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Ausgabe:

1906

Spalte:

603-605

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Veen, S. D. van

Titel/Untertitel:

Historische Studiën en Schetsen 1906

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Cos

Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 22.

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gab, ift doch der Ergänzung ebenfo bedürftig als wert.
In der Darftellung der Gefangennahme der drei Gefandten
der Proteftierenden in Italien bietet Schornbaum fehr
viel Neues, befonders auch, daß man endlich auf kaifer-
licher Seite erkannte, daß man fich nicht nur einer Rechtsbeugung
fchuldig gemacht hatte, fondern eine große po-
litifche Unklugheit begangen hatte. Aber es wäre gut
gewefen, wenn Schornbaum gefagt hätte, was das für
ein Büchlein war, das den Kaifer fo fehr erzürnte (S. 388
Z. 1). Dem Zufammenhang nach kann es nur das Appel-
lationsinftrument fein. Ebenfo ift dem Ref. dunkel, wer
H. Bock S. 123, 546, welcher neben Schnepf und Jonas
und Rurer dem Markgrafen zur Mitteilung der Punkte
an den Kaifer riet, in welchen man nachgeben könnte.

So wird er auch hier das evangelifche Bewußtfein mehr
gefördert, als gehindert haben. S. 88ff. gibt Veen einen
kurzen Überblick über den Inhalt der genannten Kirchenordnung
; auf eine etwaige Verwandtschaft mit anderen
Ordnungen geht er nicht ein, doch zeigt er, wie nun auf
Grund der Ordnung das kirchliche Leben, das vor allem
in den Synoden fich repräfentierte, in Stadt und Land-
Schaft Groningen fich entfaltet hat. Näher illustriert wird
es dann noch durch den folgenden Auffatz: ,Eene Diaconie
in de zeventiende eeuw' (S. 107fr.); vor allem zeigt die
S. 130 gegebene Überficht über die gefammelten Kollekten
u. dgl. den Gefchäftskreis und die Bedeutfamkeit
diefes im Zufammenhang mit der Reduktion und der
Kirchenordnung von 1595 entstandenen Amtes kirch-

S. 522 Anm.912 ift der ermordete ,markgräfliche' Prediger | licher Almofenpfleger. Und auch der Artikel: ,Een wees-

zu Hall in Sachfen nicht verftändlich. Es ift der Prediger
Winkler, den Erzbifchof Albrecht von Mainz 1527 nach
der Meinung der Evangelifchen umbringen ließ. Albrecht
war freilich auch ein Markgraf von Brandenburg (Köftlin-
Kavverau, Luther 25 105). Statt Bibrach S. 17 ff. 1. Biberach,
ftatt Krailsheim Crailsheim S. 33fr., S. 35 ftatt Kindfeck
Königsegg, S. 265 Z. 34 Göler, S. 303 Z. 19 Gerwick,

Iiuis in de zeventiende en aclittiende eeuiv' (S. I7lff.) gibt
uns einen Einblick in die rege Liebestätigkeit der Gro-
ninger Kirche. Schon 1621 wurde das fogenannte ,Groene
weeshuis' gegründet, fo genannt von dem grünen Kittel
der aufgenommenen Waifenkinder; 1638 wurde mit ihm
eine Waifenfchule verbunden, in der die in dem eigentlichen
Waifenhaufe nicht unterzubringenden Kinder

S. 177 Reiffteck, S. 491 Z. 28 ift Transfilvanus Zeven- 1 wenigstens Unterricht zunächst im Stricken — daher
bergen. auch ,Breide/iuis' genannt —, dann auch im Lefen und

Nabern. G. Boffert.

Veen, Prof. Dr. S. D. van, Historische Studien en Schetsen.

Groningen, J. B. Wolters 1905. (V, 503 blz.) gr. 8° fl. 4.90

Man wird dem Herrn Verfaffer dankbar fein, daß er
12 Auffätze, die er feit 1885 an den verfchiedenften und
für uns Deutfche entlegenen Stellen veröffentlicht hat,
jetzt zu einem Buche vereinigt herausgibt und dadurch
bequem zugänglich macht. Lauter höchft intereffante

Beiträge zur Gefchichte der niederländifchen Kirche, j Der fünfte und fechfte Auffatz betreffen die Kirchen-

Schreiben erhalten follten. Am 16. November 1660 aber
wurde ein zweites Waifenhaus, das fogenannte ,B/auw
Kinder Jinis'', befonders durch Joh. Martinus' Bemühungen
zuftande gekommen, eingeweiht. Aus feiner Gefchichte
Standen dem Herrn Verfaffer wertvolle Einzelheiten zu
Gebote. S. 188ff. weiß er von einem im Waifenhaufe
abgehaltenen Examen zu berichten, S. 198 f. gibt er das
Reglement für die für das Haus beftellten Chirurgen
wieder, S. 212 ff. eine ganz genaue Beftimmung über Lieferung
und Unterhaltung des Schuhzeuges der Kinder.

durchweg der Kirche zu Groningen und meift aus dem zucht. Der fünfte: Jets naar aanteiding van de Com*dien
17. Jahrhundert find es, die er uns vorlegt. te Groningen in de zeventiende eeuw' (S. 255 ff.) berichtet

