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Ausgabe:

1906 Nr. 17

Spalte:

484-485

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loesche, Georg

Titel/Untertitel:

Monumenta Austriae evangelica. 2. Durch literarische Nachweise ergänzte Auflage 1906

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 17.

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kurator des deutfchen Ordens nach Rom, von wo aus
er fehr intereffante Berichte vom römifchen Hofe zu
geben weiß. Hier wirkt er dann in der durch Schulte
bekannt gewordenen Weife für Albrecht v. Mainz. Die
zweite Periode feines Lebens fpielt in den Oftfeeprovin-
zen. B. wird Bifchof von Reval und von Dorpat, dann
1524 Erzbifchof von Riga (unter Beibehaltung von Dorpat,
Reval tritt er ab). Aber nun ereilt ihn fein Schickfal,
die Städte empören fich, die Reformation dringt vor,
der neu gewählte Herr von Riga, Walter von Plettenberg,
nimmt ihn gefangen, um ihn nur unter Verzicht auf alle
weltliche Macht freizulaffen. Nach vergeblichem Ver-
fuche, wieder hochzukommen, ftirbt B. 1527 in Torquemada.
— Gegen die Bezeichnung der kurialiftifchen Mache im
Mainzer Handel als ,fimoniftifch' (S. 26) hat Nie. Paulus
im Hiftor. Jahrbuch 1905 S. 848 kirchenrechtliche Bedenken
erhoben; fachlich macht der eventuelle Fortfall
diefes terminus nicht viel aus, fchmutzig bleibt der Handel.

4. Benraths Arbeit eröffnet die vom Verein für Re-
formationsgefchichte befchloffene Serie von Schriften
,zum Verftändnis und zur Abwehr', gerichtet gegen Denifies
Lutherwerk. Mit vollem Recht betont B. in feinem Vorwort
, daß ,unfer Verein eine folche Schrift nicht ignorieren
kann'. Geplant find außer der vorliegenden, die
.Luthers Leben und Entwicklung im Klofter bis zum
Bruch mit der katholifchen Kirche oder genauer, bis er
fein Mönchsleben umwandelt in ein chriftliches Familienleben
' neu prüft, Arbeiten über Luther und die Ehe,
Luther und die Lüge, und feine religiöfe und theologifche
Entwicklung vor dem Thefenanfchlag. Diefem Plane
entfprechend fcheidet B. aus feiner Arbeit alle Luthers
Theologie betreffenden Fragen aus und behandelt nur
die äußere Gefchichte des Lutherfchen Mönchtums, in
fehr gefchickter, für den Nicht-Fachmann außerordentlich
klarer Darfteilung, im wefentlichen naturgemäß auf die
frühere Forfchung fich ftützend, fpeziell auf Kolde und
Oergel. Ob er diefem nicht ein wenig zu unbedingt gefolgt
ift? Daß Luther im Klofter von vorneherein zum Kleriker
beftimmt gewefen fei, ift immerhin noch ftrittig (f. meine
Ausführungen gegen Oergel in Ztfchr. f. Kirchengefch.
Bd. 22). — In hoch erfreulichem Maße ift das ,zum Verftändnis
'auch aufDenifle und feinen Anhang angewandt;
was hier anzuerkennen war, wird offen anerkannt (vgl.
S. 16 die Anerkennung mittelalterlicher Frömmigkeit und
der Strömung der Erneuerung und Aufraffung in den
Mönchsorden am Ausgang des Mittelalters, S. 32 über
Luthers Urteile über feine Klofterzeit, S. 39, S. 84 f.).
Der .Abwehr' gilt eine kurze, aber treffende Ausführung
über den Mönchsftand als .Stand der Vollkommenheit'
(S. 17), die Erörterung über den Beweggrund für Luthers
Eintritt ins Klofter (S. 28ff), über die Mönchstaufe (S. 37),
feine Tätigkeit (S. 61 ff.), angebliche gefchlechtliche Verfehlungen
(S. 64), insbefondere den Begriff der Begier-
lichkeit, endlich über die Schrift de votis monasticis. Ein
wenig zu fcharf betont fcheint mir S. 20ff. die Abrückung
Luthers von den Erfurter Jungen' d. h. den Humaniften.
Leicht zu einem Mißverftändnis bei nicht Sachkundigen
kann die im Zufammenhange (S. 7) durchaus gerechtfertigte
Bemerkung über Denifies zweite Abteilung des
erften Bandes führen. Mit Luthers Leben hat fie allerdings
nichts zu tun, für Benraths Zwecke brachte fie nichts,
aber ich fürchte, namentlich angefichts der Ausfälle von
W. Walther im Theol. Literaturblatte 1905 Nr. 45, daß fie
überhaupt für die Lutherforfchung als bedeutungslos
unbeachtet bleibt. Das aber wäre fehr zu bedauern.
M. E. fleht diefe Abteilung wiffenfehaftlich am
höchften;1 denn fie ift ein ausgezeichneter Beitrag zur
Gefchichte des Paulinismus im Mittelalter; aus dem aber
ift Luther heraus gewachfen.

