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Ausgabe:

1906 Nr. 21

Spalte:

573-574

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kappstein, Theodor

Titel/Untertitel:

Buddha und Christus 1906

Rezensent:

Wurm, Paul

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 21.

574

Outoit, Gymn.-Lehrer Dr. Julius, Das Leben des Buddha.

Eine Zufammenftellung alter Berichte aus den ka-
nonifchen Schriften der füdlichen Buddhisten. Aus
dem Päli überfetzt und erläutert. Leipzig, Lotusverlag
1906. (XXIII, 358 S.) gr.8<> M.6-;geb.M. 7 —
Kappftein, Theodor, Buddha und Christus. Religions-
gefchichtliche Parallelen. (Das moderne Chriften-
tum. Herausgeber: Th. Kappftein. Erfte Serie.
Heft 5). Berlin, Hüpeden & Merzyn 1906. (V, 132 S.)
gr.8o M. r-

Seit Oldenberg feine treffliche Darftellung des
Buddha ausfchließlich auf die Pälifchriften des füdlichen
Buddhismus gegründet hat, ift in Deutfchland vielfach
die Meinung verbreitet, diefe älteften buddhiftifchen
Schriften enthalten nicht die Scholaftik und Phantafhk
der fpäteren Sanskritfchriften, fie umgeben das Leben
des Buddha nicht mit fo abgefchmackten Wundern u.
dgl. Darum ift es fehr dankenswert, daß nun diefe
Pälifchriften in einem Auszug, welcher das Wefentliche
aus dem Leben des Buddha enthält, in deutfcher Uber-
fetzung vorliegen. Denn die bisherigen umfangreichen
englifchen und deutfchen Überfetzungen waren für einen
größeren Leferkreis weniger zugänglich. Die Lefer
werden fich nun überzeugen, daß der Unterfchied
zwifchen diefen früheren und den fpäteren Schriften
nicht fo groß ift wie zwifchen den kanonifchen und
den apokryphifchen Evangelien, wenn auch die Wunder
in den älteren etwas fparfamer vorkommen, und daß
man auch hier durch langweilige fcholaftifche Wiederholungen
fich durcharbeiten muß um die Goldkörner
der Wahrheit zu finden, daß auch hier die Wunder nicht
zum Wohl der Menfchheit gefchehen, fondern nur zur
Verherrlichung des Religionsftifters, und daß die ganze
phantaftifche buddhiftifche Kosmographie fchon in den
frühesten Schriften enthalten oder vorausgefetzt ift. Du-
toit gibt in der Einleitung eine dankenswerte Überficht
über die Päliliteratur und erklärt durch Anmerkungen
und ein gutes alphabetifches Regifter die Stellen, welche
den Lefern unverständlich fein könnten. — Wir möchten
wünfchen, daß alle Lefer von Kappfteins ,Buddha
und Chriftus' vorher die Auszüge aus den älteften
buddhiftifchen Schriften gelefen hätten, welche Dutoit
in dem vorhin befprochenen Buche gibt. Es würden
wohl die wenigsten der Behauptung Kappfteins S. 1
zustimmen, daß ein offenkundiges Abhängigkeitsverhältnis
zwifchen beiden Lebensläufen und Religions-
fyftemen' bestehe. Kappftein behauptet S. 2, ähnlich
wie Friedr. Delitzfch im Babel-Bibelftreit, ,der kirchliche
Begriff der Offenbarung gehe durch diefe religions-
gefchichtliche Parallele irreparabel in die Brüche'. Die
Theologen find darüber einig, daß das Christentum die
religionsgefchichtliche Parallele nicht zu fcheuen
hat, und daß dabei die Offenbarung nicht in Betracht
kommt, aber wer ein Abhängigkeitsverhältnis
zwifchen beiden Lebensläufen und Religionsfyftemen behauptet
, der muß gefchichtliche Mittelglieder zwifchen
Indien und Palästina nachweifen, und das tut Kappftein
mit keiner Silbe. Dadurch daß eine Behauptung in
populären Schriften und Zeitungsartikeln oft wiederholt
wurde, ift fie noch nicht bewiefen. Die religionsgefchichtliche
Parallele aber follte nicht auf einzelne Ge-
fchichten und Sagen gegründet werden, fondern auf die
religiöfen Grundgedanken auf beiden Seiten, hier be-
fonders auf Sunde und Erlöfung, und neben der Übereinstimmung
auch die Unterfchiede klar machen. Das
fehlt ebenfalls bei Kappftein. Auch in einzelnen Ver-
gj^'chungspunkten vermiffen wir eine deutliche Gegenüberstellung
, z. B. bei der Geringfchätzung des weib-
*,chen Gefchlechtes in Buddhas Äußerungen (S. 21 f.)
Wenn Kappftein feine Gelehrfamkeit über die Bhagavad-

Gita, über neuteftamentliche Zeitgefchichte und über die
apokryphifchen Evangelien beibringt, fo kann das die
mangelhafte Behandlung des Themas nicht erfetzen.