Der erfte Artikel: ,De Reformatie der Kerken in k(t von einem öffentlich von der Kanzel verlefenen Erlaß

graafscliap Bingen' hat für uns befonderes Intereffe, weil
er ein Gebiet behandelt, das jetzt längfi dem deutfchen
Reiche angehört. Erft nach dem weftfälifchen Frieden
konnte in dem viel umhergeworfenen Lande, das noch

des Kirchenrats zu Groningen gegen Komödien, veranlaßt
durch eine bei der Hochzeitsfeier Johann Georg II.
von Anhalt-Deffau mit einer niederländifchen Prinzeffin
geplante Schaufteilung, die dann infolge des Erlaffes

bis 1632 wieder die Spanier in ungehindertem Befitz | unterblieb; der fechfte (S. 279ff.) knüpft an ein 1772 ergehabt
hatten, eine evangelifche Kirche begründet werden, fchienenes Pamphlet: ,De Menuet en de Domineespriul
Wie gewöhnlich, gefchah es auch hier durch eine Art j an, das eine Maßregelung des Älteften Hoifing geißelt,
Visitation, für die eine Deputation abgeordnet wurde. Ihre ! den der Kirchenrat von Groningen zur Rechenfchaft ge-
wtrtvollc Infarmatte over den staet der Kerken vant zogen hatte, weil er einen Ball gegeben. Aus der folgen-
Gracfscliap Bingen', die noch recht betrübende Verhält- den Abhandlung: Jets uit Jiet innerlijk Zeven der vater-
niffe offenbart, gibt, von forgfaltigen Anmerkungen be- landsclie Kcrk in de zeventiende eeuw' (S. 311 ff.) erfahren
gleitet, van Veen in extenso (S. 2Öff.) wieder. Der zweite ! wir, daß die füdholländifche Synode von Delft 1677
Auffatz: ,De Gerefonneerde Kerk van Groningen vöör en ' ernftlich um die Bekehrung der Juden Sich bemüht und
na de Reduelie' (S. 61 ff.) ift zuerft zur 300jährigen Jubel- , dabei, wie Veen mit Recht hervorhebt, nicht Zwangsfeier
der fogenannten Reduktion von Groningen im Jahre j maßregeln ins Auge faßt, fondern einen wahrhaft milden
1894 gefchrieben. Im Jahre 1579 war die Stadt der 1 Geift beweift. Die nächften Auffätze find mehr biogra-
Utrechter Union beigetreten, war dann aber 1580 durch ■ phifch gehalten. Der achte: ,Slappe tucht in dt zeven-

Verrat wieder in die Hände der Spanier geraten; am
22. Juli 1594 mußte Sie Sich jedoch endlich der langjährigen
Belagerung durch Wilhelm Ludwig und Moritz
von Naffau ergeben, und nun wurde ebenfo fchnell wie
energifch das evangelifche Kirchenwefen wieder einge

tiende eeuw' (S. 337 ff.) befchäftigt Sich mit Werner Wilh.
Cancrinus, feit 1682 Prediger in Wier, geft. 1731. Aber
es ift eine traurige Berühmtheit, die Veen hier fchildert:
daß die Gemeinde das ,slordig Zeven' des Cancrinus fo
lange Still ertrug, das ift die .slappe tuc/d', von der die

richtet, namentlich wurde die Groninger Kirchenordnung j Überfchrift des Auffatzes redet, und der Erfolg von

vom 27. Februar 1595 erlaffen. Im Hinblick auf die
vollständige Auflöfung der evangelifchen Verhältniffe vor
der Reduktion bewundert van Veen, daß die Gemeinde
gleich Solche Kraft habe entfalten können, und Sieht den
Hauptgrund darin, daß viele, die um ihres Bekenntniffes
willen geflüchtet waren und draußen ihrem Glauben treu
bleiben konnten, nun zurückgekehrt feien; doch hätten
Sie fchwerlich fo viel erreicht, wenn nicht auch in den
Zurückgebliebenen das evangelifche Bewußtfein lebendig
geblieben wäre; ja ift es nicht eine oft gemachte Erfah

Cancrinus' Wirksamkeit wird durch das Wort charakterisiert
: ,Dc foutcn van Beeraars ziju als de Beeraars van
fönten'. Anders der folgende Artikel (S. 365 ff.), der den
Bußprediger Jakob Hondius und namentlich fein 1679
herausgegebenes Buch, das ,Swart Register' behandelt; das
S. 371 f. abgedruckte Eingangsgedicht von Martinus van
Harlingen gibt am betten Zeugnis von dem hohen An-
fehen, in dem diefes Buch lange Zeit geftanden hat. In
feinem zehnten Auffatz (S. 4oa.ff.) fetzt van Veen dem
Wiedertäufer-Prediger Foecke Floris ein Denkmal, der,

rung, daß häufig der Druck der Fremdherrfchaft gerade j heute unbekannt, in feinen Tagen auf der friesländifchen
das Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen will? I Synode von 1687 der .wohlbekannte' genannt wurde. Er