5. Friedensburgs hübfehes Schriftchen überragt den
Durchfchnitt der ,Volksfchriften' des Vereins für Refor-

1) In diefem Sinne hat fich inzwifchen auch Brieger (Z. K. G. XXVI,
382 ff.) ausgefprochen.

j mationsgefchichte erheblich; das zeigt fchon rein äußer-
j lieh die Quellenaufzählung am Anfange. Die Darfteilung
| fetzt ein bei dem Erfcheinen des Peter Faber auf dem
j Wormfer Religionsgefpräch von 1540; während er fonft
I mehr als kühl empfangen wird, zieht er die Aufmerk-
I famkeit Morones auf fich; diefer erbittet fich als Gehülfen
feiner Nuntiatur einige diefer ,fpanifchen Priefter'; fo
kommen Nie. Bobadilla und Claudius Jajus nach Deutfch-
land. Fr. verfolgt nun zuerft die Tätigkeit Bobadillas
(1542—48), vornehmlich auf Reichstagen; als er dem
kaiferlichen Interim entgegenzutreten wagt, läßt ihn der
Kaifer über die Grenze fchaffen. Inzwifchen ift durch
Fabers Genoffen der erfte .deutfehe' (tatfächlich ein Niederländer
) Jefuit Kanifius für den Orden gewonnen worden
, der Verfuch einer Ordensniederlaffung in Köln war
gemacht worden, gewinnt aber erft 1552 fetteren Boden.
Jajus wirkt 1542—46 in Oberdeutfchland mit ziemlichem
Erfolge namentlich bei dem Augsburger Bifchof Otto
von Truchfeß. Ein Schlußabfchnitt behandelt die Ver-
fuche zur Errichtung von Kollegien in Bayern und Öfterreich
. Mit Recht legt Fr. Nachdruck darauf, zu zeigen,
daß der Jefuitismus nur unter Kämpfen (auch in Bayern
z. B.) Boden gewann.

Die fchmucke Ausftattung des Fr.fchen Heftes zeigt,
daß der Verein einen neuen Verleger in Rud. Haupt
gewonnen hat. Es ift ein Verlag, der fich fpeziell der
Reformationsgefchichte gewidmet hat und mit fichtlichem
Intereffe die Vereinsarbeit zu fördern beftrebt ift. Möchte
das gelingen! Der Verein findet leider noch immer nicht
die Unterftützung feitens des gebildeten Publikums, die
er verdient.

Gießen. Köhler.

Loesche, Prof. Dr. Georg, Monumenta Austriae evangelica.

Feftrede bei der Feier des 25jährigen Beftehens der
Gefellfchaft für die Gefchichte des Proteftantismus
in Öfterreich. 2. Durch literarifche Nachweife ergänzte
Auflage. (Aus: Jahrbuch der Gefellfchaft für die Gefchichte
des Proteftantismus in Öfterreich.) Bielitz,
W. Fröhlich 1905. (28 S. mit 1 Tafel.) gr. 8n M. — 50

Die Feftrede anläßlich des 25jährigen Beftehens
der Gefellfchaft für die Gefchichte des Proteftantismus
in Öfterreich hat Loefche zur Entwicklung eines grandiofen
kirchenhiftorifchen Programmes benutzt. Er plant eine
,einheitliche proteftantifche Limesforfchung' zur öfterrei-
chifchen Kirchengefchichte, umfaffend Bibliographie,
Kirchen-Ordnungen und Agenden, Regelten, die wichtigften
Urkunden und Akten, eine Gefamtdarftellung. Meifter-
haft in Knappheit und Präzifion entwickelt Loefche die
einzelnen Forderungen, zeigend, wo ,noch etwas zu
machen ift', und wie es gemacht werden muß, zeigend
auch, was für die öfterreichifche Gefchichte bisher erarbeitet
wurde. Diefe — in der zweiten Autlage noch reichlich
vermehrte — Überficht über den Stand der Arbeit
zur öfterreichifchen Kirchengefchichte wird jeder dankbar
begrüßen, der hier irgendwie Fühlung zu nehmen hat.

Der Kühnheit feines Programms ift Loefche fich
wohl bewußt: ,Wir haben kein Vermögen. Wir haben
keine Mäcene. Wir haben keine Subventionen. Selbft
unfere Diafpora hilft uns nicht genügend, das Zerftreute
zu fammeln' (S. 22)— aber trotzdem ein freudiges Dennoch
! und die Hoffnung auf Vollendung des Planes zur
50jährigen Jubelfeier der Gefellfchaft. Möchte diefer
warme Patriotismus und zugleich glaubensfreudige Proteftantismus
fein Ziel erreichen! Baufteine können auch
von uns in Deutfchland geliefert werden, das haben die
Arbeiten von Boffert und Buchwald im Jahrbuch der
Gefellfchaft gezeigt. Die Territorialkirchengefchichte follte
allenthalben der Gefchichte der öfterreichifchen Exulanten
nachgehen, ein Spezialproblem der heffifchen Kirchengefchichte
find die Beziehungen der heffifchen Täufer zu