Calw. P. Wurm.

Benzinger, Lic. Dr. J., Gefchichte Israels bis auf die griechische
Zeit. (Sammlung Göfchen Nr. 231.) Leipzig,
G. J. Göfchen 1904. (158 S.) kl. 8° Geb. M. —80

Staerk, Lic. Dr. W., Die Entftehung des Alten Teltaments.

(Sammlung Göfchen Nr. 272) Leipzig, G. J. Göfchen
1905. (170 S.) kl. 8° Geb. M. —80

Die Neigung, die Refultate der modernen Forfchung
auch weiteren Kreifen zugänglich zu machen, hat auch
diefe beiden Schriften hervorgerufen. Sie bieten vieles
verwandte, doch beftrebt fich Staerk, der modernen
Auffaffung ftärker entgegenzukommen, als es bei Benzinger
fühlbar ift. Letzterer rückt von Guthe nur wenig
ab, bei Staerk tritt das Bestreben, dem Allerneuesten zu
folgen, energifcher hervor. Ich würde z. B. nicht wie er
im Richterbuch die Aufrollung der Entwicklung des
Buches nach vorn zu mit der Bearbeitung von P beginnen
, die doch nur eine fehr untergeordnete Rolle
fpielt, würde auch nicht die Meinung vertreten, daß das
Jefaiabuch einer festen und erkennbaren echten Grundlage
entbehre, daß Schriften wie das Jeremiabuch eigentlich
nie ganz fertig geworden feien, etc. Bei Benzinger
ist mir die Behauptung aufgefallen, daß Jeremia erst am
Ende der Regierung Jofias aufgetreten fei, tatfächlich
war es doch ungefähr die Mitte. Um fo fympathifcher
ift mir gegenüber Duhm und nun auch Cornill der
Satz, daß Jeremia dem Deuteron, urfprünglich freundlich
gefinnt gewefen fei. In bezug auf die nachexilifchen Er-
eigniffe wird erklärt, daß die Rückkehr unter Sefchbaffar
erfolgt fei; die Ereigniffe unter Artaxerxes I. arrangiert
er fo, daß Efra nach Nehernia kam, nämlich ao. 432,
aber was macht man dann mit der Erzählung Neh. 8—10?
Erfreulich ift, daß die Phantasien über den Märtyrertod
des Serubbabel ganz unter den Tifch fallen.

Königsberg. Giefebrecht.

Marti, Prof. D. Karl, Die Religion des Alten Teltaments
unter den Religionen des vorderen Orients. (Zugleich Einführung
in den ,Kurzen Handkommentar zum Alten
Testament'.) Tübingen, J, C. B. Mohr. 1906. (VII, 88 S.)
Lex. 8° M. 2—; geb. M. 3 —

Wer Martis Gefchichte der ifraelitifchen Religion
kennt, wird hier nicht viel Neues erwarten. Diefe ilt ja
im wefentlichen ein forgfältiges und empfehlenswertes
Buch, das die Selbständigkeit der ifraelit. Religion gegenüber
den anderen Religionen des alten Orients anerkennt
und fich von den modernen Extravaganzen des Panbaby-
loniften ebenfo frei hält, wie von denjenigen der My-
thographen im Stil Gunkels, Jeremias' in Leipzig u. a.
Forfcher. In 4 Abfchnitten verläuft die Darstellung nach
einer orientierenden Einleitung: 1) die Nomadenreligion,
2) die Bauernreligion, 3) die Prophetenreligion, 4) die
Gefetzesreligion. Dann folgt ein Rückblick und Ausblick
auf das Christentum. — Ich bedauere, mich der Einteilung
nicht anfchließen zu können. Sie zerstückelt zu
stark, wie fich namentlich beim Übergang auf die
Prophetenreligion zeigt. Die treibenden Kräfte diefer
eigentümlichen Religion treten zu wenig hervor. Nomaden
- und Bauernreligion bezeichnen zwar das Milieu,
auf dem fich die einzelnen Phafen diefer Religion entfalten
, aber fie find für das eigentliche Welen Israels
und feiner Religion doch nur akzidentell. Ich habe
fchon einmal in meiner ,Gefchichtlichkeit des Sinaibundes
' diefen Fehler der neueren Darstellung, auch
unter Anführung und Bekämpfung Martis hervorgehoben