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Ausgabe:

1906 Nr. 17

Spalte:

476

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dalman, Gustaf

Titel/Untertitel:

Grammatik des jüdisch-palästinischen Aramäisch nach den Idiomen des palästinischen Talmud, des Onkelostargum und Prophetentargum und der Jerusalemischen Targume. Zweite Auflage, vermehrt und

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 17.

476

tigen und reichen Orientierung über die Gefchichte der
Juden im Mittelalter und in der Neuzeit beruht. Durch
eine Fülle von Artikeln über Länder, Städte und Perionen
wird darüber Auffchluß gegeben. Von Ländern
und Provinzen find in diefem Bande behandelt: Texas,
Thessaly, Tunis (S. 271—277), Turkey (S. 279—291), United
States (S. 345—378, mit einer Karte, welche die ver-
fchiedenen Stadien der jüdifchen Einwanderung nach
Amerika darftellt; bis 1800 find fie faß ganz auf die
Küftengegenden befchränkt, feitdem dringen fie in großer
Menge auch ins Innere vor), Utah, West Indies, Württemberg
, Yemen. — Städte mit einem Prozentfatz jüdifcher
Einwohner find: Temeswar, Tiberias, Toledo, Tortosa,
Toulouse, Tours, Tripoli, Troki, Troyes, Tadelet, Turin,
Tyre, Ulm, Urbino, Utrecht, Valencia, Valladolid, Venice
(S. 408—416), Verona, Vienna (S. 427—439), Warsaw,
Washington, Wetzlar, Wiesbaden, Wilna, Winchester,
Worms, Würzburg, Xanten, Yarmouth, Yekaterinoslaf,
York, Zhitomir. — Auf die große Maffe von Artikeln
über einzelne Perfonen kann hier nur kurz hingewiefen
werden. Einer der bedeutendften in diefem Bande behandelten
jüdifchen Gelehrten ift Zunz (S. 699—704);
Familien, die durch zahlreichere Mitglieder vertreten
find, find z. B. Treves, Warburg, Weil/, Weiss, Wertheimer
, Wolf Wolff, Worms. Berühmte Schriftfteller,
die mit jüdifchen Dingen fich befchäftigt haben, find
Voltaire und Zola; von chriftlichen Gelehrten kommen
in diefem Bande vor: Taylor, Tychsen, Ugolino, Vatke,
Vitri?iga, Walton, de Wette, Joh. Chr. Wolf Wünsche
und der Cardinal Ximenes. — Zur neueren Gefchichte
der Juden gehören auch die Artikel über jüdifches Ver-
einswefen {Verein [verfchiedene], Young men's hebrew
association). Der Artikel Universities gibt Nachweife
über den Prozentfatz der jüdifchen Studenten an den
Univerfitäten, der Art. Zionism (S. 666—686) orientiert 1
fehr eingehend über die neueren .nationalen' Beflrebungen j
der Juden. — Zur Ergänzung des über die wiffenfchaft- |
liehen Beflrebungen der Juden Gefagten dienen die Artikel
Translations (in/o Hebrew und from the Hebrew), j
und Typography (S. 295—335, der ausführlichfte Artikel
des ganzen Bandes, mit zahlreichen Fakfimilies hebräi- |
fcher Drucke).

Auf die Erläuterung der Artikel durch Illuftrationen I
ift zum Teil fchon hingewiefen worden. Fakfimiles alter
Drucke geben außer dem eben genannten Artikel Typo-
graphy z. B. auch die Artikel Talmud und Title-page. j
Häufig find wichtigere jüdifche Gebäude in den Artikeln
über die betreffenden Städte abgebildet (z. B.
Venice, Vienna); zuweilen auch Typen jüdifcher Männer
und Frauen (Art. Tunis; die composite Portraits in dem
Artikel Types kann ich nur für eine Verirrung halten).
Von einem mir bisher unbekannten Innrumente, nämlich
einem Handweifer, der beim Vorlefen im Synagogen-
Gottesdienft benützt wird, um das Abirren des Auges
zu verhüten, find S. 579 (Art. Yad) intereffante Proben
abgebildet. — Von den Reliefs des Titusbogens wird
S. 165 eine ältere und vor dem Titelblatt eine neuere
Abbildung gegeben.

Möchte das gehaltreiche Werk dazu dienen, auch
in den Kreifen der chriftlichen Theologen die Kenntnis
jüdifcher Dinge immer mehr zu verbreiten.

Göttingen. E. Schür er.

