von dem Vorwurfe des Calvinismus zu entladen
. Er ift auch in anderen Zeitfchriften fchon in der
Richtung tätig gewefen. Auf einer Reife nach Genf hat
er Kenntnis genommen von dem dort befindlichen hand-

auch eine Lifte derjenigen Perfonen, die nach Angabe
des Patriarchen oder der Metropoliten bei den Unruhen
von den Bulgaren getötet find. Die Abficht der Schrift
nun ift es, die von dem Patriarchen und feinen Metro-

fchnftlichen Material über Lukaris, auf das auch Legrand j politen behaupteten Tatfachen zu widerlegen. Es find
lieh namentlich geftützt hat, als er in feiner Bibliographie j die Gegenfätze zwifchen Bulgaren und Griechen, Patri-
huuenique nachwies, daß der Patriarch Calvinift gewefen | archiften und Exarchiften, die da zur Verhandlung kom-
und die unter feinem Namen gehende Confessio wirklich • men. Um die Beweiskraft des Ausgeführten zu erhöhen,
verfaßt hat. Papadopulos veröffentlicht einen Brief Cyrills werden auf S. 47—119 nun bulgarifcherfeits alle Uber-
an die Brüderfchaft von Leontopolis von 1634, alfo aus | griffe der letzten Jahre aufgeführt, die fich die Griechen