Brockelmann, Carl, Syrifche Grammatik. Mit Paradigmen,
Literatur, Chreftomathie und Gloffar. Zweite vermehrte
und verbefferte Auflage. (Porta linguarum
orientalium V.) Berlin, Reuther & Reichard 1905.
(XVI, 144 198 *S.) 80 M. 8—; geb. M. 8.8p

Schon nach fünf Jahren ift von diefer ausgezeichneten
Grammatik eine neue Auflage notwendig geworden, ein
Beweis, daß fie fich rafch eingebürgert hat, und daß das

Studium diefes wichtigen femitifchen Dialektes in erfreulichem
Auffchwunge begriffen ift. Der Verfaffer hat
viele Teile der Formenlehre umgeftaltet und erweitert,
die Syntax ausführlicher dargeftellt und in der Auswahl
der Lefeftücke zweckentfprechende Änderungen vorgenommen
. Als erfreulichfte Änderung betrachte ich die
Beigabe vollftändiger Verbalparadigmen. Wenn man
noch einen Wunfeh äußern dürfte, fo wäre es der, die
Laut- und Formenlehre noch fchlichter und einfacher
zu halten. Die Grammatik wird dann freilich ein weniger
wiffenfehaftliches Ausfehen erhalten, aber der weit überwiegenden
Mehrzahl der Benutzer, welche weder Philologen
find, noch es werden wollen, wird damit am beften
gedient fein.

Gießen. Fr. Schwally.

Dalman, Guftaf, Grammatik des jüdifch-paEäTtinifchen Ara-
mäilch nach den Idiomen des paläftinifchen Talmud,
des Onkelostargum und Prophetentargum und der
Jerufalemifchen Targume. Zweite Auflage, vermehrt
und vielfach umgearbeitet. Leipzig, J. C. Hinrichs'fche
Buchhandlung 1905. (XVI, 419 S.) gr. 8°

M. 12—; geb. M. 13 —

In der Anlage diefer Grammatik, deren erfte Auflage
1894 erfchienen ift, hat fich nichts geändert. Deshalb
kann ich in diefer Beziehung auf die Befprechung
der erften Auflage verweifen (fiehe diefe Zeitung, Jahrg.
1895, Spalte 634), und mich darauf befchränken, das Maß
der Weiterarbeit des Verfaffers zu fkizzieren. Diefelbe
ift recht umfangreich ausgefallen, wie fchon der um
vier Bogen gewachfene Umfang zeigt, und zwar dehnt
fie fich auf alle Teile aus, die .Einleitung', Schrift- und
Lautlehre fowie die Lehre vom Nomen und vom Verbum.
Die Überzeugung des Verfaffers von dem überragenden
Werte der Sprache des paläftinifchen Talmud für den
befchriebenen Dialekt hat fich ihm immer mehr be-
ftätigt. Und mit Recht, denn die Targume büßen an
Wert fchon allein dadurch erheblich ein, daß fie eben
Uberfetzungsliteratur find. Die jemenifche Tradition
ift noch gründlicher als früher ausgebeutet, und vor allem
das Prophetentargum jetzt in vollem Umfange herangezogen
, wofür die Textausgaben von Prätorius, Wolffohn,
Silbermann und Ginsburger wertvolles, kritifch gefich-
tetes Material darboten. Auch nach der grammatifchen
und lexikalifchen Seite ift unfere Kenntnis des jüdifchen
Aramäifch in den letzten zehn Jahren außerordentlich gefördert
worden, hervorgehoben fei nur das brauchbare
,Aramäifch -Neuhebräifche Wörterbuch' des Verfaffers
(zwei Teile, Frankfurt a. M. 1897. 1901, J. Kauffmann),
fowie F. Landauer's höchft zuverläffige ,Maforah zum
Onkelos', Amfterdam 1896. Dagegen konnte D. die
Gießener Differtation von Manaß Neumark, Lexikalifche
Unterfuchungen zur Sprache des jerufalemifchen Penta-
teuchtargum (Berlin 1905, Poppelauer) leider noch nicht
benutzen.

Das Buch von Dalman hat fehr fruchtbar gewirkt
und wird es auch noch weiter tun. Um fo mehr, als
die Gelehrten, wenn nicht alle Zeichen trügen, der fchier
zu Tode gehetzten Literar- und Textkritik des Alten
Teftaments überdrüffig, fich mehr und mehr wieder dem
Studium des talmudifchen und rabbinifchen Schrifttums
zuzuwenden fcheinen.

Gießen. Fr. Schwally.

Wilke, Privatdoz. Lic. Fritz, Jefaja und Affur. Eine exe-
getifch-hiftorilche Unterluchung zur Politik des Propheten
Jefaja. Leipzig, Dieterich'fche Verlagsbuchh. 1905.
(128 S.) gr. 8° M. 3 —

Es war ein glücklicher Gedanke, einmal die Wirk-
famkeit des Propheten Jefaja wefentlich vom politifchen